Marktbericht 20.25 Uhr

Börsennöte: Klappt die Griechen-Rettung? Dax mit Sorgenfalten

Stand: 24.06.2015, 20:25 Uhr

Bundesfinanzminister Schäuble sieht keinen Anlass für Optimismus in der Griechenland-Krise. Anleger sind da nicht minder skeptisch, hierzulande wie auch an der Wall Street. Sicher ist beim Eurogruppen-Trefffen nur eins: Die Nacht wird lang. Und: Alles ist möglich.

Es gibt noch eine Menge ungelöster Probleme. Eines davon. Die griechische Regierung verlangte am Mittwoch eine Verlagerung der Schulden auf den Euro-Rettungsschirm ESM, was die Geldgeber ablehnen, war am frühen Abend aus Diplomatenkreisen in Brüssel zu hören. Deshalb ist klar: "Es wird eine sehr lange Nacht mit viel Gefeilsche", sagte Maltas Finanzminister Edward Scicluna voraus. Es war aber durchaus auch vorsichtiger Optimismus zu hören. "Es gibt den politischen Willen, zu einer Vereinbarung zu kommen", betonte der spanische Ressortchef Luis de Guindos. Und Belgiens Finanzminister Johan Van Overtveldt sagte: "Wenn wir es heute nicht schaffen, werden wir morgen sehen, wo wir hinkommen." Man habe eine moralische Verpflichtung vor dem griechischen Volk, eine Lösung zu finden.

ARD-Börsenstudio: Konrad Busen
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Börse 16.00 Uhr

Allerdings gab es auch viele Kommentare, die nicht gerade Hoffnung auf eine Griechenland-Rettung machten. Der IWF lehnt die griechischen Reformpläne ab, weil sie zu sehr Steuererhöhungen in den Fokus stellen, und fordert Nachbesserungen. Aus der griechischen Delegation hieß es, die Gegenvorschläge der Geldgeber seien "ein schlechter Text" und eine "böse Überraschung" gewesen.

Dax baut Verluste aus

Das sind nicht die besten Voraussetzungen für die Brüsseler Runde, die gerade begonnen hat. Daher war es heute auch vorbei mit der guten Börsenstimmung, die den Dax zu Wochenanfang noch um rund 600 Punkte nach oben getrieben hatte. Heute verlor das bekannteste deutsche Börsenbarometer 0,6 Prozent und schloss bei 11.471 Punkten. Der L-Dax baut die Verluste noch einmal aus und sinkt auf 11.419 Punkte. Zeitweise war die Stimmung heute aber noch schlechter, das Tagestief lag bei 11.364 Punkten.

Europaweit bekamen Anleger kalte Füße. Besonders heftig waren die Kursverluste in Griechenland: Der Athener Leitindex Athex verlor vier Prozent, der griechische Bankenindex gar zeitweise mehr als sechs Prozent. Das Ifo-Geschäftsklima lieferte dem Dax auch keine Unterstützung, es war im Juni eingebrochen. Auch die Charttechnik machte den Dax-Bullen das Leben schwer. Vom Euro gab es ebensowenig Rückenwind, die europäische Währung stieg trotz der Unsicherheit um Griechenland.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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Wall Street unter 18.000

Die schlechte Stimmung schwappte über den großen Teich. An der Wall Street liegt der US-Leitindex Dow Jones zur Stunde 0,9 Prozent im Minus und damit unter der 18.000-Punkte-Marke bei 17.985 Punkten. Der Markt mache sich Sorgen, was eine Pleite Griechenlands für die Weltwirtschaft bedeuten könne, sagte Adam Sarhan, Chef der Finanzberatungsfirma Sarhan Capital. Dass die US-Wirtschaft im ersten Quartal laut neuester Statistik deutlich weniger geschrumpft ist als bisher gedacht, geriet dagegen in den Hintergrund.

