Marktbericht 20:10 Uhr

Trotz EZB und vieler Bilanzzahlen Dax nur im Schneckentempo

Stand: 06.03.2014, 20:10 Uhr

Hoffnungen, dass die EZB ihre ohnehin schon expansive Geldpolitik weiter lockert, wurden enttäuscht. Das half dem Euro, der am Jahreshoch steht. Am Aktienmarkt blieb es ruhiger, die T-Aktie allerdings enttäuschte.

Am Aktienmarkt gab es heute unter dem Strich trotz vieler Quartalsberichte und Konjunkturdaten wenig Bewegung. Auch die Lage in der Ukraine, wo die Diplomatie weiter nach einer Lösung in der Krim-Krise sucht, war kein großes Thema mehr am Markt.

Der Dax hätte fast das Kunststück geschafft, unverändert zu schließen. Am Ende stand ein Mini-Plus von 0,01 Prozent oder noch nicht mal ein Punkt bei 9.542 Punkten. Auch im Späthandel tat sich nicht mehr viel. Eine klare Richtung hatte der Index im ganzen Handelsverlauf nicht gefunden, er wechselte mehrfach das Vorzeichen. Manfred Rath, Portfolio-Manager bei der KSW Vermögensverwaltung, erklärte dies mit der geringen Risikoneigung der Anleger vor dem US-Arbeitsmarktbericht am Freitag.

In Amerika stehen morgen die wichtigen monatlichen Arbeitsmarktdaten für den Februar auf der Agenda, an denen sich die globalen Aktienmärkte stets stark orientieren. Denn die US-Notenbank hat immer wieder deutlich gemacht, dass sie den Tapering-Prozess an den Fortschritten bei der Beschäftigung ausrichten wird.

Draghi treibt den Euro-Kurs

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Ganz anders am Devisenmarkt, da war der Euro der Star des Tages. Mit Kursen von 1,3865 Dollar im späten Geschäft setzte er seinen Höhenflug fort und steht damit so hoch wie seit einem Jahr nicht mehr. Als Grund nannten Händler die Aussicht, dass die Europäische Zentralbank auf eine zusätzliche Lockerung ihrer Geldpolitik zunächst verzichten werde. Noch am Mittag war der Referenzkurs zuvor bei 1,3745 Dollar um über einen Cent niedriger festgestelt worden.

EZB-Präsident Mario Draghi hatte in der traditionellen Pressekonferenz erklärt, dass die moderate Konjunkturerholung in der Eurozone voran gehe. Gleichwohl sei noch lange mit niedrigen Zinsen zu rechnen. Erwartungsgemäß hatte die EZB den Leitzins unverändert bei 0,25 Prozent belassen.

"Das Ausbleiben einer geldpolitischen Lockerung oder anderer Maßnahmen hilft dem Euro, weil es darauf hindeutet, dass die Wirtschaft auf einem guten Weg ist", sagte Devisenstratege Vassili Serebriakov von der BNP Paribas.

New York tendiert freundlich

Die heutigen US-Konjunkturdaten fielen uneinheitlich aus. Während die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe mit 323.000 Anträgen besser als erwartet ausfielen, lagen die Produktivität im vierten Quartal und die Industrieaufträge im Januar unter den Erwartungen.

Aktuell reagieren die Anleger vor allem auf die Arbeitsmarktdaten positiv. Die Wall Street tendiert freundlich, im Dow-Jones-Index geht es mit rund 0,4 Prozent am stärksten bergauf. Der marktbreite S&P-500-Index steigt 0,3 Prozent und markiert bisher im Handelsverlauf mit 1.881 Zählern erneut ein Rekordhoch. Nur an der Technologiebörse geht es leicht bergab.

T-Aktie sackt ab

Die Bonner sind 2013 wieder auf Wachstumskurs eingeschwenkt. Gleichzeitig steht die Telekom aber vor hohen Investitionen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Dies kündigte der neue Vorstandschef Tim Höttges an - vor allem für die Kundengewinnung in den USA und den Netzausbau. Trotz so manchem Lichtblick kam das Szenario an der Börse nicht gut an, die T-Aktie leidet und gehört im Dax weiter zu den größten Verlierern.

Merck am Dax-Ende

Merck-Aktien wurden nach ihrem Zahlenwerk ebenfalls abgestraft und hielten im Dax die rote Laterne. Der Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck hat von Oktober bis Dezember wegen des starken Euro einen Umsatzrückgang um drei Prozent auf 2,74 Milliarden Euro verbucht. Im laufenden Jahr rechnet das Darmstädter Unternehmen mit einem bereinigten Ebitda und Umsatz ungefähr auf Vorjahresniveau. "Der Ausblick ist schwächer als gedacht", sagte ein Händler.

HeidelbergCement: Fantasie durch Chartanalyse

Aktien von HeidelbergCement legten hingegen kräftig zu und notierten an der Dax-Spitze. Händler verwiesen auf einen charttechnischen Ausbruch bei den Papieren des Baustoffkonzerns. Die Aktie habe ihre jüngste Handelsspanne nach oben verlassen und ist auf ein neues Hoch seit Oktober 2008 gesprungen.

Conti stark gefragt

Continental: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Aktie des Autozulieferers Continental war bei Anlegern gefragt und gehörte ebenfalls zu den größten Dax-Gewinnern. Mit über 183 Euro notierte sie zeitweise auf einem neuen Rekordniveau. Das Unternehmen will sein Geschäft durch Übernahmen stärken, um sich so von der schwankungsfreudigen Autobranche unabhängiger zu machen. Die Dividende für 2013 wird von 2,25 auf 2,50 Euro je Aktie angehoben. Im laufenden Jahr soll der Umsatz um fünf Prozent wachsen.

Daimler-Umsatz brummt im Februar

Im Februar hat der Autobauer sein hohes Wachstumstempo aus dem Vormonat fortgesetzt. Im Jahresvergleich seien 16,5 Prozent mehr Fahrzeuge ausgeliefert worden, teile das Unternehmen am Donnerstag mit. Insgesamt sind in den ersten beiden Monaten des Jahres 215,753 Autos ausgeliefert worden, ein Plus von 16,6 Prozent.

"Wir halten das hohe Tempo der Vormonate - mit einem zweistelligen Absatzplus und Wachstum in allen Regionen", sagte Vertriebs-Chef Ola Källenius. Vor allem die neue S-Klasse und die E-Klasse waren gefragt. Die Aktie, die zuvor schon gut gelaufen war, bewegte sich kaum.

Klöckner & Co hofft auf 2014

Der Stahlhändler Klöckner & Co hat im vergangenen Jahr erneut rote Zahlen geschrieben. Der Verlust lag bei 85 Millionen Euro nach zuvor 200 Millionen. Der Umsatz fiel um 14 Prozent auf 6,38 Milliarden Euro. Im laufenden Jahr soll sich die Lage bessern. Trotzdem blieben die Anleger skeptisch, das Papier gehörte zu den größten Verlierern im MDax.

Springer setzt voll aufs Internet

Springer-Aktien gehörten ebenfalls zu den größten Verlierern im MDax. Beim Medienkonzern haben im vergangenen Jahr hohe Investitionen ins Digital-Geschäft das Ebitda des fortgeführten Geschäfts um knapp neun Prozent auf 454 Millionen Euro gedrückt. Commerzbank-Analystin Sonia Rabussier nannte Zahlen und Ausblick insgesamt wenig inspirierend.

RTL profitiert von Deutschland

Auch Branchen- und Indexkollege RTL Group lag im MDax ganz hinten. Der europäische Fernsehkonzern RTL Group hat im vergangenen Jahr auch wegen Sondereffekten seinen Gewinn zwar um 46 Prozent auf 870 Millionen Euro in die Höhe geschraubt. Das war der Börse aber zu wenig.

Symrise auf Rekordhoch

Zu den großen Gewinnern im MDax gehörte die Aktie des Duftstoff- und Aromenherstellers Symrise, die mit 36,33 Euro ein neues Rekordhoch markierten. Im Handelsverlauf lag der Kurs im Hoch sogar schon bei 37,68 Euro.

