Marktbericht 9:22 Uhr

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Handelsstreit im Fokus Dax: Mit der Pistole am Kopf…

von Angela Göpfert

Stand: 09.10.2019, 09:22 Uhr

… will Peking vielleicht nicht so gerne verhandeln. Geht der Schuss des "Deal-Makers" womöglich nach hinten los? Anleger sind in Hab-Acht-Stellung.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.511,65
Differenz relativ
+2,86%

Der Dax notiert zur Eröffnung kaum verändert bei 11.974 Punkten. Allzu weit vor mag sich kaum einer wagen, wurde doch der letzte Angriff der Bullen brutal abgewürgt. Der Dax war am Dienstag um 1,1 Prozent auf 11.970 Zähler in die Tiefe gerauscht.

Im Dax-Chart steht damit nun im ultra-kurzfristigen Zeitfenster ein Doppel-Top (12.105/12.098 Punkte) zu Buche. Das mahnt ebenso zur Vorsicht wie die Tatsache, dass die schwarze Tageskerze vom Dienstag die des Vortages komplett umschließt ("bearish engulfing").

Der Dax-Chart ist folglich ein Spiegelbild der handelspolitischen und damit konjunkturellen Unsicherheiten, die in den vergangenen Tagen deutlich gestiegen sind.

Peking verurteilt US-Vorgehen

Ab morgen soll es neue Handelsgespräche zwischen China und den USA in Washington geben. Allerdings sinken die Hoffnungen auf ein Abkommen im Handelsstreit von Tag zu Tag.

So haben die USA am Dienstag 28 chinesische Unternehmen und Regierungsorganisationen wegen des Vorgehens gegen die Uiguren und andere muslimische Minderheiten auf eine schwarze Liste gesetzt und Visa-Beschränkungen verhängt.

Peking verurteilte diese Schritte scharf als Einmischung in die inneren Angelegenheiten Chinas.

Getriebene der Politik

Die Märkte bleiben damit Getriebene der Politik, hat doch jede neue Entwicklung im Handelsstreit potenziell gewaltige Folgen für die globale Konjunktur.

Und so ganz nebenbei tragen auch noch die herannahende Deadline für den Brexit und das mögliche Amtsenthebungsverfahren gegen US-Präsident Trump nicht gerade dazu bei, die Kauflaune der Anleger zu heben.

Verluste in New York und Tokio

Nikkei 225 Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Tokio SE für den Zeitraum Intraday
Kurs
21.798,87
Differenz relativ
+1,15%

Aus Japan kommen negative Impulse für den deutschen Aktienmarkt. So liegt der 225 Werte umfassende Nikkei-Index zum Handelsschluss in Tokio 0,6 Prozent tiefer. Er folgt damit den Vorgaben von der Wall Street. Am Dienstag hatten die großen Indizes in New York allesamt hohe Verluste eingefahren.

Der US-Leitindex Dow Jones schloss 1,2 Prozent tiefer bei 26.164 Punkten. Für den marktbreiten S&P 500 ging es um 1,6 Prozent auf 2.893 Punkte bergab. Der technologielastige Nasdaq 100 verlor ebenfalls 1,6 Prozent auf 7.604 Zähler.

Dow Jones Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
26.840,74
Differenz relativ
+0,13%
S&P 500 Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
2.973,83
Differenz relativ
+0,17%
Nasdaq 100: Kursverlauf am Börsenplatz NASDAQ Indizes für den Zeitraum Intraday
Kurs
7.843,88
Differenz relativ
+1,34%

Gold weiter klar über 1.500 Dollar

Der Goldpreis kann von der neuen Verunsicherung der Anleger profitieren und zieht an auf knapp 1.508 Dollar je Feinunze.

Am Ölmarkt steigen die Sorgen, dass im Zuge des Handelskonfliktes die Nachfrage sinken könnte. Entsprechend fallen die Preise für Brent und WTI.

Der Euro steigt im frühen Devisenhandel um 0,2 Prozent auf 1,0972 Dollar.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
60,14
Differenz relativ
+2,17%
Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.486,58
Differenz relativ
-0,11%

Thyssenkrupp: Blut-Schweiß-und-Tränen-Brief von der Chefin

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12,61
Differenz relativ
+1,08%

Die neue Thyssenkrupp-Chefin Martina Merz hat die Mitarbeiter des kriselnden Konzerns auf harte Einschnitte eingeschworen. "Zur Wahrheit gehört, dass es in einigen Bereichen nicht ohne signifikanten Stellenabbau gehen wird", schrieb Merz in einem Brief des Vorstands an die Mitarbeiter. Zahlen nannte sie nicht. Die ehemalige Bosch-Managerin hatte Anfang vergangener Woche den Chefposten von Guido Kerkhoff übernommen, der nach 14 Monaten im Amt auf Druck von Investoren gehen musste.

Interessenskonflikt bei Deutsche-Bank-Aufsichtsrat?

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
6,80
Differenz relativ
+5,15%

Die Aufsichtsgremien der EZB und der BaFin tendieren nach einem Bericht der "Financial Times" dazu, Jürg Zeltner als Mitglied des Aufsichtsrats der Deutschen Bank wegen Interessenskonflikten abzulehnen. Die Luxemburger Privatbankengruppe KBL, deren Chef Zeltner ist, konkurriere im Bereich der Vermögensverwaltung direkt mit der Deutschen Bank, berichtet die Zeitung. Hinter KBL steht die katarische Herrscherfamilie Al-Thani, die wiederum Großaktionär bei der Deutschen Bank ist.

