Dax mit schwächstem Quartal seit neun Jahren

Stand: 30.09.2011, 20:02 Uhr

Von wegen Window-Dressing. Der Dax hat in dieser Woche zwar knapp sechs Prozent zugelegt, doch am letzten Handelstag der Woche kommt es zu massiven Gewinnmitnahmen. Und die Quartalsbilanz sieht noch düsterer aus.

Die Furcht vor einer wirtschaftlichen Abkühlung und einer Ausweitung der noch immer nicht beigelegten Schuldenkrise hat den Anlegern im zu Ende gehenden dritten Quartal die Stimmung kräftig vermiest. Dax, EuroStoxx50, der französische CAC40 , der britische FTSE und der spanische Ibex verzeichneten die größten Quartalsverluste seit neun Jahren. Der deutsche Leitindex sackte in den vergangenen drei Monaten um 25,4 Prozent ab und verlor damit noch deutlicher als andere europäische Indizes.

Auch heute kommt es nach den Kurszuwächsen der vergangenen Tage wieder zu Verlusten. Der Dax schließt am Abend zwei Prozent niedriger bei 5.492 Punkten. Zwar hat sich die Stimmung der US-Einkaufsmanager in der Region Chicago im September deutlich aufgehellt. Auch das Konsumklima der Universität Michigan ist deutlich besser als erwartet.

Einen Dämpfer verpassten dem Markt aber Konjunkturdaten aus Deutschland, Frankreich und China. Die deutschen Einzelhändler verzeichneten im August den stärksten Umsatzeinbruch seit mehr als vier Jahren. Die französischen Konsumausgaben fielen niedriger aus als erwartet und in China schrumpfte die Industrie den dritten Monat in Folge.

EU bald in der Rezession?
Commerzbank Chefvolkswirt Jörg Krämer schließt nicht aus, dass die Wirtschaft der Eurozone im Winter in eine Rezession abgleiten, meint er. Hauptursache seien die Belastungen durch die Schuldenkrise. Die Einkaufsmanagerindizes seien seit Jahresmitte geradezu abgestürzt, und es entsteht der Eindruck, dass sich die Staatsschuldenkrise wie Mehltau über den Konjunkturausblick lege.

Auch an der New Yorker Börse kommt es zu Kursverlusten. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow Jones-Index 0,75 Prozent im Minus bei 11.070 Punkten, nachdem er zuvor deutlich unter die Schwelle von 11.000 Punkten gesunken war.

Der Euro hat sich bis zum Handelsende wieder etwas erholt auf 1,346 Dollar.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
7,62
Differenz relativ
-0,35%

Deutsche Bank tiefrot
Schwächster Wert im Dax ist die Aktie der Deutschen Bank. Grund sind Spekulationen um eine mögliche Prognosesenkung. Experten erwarten, dass die Bank ihr Ziel von zehn Milliarden Euro vor Steuern schon bald einkassieren könnte. "Das Ziel war schon sehr ambitioniert und viele Analysten haben ohnehin nicht mehr damit gerechnet", sagte ein Händler".

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
73,51
Differenz relativ
+0,05%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
47,30
Differenz relativ
+0,42%

Autos rutschen ab
Kräftig unter Druck stehen auch die Aktien der Autohersteller. BMW verliert gut fünf Prozent. Volkswagen rutscht zeitweise unter die Schwelle von 100 Euro und geht mit einem Minus von 5,8 Prozent aus dem Handel. Auch Daimler und Man verlieren überdurchschnittlich. Grund sind Sorgen um eine Wachstumsabschwächung in China.

Senkt Philips die Prognose?
Ein Analystenkommentar und Gerüchte über eine Prognosesenkung haben auch die Aktien von Philips belastet. Die Titel des niederländischen Elektronikkonzerns geben rund fünf Prozent nach. Die Analysten von HSBC senkten das Kursziel für die Philips-Aktien auf 15 von 16 Euro und bestätigten ihre Einstufung der Papiere mit
"Neutral". Händler sprachen außerdem von Gerüchten, wonach Philips seine Prognose herunter schrauben könnte.

