Dax orientierungslos

von von Lothar Gries

Stand: 24.09.2007, 20:05 Uhr

Vor den morgen erwarteten Konjunkturdaten aus Deutschland und Amerika haben sich die Anleger Dax am Montag zurückgehalten. Zudem verhinderten Sorgen über milliardenschwere Belastungen bei den Banken ein Überspringen der Marke von 7800 Punkten.

Auch im Späthandel mangelte es dem Dax deutlich an Impulsen. "Es sind fnur wenige Investoren am Markt. Es gibt keinen Grund zu kaufen oder zu verkaufen", sagte ein Händler. Folglich ging der Leitindex mit einem leichten Minus von 0,22 Prozent bei 7772 Punkten aus dem Handel. Zu den größten Verlierern zählten die Finanzwerte wie die Commerzbank und die Deutsche Bank. Der Grund sind Sorgen über milliardenschwere Belastungen in Folge der Finanzkrise. "Momentan weiß einfach keiner wie es weitergeht", sagte ein Händler. Gefragt waren dagegen die Papiere der Deutschen Börse, die sich mit einem Plus von 3,6 Prozent an die Spitze der Dax-Gewinner setzte. Händler verwiesen auf positive Kommentare der Citigroup. Zudem habe die Börse zuletzt immer wieder mit guten Nachrichten aufgewartet. Auch die BMW-Aktien standen mit einem Aufschlag von 3,6 Prozent auf der Gewinnerseite. Das US-Anlegermagazin "Barron's" hatte berichtet, der Autobauer werde im Oktober eine neue Zielmarke für die Rendite bekanntgeben. In den Blick der Anleger gerieten auch die Papiere des Konkurrenten DaimlerChrysler nach Spekulationen über einen Einstieg von BMW-Großaktionär Quandt. Die Titel des Autobauers verteuerten sich um 1,3 Prozent.

Tagesgewinner freenet

Kräftige Zuwächse von über fünf Prozent konnten auch die im Tex-Dax notierten Solarwerte verbuchen. Aktien des vor einer Zerschlagung stehenden Internet- und Mobilfunkanbieters Freenet schossen gar um mehr als 12 Prozent nach oben. Übernahmephantasie sorgte zudem bei dem im MDax notierten Düngemittelhersteller K+S für ein neues Allzeithoch. Deutlich erholt (+6,85 Prozent) zeigte sich auch die zuletzt heftig gebeutelte Interhyp. Die britische Bank Schroders gab bekannt, den jüngsten Kursrutsch genutzt zu haben, um ihren Anteil an dem Hypothekenvermittler auf 4,38 Prozent auzustocken. Dagegen stürzten die Papiere des Telefonanbieters Ecotel um 42 Prozent ab. Auch die Berliner Multimedia-Firma I-D Media musste nach einer Gewinnwarnung einen Absturz von 38 Prozent verbuchen.

Warten auf den Ifo-Konjunkturbericht
Händler verwiesen zudem auf den anhaltenden Höhenflug des Euro, der am Montag zeitweise mit 1,4130 Dollar so hoch wie nie zuvor notierte. Auch der Ölpreis hielt sich in der Nähe der Marke von 81 Dollar je Barrel. Zudem warnt der Internationale Währungsfonds vor Auswirkungen der Kreditkrise auf die Weltwirtschaft. Spätestens 2008 kämen die Effekte voll zum Tragen, meint IWF-Chef Rodrigo Rato. In Deutschland ist das Wachstum zunächst nicht gefährdet. Alllerdings dürfte die Expansionsrate 2008 mit 1,9 Prozent niedriger ausfallen als dieses Jahr mit 2,5 Prozent, verkündet das Insititut der deutschen Wirtschaft (IW). Morgen wird das neueste Ifo-Konjunkturbarometer erwartet, mit einer erneuten Verschlechterung der Geschäftserwartungen.


