Marktbericht 20:02 Uhr

Schwächerer Euro hilft dem Markt Dax: Noch ist die Kuh nicht vom Eis

Stand: 03.08.2016, 20:02 Uhr

Die technisch wichtige 200-Tage-Linie hat vorerst gehalten, der Dax kann sogar wieder leicht zulegen. Doch wirklich überstanden ist die Korrektur der letzten Tage noch nicht.

Erst die am Freitag anstehenden US-Arbeitsmarktdaten für den Juli dürften über die weitere Entwicklung der Aktienmärkte entscheiden, glauben Marktexperten. Auch die morgige Zinssitzung der Bank von England könnte die Märkte beeinflussen, falls die Notenbank wegen des Brexit weitere Lockerungsmaßnahmen verkündet. Bis dahin dürften sich die Anleger mit Zukäufen zurückhalten.

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
Audio

Börse 20.15 Uhr

Weitgehend ignoriert haben die Investoren die am Nachmittag vorgestellten Zahlen des privaten US-Arbeitsvermittlers ADP. Danach sind in den USA im Juli außerhalb der Landiwrtschaft 179.000 neue Stellen geschaffen worden, 9.000 mehr als erwartet. Das deutet nach Ansicht von Ralf Umlauf, Ökonom bei der Helaba, auf einen weiterhin robusten Arbeitsmarkt hin.

Dax nahe Tageshoch, Wall Street konsolidiert

Der Dax reagiert zwar kaum auf die Zahlen, unterbricht aber seine Korrekturphase der letzten Tage und dreht am Nachmittag im Schlepptau der Wall Street sogar leicht ins Plus. Am Ende geht der Leitindex bei 10.170 Punkten aus dem Handel, 0,26 Prozent oder 26 Punkte höher als am Vortag. Damit schließt der Dax nahe seinem Tageshoch von 10.189 Zählern.

Am Vormittag war das Börsenbarometer noch bis auf 10.093 Punkte gefallen und hatte sich damit bis auf 13 Punkte der derzeit bei 10.080 Zählern liegenden 200-Tage-Linie genähert. Doch dann konnten die Bullen die Attacke der Bären doch noch abschmettern.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.157,67
Differenz relativ
+0,51%

Auch an der Wall Street hat sich der seit Tagen anhaltende Abwärtstrend nicht weiter fortgesetzt. Der Dow Jones-Index eröffnet leicht im Plus und notiert bei Börsenschluss in Frankfurt 0,1 Prozent höher bei 18.327 Punkten. Angeführt wird der Index von den beiden Bankwerten Goldman Sachs und JP Morgan.

Euro deutlich schwächer

Unterstützung bekommt der Markt heute vom Euro. Die Gemeinschaftswährung hat ihren Höhenflug abgebrochen und ist bis auf 1,1164 Dollar gesunken. Das stützt natürlich die deutschen Exportwerte. Gestern war die europäische Gemeinschaftswährung noch bis auf 1,1233 Dollar gestiegen.

Ölpreise ziehen etwas an

Hilfe kommt auch vom Ölmarkt. Dort haben die Preise leicht zugelegt. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Oktober kostet knapp 43 Dollar. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im September steigt ebenfalls leicht an und überspringt sogar die 40-Dollar-Marke.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
78,78
Differenz relativ
+0,73%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
69,54
Differenz relativ
+0,75%

Flixbus schnappt sich Postbus

Deutsche Post: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
31,78
Differenz relativ
+1,31%

Im Dax sind die Post-Aktien bis zum Schluss die größten Gewinner. Die Bonner haben dank florierender Paket-Geschäfte und dem Ende der Krise ihrer Frachtsparte ihren Gewinn im zweiten Quartal um rund zwei Drittel auf 541 Millionen Euro steigern können. Zugleich trennt sich der Konzern von seinem Fernbus-Geschäft Postbus. Dieses gehe an die FlixMobility GmbH, die unter der Marke Flixbus arbeitet.

Continental überzeugt nicht

Auf der Verliererseite steht dagegen Continental. Dabei blickt der Autozulieferer optimistischer aufs Gesamtjahr. "Die sehr gute Absatzentwicklung in den ersten sechs Monaten auf der Reifenseite verleiht uns zusätzlichen Rückenwind", erklärte Vorstandschef Elmar Degenhart. Er rechnet nun mit einer bereinigten Rendite vor Steuern und Zinsen von mehr als elf Prozent (bisher: rund elf Prozent).

VW: Weniger Autos in China 2017

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
148,24
Differenz relativ
+2,60%

Auch die VW-Vorzüge büßen überdurchschnittlich ein. Dwe Autobauer stellt sich auf einen Dämpfer in China ein. Der geplante Wegfall von Steuererleichterungen für kleine Automotoren werde 2017 zu einem Absatzrückgang führen, sagte China-Chef Jochem Heizmann. Auch in den USA dauern die Probleme des VW-Konzerns an. Im Juli sackten die Verkäufe im Jahresvergleich um gut acht Prozent auf 28.758 Neuwagen ab. Besser lief es für die Oberklasse-Tochter Audi, die vier Prozent mehr Fahrzeuge loswurde.

Daimler brummt, BMW schwächelt

Daimlers US-Geschäfte brummten indes mit einem 7,2-prozentigen Absatzplus regelrecht. Premium-Rivale BMW kämpft derweil weiter mit schwächelnden Verkäufen. Der Absatz inklusive der Marke Mini ging um 5,0 Prozent auf 30.551 Autos zurück. Die Nachfrage der US-Kunden war bereits in den Vormonaten deutlich gesunken.

Axel Springer: Gegenwind vom Brexit

Im MDax sind die Papiere von Axel Springer die größten Verlierer. Das Medienhaus bekommt Gegenwind vom schwachen britischen Pfund und muss sein Umsatzziel für 2016 herunterschrauben. In die neue Prognose sei angesichts der unsicheren politischen und wirtschaftlichen Lage aber auch ein "gewisser Vorsichtspuffer" eingebaut, sagte Springer-Chef Mathias Döpfner am Mittwoch.

Salzgitter empfohlen

Dagegen sind Anleger einer Kaufempfehlung für Salzgitter-Papiere gefolgt. Die im MDax notierten Aktien steigen um 2,95 Prozent, nachdem Analysten der Deutschen Bank ihr Kursziel auf 41 von 40 Euro anhoben. Das Rating für die Aktien bestätigten sie mit "Buy". Die Experten gehen davon aus, dass der Konzern im abgelaufenen Quartal von höheren Preisen und einer Erholung des Stahlmarktes profitiert hat.

Norma profitiert weiter von Nachfrage aus Autoindustrie

Abwärts geht es mit den Papieren von Norma. Der Verbindungstechnik-Spezialist aus dem MDax hat im zweiten Quartal seinen Umsatz um lediglich 1,4 Prozent auf 236,2 Millionen Euro gesteigert. Norma wurde dabei von Währungseffekten gebremst.

Nemetschek von Analysten geschwächt

Im TecDax haben Anleger Nemetschek aus ihren Depots geworfen. Die Aktien des Softwareherstellers rutschen um über sechs Prozent auf 53,54 Euro ab. Die Analysten von Equinet haben die Titel auf "reduce" von "neutral" heruntergestuft. Sie begründen dies mit der starken Kursentwicklung in den vergangenen Wochen. Nemetschek habe solide Ergebnise vorgelegt und das spiegele das hohe Kursniveau auch wider.

DIC Asset mit extremem Gewinnplus

Der Immobilienkonzern DIC Asset aus dem SDax hat im ersten Quartal seinen Überschuss von 5,0 auf 20,1 Millionen Euro mehr als vervierfacht. DIC führte das maßgeblich auf erfolgreiche Verkäufe und eine verbessertes Zinsergebnis zurück. Die FFO konnten mit 27,7 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr um 15 Prozent gesteigert werden.

Rational: Renditeschwund wegen Brexit

Dank guter Geschäfte in Deutschland und den USA und einer leichten Erholung in Russland hat der Profiküchen-Ausstatter Rational im zweiten Quartal zugelegt. Der Umsatz wuchs um neun Prozent auf 147,4 Millionen Euro. Übers Halbjahr gesehen drückte vor allem die Abwertung des Pfunds auf die Rendite (Ebit-Marge): Sie sank in den ersten sechs Monaten auf 26,0 Prozent von 28,4 Prozent im Jahr zuvor.

Braas Monier senkt Umsatzausblick

Einer der größten Verlierer im SDax ist Braas Monier. Der Dachziegelhersteller hat zwar starke Resultate für das zweite Quartal vorgelegt, allerdings seinen Umsatzausblick für das Gesamtjahr leicht gesenkt. Das Unternehmen erwartet nun ein bereinigtes Umsatzwachstum von etwa einem Prozent. Nach dem ersten Quartal hatte das Unternehmen noch ein Plus von zwei bis drei Prozent angepeilt.

HSBC: Große Unsicherheit nach Brexit

Die britische Großbank HSBC stellt sich nach dem Brexit-Votum auf eine anhaltende Phase der Unsicherheit ein. Die eigenen Aktivitäten würden sehr genau unter die Lupe genommen. Im ersten Halbjahr 2016 fiel der Vorsteuergewinn des Instituts um 29 Prozent auf 9,7 Milliarden Dollar. Damit wurden die Analystenschätzungen nicht ganz erreicht.

SocGen und Credit Agricole steigern Gewinn

Société Générale profitiert vom Verkauf des Anteils an dem Kreditkartenanbieter Visa Europe. Der Nettogewinn legte im zweiten Quartal um acht Prozent auf 1,46 Milliarden Euro zu. Der heimische Konkurrent Credit Agricole hat seinen Konzernumbau abgeschlossen und im zweiten Quartal den Nettogewinn um 25,8 Prozent auf 1,158 Milliarden Euro gesteigert.

ING dank Sondereffekten mit sattem Gewinnplus

Die niederländische Bank ING hat das zweite Quartal mit einem kräftigen Gewinnsprung abgeschlossen. Neben einem Erlös aus dem Verkauf der Anteile am Kreditkartenunternehmen Visa erlöste das Institut aber auch mit Bankgeschäften und neuen Kunden mehr als Vorjahr. Der Gewinn stieg um knapp 262 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro.

Axa: Starkes Geschäft in den Schwellenländern

Der Versicherer Axa hat im ersten Halbjahr von einem guten Geschäft in Schwellenländern profitiert. Dadurch konnte der Allianz-Konkurrent die Umsatzdelle im Leben- und Krankengeschäft in den entwickelten Märkten fast wettmachen. Der um Sondereffekte wie den Verkauf von kleineren Sparten bereinigte Gewinn ging um drei Prozent auf 3,36 Milliarden Euro zurück.

Biotest soll Steuern nachzahlen

Das im TecDax notierte Unternehmen Biotest soll 20 Millionen Euro Steuern und Zinsen nachzahlen. Die Änderungen begründet das Finanzamt Offenbach mit dem Verweis auf die Ermittlungen der Steuerfahndung und der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main im Zusammenhang mit dem Russland-Geschäft der Biotest AG.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 19. September

Unternehmen
Manchester United: Q4-Zahlen
Adecco: Investor Day, 7 Uhr

Konjunktur:
Japan: Zinsentscheid der Bank von Japan
USA: Wohnbaubeginne, August, 14:30 Uhr
USA: Leistungsbilanz Q2, 14:30 Uhr