Commerzbank vor Stellenstreichungen in "vierstelliger Höhe"?

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
5,20
Differenz relativ
+4,09%

Der Privat- und Geschäftskundensparte der Commerzbank drohen einem Medienbericht zufolge harte Einschnitte. Demnach sollen unter Berücksichtigung der geplanten Comdirect-Integration Stellen in "vierstelliger" Höhe abgebaut werden. Das gehe aus einem Schreiben des Gremiums an Mitarbeiter hervor, berichtete das "Handelsblatt". Die Bank wolle rund 250 Zweigstellen dichtmachen und zugleich 50 Filialen "an interessanten Lokationen" neu eröffnen.

Deutz setzt auf klimaschonende Technologien

Deutz: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
5,28
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+3,63%

Der Motorenhersteller Deutz baut durch einen Zukauf sein Geschäft mit Elektroantrieben für Bau- und Landmaschinen aus. Der Konzern übernimmt den Batteriespezialisten Futavis aus Alsdorf. Futavis beschäftige rund 30 Mitarbeiter und peile im laufenden Jahr einem Umsatz von fünf Millionen Euro an, so Deutz. Über die Höhe des Kaufpreises sei Stillschweigen vereinbart worden. Deutz will sich im Geschäft mit Komponenten für elektrische Antriebe ein weiteres Standbein aufbauen.

Tom Tailor vorerst gerettet

Tom Tailor: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,49
Differenz relativ
-1,33%

Die angeschlagene deutsche Modekette kommt einer längerfristig gesicherten Finanzierung näher. Das Unternehmen habe sich mit seinen Konsortialbanken und dem chinesischen Mehrheitsaktionär Fosun auf eine neue Finanzierungsstruktur geeinigt, erklärte Tom Tailor am Mittwoch. Die Eckpunktevereinbarung mit einer Laufzeit bis Ende September 2022 sieht ein Gesamtvolumen von 365 Millionen Euro vor.

Zugleich korrigierte Tom Tailor vorläufige Zahlen für das Geschäftsjahr 2018, da Rückstellungen wegen einer künftig schlechteren Geschäftsentwicklung gestiegen seien. So erwartet das Unternehmen ein operatives Ergebnis von nur noch 64 Millionen Euro statt 70,6 Millionen Euro.

Derweil wackeln die Stühle des Top-Managements. Der Aufsichtsrat führe derzeit Gespräche mit dem Vorstandsvorsitzenden Heiko Schäfer und dem Finanzvorstand Thomas Dressendörfer "hinsichtlich des vorzeitigen Ausscheidens aus der Gesellschaft".

Boeing: Nur eine 737 MAX bestellt

Der Flugzeugbauer hat zum ersten Mal seit Monaten wieder einen seiner Problemjets vom Typ 737 MAX verkauft. Ein ungenannter Kunde habe eine Maschine bestellt, teilte Boeing mit. Die 737 MAX war nach zwei Abstürzen mit Hunderten Todesopfern mit einem weltweiten Flugverbot belegt worden.

Das bremste Boeings Geschäfte in den vergangenen Monaten drastisch aus: In den ersten neun Monaten 2019 brachen die Flugzeugauslieferungen verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um 47 Prozent ein, wie die am Dienstag veröffentlichte Statistik des US-Konzerns zeigt. Damit fällt Boeing weiter hinter den europäischen Erzrivalen Airbus zurück.

Boeing: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
335,25
Differenz relativ
-0,93%
Airbus: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
118,90
Differenz relativ
+0,92%

Johnson & Johnson: Milliardenstrafe wegen Männer-Brüsten

Johnson & Johnson: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
119,64
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+0,54%

Der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson ist zu einer Schadenersatzzahlung in Milliardenhöhe verurteilt worden. Ein Geschworenengericht im US-Bundesstaat Pennsylvania entschied am Dienstag, dass J&J wegen fehlender Informationen über die Nebenwirkungen eines bei Schizophrenie eingesetzten Medikaments acht Milliarden Dollar zahlen müsse.

Geklagt hatte ein Mann, der das Psychopharmakum Risperdal eingenommen hatte, das bei Schizophrenie und bipolaren Störungen verschrieben wird. Er wirft dem Pharmakonzern vor, ihm seien dadurch Brüste gewachsen. J&J kündigte umgehend an, in Berufung zu gehen. Die J&J-Aktie fällt um rund zwei Prozent.

Apple: Kritik aus China an Polizei-Tracking-App

Apple: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
215,00
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+0,94%

Der US-Technologiekonzern wird in der Zeitung der Kommunistischen Partei Chinas kritisiert. In dem Blatt wird die Zulassung einer bestimmten App auf Apple-Geräten beanstandet, die die Bewegung der Polizei in Hongkong verfolgt und von Protestlern während der regierungskritischen Demonstrationen verwendet wird. Die App "HKmap.live" öffne in der chinesischen Sonderverwaltungszone gewalttätigen Demonstranten die Tür, heißt es in der Zeitung.

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Womit Apple sein Geld verdient Viel mehr als iPhone und iPad

Apple-Logo am Sternenhimmel

Apple ist der Gigant unter den weltweit agierenden Technologieunternehmen: Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei 265,6 Milliarden Dollar, der Gewinn bei 59,5 Milliarden. Der Löwenanteil kommt dabei immer noch vom iPhone.

Tagestermine am Montag, den 14. Oktober

Firmen:
Fraport: Verkehrszahlen 09/19, 7 Uhr

Konjunktur:
EU: Industrieproduktion 08/19, 11 Uhr

Sonstiges:
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