Dax ohne Kraft

Stand: 11.02.2009, 17:52 Uhr

Die Wall Street schob den deutschen Leitindex am Nachmittag zwar leicht in's Plus. Ansonsten aber handelten die Anleger am Mittwoch ziemlich desorientiert, denn die amerikanischen Rettungspläne harren noch ihres großen Erfolgs.

Vor allem die Pläne zur Bankenrettung, die Finanzminister Timothy Geithner am Dienstag vorstellte, sind den Investoren noch viel zu vage. "Sie wollen wissen, wie das funktionieren soll, wie das funktionieren soll. Es muss einfach genau erklärt werden", kritisierte David Buik von Cantor Index.

Diese Ungewissheit belastete auch am Mittwoch die Börsen. In den USA, wo die Indizes am Dienstag bis zu fünf Prozent eingebüßt hatten, fiel die Erholung zum Handelsbeginn äußerst zaghaft aus, die Indizes drehten im Handelsverlauf sogar in's Minus. Als um 20 Uhr auch der Parketthandel in Frankfurt eingestellt wurde, notierte der Dow Jones 0,2 Prozent schwächer.

Am Nachmittag aber schoben die leichten Kursgewinne an der Wall Street noch den Dax an und bescherten dem Leitindex ein Tagesplus von 0,5 Prozent. Der LDax schloss 35 Punkte darunter.

Daimler Top, Infineon Flop
Daimler-Papiere gewannen drei Prozent und setzten sich an die zweite Stelle im Dax. Gerüchteweise hat der Staatsfonds Ipic aus den Vereinigten Arabischen Emiraten Interesse an Daimler angemeldet. Wie es heißt, könnte Ipic ein Viertel der Daimler-Anteile übernehmen. Siemens-Papiere legten 2,3 Prozent zu. Hier verwiesen Händler auf eine Hochstufung durch die Analysten der Deutschen Bank.

Die rote Laterne im Dax übernahm Infineon mit einem Kursverlust von 3,8 Prozent. Für die schlechte Stimmung sorgte der weltgrößte Chipausrüster Applied Materials, der nach einem Gewinn vor einem Jahr nun einen Quartalsverlust bekannt geben musste. Am Nachmittag teilte Infineon mit, der Konzern werde weitere 4.800 Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken.

Auch die Commerzbank-Aktie rutschte mit einem Minus von 2,7 Prozent in den hinteren Dax-Bereich. Die Aktie litt unter einem Bericht des Platow-Briefs, wonach die Tochter Eurohypo drei bis vier Milliarden Euro zusätzliches Eigenkapital benötigt, um Verluste bei Staatsanleihen auszugleichen.

Ebenfalls Verluste gab es bei der Aktie der Deutschen Börse. Pläne der Bundesregierung für die Einführung einer Börsenumsatzsteuer drückten das Papier um 1,5 Prozent nach unten.

Absatzeinbruch bei Volkswagen
Volkswagen-Aktien gewannen trotz schwacher Absatzdaten 0,5 Prozent. Im Januar habe man weltweit 21,3 Prozent weniger Autos verkauft habe als im Jahr zuvor, teilte VW mit. Branchenweit gingen nach Angaben des Verbandes Acea die Neuwagenverkäufe in Europa um 26 Prozent zurück.

Pirelli dementiert Gerüchte
Der Reifenhersteller Pirelli dementierte am Mittwoch Gerüchte, wonach der italienische Konzern an der Übernahme der Conti-Reifensparte interessiert sei. Das Unternehmen sei stattdessen an Wachstum aus eigenen Kraft interessiert, sagte Pirelli-Chef Marco Tronchetti. Die Conti-Aktie legte dennoch 3,5 Prozent zu.

BASF will Produktion weiter drosseln
Die BASF will auf den Nachfragschwund reagieren und prüft die weitere Drosselung der Produktion. "Wir werden uns in Europa, Amerika und auch in Asien von weniger effizienten Anlagen trennen müssen", sagte BASF-Chef Jürgen Hambrecht der Wochenzeitung "Die Zeit". Das Stammwerk in Ludwigshafen soll zunächst von den Maßnahmen, zu denen auch Stellenstreichungen gehören könnten, verschont bleiben. Die BASF-Aktie verlor 0,2 Prozent.

Rheinmetall-Umsatz schrumpft
0,3 Prozent gab die Aktie von Rheinmetall ab. Im vergangenen Jahr hat der Konzern einen Umsatzrückgang um drei Prozent auf 3,87 Prozent verbucht. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern sank von 270 auf 246 Millionen Euro. Besonders enttäuschend entwickelte sich die Autozulieferer-Sparte, im Rüstungsbereich verbesserte sich der Gewinn aber um ein Viertel. Eine Prognose zum laufenden Jahr gab das Unternehmen nicht ab.

Fraport-Aktie verliert fast sechs Prozent
Die katastrophalen Monatszahlen des Flughafenbetreibers Fraport belasteten die Aktie am Mittwoch deutlich. Das MDax-Unternehmen hat an seinem wichtigsten Flughafen in Frankfurt im Januar zehn Prozent weniger Passagiere abgefertigt. Das Frachtvolumen brach sogar um knapp ein Viertel ein. Die Aktie verlor 5,8 Prozent.

10 Milliarden für die HRE
7,9 Prozent verlor die Aktie der Hypo Real Estate. Die Bank braucht weitere staatliche Unterstützung. Der Bankenrettungsfonds Soffin hob die Finanzgarantien für den schwer angeschlagenen Konzern um weitere zehn Milliarden Euro an.

Credit Suisse mit 8,2 Milliarden Verlust
Die Schweizer Großbank Credit Suisse hat das vergangene Jahr mit einem Verlust von 8,2 Milliarden Franken abgeschlossen, und war damit schlechter als erwartet. Vor allem das vierte Quartal lief miserabel, teilte die Bank mit. Allein in den letzten drei Monaten des Jahres fiel ein Verlust von sechs Milliarden Franken an. Wegen der schlechten Bilanz will die Credit Suisse die Dividende von 2,50 Franken auf 0,10 Franken je Aktie kürzen.

Arques kauft Fahrschulkette
Das im SDax notierte Beteiligungsunternehmen Arques hat erstmals in diesem Jahr eine Firma gekauft. Die Münchener Firma kaufte von der britischen Firma RAC die Fahrschulkette BSM. BSM beschäftigt 2.700 Fahrlehrer und erzielte 2008 einen Umsatz von 34 Millionen Pfund. Der Kaufpreis wurde nicht genannt. Die Arques-Aktie stieg um 4,1 Prozent.

RIM gibt sich zurückhaltend
Der Blackberry-Hersteller Research in Motion (RIM) hat sich vorsichtig pessimistisch zum abgelaufenen Quartal geäußert. Das Ergebnis pro Aktie und die Brutto-Gewinnmarge für das vierte Quartal würden wohl am unteren Ende der bisherigen Prognosen liegen, teilte der RIM mit. Die Aktie verliert 16 Prozent.

ArcelorMittel in den roten Zahlen
Der weltgrößte Stahlkonzern ArcelorMittal hat das Schlussquartal 2008 mit einem Milliardenverlust beendet. Das Minus lag bei 2,6 Milliarden US-Dollar, nach einem Vorjahresgewinn von 2,4 Milliarden Dollar. Der Konzern begründete die großen Verluste vor allem mit Abschreibungen auf Lagerbestände und Kosten für den Stellenabbau. Die Aktien der Stahlkonzerne im Dax schlossen allerdings im Plus. Hier beflügelt die Information eines Börsenblattes, wonach ThyssenKrupp im ersten Quartal einen ordentlichen Gewinn eingefahren hat.

OHB verfehlt Ziele
Das Raumfahrtunternehmen OHB hat im vergangenen Jahr seine Umsatzziele nicht erreicht. Die Gesamtleistung kletterte zwar um knapp ein Viertel auf 265 Millionen Euro, doch OHB hatte 290 Millionen Euro angepeilt. Das Ebit erreichte, anstatt 23, nur 18 Millionen Euro. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet OHB eine Gesamtleistung von mehr als 300 Millionen Euro. Das Ebit soll bei 21 Millionen Euro liegen. Die Aktie fiel um 1,9 Prozent.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr