Marktbericht 20:10

Keine klare Richtung Dax nur im Schneckentempo

Stand: 22.05.2014, 20:10 Uhr

Zwar fehlt dem Aktienmarkt aktuell eine klare Richtung, große Abgabeneigung ist aber auch nicht zu erkennen. Die Anleger schieben sich die Positionen hin und her, der Dax arbeitet sich derweil im Schneckentempo mühsam voran.

Der Dax beendete den Handel bei 9.720 Punkten, ein leichter Zugewinn von 0,24 Prozent. Der Index bleibt aber trotz des ideenlosen Geschäftes weiter auf hohem Niveau und in Sichtweite seines bisherigen Rekordhochs bei 9.810 Zählern.

Das Tageshoch lag bei 9.734, das Tagestief bei 9.689 Zählern. Damit fielen heute die Tagesschwankungen am Aktienmarkt, wie auch schon an den vergangenen Handelstagen, gering aus. Nachbörslich tat sich nichts mehr, der L/E-Dax schloss unverändert zum Xetra-Dax.

Sorgen um Frankreich

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der Markt blickte hauptsächlich auf die Indizes der Einkaufsmanager. Während sich die Lage dabei in China erholte, kamen aus Europa durchwachsene Daten. Insbesondere Frankreich wird mehr und mehr zum Sorgenkind, denn die dortigen Indizes der Einkaufsmanger fielen im Mai unter die Expansionsschwelle von 50 Punkten. Damit zeigt die zweitgrößte europäische Volkswirtschaft weiter Schwächen. Auch in Deutschland spürt zumindest die Industrie Gegenwind, der Index bleibt mit 52,9 Punkten aber im Wachstumsbereich.

Die mauen Euro-Daten haben auch die Gemeinschaftswährung unter die Marke von 1,37 Dollar gedrückt. "Die Eintrübung des außenwirtschaftlichen Umfeldes geht nicht spurlos an der Industrie im Euroraum vorüber", kommentierte Analyst Christoph Weil von der Commerzbank.

US-Börsen wenig verändert

Ein ähnliches Bild wie in Frankfurt bietet sich derzeit auch an der New Yorker Börse, wo die führenden Indizes moderat anziehen. Der Dow-Jones-Index steht aktuell etwa 0,15 Prozent höher. Der Feiertag am Montag wirft bereits seine Schatten voraus und führt zu geringeren Handelsaktivitäten. Die neuesten Konjunkturdaten fielen uneinheitlich aus. Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe lagen mit 326.000 über den Schätzungen von 310.000. Die Daten vom Hausmarkt fielen mit annualisiert 4,65 Millionen Einheiten wie erwartet aus und lagen dabei über dem März-Vormonatswert.

"Der aktuelle Wert bei den Verkäufen bestehender Eigenheime lässt hoffen, dass die vorübergehende Eintrübung des Immobiliensektors aufgrund des strengen Winters in den USA überwunden ist", kommentierte Johannes Jander von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Die Frühindikatoren des privaten Forschungsinstitutes Conferene Board lagen im April etwas über den Erwartungen.

Thailand-Putsch beeindruckt nicht

Nachrichten über einen Militärputsch in Thailand beeindruckten die Anleger heute nicht. Die Lufthansa erklärte, der Flugbetrieb nach Bangkok ginge ungeachtet der Krise normal weiter. Reiseanbieter wie Thomas Cook reagierten ebenfalls gelassen, da aktuell nur Nebensaison sei. Tui bot seinen Gästen aber Umbuchungsmöglichkeiten an.

Die Börse in Bangkok hatte noch keine Gelegenheit zu reagieren, Marktexperten gehen aber für den Freitag von erhöhtem Abgabedruck aus. Meldungen über sich verschärfende Kämpfe im Osten der Ukraine vor den Präsidentenwahlen am Sonntag beeinflussten das Marktgeschehen nicht.

Continental an der Dax-Spitze

Ohne Nachrichten ging das Papier des Reifenherstellers als Tagessieger durchs Ziel. Zuletzt hatte die Aktie nach sehr starkem Anstieg konsolidiert, so dass einige Anleger auf dem ermäßigten Niveau wieder zugriffen.

Commerzbank legten zwar 0,66 Prozent zu, konnten die anfänglich höheren Gewinne aber nicht halten. Laut einem "Handelsblatt"-Bericht steht die Bank kurz davor, ihre Immobilienkredite in Japan zu verkaufen. SAP notierten mit Dividendenabschlag und waren damit optisch der "schwächte" Dax-Wert. Die Walldorfer haben 1,00 Euro gezahlt, so dass sie eigentlich fast unverändert geschlossen hätten.

Auch Aktien der Aareal Bank (0,75 Euro), der Norma Group (0,70 Euro) und von Drillisch (1,60 Euro) werden am Donnerstag ex Dividende gehandelt.

