Dax-Panik einmal anders

Mark Ehren

Stand: 24.01.2008, 20:02 Uhr

Am deutschen Aktienmarkt übernahmen am Donnerstag die Bullen das Kommando. Das wurde auch Zeit. Denn an den sieben vorangegangenen Handelstagen hatte der Dax zusammen genommen mehr als 1.300 Punkte eingebüßt.

Im späten Handel auf dem Frankfurter Börsenparkett legte der L-Dax weitere vier Stellen auf 6.825 Punkte im Vergleich zum Xetra-Handel zu. Bereits im elektronischen Handelssystem hatte Deutschlands Aktienindex "Nummer eins" 381 Zähler hinzugewonnen.

"Heute sehen wir so etwas wie eine Panik in die entgegengesetzte Richtung. Manche denken, es sei zu schwarz gemalt worden", sagte ein Marktteilnehmer. Nicht so positiv äußerte sich ein Händler: "Ich glaube, die Erholung steht auf ziemlich wackeligen Beinen". Entscheidend für die Entwicklung in den kommenden Wochen seien der Fortgang der Berichtssaison sowie Konjunkturdaten.

Hauptsache Allianz-Aktionär

Rückenwind gab es durch die überraschend vorgelegten vorläufigen Jahresergebnisse des Allianz-Konzerns. Der Finanzdienstleister konnte im vergangenen Jahr seinen Gewinn um 14 Prozent auf acht Milliarden Euro nach oben schrauben. Die Tochter Dresdner Bank musste im vierten Quartal insgesamt 900 Millionen Euro abschreiben. Diese stehen im Zusammenhang mit der US-Hypothekenkrise und den Turbulenzen an den Börsen. Das ist wesentlich mehr als der Konzern im November erwartet hatte. "Die Zahlen sind operativ gut. Es gibt keine Gewinnwarnung, das sorgt für Erleichterung", sagte ein Händler. "Die erwarteten Abschreibungen sind etwas mehr als geschätzt, aber nicht dramatisch. Damit kann man noch leben", ergänzte er. Die Allianz-Aktie gewann mehr als elf Prozent.

Hannover Rück gibt Entwarnung
Auch von einem anderen Versicherungstitel, gab es gut Nachrichten. "Wir haben kein nennenswertes Engagement bei Ramsch-Hypotheken oder bei versicherten Anleihen - das hat sich nicht geändert", sagte Finanzvorstand Elke König am Donnerstag in einem Reuters-Gespräch. "Ich sehe keinen fundamentalen Grund für die Entwicklung des Hannover-Rück-Kurses in den letzten Wochen und betrachte das als Kollateralschaden, der von der Finanzmarktkrise herrührt", ergänzte er.

Das Zahlenwerk des Handyherstellers Nokia kam ebenfalls gut an der Börse an. Der Konzern hat im vierten Quartal seinen Nettogewinn gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 44 Prozent auf mehr als 1,8 Milliarden Euro nach oben geschraubt.

Neues von der Konjunktur
Die uneinheitlichen Konjunkturdaten aus Amerika wurden vom Markt praktisch ignoriert. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung in der vergangenen Woche mit 301.000 niedriger als von Volkswirten erwartet. Von US-Immobilienmarkt gab es dagegen schon wieder enttäuschende Nachrichten. So sank die Zahl der verkauften bestehenden Häuser im Dezember stärker als prognostiziert.

Ganz vorn im Dax lag die Aktie der Deutschen Börse. Kein Wunder: Die beiden letzten Börsentage waren schließlich sehr turbulent, die Handelsumsätze deshalb auch sehr hoch. Für die Deutsche Börse war das sehr positiv: "Die verdienen sich gerade eine goldene Nase", sagte ein Händler mit Blick auf die Rekorde beim Handelsvolumen. Daran wollten Anleger mitverdienen; die Aktie legte zeitweise zehn Prozent zu.

Post schreibt 600 Millionen auf US-Geschäft ab
In dem guten Umfeld konnte selbst die Post zulegen. Dabei gab es schlechte Nachrichten. Die Deutsche Post hatte mitgeteilt, sie müsse eine Wertberichtigung des Anlagevermögens von rund 600 Millionen Euro für das Expressgeschäft in Amerika vornehmen. Das werde sich auch auf das Netto-Ergebnis für 2007 auswirken. Dennoch soll die Dividende soll um 20 Prozent auf 90 Cent je Aktie angehoben werden. Positiv wurde auch gewertet, dass die Post Teile ihrer weltweiten IT-Aktivitäten an den US-Konzern HP auslagern will. Dadurch will der Konzern über sieben Jahre verteilt mindestens eine Milliarde Euro einsparen.

Siemens über Erwartungen
Siemens-Aktien konnten von ihrer wachstumsstarken Zwischenbilanz profitieren. Der Technologiekonzern hat im ersten Geschäftsquartal Gewinn und Umsatz kräftig gesteigert und dabei die Erwartungen der Analysten großteils übertroffen. Für die Zukunft hat der Konzern die Margenziele angehoben, obgleich wichtige Bereiche nicht einmal die alten Ziele erfüllten. Der Konzern hält heute seine Hauptversammlung ab. Der neue Siemens-Vorstandschef Peter Löscher machte dort der früheren Unternehmensführung im Zusammenhang mit der Schmiergeldsaffäre schwere Vorwürfe.

Sehr stark waren auch Tui-Aktien. Die Papiere profitierten laut Händlern von der Markerholung und dem Dividendenvorschlag. Die Bestätigung der Ziele in der Touristiksparte sei dagegen keine große Überraschung und klinge ähnlich wie die Äußerungen anderer Unternehmen. Der Aufsichtsrat hatte die Absicht des Vorstands, für das Geschäftsjahr 2007 wieder eine Dividende von 25 Cent je Aktie zu zahlen, gebilligt.

Puma übertrifft Erwartungen
Im MDax war Puma obenauf. Der Sportartikelkonzern hat den Umsatz im Zeitraum von Oktober bis Dezember um zehn Prozent auf 504 Millionen Euro nach oben geschraubt, wie die französische Puma-Mutter PPR am Donnerstag in Paris mitteilte. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt nur mit 479 Millionen Euro gerechnet. Laut PPR wird Puma seinen Umsatz und Gewinn im laufenden Jahr steigern.

AT&S bestätigt Gewinnziel
Im TecDax lieferten sich die Aktien von AT&S und Software AG ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Spitzenplatz. Dabei bezeichneten Händler die am Morgen präsentierte Zwischenbilanz von AT&S als "insgesamt unspektakulär". Allerdings habe der Überschuss die Erwartungen deutlich übertroffen. "Der kräftige Kurssprung ist wohl eher auf die Erholungsstimmung des Gesamtmarktes zurückzuführen", sagte der Händler.

Software AG voller Zuversicht
Die Aktie der Software AG erkämpfte sich zeitweise ein Plus von dreizehn Prozent. Händler bezeichneten die Geschäftszahlen des zweitgrößten deutschen Softwarekonzerns für das Geschäftsjahr 2007 als im Rahmen der Markterwartungen liegend. Aber an der Börse wurde der optimistischere Ausblick für das Geschäftsjahr 2008 honoriert sowie die etwas besseren Lizenzumsätze.

Hirsch ist pleite
Die Aktie des Modeunternehmens Hirsch brach dagegen ein. Die Unternehmen hat Insolvenz angemeldet. Die Großaktionäre hätten sich nicht auf die gemeinsame Finanzierung des Sanierungskonzeptes einigen können, teilte Hirsch mit.

Dax-Chart realtime

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USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen 08/18 vorläufig, 16 Uhr