Dax mit spätem Knalleffekt

Stand: 02.04.2007, 20:05 Uhr

Der deutsche Leitindex machte im späten Parketthandel noch einen deutlichen Sprung nach oben: Die Eon-Aktie schob den Late-Dax in Richtung 7.000 Punkte, der Rückzug aus der Endesa-Übernahmeschlacht sorgte für Auftrieb.

Mehr als fünf Prozent ins Plus schossen die Eon-Papiere im Frankfurter Parketthandel bis 20 Uhr. Investoren feierten das lang ersehnte Ende im Übernahmepoker um Endesa. Am Abend hatte Eon per Pflichtmitteilung eine Einigung mit den Kontrahenten Enel und Acciona vermeldet. Die dürfte darauf hinaus laufen, dass diese mit einem eigenen Übernahmeangebot bei Endesa zum Zuge kommen. Für sein Zurückweichen erhält Eon aber Teile von Endesa in mehreren europäischen Ländern.

Late-Dax knapp vor 7.000

Der Kurssprung von Dax-Schwergewicht Eon brachte den Late-Dax am Montagabend noch einmal gehörig auf Trab. Gegenüber dem Schlussstand auf Xetra gewann er im Parketthandel rund ein halbes Prozent hinzu und kam erst kurz vor der 7.000-Punkte-Marke zum Stehen. Die könnte damit bereits am Dienstag fällig sein.

Die Kursgewinne des regulären Montagshandels schmolzen am Nachmittag, als neue Daten von der US-Wirtschaft eintrudelten. Der Einkaufsmanager-Index sank im März deutlicher als erwartet, von 52,3 auf 50,9 Punkte. An Wall Street konnten sich die Kurse bis zum Abend deutscher Zeit nicht mehr in die Pluszone bewegen.

Telekom gefragt wie selten
Als strahlender Dax-Spitzenreiter, jedenfalls im Xetra-Handel, schloss die Telekom-Papiere den Handel auf dem Computersystem Xetra. Übernahmespekulationen im gesamten Telekom-Sektor und Verkaufsgerüchte um die spanische Telekom-Tochter Ya.com hatten den Titel zeitweise mehr als drei Prozent ins Plus geschoben. Am Nachmittag hatte zudem Finanzvorstand Karl-Gerhard Eick das Gewinnziel des Unternehmens für 2007 noch einmal bestätigt. Das Unternehmen will außerdem Gehaltskürzungen bei Berufseinsteigern durchsetzen.

Lufthansa-Aktie erhält Auftrieb
Neben der T-Aktie kletterten auch die Titel von Lufthansa am Nachmittag in die Gewinnerliste. Auch hier stimulierten Übernahme-Fantasien in der Branche: So hat die russische Aeroflott ein Gebot für den Konkurrenten Alitalia abgegeben. Aeroflott hat sich dabei mit der italienischen Großbank Unicredit zusammen geschlossen.

Daimler: Milliarden für Chrysler
Auch die DaimlerChrysler-Aktie konnte sich am Montag deutlich im Plus behaupten. Das Unternehmen könnte für seine angeschlagene US-Tochter Chrysler laut "Welt am Sonntag" mehr erlösen als bisher angenommen. Danach winken DaimlerChrysler zwischen sechs bis neun Milliarden US-Dollar. Bisher waren Beobachter von einem Verkaufspreis von maximal sechs Milliarden Dollar ausgegangen.

Halbleitersorgen drücken Infineon
Mit einem Kursminus von einem Prozent gehörte die Infineon-Aktie zu den größten Kursverlierern im Dax. Der koreanische Konkurrent Hynix hatte von einem "schwierigeren Marktumfeld" in der Branche gesprochen. Zuletzt waren vor allem Speicherchips wieder von einem deutlichen Preisverfall betroffen.

Auch die Deutsche Börse und die Postbank fanden sich am Montag auf der Verliererseite im Dax wieder. Bei der Postbank dürften dabei Gewinnmitnahmen nach der guten Kursentwicklung der vergangenen Handelstage eine Rolle spielen.

Siemens: Joint-Venture macht Sorgen
Die Siemens-Aktie schloss leicht im Minus. Das Jointventure von Siemens und Nokia in der Telekommunikations-Ausrüstungsbranche sieht trübe Geschäftsaussichten. Das Unternehmen senkte seinen Marktausblick in bezug auf die Wachstumsaussichten von "gering" auf "sehr gering".

Comdirect-Aktie hebt ab
Die Aktie des Discount-Brokers Comdirect war der Spitzenreiter im SDax und zog um mehr als zehn Prozent an. Händler machten Übernahmespekulationen für den Kurssprung verantwortlich. Laut eines von dpa-AFX befragten Marktteilnehmers kauft die Muter Commerzbank Comdirect-Aktien, um die Tochter wieder in den Konzern zu reintegrieren. Außerdem wurde eine positive charttechnische Situation für den Anstieg verantwortlich gemacht. So habe die Aktie am Freitag ein Mehrjahreshoch markiert und einen "Mega-Widerstand aus den letzten sechs Jahren geknackt".

Greift Stada nach Merck-Sparte?
Der Bad Vilbeler Generika-Hersteller könnte doch noch auf seine Chance lauern, den Generika-Bereich der Darmstädter Merck zu übernehmen. Nach Brachenkreisen, auf die sich am Montag die Nachrichtenagentur Reuters berief, ist Stada in der "due dilligence" also der Prüfung einer Übernahme des Bereichs. Die Stada-Aktie schloss am Montag rund ein Prozent im Minus.

Celesio prüft Gegenangebot
Der Pharmagroßhändler Celesio hat indirekt dementiert, ein Gegenangebot für die britische Drogerie- und Apothekenkette Alliance Boots zu prüfen. Zwar lehnte das Unternehmen einen Kommentar zu einem entsprechenden Zeitungsbericht ab. Allerdings gälten die Aussagen von Vorstandschef Fritz Oesterle weiterhin, sagte ein Sprecher. Oesterle hatte vor zwei Wochen erklärt: "Ich möchte das Klumpenrisiko nicht weiter in Richtung Großbritannien verschieben."

Böwe Systec auf Rekordjagd?
Neue "Höchstwerte" präsentierte der Maschinenbauer Böwe vor allem beim Umsatz. Den konnte das Unternehmen um fünf Prozent auf 484,7 Millionen Euro steigern. Der Gewinnanstieg fiel mit plus 0,3 Millionen auf 19,3 Millionen Euro eher mager aus. Die Böwe-Aktie im Prime Standard legte dennoch knapp zwei Prozent zu.

Gagfah von schlechter Sektor-Stimmung gedrückt
Der Immobilienkonzern Gagfah bildete mit einem Kursminus von 2,5 Prozent das Schlusslicht im MDax. Nach Händleraussagen belasteten schwache Branchenvorgaben aus Japan den Kurs. Dort hatten in einem schwachen Gesamtmarkt Immobilienaktien zu den größten Verlierern gehört.

Estavis im zweiten Anlauf
Seit heute wird die Aktie der Immobiliengesellschaft Estavis erstmals an der Börse gehandelt. Nachdem der erste Versuch im Oktober wegen nicht erreichbarer Preisvorstellungen gescheitert war, wurde der Platzierungspreis auf 28 Euro festgelegt. Damit lag der Preis am unteren Ende der Preisspanne, die von 28 bis 35 Euro reichte. Der erste Kurs an der Börse lag bei 28,30 Euro, den ersten Handelstags schlossen sie bei 28 Euro.

KKR schluckt First Data
Rund 29 Milliarden Dollar in bar lässt sich die Beteiligungs-Gesellschaft KKR die Übernahme des Abrechnungs-Unternehmens First Data kosten. Dies ist eine der bislang größten Akquisition durch einen Finanzinvestor weltweit. Mit 34 Dollar je First Data-Aktie gab es für First Data-Aktionäre einen Aufschlag von 26 Prozent gegenüber dem Schlusskurs von Freitag. Aktien von First Data stiegen zur Handelseröffnung in den USA um mehr als 20 Prozent.

Tagestermine am Mittwoch, 19. Dezember

Unternehmen:
Softbank: IPO der Mobilfunktochter in Tokyo
Ceconomy: Q4-Zahlen, 07:00 Uhr, und Bilanz-PK, 10:00 Uhr
General Mills: Q2-Zahlen, 13:00 Uhr

Konjunktur:
USA: Zinsentscheid der Fed, 20:00 Uhr, PK mit Fed-Chef Powell, 20:30 Uhr
Japan: Außenhandel im November, 00:50 Uhr
Deutschland: Erzeugerpreise im November, 08:00 Uhr
Großbritannien: Verbraucherpreise im November, 10:30 Uhr
USA: Leistungsbilanz Q3, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im November, 16:00 Uhr
USA: Wöchentlicher Ölbericht, 16:30 Uhr