Dax ohne Furcht und Tadel

Detlev Landmesser

Stand: 02.02.2007, 20:26 Uhr

Diese Woche war am deutschen Aktienmarkt überhaupt nichts auszusetzen. Fast in einem Rutsch legte der Dax über 200 Punkte zu. Am Freitag fiel sogar vorübergehend die Marke von 6.900 Punkten.

So hoch hatte der deutsche Leitindex zuletzt im November 2000 notiert. Der L-Dax beendete die Woche bei 6.893,23 Punkten.

Auslöser für den Tagesgewinn waren vor allem die aktuellen Arbeitsmarktdaten aus den USA. Dort waren im Januar außerhalb der Landwirtschaft 111.000 zusätzliche Stellen geschaffen worden, deutlich weniger als erwartet. Das US-Arbeitsministerium revidierte allerdings gleichzeitig die Zahlen der beiden Vormonate nach oben.

"Das ist eine Bestätigung dafür, dass die Wirtschaft im vierten Quartal sehr gut lief. Wir wissen bereits, dass sie sich im ersten Quartal abschwächt - aber nicht genug, um sich Sorgen zu machen", sagte ein Wall-Street-Analyst. Außerdem: Lässt die Dynamik der weltgrößten Volkswirtschaft nach, wird die US-Notenbank weniger zu Zinserhöhungen geneigt sein.

Der Dow-Jones-Index markierte daraufhin zunächst ein historisches Hoch von 12.683 Punkten, bevor Gewinnmitnahmen einsetzten. Auf den Technologietiteln der Nasdaq lastete ein wenig die Amazon-Aktie. Der weltgrößte Online-Einzelhändler hat 2006 wegen höherer Investitionen und steuerlicher Mehrbelastungen weniger verdient.

Endesa-Fantasie für Eon auf dem Gipfel

Neue Rekordkurse gab es für die Eon-Aktie, die in dieser Woche rund elf Prozent zugelegt hat. Noch am Freitagabend wird aller Voraussicht nach das endgültige Übernahmeangebot des Energieriesen für den spanischen Wettbewerber Endesa veröffentlicht. Am kommenden Dienstag will sich der Endesa-Vorstand zu der Offerte äußern und eine Empfehlung an die Aktionäre geben. Experten rechnen damit, dass Eon 34,50 Euro je Endesa-Aktie zu zahlen bereit ist. Der deutsche Stromversorger ist nach dem Ausscheiden von Gas Natural der letzte übrig gebliebene Bieter.

Sainsbury-Virus infiziert Metro
Die Metro-Aktie gewann knapp drei Prozent an Wert. Dem Konsumtitel halfen Gerüchte über einen möglichen Verkauf des britischen Konkurrenten Sainsbury. Dessen Aktie stieg heute um bis zu 18 Prozent, nachdem einige Finanzinvestoren ihr Interesse an einer Übernahme des Einzelhändlers angemeldet hatten.

Adidas spart bei Reebok
Adidas will die Restrukturierungskosten bei seiner schwächelnden US-Tochter Reebok deutlich herunterfahren. Adidas-Chef Herbert Hainer kündigte an, er wolle diese Aufwendungen um 87 Millionen Euro senken. Dies werde zu Netto-Einsparungen von zehn bis 20 Millionen Euro führen. Noch Mitte November hatte der Konzern angekündigt, 50 Millionen Euro zusätzlich in die Marke Reebok investieren zu müssen. Adidas will in den nächsten drei bis fünf Jahren den Umsatz mit Reebok-Artikeln von derzeit 2,3 Milliarden auf 3,8 Milliarden Euro steigern. Gegenüber der "Financial Times Deutschland" deutete Hainer zudem an, dass der Konzern im Ringen um den DFB-Ausrüstervertrag sein Angebot erhöhen könnte.

Techem wird nicht übernommen
Die Übernahme des im MDax notierten Heizungsablesers Techem durch die australische Bank Macquarie ist gescheitert. Die Bank teilte heute morgen offiziell mit, dass sie 43,05 Prozent der Techem-Anteile halte und damit die Annahmeschwelle nicht erreicht habe. Der Techem-Vorstand bedauerte die gescheiterte Übernahme und kündigte an, die eigene Wachstumsstragie zügig allein umzusetzen. Die Techem-Aktie nahm das Scheitern bemerkenswert locker.