Neue Mitglieder im MDax, SDax und TecDax
Die von dem Arbeitskreis Indizes der Deutschen Börse beschlossene Indexumstellung trat heute in Kraft. Der Dieselmotorenhersteller Tognum hat im MDax den Immobilienkonzern Patrizia ersetzt, welcher in den SDax absteigt. Im Technologiewerteindex TecDax ist jetzt der Telefonieanbieter Versatel gelistet, dafür musste Jenoptik weichen. Tognum notiert 2,4 Prozent fester, Versatel etwa unverändert. Pratrizia-Aktien verlieren ebenfalls etwa drei Prozent.

Im Dax gab es keine Veränderung, dafür wurde die Gewichtung einzelner Aktien angepasst. Bei Metro reduzierte sich die Marktkapitalisierung um mehr als ein Drittel auf 6,28 Milliarden Euro, da sich der Streubesitz des Handelskonzerns wegen Aufstockungen der Großaktionäre verringert hat. Die UBS reduzierte heute das Anlageurteil für Metro-Aktien von "Buy" auf "Neutral", die Aktie notiert 0,6 Prozent schwächer.

Beim Energieversorger Eon sinkt die Dax-Gewichtung von 11,17 auf 10 Prozent, weil jetzt die neue Kappungsgrenze (zehn Prozent) in Kraft tritt. Die Aktie notiert 0,4 Prozent schwächer.

Siemens profitiert von der Neugewichtung, da sich die Marktkapitalisierung des Industriekonzerns leicht erhöht hat. Die Aktie verliert trotzdem ein Prozent. Angeblich will der Konzern seinen Leuchtmittelproduzenten Osram abspalten und an die Börse bringen, dabei droht offenbar Streit mit der IG Metall. Die Financial Times Deutschland berichtet, dass Siemens auch den Verkauf weiterer Sparten plane. Einer Studie von JP Morgan zufolge könnte Siemens durch den Verkauf von Randbereichen bis zu 15 Milliarden Euro einnehmen.

Wacker Construction rückte in den SDax auf. Das neue SDax-Mitglied gab heute bekannt, dass der seit langem bekannte Zusammenschluss zwischen Wacker Construction Equipment und der Neuson Baumaschinen AG unterzeichnet wurde. Die Aktie notiert trotzdem mit etwa ein Prozent im Minus.

Depfa-Aktionäre stimmen Übernahme zu
Die Aktionäre der Depfa stimmten am Montag auf der Hauptversammlung in Dublin für die Annahme der Offerte der Hypo Real Estate. Die Münchener bieten 6,80 Euro in bar und 0,189 eigene Aktien aus einer Kapitalerhöhung. Das entsprach zum Zeitpunkt des Angebots im Juli einem Gegenwert von 16,14 Euro, aktuell sind es 14,21 Euro. Der Kurs der Depfa-Aktie lag am Montag 0,2 Prozent im Minus bei 14,04 Euro.

Envio gelingt Börsendebüt
Das Entsorgungsunternehmen Envio hat heute wie geplant seinen Börsengang vollzogen. Der Konzern, der auf die Entsorgung PCB-haltiger Transformatoren spezialisiert ist, gab die Aktien für 3,25 Euro aus. Der Kurs kletterte auf dem Parkett bis auf 3,65 Euro und lag damit zwölf Prozent über dem Ausgabekurs, sank dann jedoch wieder.

EU-Behörde empfiehlt Zulassung
Der im Dax notierte Pharmakonzern Merck ist bei der EU-Zulassung eines Mittels gegen Cyanid-Vergiftungen einen wichtigen Schritt voran gekommen. Der Ausschuss für Humanarzneimittel der EU-Arzneimittelbehörde habe das Produkt Cyanokit zur Zulassung empfohlen, teilte das Darmstädter Unternehmen mit. Im Dezember hatte bereits die US-Gesundheitsbehörde FDA Cyanokit für den US-Markt genehmigt.