Neben einer positiven Analysteneinschätzung vom Vortag, die noch nachwirkte, führten Händler den Höhenflug auch auf die Aufnahme der Aktie in den FTSE EuroMid-Index zum 24. März zurück. Sie erwarten einen deutlich gesteigerten Tagesumsatz.

Jungheinrich etwas besser als prognostiziert

Der Gabelstaplerhersteller Jungheinrich hat seinen Umsatz im vergangenen Jahr von 2,27 auf 2,29 Milliarden Euro verbessert. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank allerdings um drei Prozent auf 172 Millionen Euro. Damit übertraf das Unternehmen aus Hamburg die gesenkte eigene Prognose leicht.

Helma expandiert stark

Die Aktie des Baudienstleister Helma Eigenheimbau war nach guten Zahlen an der Börse stark gefragt und erreichte mit 23,97 Euro ein neues Rekordhoch. Das Unternehmen berichtete für 2013 von einem Umsatzanstieg von 21 Prozent auf 138 Millionen Euro. Der Gewinn stieg von 3,8 auf 5,6 Millionen Euro. Im laufenden Jahr soll das stramme Wachstum weitergehen.

Manz ist wieder auf Kurs

Der Spezialmaschinenbauer Manz hat im vergangenen Jahr operativ wieder die Pluszone erreicht und ist auch für das laufende Jahr ist Manz sehr optimistisch. "In allen drei strategischen Geschäftsbereichen sehen wir sehr gute Voraussetzungen, um das Umsatz- und Ertragswachstum der Manz AG fortsetzen zu können", erklärte Vorstandschef Dieter Manz. Die Aktie des TecDax-Rückkehrers legte deutlich zu.

TecDax und SDax mit Änderungen

In den wichtigsten deutschen Aktienindizes werden im März nach einer Entscheidung der Deutschen Börse nur kleine Änderungen vorgenommen. Dax und MDax bleiben komplett unverändert. In den TecDax steigt Manz auf. Der Telekom-Zulieferer Adva steigt ab.

Im SDax werden die Titel des Herstellers von Oberflächenmaterialien Surteco sowie die Aktien des Solarparkbetreibers Capital Stage aufgenommen. Dafür müssen das Chemieunternehmen H&R und das Logistikunternehmen VTG den Index verlassen. Alle Änderungen werden zum 24. März wirksam.

Capital Stage hat am Nachmittag bekannt gegeben, dass man sich mit der Hamburger Investmentgesellschaft Aquila Capital auf den Erwerb eines Solarparks mit einer Leistung von 40 Megawatt geeinigt hat. Gezahlt werden 140 Millionen Euro, das ist die größte Investition des SDax-Neulings in der Firmengeschichte.

Orad wieder auf Wachstumskurs

Das israelische Unternehmen, dessen Aktie in Deutschland notiert wird, hat im vierten Quartal an die erfreuliche Entwicklung des Vorquartals angeknüpft und damit die Schwäche des ersten Halbjahres überwunden. Dabei hat sich vor allem die Auftragslage verbessert.

Der Umsatz stieg im Schlussquartal um 21,9 Prozent auf 8,7 Millionen Dollar, operativ kehrte Orad leicht in die schwarzen Zahlen zurück. Das Unternehmen bietet technische Lösungen für die Fernsehindustrie an, unter anderem Echtzeit-3D-Grafiken und Video Server.

Übernahmekampf in Frankreichs Mobilfunkmarkt

Beim Kampf um SFR, die Mobilfunktochter von Vivendi, hat der Mischkonzern Bouygues am Donnerstag offiziell seinen Hut in den Ring geworfen. Geboten werden 10,5 Milliarden Euro in bar und 46 Prozent am neuen Unternehmen, das aus dem Zusammenschluss von Bouygues Telecom und SFR entstehen soll.

Aber auch Altice, die Muttergesellschaft des französischen Kabelanbieters Numericable, ist im Rennen. Nach Insiderberichten bietet sie 14,75 Milliarden Euro in bar und einen Anteil von 32 Prozent. In Frankreich macht vor allem der Billiganbieter Illiad den etablierten Anbietern zu schaffen, die deshalb nach Synergieeffekten streben.

rm

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr