Marktbericht 20:02

Schaukelbörse Dax: Nervöse Fahrt ins Plus

von Lothar Gries

Stand: 07.05.2014, 20:02 Uhr

Vor der Sitzung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag sucht der deutsche Leitindex weiter seine Richtung. Beruhigende Worte von Fed-Chefin Janet Yellen und Spekulationen auf eine friedliche Lösung des Ukraine-Konflikts brachten am Mittwoch etwas Zuversicht. Doch die Unsicherheit bleibt hoch.

Nach heftigen Schwankungen von mehr als 100 Punkten binnen weniger Minuten endet die Achterbahnfahrt mit einem leichten Plus von 0,57 Prozent oder 54 Punkten bei 9.521. Für die Kursgewinne sorgten neben der Hoffnung auf eine politische Lösung des Konflikts in der Ukraine auch positiv aufgenommene Umbaupläne von Siemens sowie das Gewinnplus bei Henkel im vergangenen Quartal.

Nachdem es am Morgen angesichts enttäuschender deutscher Auftragseingänge zunächst nach einem Ausverkauf unter die Marke von 9.400 Punkten ausgesehen hatte, dreht der Dax am frühen Nachmittag kräftig ins Plus. Plötzlich aufkommende Spekulationen über eine politische Lösung in der Ukraine ließen den deutschen Leitindex zeitweise bis auf 9.554 Punkte steigen. Doch die Erholung war nur von kurzer Dauer. Wegen schwächelnder Kurse an der Wall Street muss der Dax seine Gewinne wieder abgeben und dreht erneut ins Minus.

Yellen beruhigt die Märkte

Erst das Versprechen von US-Notenbankchefin Janet Yellen einer anhaltend expansiven Geldpolitik brachte wieder ein Stück Vertrauen zurück und die Märkte drehten erneut ins Plus. Der Dow Jones-Index notiert bei Börsenschluss in Frankfurt 0,4 Prozent höher bei 16.466 Punkten.

Händler Andreas Lipkow vom Vermögensverwalter Kliegel & Hafner sagte, der Dax sei "ein Gefangener zwischen den derzeitigen Dauerthemen Ukraine-Krise und US-Handel". Die Halbwertszeiten der jeweiligen Themen würden immer kürzer.

In Russland hat Präsident Putin angedeutet, dass im Ukraine-Konflikt alle Parteien an einer konstruktiven Lösung interessiert seien. Schon bald könnte ein Treffen der Beteiligten stattfinden. Auch gab es Spekulationen, dass Moskau auf einen Einmarsch in die Ukraine verzichten werde.

Analysten warnen jedoch davor, aus den Kursgewinnen vom Mittwoch Rückschlüsse auf eine positive Wende am Aktienmarkt zu ziehen. "Tatsächlich sollten bei der aktuellen Sägezahnstruktur und dem aggressiven Pendeln zwischen 9.400 und 9.650 Punkten bei den Investoren die Alarmglocken angehen", mahnt Jens KLatt von DailyFx. Die erhöhte Schwankungsbreite, die sich durch scharfe Kursanstiege und Verkäufe von 100 Punkten in nur wenigen Minuten zeige, deute auf ein hohes Maß an Unsicherheit hin.

Als ausschlaggebend könnte sich die EZB-Ratssitzung am morgigen Donnerstag erweisen. Während die Leitzinsen wohl unverändert bleiben dürften, erhoffen sich viele Anleger Aussagen von Mario Draghi über eventuelle Maßnahmen zur Ankurbelung der Konjunktur und die Bekämpfung der drohenden Deflation.

Euro etwas schwächer

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Der Euro muss am Mittwoch einen Teil seiner Vortagegewinne wieder abgeben und fällt auf 1,3913 Dollar zurück. Enttäuschende Daten zur Entwicklung der Industrie in den beiden größten Euro-Volkswirtschaften Deutschland und Frankreich konnten die Gemeinschaftswährung nicht beeindrucken.

Lanxess startet Kapitalerhöhung

Der Spezialchemiekonzern Lanxess hat eine Kapitalerhöhung um zehn Prozent beschlossen. Wie das Unternehmen am Mittwochabend mitteilte, werden die gut 8,3 Millionen neuen Aktien ab sofort von einem internationalen Bankenkonsortium institutionellen Investoren angeboten. Mit der Erhöhung will das Unternehmen nach eigenen Angaben unter anderem anstehende Restrukturierungsmaßnahmen finanzieren.

Siemens-Umbau gefällt

Beherrschendes Thema an der Börse war am Mittwoch der geplante Komplettumbau des Siemens-Konzerns. Demnach richtet Vorstandschef Joe Kaeser den Industrieriesen stärker auf moderne Fabrikausstattung und moderne Energietechnik aus. Die Kosten sollen bis zum Herbst 2016 um eine Milliarde Euro gedrückt werden. Wie viele Jobs dem Umbau zum Opfer fallen, wollte Kaeser nicht sagen. Er betonte allerdings ein "ernsthaftes" Interessse am französischen Konkurrenten Alstom. Auch habe Siemens Handlungsfähigkeit demonstrieren wollen.

Doch die Münchner müssen die Herkules-Aufgabe aus einer schwachen Position heraus angehen: Das zweite Geschäftsquartal war bestenfalls durchwachsen, der Konzern musste erneut hohe Sonderkosten für schlecht gemanagte Projekte verkraften. An der Börse kommen die Umbau-Pläne aber gut an. Die Aktie ist einer der stärksten Werte im Dax.

Henkel kann Ukraine-Krise nicht erschüttern

Noch kräftiger zulegen kann die Henkel-Aktie. Der starke Euro und die Ukraine-Krise machen dem Konsumgüterhersteller Sorgen. Doch der Gewinnentwicklung beim Hersteller von Persil, Pril und Pritt können sie bislang wenig anhaben. Der bereinigte Überschuss kletterte sogar um 8,4 Prozent auf 452 Millionen Euro und übertraf damit die Erwartungen der Analysten.

Commerzbank enttäuscht

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Schwächster Wert im Dax ist dagegen die Commerzbank-Aktie. Das Geldhaus hat zwar im ersten Quartal wieder einen kleinen Gewinn erwirtschaftet, doch die 100 Milliarden Euro schweren Altlasten sowie das schleppende Investmentbanking erwiesen sich erneut als schwere Bürde. So ist das operative Ergebnis um 30 Prozent auf 324 Millionen Euro eingebrochen, mehr als von Analysten erwartet.

HeidelbergCement: Anleger sorgen sich

Auch die Aktie von HeidelbergCement gehört zu den schwächelnden Werten. Dabei hat das Unternehmen im ersten Quartal so gut wie alle Analystenschätzungen übertroffen. Mit Blick auf einzelne Geschäftsbereiche habe allerdings das Nordamerika-Geschäft enttäuscht, so ein Händler. Auch erweise sich die geplante Fusion der beiden Konkurrenten Lafarge und Holcim als Belastung.

Allianz kümmert sich

Überraschend hat auch die Allianz am Tag ihrer Hauptversammlung Eckdaten zum ersten Quartal präsentiert. Demnach ging das operative Ergebnis zwischen Januar und März leicht von 2,8 auf 2,7 Milliarden Euro zurück. Fachleute hatten allerdings mit schwächeren Zahlen gerechnet. Zur Nachfolge von Vorstandschef Michael Diekmann, dessen Vertrag zum Jahresende abläuft, kann sich der Aufsichtsrat auch einen externen Kandidaten vorstellen.

Alibaba: größter Börsengang seit Facebook

Chinas führender Online-Händler Alibaba gibt den Startschuss für den möglicherweise größten Börsengang der Technologiebranche. Alibaba peilt dabei Finanzkreisen zufolge mehr als 15 Milliarden Dollar an. Damit könnte der Facebook-Börsengang vom Mai 2012 mit 16 Milliarden Dollar übertroffen werden. Der Löwenanteil der Einnahmen aus dem IPO wird Yahoo zufließen, denn der US-Internetpionier muss einer Vereinbarung mit den Chinesen zufolge bei der Erstemission mehr als ein Drittel seines Anteils von knapp 23 Prozent verkaufen. Zu den Konsortialführern zählen Deutsche Bank, Credit Suisse, Goldman Sachs, JPMorgan, Morgan Stanley und Citigroup.

Sky und Kuka top, Aareal flop

Im MDax erreicht die Berichtssaison am Mittwoch derweil einen vorläufigen Höhepunkt: Gleich acht Konzerne öffnen ihre Bücher. Doch nicht alle wissen die Anleger zu begeistern. Mehr dazu in unserer Chartserie:

1/8

MDax steht unter Strom Spannung garantiert

Sky Deutschland: Jetzt sogar operativ rot: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday

Sky Deutschland: Jetzt sogar operativ rot

Freenet bekommt Wettbewerb zu spüren

Auch im TecDax läuft die Berichtssaison auf Hochtouren. So vermeldete Freenet am Abend, dass das Betriebsergebnis (Ebitda) im ersten Quartal bei 85,4 Millionen Euro stagnierte. Der Konzernumsatz sank um mehr als sieben Prozent auf 717,5 Millionen Euro. Analysten hatten ein stagnierendes Betriebsergebnis erwartet, beim Umsatz hatten sie dagegen mit einem Anstieg auf 782 Millionen Euro gerechnet.

Qiagen mit Gewinnschub

Dagegen hat der ebenfalls im TecDax notierte Biotechkonzern Qiagen hat zum Jahresstart von einer kräftigen Nachfrage nach seinem Tuberkulose-Test und nach Verbrauchsmaterial für seine Analyse-Geräte profitiert. Das Unternehmen steigerte im ersten Quartal seinen bereinigten Konzerngewinn um zwölf Prozent auf 53,7 Millionen Dollar.

Dialog Semiconductor an TecDax-Spitze

Besonders gut gefallen den Anlegern die Zahlen von Dialog Semiconductor. Der als Apple-Zulieferer geltende Konzern hat die Markterwartungen sowohl beim Umsatz als auch auf der Ergebnisseite deutlich übertroffen. Der Umsatz kletterte um 39 Prozent auf 221 Millionen US-Dollar, der Überschuss schnellte dank steigender Gewinnspannen um 43 Prozent auf 14,1 Millionen Dollar empor.

Drägerwerk-Aktie auf Talfahrt

Dagegen ist die Drägerwerk-Aktie der größte Verlierer im TecDax, nachdem sich das Betriebsergebnis des Anbieters von Medizin- und Sicherheitstechnik im ersten Quartal auf 19 Millionen Euro halbiert hat. Die Privatbank Hauck & Aufhäuser hat das Kursziel für Drägerwerk nach Zahlen zum ersten Quartal von 73 auf 61 Euro gesenkt und die Einstufung auf "Sell" belassen. Die Resultate des Medizintechnik-Anbieters hätten sehr enttäuscht, schrieb Analyst Torben Teichler.

Heidelberger Druck zurück in der Gewinnzone

Im SDax kann Heidelberger Druck eine Erfolgsmeldung verbuchen: Der krisengeplagte Druckmaschinen-Hersteller hat im vergangenen Geschäftsjahr erstmals seit fünf Jahren wieder einen Nettogewinn erwirtschaftet, von 4,0 Millionen Euro nach einem Verlust von 117 Millionen Euro im Vorjahr.

Biotest auf Talfahrt

Um mehr als acht Prozent abwärts geht es mit der im SDax notierten Aktie von Biotest. Höhere Forschungsaufwendungen und Kosten für das laufende Investitionsprogramm haben den Gewinn des Pharmakonzerns zu Jahresbeginn gedrückt. Das Betriebsergebnis (Ebit) sank im ersten Quartal um 9,3 Prozent auf 10,7 Millionen Euro, wie der hessische Arzneimittelhersteller am Mittwoch mitteilte.

Walt Disney macht eiskalt Kasse

Unter den ausländischen Werten auf dem Frankfurter Parkett macht die Walt-Disney-Aktie mit guten Zahlen auf sich aufmerksam. Der anhaltende Erfolg des Films "Frozen" ("Die Eiskönigin") hat dem Konzern im zweiten Geschäftsquartal 1,9 Milliarden Dollar in die Kassen gespült. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 1,11 Dollar, deutlich über den Erwartungen der Analysten von 96 Cent.

AOL rauscht in den Keller

Galoppierende Kosten haben dem Internet-Urgestein AOL den Jahresauftakt verhagelt. Im ersten Quartal brach der Gewinn um beinahe zwei Drittel auf 9,3 Millionen Dollar ein. Die Börsianer hatten mit einem besseren Abschneiden gerechnet. Im frühen New Yorker Handel rauschte die Aktie um über 18 Prozent in die Tiefe.

Swiss Re: Lebensversicherung vermasselt Jahresauftakt

Ein schwaches Lebensversicherungsgeschäft hat dem Schweizer Rückversicherer Swiss Re im Auftaktquartal einen Gewinnrückgang eingebrockt. Höhere Einnahmen aus Kapitalanlagen konnten diesen aber abfedern. Unter dem Strich sank der Gewinn von Januar bis März um elf Prozent auf 1,2 Milliarden Dollar. Analysten hatten einen Gewinn zwischen gut 900 Millionen und einer Milliarde Dollar prognostiziert. Die Lebenssparte, in der Swiss Re 500 Millionen Dollar für Restrukturierungen in den USA zurückgestellt hat, wurde durch einen Verlust aus einem Zinsabsicherungsgeschäft zusätzlich belastet.

Alstom: Gewinneinbruch!

Der vor der Übernahme durch GE oder Siemens stehende französische Kraftwerk- und Zugbauer Alstom hat im vergangenen Geschäftsjahr einen herben Gewinnrückgang verbuchen müssen. Der Nettogewinn sank im Vergleich zum Vorjahr um 28 Prozent auf 556 Millionen Euro. Höhere Aufwendungen für die laufende Restrukturierung und andere Sonderlasten drückten auf das Ergebnis. Analysten hatten mit einem geringeren Rückgang gerechnet.

Carlsberg spürt Ukraine-Krise

Der dänische Konzern Carlsberg hat wegen der Krise in der Ukraine seine Gewinnprognose gesenkt: Der Nettogewinn soll 2014 demnach nur noch um einen niedrigen einstelligen Prozentsatz zulegen. Im ersten Quartal brach das operative Ergebnis wegen des Verfalls des Rubels um rund ein Drittel ein auf 61 Millionen Euro.

AB InBev sucht sein Heil in Asien

Ganz anders das Bild bei AB InBev: Hier kletterte das operative Ergebnis im ersten Quartal um knapp elf Prozent auf 3,88 Milliarden Dollar. Hierzu trugen ein steigender Absatz in Brasilien und China sowie höhere Preise bei. Der Weltmarktführer erhofft sich von der WM in Brasilien einen weiteren Schub.

Imperial Tobacco auf Kurs

Der britische Tabakkonzern Imperial Tobacco sieht sich weiter auf Kurs zu seinen Jahreszielen. Zwar verlief das erste Halbjahr eher verhalten, dennoch rechne man weiter mit einem kleinen Anstieg des Gewinns je Aktie bei gleichen Wechselkursen sowie einer Dividendenerhöhung um zehn Prozent, so der Hersteller von Zigarettenmarken wie Gauloises und Davidoff.

Groupon hängt in roten Zahlen fest

Desaströses hatte am Dienstabend nach US-Börsenschluss einmal mehr Groupon zu verkünden: Das Rabattportal verlor im ersten Quartal unterm Strich annähernd 38 Millionen Dollar. Im Vorjahreszeitraum hatte das Minus bei 4 Millionen Dollar gelegen. Das Unternehmen hat sich bei der internationalen Expansion verrannt.

Europäische Banken uneinheitlich

Gleich vier große Finanzkonzerne haben heute Geschäftszahlen vorgelegt. Ergebnis: Die europäische Bankenbranche bleibt überwiegend in unruhigem Fahrwasser:

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Gute Zeiten sehen anders aus Banken

ING: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra EU Stars für den Zeitraum 3 Monate

ING

lg

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"