Showdown für die Deutsch-Bänker

Im Dax sorgte jedoch die Deutsche Bank heute für die größte Aufmerksamkeit, die Aktie legte 0,63 Prozent zu. Auf der traditionell vielbeachteten Hauptversammlung des Instituts in Frankfurt warben die beiden Chefs, Anshu Jain und Jürgen Fitschen, um Geduld beim Konzernumbau des Instituts. Gegenwind erhielt das Management von Aktionärsschützern, aber auch von Fondsgesellschaften wie Union Investment, die die Kapitalerhöhung um acht Milliarden Euro kritisierten. boerse.ARD.de berichtete live von der Veranstaltung.

Lanxess geht auf Sparkurs

Auch der Spezialchemie-Konzern Lanxess hielt heute eine mit Spannung erwartete Aktionärsversammlung ab. In Köln kündigte der neue Lanxess-Chef Matthias Zachert an, dass der Konzern die Investitionen in den kommenden Jahren deutlich zurückfahren wird. Ab 2015 würde sich der Sanierungskurs in der Bilanz niederschlagen, so Zachert.

Steigt Siemens bei Kuka ein?

Sowohl die Papiere von Siemens als auch die von Kuka legten zu. Kuka waren im MDax zweitbester Wert, Siemens legten im Dax 0,8 Prozent zu. Händler verwiesen auf einen Bericht in der "Börse Online", wonach sich die Münchener an dem Roboter- und Maschinenbauer beteiligen könnte.

Gleichzeitig erklärte Siemens-Chef Joe Kaeser sein Interesse an der französischen Alstom und gab sich kämpferisch. "Wenn irgendein Wettbewerber gedacht hat, wir wären gerade so sehr mit uns selbst beschäftigt, dass wir nicht jederzeit und überall handlungsfähig sind, dann war das ein ziemlicher Irrtum", sagte Kaeser in Richtung des amerikanischen Konkurrenten General Electric, der ebenfalls bei Alstom einsteigen will. Allerdings prüft Siemens derzeit noch die Bücher und hat bisher noch kein konkretes Angebot abgegeben. GE erklärte derweil nach Börsenschluss, sein Angebot bis zum 23. juni zu verlängern. Die Amerikaner bieten über 12 Milliarden Euro.

Adidas geht in die Vollen

Die Franken wollen im Kampf mit dem Erzivalen Nike rund um die Fußball-WM in Brasilien die teuerste Werbekampagne aller Zeiten starten. Dabei soll ein zweistelliger Millionenbetrag investiert werden. "Fußball ist die DNA unseres Unternehmens und wir werden ganz klar zeigen, dass wir die Nummer Eins im Fußball sind", sagte Adidas-Chef Herbert Hainer in München. Zuletzt hatte Nike Adidas auch beim Fußball immer mehr den Rang abgelaufen.

Die WM dürfte dem Unternehmen nach den Worten des Firmenchefs ein Umsatzplus von rund acht Prozent in die Kassen spülen. Mit Fußball will Adidas in diesem Jahr insgesamt zwei Milliarden Euro umsetzen. Die Aktie schloss unverändert bei 77,58 Euro.

Stahlaktien im Fokus

Papiere aus dem Sektor legten zu, nachdem Analysten sich positiv zur Branche geäußert haben. Bei ThyssenKrupp sorgte eine Kurszielerhöhung durch Jefferies für leichte Zuwächse. Die MDax-Titel Salzgitter und Klöckner & Co. profitierten zudem von Hochstufungen durch Goldman Sachs. Salzgitter-Chef Heinz Jörg Fuhrmann sprach auf der Hauptversammlung des Unternehmens davon, dass die Erosion der Stahlpreise "weitgehend gestoppt" sei.

Harmonie bei Pfeiffer Vacuum

Auf der Hauptversammlung des Unternehmens haben die Aktionäre allen Tagesordnungspunkten zugestimmt. Damit ist der Weg frei für die morgige Zahlung einer Dividende von 2,65 Euro. Firmenchef Manfred Bender konkretsierte auf dem Aktionärstreffen den Ausblick und äußerte sich moderat zuversichtlich. "Allmählich hellt sich die Stimmung in unseren wichtigen Endmärkten auf", erklärte er. Im zweiten Halbjahr soll es einen deutlichen Umsatzanstieg geben, die Erlöse im Gesamtjahr werden zwischen 410 und 440 Millionen Euro erwartet. Dabei soll sich die Marge verbesern. Die im TecDax notierte Aktie bewegte sich kaum.

Gigaset schrumpft

Das ehemalige TecDax-Unternehmen meldet sinkende Umsätze und steigende Verluste. Der Telefon- und Eletronik-Hersteller verbuchte im ersten Quartal Erlöse von 65 Millionen Euro, nach 86,7 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Auch der Umbau des Unternehmen belastete auch das Ergebnis. Das Unternehmen will zur Cebit intelligente Steckdosen und Rauchmelder vorstellen.

