Dax mitten in kritischem Terrain

Detlev Landmesser

Stand: 15.05.2008, 20:25 Uhr

Am Donnerstag schwappte die letzte große Flutwelle von Quartalszahlen über den Markt. Besonders die kleineren Unternehmen konnten überzeugen. Die Anleger ignorierten zudem erfolgreich schwache US-Konjunkturdaten.

Der L-Dax schloss 0,2 Prozent höher bei 7.106,22 Punkten, also mitten in einer wichtigen charttechnischen Widerstandszone. Sollte auch der Xetra-Dax dieses Niveau morgen zumindest halten, würden etwa die Chartexperten von Staud Research die nächste Zukunft deutlich zuversichtlicher sehen.

An der Wall Street lief es bis zum Abend noch besser, was auch an neuen Übernahme-Nachrichten lag. So will der TV-Gigant CBS sein Online-Geschäft massiv ausbauen und für rund 1,8 Milliarden Dollar den Internet-Anbieter CNET Networks übernehmen. Dessen Aktie schoss um mehr als 40 Prozent nach oben.

Zudem sorgte der deutliche Rücksetzer des Ölpreises um rund zwei Dollar pro Barrel auf rund 122,50 Dollar am Abend für Erleichterung. Auch die Aussagen von US-Notenbankchef Ben Bernanke kamen gut an, der die jüngsten Bemühungen der Banken, ihre Barmittelbestände zu erhöhen, "ermutigend" nannte.

Die Konjunkturdaten des Tages waren dagegen eher ernüchternd. Die US-Industrieproduktion sank im April um 0,7 Prozent, während Volkswirte einen gemäßigteren Rückgang von 0,3 Prozent erwartet hatten. Zudem trübte sich die Geschäftstätigkeit im Verarbeitenden Gewerbe im Bundesstaat New York im Mai unerwartet stark ein. Der entsprechende Index für die Region Philadelphia, der "Philly Fed", erholte sich dagegen stärker als erwartet.

RWE weniger profitabel

Aus dem Dax zog RWE am Morgen seine Quartalsbilanz. Der Versorger steigerte zwar den Umsatz von 12,99 auf 13,4 Milliarden Euro. Das Betriebsergebnis sank aber von 2,76 auf 2,5 Milliarden Euro. Die Aktie ging 0,4 Prozent tiefer aus dem Xetra-Handel.

Die Top-Position im Dax belegte die Postbank-Aktie, was an neuen Hoffnungen auf eine Konsolidierung der Branche lag. Wieder einmal wurde die Allianz als möglicher Interessent herumgereicht. Die Bayer-Aktie verlor 1,7 Prozent. Als Ballast wirkte hier die Nachricht, dass der Konzern das Medikament Trasylol in den USA endgültig vom Markt nehmen wird.

Telekom-Chef will "hart arbeiten"
Auf der Hauptversammlung der Deutschen Telekom stellte Vorstandschef René Obermann die Wachstums-Strategie des Ex-Monopolisten vor. Am Mittwoch hatte die Telekom den Einstieg beim griechischen Telekomkonzern OTE besiegelt. Man werde "hart arbeiten", um die Potenziale weiter zu nutzen, so Obermann. Das kam einigermaßen gut an; die T-Aktie schob sich gegen den Markttrend ins Plus.

Chefwechsel bei der Commerzbank
Auf der Aktionärsversammlung der Commerzbank umriss der scheidende Chef Klaus-Peter Müller sein Vermächtnis für den Nachfolger Martin Blessing. Man wolle eine "aktive Rolle bei der Neuordnung der Bankenlandschaft in Deutschland spielen" - was Müller eigentlich auch schon bei jeder früheren Gelegenheit erwähnt hatte. Was die Verluste durch die Subprime-Krise betrifft, will die Frankfurter Großbank etwaige Schadenersatzklagen prüfen.

Hochtief verdreifacht Quartalsgewinn
Zu teilweise heftigen Kursausschlägen führten die Quartalszahlen aus dem MDax, TecDax und SDax. Die Hochtief-Aktie stürmte mit 6,66 Prozent Plus die MDax-Spitze, nachdem der Baukonzern eine Verdreifachung des Nettogewinns gemeldet hatte.

Auch Papiere der Hamburger Hafengesellschaft (HHLA) waren nach überraschend guten Quartalsergebnissen gefragt.

Arcandor verringert Verluste
Minus 53,3 statt minus 178,9 Millionen Euro operativen Verlust hat der Reise- und Handelskonzern Arcandor im ersten Quartal gemacht. Schwarze Zahlen erreichte nur die Versand-Tochter Primondo mit dem Quelle-Versand. Der Umsatz der operativen Bereiche wurde von 3,7 auf 4,1 Milliarden Euro gesteigert. Die Aktie gehörte zu den schwächsten Titeln im MDax.

Auf der Verliererseite stand auch Salzgitter. Bei den erfolgsverwöhnten Aktionären kam ein gesunkener Vorsteuergewinn nicht gut an. Premiere-Aktionäre mussten gar ein Abrutschen in die Verlustzone im ersten Quartal verdauen. Der MDax-Titel konnte sich im Verlauf aber deutlich erholen.

Das Minus bei der K+S-Aktie ging zum Großteil auf den Dividendenabschlag zurück. Der Düngemittelhersteller zahlte heute zwei Euro pro Aktie.

QSC wirbt erfolgreich Kunden
Eine deutlich erhöhte Zahl von Neukunden verhalf der QSC-Aktie zeitweise an die TecDax-Spitze. QSC will trotz eines Quartalsverlustes von 4,1 Millionen Euro im Gesamtjahr das obere Ende der eigenen Prognosespanne erreichen.

Solaraktien fallen zurück
Die Quartalszahlen dreier Solartitel aus dem TecDax wurden mit Kursverlusten quittiert. Solarworld hat zwar im ersten Quartal seinen Nettogewinn um 62 Prozent auf 34,7 Millionen Euro gesteigert, die Aktie verlor dennoch rund ein Prozent. Ersol hat zwar sein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 4,31 auf 7,74 Millionen Euro erhöht, damit aber die Analystenerwartungen verfehlt.

Bereits am Mittwoch nach Börsenschluss hatte ein weiterer Solarkonzern aus dem Technologieindex seine Quartalsbilanz präsentiert: Phoenix Solar schrieb dank einer höheren Nachfrage in den ersten drei Monaten wieder schwarze Zahlen. Die Aktie war am Mittwoch um mehr als zehn Prozent gestiegen, fiel am Donnerstag aber etwas zurück.

Der kleinere Solarzellenhersteller Sunways schaffte es ebenfalls trotz eines Umsatzsprungs von 82 Prozent auf 50,8 Millionen Euro nicht aufs Gewinnertreppchen. Allerdings verringerte sich der Quartalsgewinn auch wegen höherer Materialkosten von 0,5 auf 0,1 Millionen Euro.

Bechtle vorsichtig optimistisch
Die Zahlen von Bechtle wurden ebenfalls mit Abgaben quittiert. Der IT-Händler und -Dienstleister hat im ersten Quartal trotz eines Umsatzwachstums weniger verdient. Der Umsatz stieg um acht Prozent auf 336,9 Millionen Euro. Der Gewinn vor Steuern sank aber um 9,1 Prozent auf zwölf Millionen Euro, da Bechtle im Vorjahr von einem einmaligen Sondererlös profitiert hatte. Das TecDax-Unternehmen bekräftigte seine Prognose, den Umsatz im laufenden Jahr auf mindestens 1,5 Milliarden Euro zu steigern und einen Vorsteuergewinn von rund 60 Millionen Euro zu erreichen.

Bauer-Aktie über 60 Euro
Im SDax ragte die Bauer-Aktie mit einem Plus von über 14 Prozent heraus. Der Überschuss des Baumaschinenherstellers kletterte auf 12,4 Millionen Euro nach 3,4 Millionen im Vorjahreszeitraum. Beim Umsatz verbuchte Bauer einen Zuwachs um 29 Prozent auf 339,7 Millionen Euro.

Koenig & Bauer gefragt
Koenig & Bauer hat zwar zum Jahresauftakt rote Zahlen geschrieben, was aber die Anleger nicht vom Kauf des SDax-Titels abhielt. Im ersten Quartal belief sich der Verlust vor Steuern auf 6,4 Millionen Euro, teilte der Druckmaschinenhersteller am Morgen mit. Im Vorjahreszeitraum hatte noch ein Gewinn von 13 Millionen Euro in den Büchern gestanden. Der Umsatz ging von 414,2 auf 301,7 Millionen Euro zurück, der Auftragseingang stieg aber.

Homag sieht sich auf Kurs
Der Holzmaschinenbauer Homag meldete für das erste Quartal ein Umsatzplus von 18 Prozent auf 227 Millionen Euro. Der Überschuss vor Anteilen Dritter legte um 16 Prozent auf 12,1 Millionen Euro zu. Mit einem gut gefüllten Orderbuch sieht das SDax-Unternehmen "gute Chancen", im Gesamtjahr den Umsatz um mehr als sechs Prozent zu steigern.

Biotest kommt gut an
Das durch einen Zukauf gestärkte Auslandsgeschäft hat bei Biotest Umsatz und Gewinn im ersten Quartal kräftig angetrieben. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) habe sich um gut 66 Prozent auf 13,3 Millionen Euro erhöht, teilte die Pharma- und Diagnostikfirma mit. Nach Steuern lag der Gewinn bei 6,6 Millionen Euro, ein Plus von 57 Prozent binnen Jahresfrist. Der Umsatz kletterte um fast 40 Prozent auf 105,5 Millionen Euro. Umsatztreiber war vor allem das im vergangenen Jahr gekaufte Geschäft mit Plasmaproteinen der US-Biotechfirma Nabis. Biotest war damit in die Gruppe der sechs weltweit größten Herstelller von Plasmaproteinen aufgerückt.

R. Stahl wächst zweistellig
R. Stahl hat sein operatives Ergebnis im ersten Quartal um 44 Prozent gesteigert. Der Umsatz stieg um 14 Prozent auf 47,3 Millionen Euro. Der Spezialist für Explosionsschutz erwartet für das Gesamtjahr 2008 weiterhin steigende Gewinne und Umsätze.

Manz bleibt auf Rekordkurs
Der Technologiekonzern Manz hat seine Umsätze im ersten Quartal auf 38,6 Millionen Euro verdreifacht und sein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) um 214 Prozent auf rund 5,6 Millionen Euro erhöht. Die Aktie verlor dennoch zunächst bis zu vier Prozent, markierte dann aber ein neues Rekordhoch.

Jerini-Aktie bricht zeitweise heftig ein
Die Aktie des Berliner Biotech-Unternehmens Jerini verlor am Morgen zwischenzeitlich 22 Prozent, erholte sich im Verlauf aber wieder deutlich. Jerini musste im ersten Quartal einen Umsatzrückgang um rund 31 Prozent auf 2,5 Millionen Euro hinnehmen. Der maßgebliche Grund dafür war die Aufhebung eines Kooperationsvertrages mit Abbott. Der Quartalsverlust weitete sich im Jahresvergleich von 4,8 auf 8,8 Millionen Euro aus.

Borussia hofft auf den Pokal
Dank der Einnahmen aus dem DFB-Pokal erhofft sich der hoch verschuldete Fußballbundesligist Borussia Dortmund am Ende der Saison einen Gewinn. Die Geschäftsführung des Traditionsclubs kündigte am Donnerstag ein positives Jahresergebnis an. Mit der Endabrechnung des DFB würden die Einnahmen aus der TV-Vermarktung zum Saisonende dem Pokal-Finalisten überwiesen. Im seinem dritten Geschäftsquartal verbuchte der Tabellen-Dreizehnte einen Gewinn von 240.000 Euro, bei einem Umsatz von 29,1 Millionen Euro.

Tagestermine am Dienstag, 13. November

Unternehmen:
Fraport: Verkehrszahlen 10/18, 7:00 Uhr
Grammer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Bauer: Neun-Monats-Zahlen, 7:00 Uhr
1&1 Drillisch: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Cewe Stifung: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Evotec: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr (Call: 14:00 Uhr)
Innogy: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Tom Tailor: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
United Internet: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Ströer: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Areal Bank: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Hello Fresh: Q3-Zahlen, 7:15 Uhr
Medigene: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
VTG: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
HHLA: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Uniper: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Jenoptik: Neun-Monats-Zahlen, 7:30 Uhr
Nordex: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr
Bayer: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
Bilfinger: Q3-Zahlen, 7:30 Uhr (Call: 10:00 Uhr)
OHB: Neun-Monats-Zahlen, 8:00 Uhr
Vodafone: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Home Depot: Q3-Zahlen, 15:00 Uhr
Wüstenrot & Württembergische: Q3-Zahlen
Nemetschek: Kapitalmarkttag

Konjunktur:
Italien: Frist der EU-Kommission zur Überprüfung des Haushaltsentwurfs läuft aus
Deutschland: Verbraucherpreise 10/18 (endgültig), 8:00 Uhr
Deutschland: Insolvenzen 8/18, 8:00 Uhr
Deutschland: Erwerbstätigkeit Q3/18, 8:00 Uhr
Großbritannien: Arbeitslosenzahl 10/18, 10:18
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen 10/18, 11:00 Uhr