Freenet kurz vor der Übernahme?
Die Großaktionäre des Internet- und Mobilfunkdienstleisters Freenet begrüßen die Übernahmepläne der Konkurrenten Drillisch und United Internet. Im "Handelsblatt" sagte Stephen Howaldt, Manager des britischen Fonds Hermes Focus Asset, der fünf Prozent an Freenet hält, Drillisch und United Internet seien logische Partner für Freenet. Die Konsolidierung des Marktes sei zudem notwendig.

Am Freitag hatten Drillisch und United Internet mitgeteilt, dass sie eine gemeinsame Übernahme des Konkurrenten in Erwägung ziehen. Die Freenet-Aktie notiert daher sehr deutlich im Plus mit mehr als zwölf Prozent und zieht damit den gesamten Index entgegen der eher pessimistischen allgemeinen Marktstimmung in den positiven Bereich. Auch United Internet und Drillisch notieren mit teils deutlichen Aufschlägen.

Mobotix stoppt Börsengang
Der Überwachungsspezialist Mobotix hat seinen für diese Woche geplanten Börsengang abgesagt. Das Unternehmen teilte mit, es hätten Unstimmigkeiten zwischen der Emissionsbank und den Altaktionären bezüglich der Bookbuildingspanne geherrscht. Die Erwartung der Gesellschaft, Aktien in der Spanne von 15 bis 18 Euro zu platzieren, deckten sich nicht mit der Vorstellung der Emissionsbank in Höhe von 13 bis 16 Euro. Bei dieser Kursspanne seien die Altaktionäre nicht bereit gewesen, Aktien für eine Umplatzierung abzugeben. Der Börsengang des Kaiserslauterer Unternehmens war für den 27. September im Entry Standard geplant.

Vizrt meldet Polen-Auftrag
Der Softwarehersteller Vizrt hat bekannt gegeben, dass er einen Auftrag im Volumen von 500.000 Dollar aus Polen erhalten habe. Damit baue das Unternehmen, das Grafiksoftware für Fernsehsender herstellt, seine Marktführerschaft in Polen weiter aus, im Jahr 2006 und im ersten Halbjahr 2007 habe man in Polen bereits mehr als 2,2 Milliarden Euro erlöst. Die Vizrt-Aktie verlierte dennoch 1,5 Prozent.

Boursorama kauft Onvista
Das Finanzinformationsportal Onvista wird von dem französischen Finanzdienstleister Boursorama übernommen. Die beiden Unternehmen einigten sich darauf, dass Boursorama 77,4 Prozent des Kapitals von Onvista übernehmen werde und ein öffentliches Übernahmeangebot an die restlichen Aktien des Unternehmens abgeben werde. Die Onvista-Aktie steigt daher um fast 40 Prozent.

Gerry Weber will Umsatz verdoppeln
Der im SDax notierte Modekonzern Gerry Weber will in den kommenden fünf Jahren seinen Umsatz auf über eine Milliarde Euro verdoppeln. In den ersten neun Monaten dieses Jahres schaffte es die Firma, den Umsatz von 306 auf 344 zu verbessern sowie das operative Ergebnis von 22 auf 27 zu erhöhen. Das Jahresziel von 500 Millionen Euro Umsatz und einer zweistelligen Umsatzrendite seien damit erreichbar, teilte das Düsseldorfer Unternehmen mit. Die Aktie verbessert sich um 0,44 Prozent.

Sunways liefert an LDK Solar
Der Solarkonzern Sunways hat einen langfristigen Liefervertrag mit dem chinesischen Waferhersteller LDK Solar bekannt gegeben. Gegenstand des Vertrages ist zum einen die Lieferung zweier Siliziumreaktoren von Sunways an LDK Solar samt umfangreicher Serviceleistungen. LDK Solar wird im Gegenzug Sunways ab dem kommenden Jahr zehn Jahre lang mit multikristallinen Siliziumwafern versorgen, die einen Gesamtleistung von etwa einem Gigawatt haben. Die Sunways-Aktie steigt um knapp acht Prozent.

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr