Marktbericht 20:02

Erste Korrektur Dax: Noch keine Entwarnung

Stand: 10.02.2016, 20:02 Uhr

Nach dem Sturz unter die 9000er Marke zum Wochenstart hat sich der Dax am Mittwoch etwas gefangen. Ausgerechnet die schwer gebeutelte Deutsche Bank half dem Markt nach oben.

Der Dax legt gleich nach Handelsbeginn zu und klettert wieder über die Schwelle von 9.000 Punkten. Befeuert von den Papieren der Deutschen Bank legt das Börsenbarometer zeitweise um über 200 Punkte zu auf 9.128. Doch am Nachmittag bröckeln die Gewinne wieder ab. am Ende geht der Dax bei 9.017 Zählern aus dem Handel, ein Plus von 1,55 Prozent oder 137 Punkten.

ARD-Börsenstudio: Mischa Erhard
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Börse 20.15 Uhr

Marktexperten sprechen von einer technischen Gegenreaktion auf die massiven Verluste der Vortage. Der Markt sei einfach reif für eine Korrektur gewesen - bevor es weiter abwärts geht. "Der Dax atmet ebenso wie die Investoren einmal durch", kommentierte Daniel Saurenz von Feingold Research. Mehr aber auch nicht.

"Das sieht aber eher so aus, als ob Schnäppchenjäger ihren Zeh ins Wasser halten", warnte Analyst Tony Cross vom Online-Broker Trustnet Direct. Ein groß angelegter Stimmungsumschwung sei nicht zu beobachten.

Yellen beruhigt etwas

Für Afmerksamkeit sorgte der Auftritt von Fed-Chefin Janet Yellen vor dem Kongress in Washington. Sie betonte die Risiken des aktuellen Finanzumfeldes für die US-Konjunktur, sagte aber auch, dass man aus den derzeitigen Turbulenzen an den Aktienmärkten keine vorschnellen Schlüsse ziehen sollte. Sie erwartet, dass das Wirtschaftwachstum in diesem Quartal anzieht. Der Kurs behutsamer Leitzinsanhebungen dürfte sich also fortsetzen.

An der Wall Street fällt die Gegenbewegung deutlich bescheidener aus als in Europa. Der Dow Jones dreht im Tagesverlauf sogar wieder ins Minus, kann sich im späteren verlauf aber wieder leicht erholen. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der US-Leitindex hauchdünn im Plus bei 16.030 Punkten. Nach oben geht es für die zuletzt arg gebeutelten Technologie- und Bankenaktien.

Kaum Grund für Aktienkauf

Fundamental gebe es derzeit kaum Gründe für den Kauf von Aktien, urteilen Experten. Sowohl in den USA als auch in China deuten die jüngsten Daten auf eine Abkühlung der Konjunktur hin, was die Unternehmensgewinne unter Druck setzen dürfte. Zudem verharren die Ölpreise auf einem niedrigen Niveau, der ganze Volkswirtschaften wie Brasilien, Russland oder Saudi-Arabien in die Krise gestürzt hat. Auch deute der massive Kursverluste der Banken in den letzten Tagen auf ein tiefes Misstrauen der Investoren hin.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Allein die Reaktion der Deutschen Bank zeige wie ernst und bedrohlich die Lage an den Finanzmärkten angesehen werde. Es gehe jetzt darum die Märkte zu beruhigen und den Ausbruch eines Flächenbrandes zu verhindern.

Ölpreise steigen wieder

Statt weiter zu steigen, sind die Ölvorräte in den USA in der vergangenen Woche um 0,8 Millionen auf 502,0 Millionen Barrel (je 159 Liter) gefallen, teilte das Energieministerium mit. Analysten hatten hingegen mit einem Zuwachs um 3,2 Millionen Barrel gerechnet. In der Folge legen die Rohölpreise wieder zu.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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72,21
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Euro kurz unter 1,12 Dollar

Die Verschnaufpause an den Aktienmärkten setzt im Gegenzug den Euro unter Druck. Am Nachmittag kostete die Gemeinschaftswährung zeitweise nur noch 1,1187 Dollar, kletterte im weiteren Verlauf aber wieder über die Marke von 1,12 Dollar. Im frühen Handel war der Euro noch knapp über der Marke von 1,13 Dollar gehandelt worden, nachdem er am Vorabend bis auf 1,1338 Dollar gestiegen war.

Deutsche Bank verschafft sich etwas Luft

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Im Dax sorgte das zeitweise fast 17-prozentige Kursplus der Deutschen Bank für Aufsehen. Das war der größte Kurssprung seit sieben Jahren. In den vergangenen beiden Wochen war die Aktie wegen eines Rekord-Verlustes und anschließenden Spekulationen um Zahlungsschwierigkeiten allerdings um rund 30 Prozent eingebrochen. Selbst drohende weitere milliardenschwere Abschreibungen auf die Tochter Postbank brachten die Papiere nicht von ihrem Kurs ab, die 10,2 Prozent im Plus schlossen.

Vonovia verzockt sich

Kräftig zulegen kann dagegen die Vonovia-Aktie. Deutschlands größter Immobilienkonzern ist mit seinen Plänen zur feindlichen Übernahme des Rivalen Deutsche Wohnen gescheitert. Die Bochumer konnten trotz einer verlängerten Entscheidungsfrist nicht genug Anleger von der feindlichen Offerte überzeugen. Vonovia-Chef Rolf Buch räumte ein, die Annahmequote für die Milliardenofferte habe nach vorläufigen Zahlen nur bei rund 30,4 Prozent gelegen. Die Anleger beider Firmen reagieren erleichtert.

Daimler und VW: Rückruf

Auch die Daimler und VW-Aktien holen heute auf. Dabei müssen beide Konzerne in den USA insgesamt 1,5 Millionen Fahrzeuge wegen möglicherweise defekter Airbags des japanischen Herstellers Takata zurückrufen. Die Kosten des Rückrufs belaufen sich auf 340 Millionen Euro, das Konzernergebnis 2015 wird auf 8,7 Milliarden Euro nach unten korrigiert. Der Dividendenvorschlag von 3,25 Euro pro Aktie für 2015 bleibt davon unberührt.

Eon und RWE: Zu geringe Rückstellungen?

Dagegen sind die Aktien der Versorger Eon und RWE die einzigen Verlierer im Dax. Während RWE 2,07 Prozent einbüßen, geht es für Eon um 3,36 Prozent abwärts. Mehrere Händler verwiesen auf einen Bericht von "Spiegel Online" über zu geringe Rückstellungen für die Stilllegung von Atomkraftwerken in der gesamten EU.

United Internet kauft zu

United Internet hat sich eine Beteiligung von 25,1 Prozent an dem SDax-Unternehmen Tele Columbus gesichert. Eine weitere aufstockung auf 30 Prozent und mehr ist derzeit nicht geplant. Die Aktie von Tele Columbus steigt im Späthandel um 3,3 Prozent.

Nordex hochgestuft

Nordex: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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9,11
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Im TecDax ist die Nordex-Aktie einer der Favoriten. Die britische Investmentbank Barclays hat Nordex mit "Overweight" und einem Kursziel von 32 Euro in die Bewertung aufgenommen. Der Windturbinen-Hersteller werde dank der geplanten Übernahme von Acciona Wind Power bald gut in den Wachstumsmärkten der Schwellenländer und den USA aufgestellt sein, so Barclays.

Aurubis bestätigt Prognose

Die Kupferhütte Aurubis aus dem MDax hält trotz des schwachen Auftaktquartals an ihrer Gewinnprognose für das Geschäftsjahr fest. Der Konzern werde ein im Vergleich zum Rekordgewinn des Vorjahres zwar deutlich niedrigeres, aber zufriedenstellendes Ergebnis erzielen, bekräftigte Finanzvorstand Erwin Faust am Mittwoch in Hamburg.

Heidelberger Druck schreibt wieder schwarz

Im SDax kann Heidelberger Druck auftrumpfen. Der Konzern hat im dritten Quartal den Weg zurück in die schwarzen Zahlen gefunden. Das Ergebnis nach Steuern kletterte von minus 53 Millionen Euro auf plus 7 Millionen Euro. Die Druckmaschinenindustrie war von der Wirtschaftskrise so schwer gebeutelt wie kaum eine andere Branche.