Im Schlepptau der Niederländer büßte auch die Aktie des deutschen Konkurrenten Siemens überdurchschnittlich ein.

China-Angst bei Luxusgütern
Die Angst vor einer schwächelnden Nachfrage aus China hat die Aktien von Luxusgüterkonzernen deutlich ins Minus gedrückt. In Paris geben LVMH kräftig nach, in der Schweiz schmieren Richemont und Swatch bis zu sechs Prozent ab, Burberry fallen in London um 5,4 Prozent. In Mailand rutschen Tod's um 3,5 Prozent, im MDax sind Hugo Boss mit einem Minus von 12 Prozent die größten Verlierer. "Das ist ein Problem des ganzen Sektors. Die Leute machen sich Sorgen über den Konsum in China", sagte ein Händler.

Kauft Springer die WAZ?
Axel Springer will nach Informationen der Online-Ausgabe des Manager Magazins die WAZ-Gruppe kaufen. Springer-Chef Mathias Döpfner habe den Inhabern des Zeitungskonzerns vor wenigen Tagen eine schriftliche Übernahmeofferte unterbreitet, heißt es auf der Website des Magazins. Springer habe vor allem Interesse an bestimmten Teilen der WAZ, ein Gebot für die gesamte WAZ-Gruppe "würden wir heute nicht prinzipiell ausschließen wollen". Die im MDax notierte Springer-Aktie verliert gut zwei Prozent.

Hochtief baut auf Leighton
Der Baukonzern Hochtief will nach dem lukrativen Teilverkauf eines Eisenerz-Geschäfts seiner Tochter Leighton in Australien seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr erhöhen. Leighton habe mit dem Verkauf einen Gewinn von 118,5 Millionen Euro erzielt, teilte der Konzern am Mittag mit. Hochtief gehört seit dem Sommer mehrheitlich zum spanischen Baukonzern ACS. Die im MDax notierte Aktie kann von der Mitteilung nicht profitieren und gibt rund 1,4 Prozent nach.

MTU an Avio interessiert
Nach einem Pressebericht ist MTU an der Übernahme des italienischen Konkurrenten Avio interessiert. Die Münchener seien mit ihrer drei Milliarden-Offerte aber beim Eigner Cinven, einem Finanzinvestor, abgeblitzt, heißt es weiter. MTU gehören im MDax mit einem Minus von 3,4 Prozent zu den größten Tagesverlierern.

Patrizia macht Kasse
Gegen den Trend zulegen kann die Aktie des im SDax notierten Immobilienunternehmens Patrizia. Die Firma hat bekannt gegeben, dass sie im laufenden Quartal 154 Wohnungen im Gesamtwert von 30,4 Millionen Euro verkauft hat.

Balda kann wieder punkten
Noch kräftiger legen die Papiere der ebenfalls im SDax notierten Firma Balda zu. Die Anleger reagieren damit auf die Ankündigung des Handyausrüsters bis zu 9,5 Millionen TPK-Aktien verkaufen zu wollen. Balda ist am taiwanesischen Touch-screen-Hersteller beteiligt und hatte jüngst erklärt, den Anteil reduzieren zu wollen. Das weckt Fantasie auf eine Sonderausschüttung.

Tagestermine am Donnerstag, 20. Dezember

Unternehmen:
Hornbach: Q3-Zahlen (endg.), 07:00 Uhr
Bank of New York Mellon: ao. HV, 12:00 Uhr
Blackberry: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Nike: Q2-Zahlen, 22:15 Uhr
Konjunktur:
Japan: BoJ Zinsentscheid, 05:30 Uhr
EU: Leistungsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
GB: Einzelhandelsumsatz, 11/18, 10:30 Uhr
GB: BoE, Zinsentscheid, 13:00 Uhr
USA: Philly Fed Index, 12/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Wo), 14:30 Uhr
USA: Frühindikator 11/18, 16:00 Uhr