Dax mit Mini-Minus trotz Riesen-Belastungen

Angela Göpfert

Stand: 04.12.2008, 20:14 Uhr

Die historische EZB-Zinssenkung hat die Anleger nicht nachhaltig beruhigen können. Schließlich senden nicht zuletzt die US-Unternehmen, die Öl- und Rentenmärkte Warnsignale, die in ihrem leuchtenden Rot kaum zu übersehen sind. Angesichts dessen fiel das Kursminus beim Dax eigentlich noch extrem verhalten aus.

Der L-Dax konnte am Donnerstag die Marke von 4.500 Zählern erfolgreich verteidigen. Der deutsche Leitindex ging mit einem Stand von 4.534 Punkten aus dem späten Parketthandel. Zu Xetra-Schluss hatte er noch 30 Punkte höher notiert.

Belastungsfaktor Wall Street
Im späten Parketthandel lastete vor allem die schwächere Wall Street auf den Kursen. Eine Flut von Ankündigungen zu Stellenstreichungen - unter anderen von AT&T, DuPont und AMD - verstärkte die Furcht vor einer Beschleunigung des Wirtschaftsabschwungs. Der Pharmakonzern Merck & Co. enttäuschte mit seinem Ausblick für 2009 die Markterwartungen.

Zudem ging der Auftragseingang der US-Industrie so stark zurück wie zuletzt im Jahr 2000. Ein scheinbarer Lichtpunkt war der Einzelhandelssektor: Der weltgrößte Einzelhändler Wal Mart verzeichnete im November einen überraschend hohen Umsatzanstieg. Auch wenn Anleger dies eher positiv werteten. Die Vorliebe der US-Verbraucher für Billig-Produkte vom Discounter kann genauso gut auf eine tiefe Wirtschaftskrise hindeuten.

Big Three im Fokus
Derweil scheinen sich die Anleger keine große Hoffnung mehr auf eine schnelle Bewilligung von Staatshilfen für die drei großen US-Autobauer zu machen. Während die Bosse von GM, Ford und Chrysler bei der möglicherweise entscheidenden Anhörung im Kongress um insgesamt 34 Milliarden Dollar bettelten und versuchten, die Abgeordneten mit tiefer Reue und umfassenden Sanierungsplänen für sich zu gewinnen, verloren GM-Titel über neun Prozent.

Außerdem brachen die Futures auf den Ölpreis erneut ein: Der Preis für ein Barrel der leichten US-Sorte WTI sank auf 44,45 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit 2005. Investoren werteten dies als Zeichen für anhaltende Rezessionsängste und konnte die Aktien von Exxon Mobil und Chevron plötzlich gar nicht schnell genug loswerden.

Krisensignal vom Rentenmarkt
Dass der Dax in seinem Handelsverlauf extrem stark schwankte zwischen 4.734 und 4.491 Zählern hatte er aber nicht nur der Nachrichtenflut aus den USA und den zahlreichen Zinsentscheiden des Tages zu verdanken, sondern auch der anhaltenden Nervosität der Anleger.

Diese spiegelte sich derweil auch am Rentenmarkt wider. Die wichtigste deutsche Staatsanleihe mit zehnjähriger Laufzeit (Bund) warf zeitweise nur noch eine Rendite von unter drei Prozent ab. Das war ein historischer Tiefstand. "Die Zinsmärkte sind fast volatiler als der Aktienmarkt", sagte ein Händler. "Das ist wirklich nicht gesund."

Selbst die massiven Zinssenkungen der Zentralbanken der Euro-Zone, Großbritanniens und Schwedens haben die Anleger an den Renten- wie an den Aktienmärkten offenbar nicht nachhaltig beruhigen können.

EZB macht's dem Markt nicht recht
Viele Investoren fanden die Zinssenkung der EZB um nur 75 Basispunkte sogar mehr als zögerlich und reagierten darauf mit Gewinnmitnahmen. Sie bezweifelten, dass diese verhaltene Zinssenkung ausreichen werde, um der darbenden Wirtschaft wieder auf die Beine zu helfen. Gleichwohl war dies für die EZB ein historischer Schritt.

Laut einer aktuellen Reuters-Umfrage erwarten die meisten Analysten nun für Januar eine weitere Zinssenkung um 50 Basispunkte. Bis zum Ende des zweiten Quartals 2009 werde die EZB den Leitzins bis auf 1,5 Prozent drücken.

BASF setzt auf Pflanzenschutz
Dass das Kursminus im Dax so klein ausfiel, war dabei nicht zuletzt den schwer gewichteten Aktien der Versicherern zu verdanken: Titel der Münchener Rück stiegen um 2,6 Prozent, die der Allianz sogar um 4,4 Prozent.

Aktien von BASF kletterten um 2,1 Prozent. Der Chemieriese will mit der Übernahme der britischen Firmengruppe Sorex sein Pflanzenschutzgeschäft ausbauen. Das Unternehmen, das im vergangenen Jahr 72 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftete, stellt Mittel zur Bekämpfung von Schädlingen wie Termiten und Nagetiere her. Zum Kaufpreis sei Stillschweigen vereinbart worden, sagte eine BASF-Sprecherin. Die Übernahme solle noch vor dem Jahresende unter Dach und Fach gebracht werden.

Deutsche Post im TNT-Sog
Titel der Deutschen Post verloren 3,8 Prozent auf 10,64 Euro. Der niederländische Logistiker TNT hatte die Prognose für seine Express-Sparte wegen des wirtschaftlichen Umfelds zum zweiten Mal zurückgenommen.

Für Dax-Absteiger geht's abwärts
Der Hypothekenfinanzierer Hypo Real Estate und der Reifenhersteller Continental werden zum 22. Dezember den Dax verlassen. Das hat der Arbeitskreis Aktienindizes am späten Mittwochabend entschieden. Das Börsengewicht beider Unternehmen war zuletzt dramatisch gesunken. Es reicht nur noch, um im MDax zu verweilen. Der Kursverfall bei HRE und Conti ging auch heute weiter: HRE verlor 7,1 Prozent und übernahm damit die rote Laterne im Dax. Conti büßte 2,4 Prozent ein.

Zwei MDax-Mitglieder, der Stahlkonzern Salzgitter und der Nivea-Produzent Beiersdorf, sollen die beiden Glücklosen künftig ersetzen. Dabei verhalf der Aufstieg von Salzgitter in den Dax auch ThyssenKrupp zu einem Kursgewinn von 2,3 Prozent. Investoren sahen nämlich das Gewicht der Stahlkonzerne im deutschen Leitindex gestärkt.

Bäumchen wechsel dich auch im TecDax
Im TecDax stiegen Conergy-Aktien nach ihrem Kurseinbruch am Vortag um 4,3 Prozent. "Das ist eine rein technische Kursbewegung", sagte ein Händler.

Auch im TecDax wird es am 22. Dezember ein großes Stühlerücken geben. Wegen der neuen Streubesitz-Regelung werden die Aktien von Versatel und Epcos ihre Plätze an Smartrac und Jenoptik verlieren. Die Aktien der beiden Aufsteiger verzeichneten am Donnerstag kräftige Zugewinne.

HeidelbergCement unter Merckle-Druck
Im MDax wurden dagegen Demag Cranes von einem negativen Analystenkommentar belastet. Die UBS senkte ihre Empfehlung von "Neutral" auf "Sell" und kappte das Kursziel von 24 auf 13 Euro. Die Aktie notierte zu Handelsschluss 5,3 Prozent im Minus bei 15,60 Euro.

Aktien von HeidelbergCement verloren noch stärker und setzten sich mit einem Minus von 5,6 Prozent ans Indexende. Die Merckle-Familie hatte am Nachmittag klar gestellt, dass von ihr keine Kapitalerhöhungen an dem Baustoffkonzern mehr zu erwarten seien. Zudem sei ein Verkauf des Generika-Herstellers Ratiopharm unvermeidlich. Adolf Merckle hatte sich mit einer Spekulation auf fallende VW-Kurse verzockt und dabei Milliardenverluste eingefahren.

Kuka begrüßt Grenzebach
Die Kuka-Aktie gehörte derweil mit einem Plus von 7,2 Prozent zu den großen MDax-Gewinnern. Der schwäbische Maschinenbauer Grenzebach hat nämlich seinen Anteil am Roboter- und Anlagenbauer auf 5,43 Prozent ausgebaut. In Medienberichten war die Rede davon, dass Grenzebach seinen Anteil auf eine Sperrminorität von 25 Prozent aufstocken will. Die Firma teilte mit, sie behalte sich weitere Aktienkäufe vor, sie seien aber nicht fest geplant.

Auch Vossloh legte zu und zwar um 3,3 Prozent. Das Verkehrstechnikunternehmen bestätigte seine aktuelle Prognose für das laufende Geschäftsjahr.

Drillisch macht Dividendenhoffnung
Jenseits der großen Indizes fiel der Mobilfunkdienstleister Drillisch mit einem Sprung um knapp 30 Prozent im späten Handel auf. Drillisch will mit der Fusion von vier Tochterfirmen seine Bilanz aufbessern. Mit der Verschmelzung von Telco, Victorvox und Alphatel auf McSim würden rund 140 Millionen Euro an stillen Reserven gehoben, teilte das Unternehmen mit. In der Bilanz des Unternehmens aus Maintal bei Frankfurt werden die Tochterfirmen nun mit 215 Millionen Euro statt mit 75 Millionen Euro bewertet. Das könne sich auch auf eine mögliche Ausschüttung auswirken, erklärte Drillisch.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 17. Oktober

Unternehmen:
ASML: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Roche: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Zooplus: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Danone: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Abbott: Q3-Zahlen, 13:45 Uhr
US Bancorp: Q3-Zahlen, 14:00 Uhr
Carrefour: Q3-Umsätze, 17:45 Uhr
Alcoa: Q3-Zahlen, 22:10 Uhr

Konjunktur:
Acea-Kfz-Neuzulassungen 09/18, 08:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 09/18, 11:00 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen, 09/18, 14:30 Uhr
USA: Ölbericht (Woche), 16:30 Uhr
USA: FOMC-Sitzungsprotopoll 26.9., 20:00 Uhr