USU Software gut gestartet

Ganz anders ging es beim Softwarehaus zu, das über einen erfolgreiches erstes Quartal berichtete. Die Umsätze erhöhten sich um 7,9 Prozent auf 13,3 Millionen Euro. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) erhöhte sich von 22.000 auf 473.000 Euro deutlich. Im Ausblick bestätigte USU für 2014 ein Umsatzziel von 63 - 65 Millionen Euro nach 55,7 Millionen Euro im Jahr 2013 und ein Ebit von 8,0 bis 8,5 Millionen Euro. Der Hauptversammlung am 24. Juni wird eine Dividende von 0,25 Euro je Aktie vorgeschlagen. Die Aktie, die erst Ende März bei 14,30 Euro ihr Jahreshoch erreicht hatte, legte zu und schloss bei 13,27 Euro.

Catoil mit Übernahmefantasie

Das Papier des Öl-und Gasfeld-Dienstleisters Catoil aus dem SDax legt hingegen auch am Donnerstag kräftig zu. Binnen fünf Handelstagen hat der Titel rund 20 Prozent gewonnen. Auf dem Parkett geht das Gerücht um, der russische Gasriese Gazprom sei an einer Übernahme interessiert.

Halloren mit süßem Wachstum

Deutschlands älteste Schokoladen-Fabrik hat im ersten Quartal ihr Geschäft angekurbelt, ist aber vor Steuern leicht in die Verlustzone gerutscht. Die Erlöse im Quartal konnten um 20 Prozent auf 29,5 Millionen Euro gesteigert werden. Der Verlust vor Steuern lag bei 0,3 Millionen Euro.

Hohner geht von der Börse

Der traditionsreiche Musikinstrumentenbauer aus Baden-Württemberg wird in Kürze im Rahmen eines Squeeze-Out-Verfahrens von der Börse genommen. Der entsprechende Beschluss aus dem März sei nun in das Handelsregister des Amtsgerichtes Stuttgart eingetragen worden. Dies teilte das Unternehmen am Donnerstag mit.

Alleiniger Inhaber wird nunmehr die HS Investment Group mit Sitz auf den britischen Jungferninseln. Der Squeeze-Out erfolge hauptsächlich aus Kostengründen, erklärte eine Hohner-Sprecherin.

R.Stahl kauft eigene Aktien

Das Unternehmen, das sich aktuell im Kampf gegen eine feindliche Übernahme durch den Konkurrenten Weidmüller befindet, hat in einer Adhoc-Meldung bekannt gegeben, dass es weitere eigene Aktien zugekauft hat. Erworben wurden 127.709 Papiere, so dass jetzt 644.000 Stück oder zehn Prozent des Grundkapitals gehalten werden. Bis zu dieser Grenze war der Vorstand von der Hauptversammlung autorisiert gewesen, hieß es weiter.

Etihad bekommt zinsloses Darlehen

Das Herrscherhaus des Golf-Emirats Abu Dhabi hat der eigenen Airline Etihad offenbar mit einem zinslosen Kredit über drei Milliarden Dollar unter die Arme gegriffen. Das Darlehen müsse erst ab 2027 zurückgezahlt werden, berichtete die Zeitung "Australian Financial Review" am Donnerstag unter Verweis auf Unterlagen, die 2011 für Investoren erstellt worden seien.

Etihad ist auch bei Air Berlin engagiert. Die Aktie war bester SDax-Wert mit einem Plus von über acht Prozent. In der Branche werden die staatseigenen Golf-Airlines immer wieder kritisiert. Auch von der australischen Qantas, denn Etihad ist auch beim Konkurrenten Virgin Australia beteiligt. Qantas beschwert sich über die ungeliebten Subventionen aus Abu Dhabi.

Unilever verkauft Portfolioteile

Für 2,15 Milliarden Dollar verkaufen die Niederländer ihre Nudelsaucen-Marken Bertolli und Ragu an den japanischen Würzmittel-Hersteller Mizkan. Bisher wurden pro Jahr rund 600 Millionen Dollar umgesetzt, Ragu-Saucen sind dabei besonders in den USA verbreitet. Das Unternehmen will sich auf Produkte konzentrieren, die höhere Wachstumsraten und Margen aufweisen, wie etwa die Dove-Körperpflegeserie. Unilever ist bei uns besonders durch die Knorr-Suppen bekannt. Die im europäischen Auswahlindex EuroStoxx 50 notierte Aktie tendierte leichter.

Toyota ruft Autos zurück

Der japanische Autobauer ruft weltweit 466.000 Autos zurück. Betroffen ist hauptsächlich der Minivan Sienna, bei dem ein Kabel ersetzt werden muss. 16.000 Lexus-Modelle drohen von selbst abzubremsen. Bereits Anfang April hatte Toyota schon mehr als sechs Millionen Fahrzeuge zurückgerufen.

rm

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"