Fosun stockt bei Tom Tailor weiter auf

Die chinesische Beteiligungsgesellschaft Fosun hat ihre Anteile an dem deutschen Modekonzern Tom Tailor auf knapp 30 Prozent aufgestockt. Die Firma des Unternehmers Guo Guangchang halte inzwischen 29,47 Prozent und damit rund 4,5 Prozent mehr als zuletzt gemeldet, teilte Tom Tailor mit. Beim Erreichen dieser Schwelle müsste der Investor den anderen Aktionären ein Übernahmeangebot unterbreiten. Die Aktionäre von Tom Tailor jubeln.

Grenkeleasing übertrifft Prognose

Der IT-Vermittler Grenkeleasing hat seinen Konzerngewinn im Geschäftsjahr 2015 um 24 Prozent auf 80,8 Millionen Euro gesteigert und damit die Prognosespanne von 78 bis 80 Millionen Euro übertroffen. Der Vorstand schlägt eine Dividende von 1,50 Euro je Aktie vor.

Guter Start für die Manz AG

Um 20,5 Prozent in die Höhe geschnellt sind die Aktien von Manz . Der Maschinenbauer ist nach eigenen Aussagen mit einem guten Auftragseingang in das aktuelle Jahr gestartet. In den ersten Wochen 2016 erhielt das Unternehmen den Zuschlag für Maschinen zur Herstellung von leistungsfähigen Lithium-Ionen-Batterien mit einem Gesamtwert im unteren zweistelligen Millionenbereich. Umsatz- und ertragswirksam werden die Aufträge im Laufe des ersten Halbjahres 2016.

Akzo Nobel: Wer spart, gewinnt

Der Spezialchemiekonzern Akzo Nobel hat einen rigiden Sparkurs eingeschlagen. Das zahlt sich nun aus. Das operative Ergebnis sprang im vergangenen Jahr um fast 60 Prozent auf 1,57 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg um vier Prozent auf 14,86 Milliarden Euro.

Disney: Rekordquartal dank "Star Wars"

Der jüngste "Star Wars"-Film hat dem US-Unterhaltungsriesen Disney zum Jahresende soviel Geld in die Kasse gespült wie noch nie zuvor in einem Quartal. Der Überschuss kletterte in den drei Monaten bis Ende Dezember verglichen mit dem Vorjahreswert um 32 Prozent auf 2,9 Milliarden Dollar.

Russland-Geschäft vermiest Carlsberg-Bilanz

Zuwächse in Asien konnten beim dänischen Bierbrauer Carlsberg die Flaute auf dem russischen Markt nicht ausgleichen. Im vierten Quartal ist das operative Ergebnis vor Sondereffekten deshalb um 21 Prozent auf umgerechnet rund 190 Millionen Euro eingebrochen.

Heineken erwartet für 2016 Gewinnwachstum

Der Bierbrauer Heineken rechnet trotz stärkeren Gegenwinds auch im laufenden Jahr mit einem wachsenden Umsatz und Gewinn. 2015 kletterte der Gewinn des weltweit drittgrößten Bierbrauers um 16 Prozent auf 2,05 Milliarden Euro und lag damit im Rahmen der Erwartungen.

Nissan mit starkem Europageschäft

Die starke Nachfrage in Westeuropa und Nordamerika sorgt für Rückenwind bei Nissan. Japans zweitgrößter Autobauer verbuchte deshalb im abgelaufenen Quartal ein um 23,5 Prozent höheres operatives Ergebnis von umgerechnet rund 1,5 Milliarden Euro. Das war mehr als von Analysten erwartet.

Reederei Maersk erleidet Gewinneinbruch

Die Abkühlung des Welthandels und der Preisverfall bei Rohöl machen der führenden Reederei Maersk zu schaffen. Der Nettogewinn des Hapag-Lloyd-Konkurrenten brach 2015 um etwa 80 Prozent auf 925 Millionen Dollar ein. Auch für das laufende Jahr ist keine Besserung in Sicht.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 26. September

Unternehmen:
Deutsche Bank: Rede von Bank-Chef Sewing bei der Schmalenbach-Gesellschaft
Nestlé: Rede von Vorstandschef Schneider zum Thema "Nestle - current growth strategies in the food and beverage industry", 18:00 Uhr

Konjunktur:
USA: Zinsentscheid der Fed, 20 Uhr, Pk ab 20:30 Uhr
Deutschland: DIW-Konjunkturbarometer
USA Eigenheimabsatz, August, 16 Uhr

Sonstiges:
Hannover: Fortsetzung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September)