Dax nimmt die Krise ins Wochenende

Stand: 24.06.2011, 20:01 Uhr

Es hätte ein freundlicher Wochenausklang werden können. Der Ifo-Index und amerikanische Konjunkturdaten lieferten gute Vorgaben. Doch die Eurokrise meldete sich in Italien zurück und die Aktionäre reagierten nervös. Der Dax schloss im Minus.

Dabei hatte der Morgen gut angefangen. Die Börsianer schickten sich an, die Verluste vom Donnerstag auszugleichen, und als der Ifo-Index mit 114,5 Punkten im Mai positiv überraschte, legte der Leitindex noch eine Schippe drauf.

Dennoch: 0,4 Prozent verlor der Dax am Freitag und schloss bei 7.121 Punkten, rund 150 Zähler unter dem im Tagesverlauf erreichten Höchststand. Etwas hatte die Anleger erheblich verunsichert und zu Verkäufen veranlasst, und dieses Etwas war wieder einmal die europäische Schulden-, Finanz- und Bankenkrise.

Aber nicht Griechenland sorgte die Anleger, sondern Italien. Die Ratingagentur Moody's hatte einen skeptischen Ausblick für italienische Banken abgegeben, die Aktien von zwei dortigen Großbanken wurden daraufhin wegen erheblicher Kursverluste kurzfristig vom Handel ausgesetzt, und danach war die bis dahin gute Börsenstimmung Geschichte.

Auch die Anleger in New York nahmen die Entwicklung der europäischen Schuldenkrise sehr ernst und schickten die drei großen Wall Street-Indizes auf Talfahrt. Rund ein Prozent tiefer notierten sie, als in Frankfurt der Parketthandel geschlossen wurde. Dass die Auftragseingänge langlebiger Güter besser ausfielen als erwartet, wurde ignoriert.

Über die Woche blieb wieder einmal ein kleiner Kursverlust von 0,6 Prozent und die Erkenntnis, dass Krisenbörsen große Schwankungsbreite besitzen und sich tendenziell abwärts bewegen.

Hohe Verluste bei Banken und Versicherern
Am meisten betroffen von der Angst vor einer womöglichen Krise in Italien waren im Dax die Papiere von Banken und Versicherern. Die Commerzbank schloss deutlich unter drei Euro und verlor vier Prozent, die Allianz-Aktie gab 2,3 Prozent ab. Die Aktien der italienischen Banken gaben ebenfalls kräftig ab, nachdem ihr Handel wieder aufgenommen wurde.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
146,28
Differenz relativ
-0,14%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
47,10
Differenz relativ
-0,67%
Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
19,26
Differenz relativ
+1,88%

Autos im Plus, Lufthansa gewinnt
Die guten Konjunkturdaten aus Deutschland und den USA bescherten einigen Industriewerten im Dax Kursgewinne. Siemens, Infineon und die Autoaktien waren gefragt. Bei den Kursgewinnen der Autokonzerne spielten, erläuterte ein Händler, vor allem technische Aspekte eine Rolle, sowie womöglich ein Medienbericht, in dem über mögliche Absatzerleichterungen in China spekuliert wird. Ebenfalls leicht im Plus schloss die Aktie der Lufthansa. Am Donnerstag hatte die Internationale Energie-Agentur IEA beschlossen, insgesamt 60 Millionen Barrel Rohöl aus den strategischen Reserven der Länder auf den Markt zu schmeißen, um den Preis zu drücken. Für die Luftfahrtbranche scheint dies eine gute Nachricht zu sein.

Metro will Verlusttochter Real verkaufen
Die Aktie der Metro gab im Nachmittagsverlauf ihre Kursgewinne ab. Die Gesellschaft will ihre Verluste bringende Supermarkttochter Real verkaufen und spricht mit mehreren Interessenten darüber. Konkret sei jedoch noch nichts, schränkte die Metro ein. Kurstreibend wirkte sich zumindest am Morgen die Genehmigung der EU-Kommission für die Übernahme der Elektronikkette Redcoon durch die Metrotochter Saturn aus.

Oracle: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
41,50
Differenz relativ
+0,73%

Oracle legt schwach vor, SAP folgt
Die schwach aufgenommenen Quartalszahlen des amerikanischen Softwarekonzerns Oracle lasteten auch auf dem Kurs des deutschen Wettbewerbers SAP. Dessen Aktie schloss am Freitag 0,4 Prozent schwächer. Oracle hatte am Donnerstag die Bilanz des vierten Geschäftsquartals veröffentlicht. Obwohl der Gewinn um mehr ein Drittel und der Umsatz um 13 Prozent stieg, fällt der Kurs in New York derzeit um mehr als vier Prozent.

Deutsche Börse winkt mit Sonderdividende
Die geplante Fusion von Deutscher Börse und NYSE ist noch lange nicht in trockenen Tüchern. Um die widerspenstigen amerikanischen Aktionäre etwas gutmütiger zu stimmen, wollen die beiden Konzerne insgesamt 631 Millionen Euro ausschütten. Es sei geplant, eine außerordentliche Dividende von 2,00 Euro je Aktie zu zahlen, sobald der Zusammenschluss perfekt ist. Die Aktie war am Freitag nicht unter den Favoriten, sie verlor 1,3 Prozent.

Hugo Boss NA: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
53,64
Differenz relativ
-2,26%

Hugo Boss wird von Goldman Sachs gelobt
Eine freundliche Analystenstudie trieb die Aktie des Modeherstellers Hugo Boss an die MDax-Spitze. Die Firma sei auf einem rapiden Wachstumskurs und die Marke im Premium-Bekleidungs-Segment gut etabliert, lobten die Modefachleute der amerikanischen Bank. Sie nahmen die Aktie mit "Buy" und einem Kursziel von 81,20 Euro auf.

Evotec und Roche arbeiten wieder zusammen
Im TecDax legte das Papier des Biotechnologiekonzerns Evotec 5,4 Prozent zu. Die offenkundige Begeisterung der Anleger löste die Mitteilung aus, dass der Schweizer Pharmakonzern Roche und Evotec fortan in der Krebsforschung zusammenarbeiten wollen. Mit dem Geschäft mache Evotec einen großen Sprung in den Bereich der individuellen Krebsbehandlung und damit in einen der Wachstumsmärkte der Medizin der Zukunft, schrieb die DZ Bank.

Roth & Rau jetzt in fremder Hand
Kurz vor dem Ende der Annahmefrist hat ein wichtiger Großaktionär des Solarkonzerns Roth & Rau seinen Widerstand gegen die geplante Übernahme durch den Schweizer Solarkonzern Meyer Burger aufgegeben und diesem sein Aktienpaket angedient. Das Paket mit 19,90 Prozent der Roth & Rau-Aktien erhöht jetzt den von Meyer Burger gehaltenen Anteil auf über 50 Prozent, wodurch die Firma ihr Ziel erreicht hat, "50 plus eine Aktie" zu übernehmen. Die Gründerfamilien von Roth & Rau hatten sich bereits im April bereit erklärt, sich von ihren Anteilen zu trennen.

Tagestermine am Dienstag, 18. Dezember

Unternehmen:
FedEx: Q2-Zahlen
Navistar: Q4-Zahlen
Micron Technology: Q1-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklima 12/18, 10:00 Uhr
USA: Baubeginne und Genehmigungen 11/18, 14:30 Uhr