Einzelne Aktien wie Netflix legten durchaus zu. Die Pläne für einen Aktiensplit des US-Streaminganbieters kamen bei Investoren gut an. Netflix will aus einer Aktie sieben machen. Ford-Aktien waren ebenfalls gefragt. Der Autobauer will neue Car-Sharing-Angebote ausloten und selbstfahrender Fahrzeuge entwickeln. Finanzwerte gaben nach, nachdem die Deutsche Bank ihre Kaufempfehlungen für die zuletzt gut gelaufenen Aktien von Goldman Sachs und Citigroup gestrichen hatte. Nach einer Rally von 20 Prozent in nur einem Jahr sei die Luft fürs erste raus, so die Begründung.

BASF leidet unter Elementis

Die größten Verluste im Dax mussten BASF-Aktien einstecken. Eine Gewinnwarnung des britischen Spezialchemiekonzerns Elementis belastete. Europaweit gaben Chemiewerte nach. Elementis-Aktien wurden regelrecht niedergeprügelt, tauchten rund 19 Prozent abwärts.

Goldman bremst Autoaktien aus

Schwach liefen auch Auto-Titel. Besonders deutlich ging es für BMW runter. Auslöser war die US-Investmentbank Goldman Sachs, die ihre Kursziele für BMW, VW und Daimler zurückgeschraubt hatte. Besonders deutlich fiel die Senkung mit knapp 15 Prozent bei BMW und VW aus.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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45,47
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Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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140,98
Differenz relativ
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RWE und Eon zeitweise heiß begehrt

Es gab Gerüchte, die von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel anvisierte Kohleabgabe sei vom Tisch. Das wäre gut für RWE und Eon, deren Aktien daraufhin nach oben schossen. Doch das Bundeswirtschaftsministerium dementierte. Anleger müssten sich bei einem Wegfall ohnehin fragen: Was käme dann statt der Kohleabgabe

Lufthansa hebt ab

Die Lufthansa-Aktie legte heute gut zu. Dabei ist der Streit der Flugbegleister-Gewerkschaft Ufo mit dem Konzern noch lange nicht beendet. Die heutigen Verhandlungen brachten nichts. Man hat lediglich die Positionen ausgelotet.

Metro profitiert von Ahold

im MDax waren Metro-Aktien gefragt. Sie bekamen verstärkte Aufmerksamkeit der Anelger durch eine Milliardenfusion in der europäischen Einzelhandelsbranche: Die Supermarkt-Konzerne Ahold und Delhaize tun sich zusammen.

LEG Immobilien tut's schon wieder

Im MDax fällt LEG in Ungnade. Der Düsseldorfer Immobilienkonzern will für den 225 Millionen Euro schweren Kauf eines Wohnungspakets in Nordrhein-Westfalen über eine Kapitalerhöhung Geld an der Börse einsammeln.

Springer verkauft Talpa Germany

Im MDax macht Axel Springer von sich Reden. Der Verlag steigt komplett aus seiner langjährigen TV-Tochter Talpa aus. Das drüfte laut einem Insider einen niedrigen bis mittleren zweistelligen Millionenbetrag bringen.

Ströer macht Pause

Im SDax haben Ströer-Aktien die rote Laterne mit fast vier Prozent Kursminus. Eine deutliche Ruhepause nach dem gestern knapp über 45 Euro erreichten Rekordhoch. Mit in der Spitze gut 80 Prozent Zuwachs gehörten sie 2015 bisher zu den Favoriten der Anleger am deutschen Aktienmarkt.

Hamborner REIT pumpt Aktionäre an

Wie LEG will auch der Branchenkollege aus dem SDax, der Hamborner REIT, an der Börse Geld einsammeln. Der Duisburger Gewerbeimmobilien-Investor hofft auf 142 Millionen Euro aus einer Kapitalerhöhung. Die Geld dient Zukäufen. Die Aktien können von Donnerstag an bis zum 8. Juli zum Preis von je 8,50 Euro geordert werden.

PNE-Eklat ohne juristische Folgen

Der Eklat bei der Hauptversammlung des Windpark-Projektierers PNE Wind bleibt ohne juristische Folgen. Die Staatsanwaltschaft Stade stellte ihre Ermittlungen ein. Es stand der Vorwurf der Urkundenunterdrückung und des Wahlbetrugs im Raum. Bei der Hauptversammlung am 16. Juni war es zu tumultartigen Szenen gekommen. Die Sitzung wurde abgebrochen.

Frankreichs Telekom-Fusion wackelt

Die Fusion der französischen Telekomfirmen Bouygues und Numericable-SFR droht zu platzen. Nach dem Widerstand der französischen Regierung sagte der Bouygues-Verwaltungsrat nein. Das lässt deren Aktien einbrechen und belastet auch die der Numericable-Mutter Altice. Verluste auch bei den Aktien von Iliad. Der Mobilfunker hätte bei einer Fusion einige Bouygues-Geschäftsbereiche erhalten, um Kartell-Bedenken auszuräumen.

Die Auswirkungen reichen sogar bis nach Deutschland, belasten ProSieben. Denn die Franzosen sind Großaktionär beim Fernsehsender TF1. Und mit den Einnahmen aus dem Deal hätten sie den Sender bei einer Übernahme des deutschen Konkurrenten finanziell unterstützen können, hieß es unter Verweis auf entsprechende Spekulationen.

Monsanto bleibt hartnäckig

Monsanto lässt beim geplanten Kauf von Syngenta nicht locker. Der Chef des amerikanischen Saatgutherstellers, Hugh Grant, sagte dem "Wall Street Journal", der Zusammenschluss mit dem Schweizer Agrochemiekonzerns sei ein "aufregender logischer nächster Schritt", er lasse sich von Syngentas Abfuhr nicht abschrecken. Monsanto überraschte die Börse zudem positiv mit seiner Quartalsbilanz.

Zumtobel erwartet Gewinnplus

Die anziehende Baukonjunktur in Europa schürt beim österreichischen Leuchtenhersteller Zumtobel Optimismus. Das auf die Beleuchtung von Büros, Fassaden und Straßen spezialisierte Unternehmen hofft, seinen Betriebsgewinn in diesem Geschäftsjahr um bis zu ein Drittel steigern.

Verlustwarnung von Schoeller-Bleckmann

Weniger Erfreuliches lieferte Schoeller-Bleckmann. Der österreichische Ölfeldausrüster kann einen Verlust im zweiten Quartal sowie im Gesamtjahr nicht ausschließen, wie Firmenchef Gerald Grohmann in einem Interview mit der Nachrichtenagentur APA zugab. Das sorgte für Kursverluste von acht Prozent.

Muilenburg wird neuer Boeing-Chef

Boeing: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
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+0,89%

Chefwechsel beim US-Flugzeugbauer Boeing zum 1. Juli. Dennis Muilenburg übernimmt das Steuer. Der 51-Jährige löst Jim McNerney ab. Muilenberg deutete in einem Interview an, keinen Strategieschwenk forcieren zu wollen. Das Geschäft mit Passagier-Flugzeugen boomt seit Jahren. Im Rüstungsbereich spüren die Amerikaner aber ebenso wie Airbus die Kürzungen in den Militär-Budgets vieler Länder.

US-Händlerr reagieren auf Charleston-Massaker

Der größte US-Einzelhändler Walmart will den Verkauf von Artikeln mit der Konföderierten-Flagge stoppen. Auch Ebay erklärte, die seiner Ansicht nach "Spaltung und Rassismus" symbolisierende Flagge sowie Artikel mit deren Abbild zu verbieten. Amazon, Google und Etsy zogen nach.

Nestlé wird in Japan fündig

Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé hat einen Nachfolger für seine bisherige Finanzchefin Wan Ling Martello gefunden. Der bisherige Finanzvorstand des japanischen Pharmakonzerns Takeda, François-Xavier Roger, wird zum 1. Juli der Herr der Zahlen.

bs

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Aktien für den Blockbuster-Sommer Auf nach Hollywood

21st Century Fox: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum 6 Monate

21st Century Fox

Tagestermine am Dienstag, 11. Dezember

Unternehmen:
Lufthansa: Verkehrszahlen November
Aurubis: Q4-Zahlen, 7 Uhr
VDMA: Jahres-Pk, 10 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: ZEW-Konjunkturerwartungen, 11 Uhr
USA: Erzeugerpreise, November, 14:30 Uhr


Sonstiges:
Großbritannien: May sagt Parlamentsvotum über Brexit ab und will nachverhandeln