Pfleiderer darf
Die Pfleiderer-Aktie konnte von einer an sich guten Nachricht nicht profitieren. Der Möbel- und Bauzulieferer hat von deutschen und amerikanischen Wettbewerbshütern grünes Licht für die Mehrheits-Übernahme der schwedischen Pergo AB erhalten. Eine Freigabe durch die schwedische Wettbewerbsbehörde werde bis spätestens 19. Februar erwartet, teilte Pfleiderer am Nachmittag mit. Ende Januar hatte sich Pfleiderer die Mehrheit an dem schwedischen Laminat-Hersteller gesichert. Der MDax-Konzern will Pergo für rund 300 Millionen Euro komplett übernehmen.

Thomas Cook vor Einkaufstour
Die KarstadtQuelle-Aktie schnitt im MDax überdurchschnittlich ab. Die Urlaubstochter Thomas Cook erwägt nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland", einen hohen dreistelligen Millionenbetrag in Übernahmen zu investieren. Man sei finanziell so gut aufgestellt, dass man einen Zukauf dieser Größenordnung alleine bewältigen könne, sagte Thomas-Cook Chef Manny Fontenla-Novoa.

WestLB bewegt Technologiewerte
Im TecDax setzte sich die Solarfirma Conergy abermals an die Spitze. Die WestLB hatte zuvor das Kursziel auf 65 Euro erhöht. Das gleiche Kursziel sehen die Analysten jetzt für die Solarworld-Aktie, deren Ziel bisher bei 45 Euro lag. Schlechte Stimmung hingegen bei den Epcos-Aktionären. Die Aktie verlor über drei Prozent, nachdem die WestLB die Aktie auf "Reduce" gesenkt hatte.

Thielert-Aktie plus 11,11 Prozent
Im SDax ging die Aktie von Thielert auf Höhenflug. Ungeachtet der Vorwürfe über Bilanzmanipulationen, die der Flugzeugmotorenbauer immer wieder zurückgewiesen hat, empfahlen die Analysten von Goldman Sachs den Titel zum Kauf. Das Kursziel von Goldman liegt mit 28,40 Euro deutlich über dem derzeitigen Niveau.

Cewe Color schlägt zurück
Das Gerangel zwischen Cewe Color und dem US-Hedgefonds M2 Capital wird heftiger. Nach Börsenschluss kündigte der Oldenburger Fotoentwickler ein öffentliches Aktienrückkaufangebot an. Von Montag an könnten Aktionäre ihre Anteile zum Preis von 36,07 Euro je Aktie andienen, teilte das Unternehmen ad hoc mit. Insgesamt würden bis zu 390.000 Aktien auf diesem Weg zurückgekauft. Ein laufendes Rückkaufprogramm über die Börse werde dafür beendet. Den Frankfurter Handel hatte das Papier bei 35,50 Euro beendet. Der Schritt ist offenbar eine Maßnahme gegen die Pläne von M2 Capital, das seinen Anteil an Cewe aufstocken und eine außerordentliche Hauptversammlung erzwingen will. Auf dieser sollen Vorstand und Aufsichtsrat entmachtet werden. M2 fordert zudem die Ausschüttung einer Sonderdividende von mindestens fünf Euro je Aktie.

Neue Finanzspritze für Zapf
Der angeschlagene Puppenhersteller Zapf Creation erhält womöglich eine weitere millionenschwere Finanzspritze von Großaktionär MGA. Man wolle dem fränkischen Unternehmen das Geld in Form eines Darlehens zuschießen, um die Kreditwürdigkeit von Zapf zu verbessern, zitiert die "Financial Times Deutschland" MGA-Chef Isaac Larian. Eine vollständige Übernahme komme derzeit nicht in Frage, sagte Larian, da Zapf seinen Wert als eigenes, börsennotiertes Unternehmen am besten steigern könne.

Symrise schreibt rot
Der Börsenneuling Symrise gab über zwei Prozent ab. Der Chemiekonzern wird unter anderem wegen der Kosten des Börsengangs einen Jahresverlust ausweisen. "Es stimmt, dass es 2006 zu einem Nettoverlust kommen wird. Die Höhe können wir aber noch nicht beziffern", sagte eine Symrise-Sprecherin. Auf operativer Basis falle kein Verlust an. 2007 rechne Symrise "sehr stark damit", keine Verluste zu machen. Am Dienstag will der Konzern Umsatz und Vorsteuerergebnis bekannt geben.

Ericsson enttäuscht
Zeitweise lasteten die Quartalszahlen von Ericsson auf den Technologietiteln. Der schwedische Telekomausrüster hat im vierten Quartal zwar Gewinn und Umsatz gesteigert, aber beim Gewinn die Markterwartungen leicht verfehlt. Ericsson-Chef Carl-Henric Svanberg zeigte sich zuversichtlich für 2007. Allerdings reduzierte er das prognostizierte Marktwachstum auf fünf von zuvor bis zu neun Prozent.

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat