Marktbericht 20:10

Kaum Bewegung am Aktienmarkt Dax nur im Schneckentempo

Stand: 18.02.2014, 20:10 Uhr

Der deutsche Aktienmarkt hat seine Konsolidierungsphase fortgesezt und wenig verändert geschlossen. Die Anleger hielten sich bedeckt, es gab nur ein winziges Miniplus.

Zwar steckte der Markt am Morgen den Rückgang der ZEW-Konjunkturerwartungen relativ gut weg, die Hoffnung der Anleger, dass die Rückkehr der amerikanischen Anleger nach dem gestrigen Feiertag für frischen Wind sorgen würde, erfüllten sich jedoch nicht.

Der Leitindex Dax, der im Handelsverlauf mehrfach das Vorzeichen wechselte, schloss mit einem Miniplus von 0,03 Prozent bei 9.659 Punkten. Die Schwankungsbreite war gering und spiegelt das unentschlossene Verhalten der Anleger wider. Das Tagestief lag bei 9.616 Zählern, das Hoch bei 9.690 Punkten. Nachbörslich gab der L/E-Dax auf 9.647 Punkte nach.

US-Börsen ohne Schwung

Auch an der Wall Street selbst bietet sich derzeit ein ähnliches Bild. Sowohl im Dow Jones als auch im breiter gefassten Standardwerteindex S&P 500 gibt es kaum Bewegung, beide Indizes liegen aber leicht im Plus. An der Technologiebörse Nasdaq sieht es besser aus, der Composite-Index steht aktuell über 0,6 Prozent im Plus.

Die neuesten Konjunkturdaten fielen enttäuschend aus. Allerdings werden die Rückgänge sowohl beim Empire State Index als auch beim Hausbauindex NAHB auf das extreme Winterwetter zurückgeführt.

"Verantwortlich für die gedämpfte Unternehmensstimmung dürfte in erster Linie der anhaltend strenge Winter in Nordamerika sein. Vor diesem Hintergrund sollte der Rückgang nur temporär sein und keine Wachstumssorgen verursachen, zumal der Index weiterhin im positiven Bereich liegt", kommentierte Analyst Johannes Jander von der Landesbank Hessen Thüringen. Der viel beachtete Konjunkturindex war von 12,51 auf 4,48 Punkte gefallen, erwartet waren 9,0 Punkte.

Hinzu kamen noch schwache Daten aus der Kapitalverkehrsbilanz des Landes. Im Dezember zogen Investoren per Saldo 119,6 Milliarden Dollar ab, das ist der höchste Abfluss innerhalb eines Monats seit Februar 2009. Die USA benötigen einen hohen Zufluss an Kapital, um ihr Defizit in der Leistungsbilanz zu finanzieren.

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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25.199,29
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+0,32%
S&P 500: Kursverlauf am Börsenplatz S&P Indizes für den Zeitraum Intraday
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2.815,62
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+0,22%
Nasdaq Composite: Kursverlauf am Börsenplatz NASDAQ Indizes für den Zeitraum Intraday
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7.854,44
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-0,01%

Euro weiter im Aufwärtstrend

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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1,1586
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-0,50%

Die Gemeinschaftswährung profitiert am Nachmittag von den schwächeren US-Daten und legt über einen halben Cent zu. Der Euro steht aktuell bei 1,3755 Dollar nur knapp unter dem bisherigen Tageshoch. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Mittag auf 1,3731 Dollar festgelegt nach 1,3699 Dollar am Vortag.

Tagessieger RWE, Deutsche Börse im Abseits

Tagessieger im Dax waren RWE und Lufthansa, die ohne neue Nachrichten beide über ein Prozent zulegten. Deutsche Post profitierte von besseren Zahlen des Logistikrivalen TNT. Dieser war im vergangenen Quartal mit 88 Millionen Euro wieder in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt und sprach zudem von wieder besseren Rahmenbedingungen in Deutschland.

Tagesverlierer waren Deutsche Börse. Händler sprachen von aufkommenden Sorgen, dass die europäischen Finanzminister auf ihrer aktuellen Sitzung in Brüssel das Thema Finanztransaktionssteuer wieder auf Parkett bringen. Der Börsenbetreiber berichtet morgen nach Handelsschluss seine Zahlen für 2013.

Pkw-Absatz hilft Autowerten nicht

In der Europäischen Union wurden im vergangenen Monat 5,5 Prozent mehr Autos neu zugelassen als ein Jahr zuvor. Wie die europäische Herstellervereinigung ACEA mitteilte, wuchsen in allen großen Märkten die Pkw-Verkäufe. Deutschland, Großbritannien und Spanien erreichten jeweils mehr als sieben Prozent Zuwachs, Frankreich schaffte immerhin ein knappes Plus von 0,5 Prozent.

Den Autoaktien halfen die Zahlen aber nicht, sie notierten alle im Minus. Derweil wurde bekannt, dass der Daimler-Aufsichtsrat den Vertrag von Finanzvorstand Bodo Uebber bis 2019 verlängert hat.

Anleger reißen sich um Hochtief

Mit einem Aufschlag von mehr als vier Prozent lagen Hochtief bei denn mittelschweren Werten ganz vorn. Goldman Sachs hat die Titel zum Kauf empfohlen und das Kursziel von 64 auf 69 Euro angehoben. Die Aktie sei im laufenden Jahr bislang schlechter gelaufen als der Markt, obwohl sich die australische Tochter Leighton auf ihrem Niveau gehalten habe, schrieb Analyst Will Morgan. Der Baukonzern biete interessantes Aufwärtspotenzial.

Schwacher Ausblick kein Beinbruch für MTU

Der im MDax notierte Turbinenhersteller MTU Aero Engines stellt den Investoren für sein neues Geschäftsjahr trotz Umsatzzuwächsen kein Gewinnplus in Aussicht. Laut Analyst Markus Turnwald von der DZ Bank waren die Kennziffern für das vierte Quartal zwar solide, allerdings enttäusche der Ausblick für 2014. Turnwald empfiehlt die Titel weiterhin zum Verkauf. Die Anleger sahen das anders, die Aktie gehörte mit einem Aufschlag von einem Prozent zu den besten MDax-Werten.

Südzucker muss blechen

Indexkollege Südzucker war hingegen einer der schwächsten Werte im MDax und verlor 1,9 Prozent. Das Bundeskartellamt hat dem Unternehmen wegen jahrelanger verbotener Preisabsprachen ein saftiges Bußgeld von 195,5 Millionen Euro aufgebrummt hat. Südzucker kündigte an, dass die Strafe nach Auflösung von gebildeten Rückstellungen das Ergebnis im Ende Februar auslaufenden Geschäftsjahr noch um 155 Millionen Euro belasten wird.

Tom Tailor unter Erwartungen

Nachbörslich stellte das Modeunternehmen aus dem SDax seine vorläufigen Zahlen für 2013 vor. Zwar wuchsen sowohl Ergebnis als auch Umsatz, das operative Ergebnis (Ebitda) blieb jedoch wegen eines schwächeren Weihnachtsgeschäftes unter den selbstgesteckten Zielen des Unternehmens. Die Aktie gab nachbörslich weiter nach.

Aixtron bei Analysten gut gelitten

Die US-Bank JPMorgan hat Aixtron von "Neutral" auf "Overweight" hochgestuft und das Kursziel von zehn auf 16 Euro angehoben. Die Orderflaute bei dem im TecDax gelisteten Spezialmaschinenbauer mit dem Schwerpunkt LED-Industrie nähere sich dem Ende, schrieb Analyst Sandeep Deshpande. Am Markt dürften ab dem zweiten Halbjahr neue Kapazitäten aufgebaut werden. Das Papier, das im Tageshoch zwischenzeitlich über vier Prozent zugelegt hatte, konnte die Gewinne aber nicht halten und schloss nur leicht im Plus.

Erleichterung bei MLP

Der Finanzvermittler, einstmals sogar im Dax verteten, muss nach einem Urteil des Landegerichts Frankfurt ehemaligen Gesellschaftern seiner Tochter Feri kein Geld für den Kauf des Fondsspezialisten nachzahlen. Das Landgericht Frankfurt habe die Widerklage der früheren Feri-Partner auf einen Nachschlag von 51,5 Millionen Euro am Dienstag in erster Instanz abgewiesen, teilte MLP am Dienstagabend nach Börsenschluss mit.

MLP hatte 2006 und 2011 in zwei Schritten 115 Millionen Euro für den Vermögensverwalter gezahlt. Die Kläger sind nicht mehr im Unternehmen aktiv, können aber Berufung einlegen. Die MLP-Aktie legte nachbörslich zu.

InVision auf dem Vormarsch

Die auf Cloud Computing spezialisierte ehemalige Softwareschmiede hat nach vorläufigen Zahlen die Prognose aus dem November bestätigt. Das Ebit lag bei rund 1,75 Millionen Euro und damit mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahr. Der Umsatz stieg leicht auf 13,56 Millionen Euro, wobei die Erlöse im Cloud Computung deutlich anzogen.

Im klassischen Lizenzgeschäft waren sie hingegen rückläufig. Das Unternehmen zieht sich seit dem Herbst 2012 planmäßig aus dem Softwaregeschäft zurück und konzentriert sich primär auf das Cloud Computing. Die Aktie, die zuletzt schon stark gestiegen war, legte weiter zu.

Air Liquide erhöht Gewinn

Der französische Gasekonzern Air Liquide hat im vergangenen Jahr vor allem dank seines strikten Sparkurs mehr verdient als ein Jahr zuvor. Der Gewinn sei um 3,1 Prozent auf 1,64 Milliarden Euro gestiegen, teilte der Linde-Konkurrent mit. Der Gewinn je Aktie legte um 3,3 Prozent auf 5,28 Euro zu. Damit übertrafen die Franzosen die Erwartungen der Analysten. Nach gutem Start drehte die Aktie danach jedoch ins Minus.

Alstom-Aktie unter Druck

Ganz andere Sorgen hat hingegen der französische Siemens-Konkurrent Alstom, dessen Aktie so niedrig notiert wie seit acht Jahren nicht mehr. Hintergrund der Kursschwäche ist ein Pressebericht, nach dem der Staat einen Einstieg bei Alstom plant, unter anderem auch mittels einer Kapitalerhöhung. Eine Alstom-Sprecherin dementierte allerdings, dass eine Kapitalerhöhung bevorstehe, das französische Industrieministerium wollte sich nicht äußern.

Peugeot bekommt neue Eigner

Beim angeschlagenen französischen Autobauer steigen sowohl der französische Staat als auch der chinesische Hersteller Dongfeng ein und werden zukünftig je 14 Prozent am Unternehmen halten. Der Anteil der Familie Peugeot sinkt von 25,4 auf ebenfalls 14 Prozent. Den Deal habe der Aufsichtsrat am Dienstag in Paris beschlossen, berichtete die französische Nachrichtenagentur "AFP" unter Berufung auf Informanten aus dem Unternehmen.

Grundlage der neuen Eigentümerstruktur soll demnach eine Kapitalerhöhung um drei Milliarden Euro werden. An ihr sollen sich die beiden neuen Anteilseigner mit jeweils 800 Millionen Euro beteiligen. Peugeot, nach VW immerhin zweitgrößter Autobauer in Europa, steckt seit langem in der Krise.

Mehr Gäste bei Intercontinental

Die weltgrößte Hotel-Gruppe hat im abgelaufenen Jahr von steigenden Gästezahlen besonders in Amerika profitiert und ihr Ergebnis um zehn Prozent auf 600 Millionen Dollar gesteigert. Der Umsatz zog um 3,7 Prozent auf 1,9 Milliarden Dollar an, wie der britische Betreiber der Hotelketten Holiday Inn und Crowne Plaza mitteilte. Auch im laufenden Jahr rechnet das Management mit weiterem Wachstum.

Coca-Cola kann nicht begeistern

Der amerikanische Getränkeriese aus dem Dow-Jones hat im abgelaufenen Jahr unter negativen Währungseffekten und der schwächeren Nachfrage in den von der Schuldenkrise besonders betroffenen Ländern gelitten. Umsatz und Ergebnis gingen zurück, Firmenchef Muhtar Kent will jetzt verstärkt auf die Kostenbremse treten. Die Aktie ist aktuell schwächster Wert im Dow-Jones-Index und verliert deutlich über drei Prozent.

Actavis bestätigt Übernahme

In der US-Pharmabranche kommt es zu einer Milliardenfusion. Der Generika-Spezialist Actavis bestätigte am Nachmittag einen Zeitungsbericht, dass er für insgesamt 25 Milliarden Dollar den Konkurrenten Forest Laboratories übernimmt. Actavis zahlt 89,48 Dollar, das ist ein Aufschlag von gut 25 Prozent auf den Freitag-Schlusskurs. Bezahlt werde sowohl in Aktien als auch in bar. Actavis hatte bereits im vergangenen Jahr für fünf Milliarden Dollar das irische Unternehmen Warner Chilcott gekauft.

Tesla im Blick

Tesla: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
273,00
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-0,69%

Tesla Motors legen zu. Händler verwiesen auf Medienberichte, wonach sich Unternehmenschef Elon Musk mit einem hochrangigen Apple-Manager getroffen habe. Dies habe Spekulationen über eine Zusammenarbeit beider Unternehmen ausgelöst, hieß es. An diesem Mittwoch will der Hersteller von Elektroautos seine Quartalszahlen präsentieren.

BHP Billiton erspart sich solide Gewinne

Mit einem Sparprogramm hat der Rohstoff-Konzern BHP Billiton den Gewinne im ersten Halbjahr kräftig erhöht. Der Nettogewinn stieg um 83 Prozent auf 8,1 Milliarden US-Dollar. Der Umsatz stieg um fast sechs Prozent auf 34 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen werden seine Schulden bis Ende des Finanzjahres (30. Juni) um zwei auf 25 Milliarden Dollar reduzieren, teilte CEO Andrew Mackenzie mit, der weitere Effizienzsteigerungen ankündigte.

Hoffnungsschimmer für Sony

Der angeschlagene japanische Konzern hat mit der neuen Playstation 4 wieder einen Favoriten im Portfolio. Wie das Unternehmen am Dienstag bekannt gab, wurden bis Anfang Februar bereits 5,3 Millionen Geräte verkauft. Sony ist aus dem verlustreichen Computergeschäft ausgestiegen und konzentriert sich neben der Playstation auf Kameras, Smartphones und Tablet Computer.

rm

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 19. Juli

Unternehmen:
Volvo Car: Halbjahreszahlen, 6:00 Uhr
Volvo AB: Q2-Zahlen, 7:20 Uhr
Kuehne & Nagel: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
Givaudan: Halbjahreszahlen, 6:45 Uhr
ABB: Q2-Zahlen, 6:50 Uhr
Adva Optical: Q2-Zahlen, 7 Uhr
SAP: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Amadeus Fire: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Villeroy & Boch: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Unilever: Halbjahreszahlen, 8 Uhr
Südzucker: HV, 10 Uhr
Bank of New York: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Blackstone: Q2-Zahlen
Microsoft: Q4-Zahlen, 22:09 Uhr

Konjunktur:
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Woche), 14:30 Uhr
USA: Philly Fed Index 07/18, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren, 06/18, 16 Uhr