Dax macht sich Mut

Lothar Gries

Stand: 18.02.2008, 20:05 Uhr

Der deutsche Leitindex ist mit überraschendem Schwung in die neue Woche gestartet und hat dabei die Marke von 7000 Punkten ins Visier genommen. Alles nur ein Strohfeuer?

Der Dax ist am Montag mit einem kräftigen Kursgewinn von 123 Punkten auf 6975 Zählern aus dem Handel gegangen, ein Plus von 1,8 Prozent. Händler sagten, rational und fundamental ließe sich die Hausse kaum erklären. Deshalb werde sich am Dienstag zeigen, ob die Gewinne nachhaltig seien oder es sich nur um ein Strohfeuer handelte.

Dann nämlich werden die US-Börsen wieder an den Start gehen. Am Montag war die Wall Street wegen des "President's Day" geschlossen. Händler vermuteten, dass sich einige Anleger, die zuletzt auf fallende Kurse gesetzt hatten, sich nun eindeckten. Die beiden größten Tagesgewinner im Dax waren Daimler und Hypo Real Estate, zwei Werte, die in den vergangenen Wochen besonders heftig unter Druck geraten waren. Auf der Verliererliste standen lediglich Merck und Bayer.

Affinerie bei Cumerio am Ziel

Die Norddeutsche Affinerie kann den belgischen Kupferhersteller Cumerio nach monatelangen Bemühungen übernehmen. Zum Ende des offiziellen Angebots am vergangenen Freitag könne die NA mehr als 90 Prozent der Cumerio-Aktien kaufen, teile das Unternehmen am Montag mit. Unter dem Dach der Affinerie entsteht nun der führende europäische Kupferkonzern mit 4.800 Mitarbeitern und rund neun Milliarden Euro Umsatz. Die Übernahme kostet die NA knapp 780 Millionen Euro.

Post ernennt Frank Appel zum Vorstandschef
Die Deutsche Post hat ihr Führungsvakuum gefüllt und mit Frank Appel einen neuen Chef. Wie die Post am Montag mitteilte, nahm der Aufsichtsrat den Rücktritt des langjährigen Vorstandschefs Klaus Zumwinkel an und ernannte Frank Appel mit sofortiger Wirkung zu dessen Nachfolger. Der neue Konzernlenker erhält einen Vertrag bis Ende Oktober 2012. Die Post-Aktie reagierte kaum auf den erwarteten Wechsel. Mit 22,80 Euro war sie nahezu verändert zum Schlusskurs im Xetra-Handel.

Bayer erleidet Rückschlag bei Krebsmittel
Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer hat mit seinem Krebsmittel Nexavar einen Entwicklungsrückschlag erlitten. Bei einer Zwischenanalyse einer Studie zu dem Mittel zur Behandlung von Lungenkrebs habe sich gezeigt, dass das vorrangige Studienziel wohl verfehlt werde, teilte Bayer am Montag mit. Die Studie sei daher vorzeitig beendet worden. Nexavar war einer der größten Hoffnungsträger des Bayer-Pharmageschäfts. Die Aktie des Konzerns drehte daraufhin ins Minus und verlor mehr als zwei Prozent.

Morgan Stanley stockt bei Premiere auf
Die US-Bank Morgan Stanley hat ihren Anteil am Bezahlfernsehsender Premiere auf jetzt 5,46 Prozent aufgestockt. Am fünften Februar hatte die Bank mit 4,82 Prozent die meldepflichtige Schwelle von drei Prozent überschritten. Größter Anteilseigner ist mit knapp 15 Prozent die News Corp von US-Medienmogul Rupert Murdoch. Anhaltende Übernahmespekulationen hatten den Premiere-Papieren am Montag erneut Auftrieb gegeben. Die Aktie lag 2,5 Prozent im Plus.

Deutsche Euroshop will wachsen
Die auf Beteiligungen an Einkaufszentren spezialisierte Deutsche Euroshop will in den nächsten Jahren weiter wachsen. "Bis 2012 sollten wir im Schnitt pro Jahr beim Umsatz im einstelligen, beim Gewinn vor Zinsen und Steuern im zweistelligen Prozentbereich zulegen", sagte Vorstandschef Claus-Matthias Böge in einem Interview des Magazins "Euro". Böge bekräftigte die Prognose, wonach der Umsatz 2008 um 17 Prozent auf 108 Millionen klettern soll. Euroshop erwarte einen Anstieg des Vorsteuergewinns um 34 Prozent. Die Aktie gehört zu den wenigen verlierern.

Merck enttäuscht die Anleger
Die Enttäuschung über das am Morgen vorgelegte Zahlenwerk hat die Aktie des Darmstädter Chemie- und Pharmaunternehmens unter Druck gesetzt. Dabei peilt Merck 2008 ein zweistelliges operatives Plus an. Neben Bayer war das Papier der Firma der einzige Verlierer im Dax. Der Nettogewinn von Merck hat sich im vergangenen Jahr zwar auf 3,5 Milliarden Euro verdreifacht, doch nur dank eines Steuereffekts. Operativ verdiente Merck mit 976 Millionen Euro 22,2 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Umsatz stieg um 58,2 Prozent auf 7,057 Milliarden Euro. Die Dividende für 2007 soll kräftig steigen. Merck schlägt eine Ausschüttung von 1,20 Euro sowie einen einmaligen Bonus von zwei Euro pro Aktie vor.

Verkaufsgerüchte treiben Postbank-Aktien
Noch steht nicht fest, wann und an wen die Postbank veräußert wird. Doch die anhaltenden Spekulationen über die Zukunft des Konzerns haben die Aktie seit ihrem Tiefstkurs Anfang November um fast 40 Prozent ansteigen lassen. Spekulationen zufolge soll das Bonner Institut an die Commerzbank veräußert werden. Die Deutsche Post hält noch 50 Prozent plus eine Aktie an der Postbank. Der Bund verfügt jedoch bis Anfang 2009 über ein Vetorecht und kann somit einen Verkauf entscheidend beeinflussen. Die Aktie der Postbank gehörte am Montag zu den größten Kursgewinnern.

Aktionäre empört über Verstaatlichung von Northern Rock
Mit Empörung auf die angekündigte erste Verstaatlichung in Großbritannien seit mehr als 35 Jahren haben die Aktionäre von Northern Rock reagiert. Sie werfen Premierminister Gordon Brown in der nunmehr fünf Monate währenden Krise um die Bank unentschlossenes Handeln vor, bei der Suche nach einem Käufer aus der Privatwirtschaft. Brown sagte dagegen, die Regierung habe das Richtige getan, zur richtigen Zeit und aus den richtigen Gründen. "Wir haben die Probleme eingedämmt. Sie haben sich nicht auf die übrige Wirtschaft ausgeweitet."

IKB-Aktien brechen erneut ein
Die Papiere der IKB sind am Montag erneut heftig unter Druck geraten. Grund ist die Einladung zur Hauptversammlung Ende März, aus der hervorgeht, dass das Institut eine Kapitalerhöhung von bis zu 1,48 Milliarden Euro braucht. Dieser Betrag sei im Vergleich zur aktuellen Marktkapitalisierung "exorbitant hoch", sagte ein Börsianer. Die Analysten der Unicredit senkten das Kursziel für die IKB-Aktie drastisch von 6,10 auf 1,80 Euro. Der Kurs brach um mehr als 24 Prozent ein.

Laut dem "Handelsblatt" summieren sich die Hilfen des Bundes und der bundeseigenen KfW in dem neuen Paket auf zwei Milliarden Euro. Die IKB gab am Samstag zugleich die korrigierten Geschäftszahlen für das Geschäftsjahr 2006/07 bekannt. Der Überschuss wurde um 141,8 Millionen auf 37,9 Millionen Euro reduziert, das Eigenkapital um 206,2 Millionen auf 1,19 Milliarden Euro.

Unterdessen wurde bekannt, dass auch die wegen von der Subprime-Krise betroffene Bayerische Landesbank (BayernLB) neues Kapital benötigt. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, strebt die zweitgrößte deutsche Landesbank jetzt eine Kapitalerhöhung von 650 Millionen Euro an. Am vergangenen Mittwoch hatte die BayernLB Belastungen von insgesamt 1,9 Milliarden Euro durch die US-Hypothekenkrise und ihre Folgen einräumen müssen.

Aareal Bank größter Gewinner im MDax
Trotz Belastungen aus der Subprime-Krise konnten die Papiere der Aareal Bank am Montag deutlich zulegen und setzten sich an die Spitze der MDax-Gewinner. Dabei hat der Immobilienfinanzierer seinen Gewinn im vierten Quartal 2007 fast halbiert. Allerdings schaffte das Institut im Gesamtjahr 2007 einen Rekordgewinn von 290 Millionen Euro. Ohne Sondereffekte hätte das Betriebsergebnis um rund 20 Prozent zugelegt. Die Dividende soll allerdings unverändert bei 0,50 Euro bleiben. Für das laufende Jahr ist das Institut vorsichtig. Ohne weitere schwerwiegende Verwerfungen an den Finanzmärkten lasse sich das operative Ergebnis von 2007 aber wieder erreichen oder sogar verbessern, erklärte der Vorstand.

Boss mit Dividendenfantasie
Auch die Titel von Hugo Boss gehörten zu den Favoriten im Mdax. Laut einem Händler stützt die Fantasie um eine erhöhte Ausschüttung des Modekonzerns den Kurs. Nach dem Ausscheiden von Boss-Chef Bruno Sälzer spekuliert "Die Welt", dass der Auslöser ein Streit um die Sonderdividende gewesen sei. Der Großaktionär Permira wolle diese durchsetzen.

Liechtensteinische Banken verlieren kräftig
Anlagen in liechtensteinischen Banken gehörten am Montag nicht zu den Gewinnern. Bis zum Nachmittag fielen die Aktien der Liechtensteinischen Landesbank und der VP Bank an der Schweizer Börse um über 12 Prozent. Die Titel wurden offensichtlich im Zusammenhang mit der Hinterziehungsaffäre in Deutschland in Sippenhaft genommen. Von dem Skandal betroffen ist aber in erster Linie die nicht börsennotierte LGT Group, die dem Fürsten von und zu Liechtenstein gehört. Auch die LLB hatte allerdings berichtet, sie sei von einem ehemaligen Mitarbeiter mit gestohlenen Unterlagen über deutsche Kunden erpresst worden.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 18. Juli

Unternehmen:
NovartisVW: Q2-Zahlen, 6:45 Uhr
Cassiopea: Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Software: Q2-Zahlen, 7 Uhr
ASML: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Akzo Nobel: Q2-Zahlen, 7:30 Uhr
Ericsson: Q2-Zahlen, 8 Uhr
Easyjet: Q3-Zahlen, 8 Uhr
Morgan Stanley: Q2-Zahlen, 13 Uhr
Abott Laboratories: Q2-Zahlen, 13:45 Uhr
American Express: Q2-Zahlen, 22 Uhr
Alcoa: Q2-Zahlen, 22:05 Uhr
Ebay: Q2-Zahlen, 22:15 Uhr
IBM: Q2-Zahlen, 22:30 Uhr

Konjunktur:
EU: Verbraucherpreise (endgültig), 06/18, 11 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen 06/18, 14:30 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung im Juni, 15:15 Uhr
USA: NAHB-Index Juli, 16:00 Uhr
USA: Rede von Fed-Chef Powell vor dem Bankenausschuss des Senats, 16:00 Uhr