Dax macht schlapp

Stand: 07.01.2011, 20:02 Uhr

Amerikas Notenbankchef Ben Bernanke sieht Licht am Ende des Konjunkturtunnels und spricht von hoffnungsvollen Zeichen. Doch das erhoffte Jobwunder lässt auf sich warten. An den Märkten sorgen die Meldungen deshalb für gedrückte Stimmung.

Der Dax verliert im Abendhandel 33 Punkte (rund ein halbes Prozent) auf 6.956. Von den 30 Werten des Börsenbarometers schaffen es nur sieben ins Plus. In der ersten Handelswoche des Jahres hat der Dax damit dennoch ein halbes Prozent gewonnen.

Zu Verlusten kommt es auch an der Wall Street. Dort büßt der Dow Jones-Index ebenfalls rund ein halbes Prozent auf 11.640.

In den USA waren sowohl die Beschäftigung als auch die Stundenlöhne im Dezember weniger stark als erwartet gestiegen. Statt den erwarteten 175.000 neuen Stellen wurden nur 103.000 geschaffen. Dafür ist die Arbeitslosenquote überraschend deutlich auf 9,4 Prozent zurückgegangen. Dies grenzte die Verluste an den Märkten ein.

Experten sehen trotzdem keinen Grund für allzu großem Pessimismus: So werde die US-Notenbank Fed angesichts der weiter hohen Arbeitslosigkeit an ihrer ultralockeren Geldpolitik festhalten. Notenbankchef Ben Bernanke beurteilt die Aussichten für die krisengebeutelte US-Wirtschaft etwas positiver. Es sei zunehmend zu beobachten, dass die sich selbst tragende Konjunkturerholung Tritt fasse. Allerdings reiche dies noch nicht für einen Umschwung am Arbeitsmarkt aus, sagte Bernanke bei einer Anhörung vor dem Haushaltsausschuss des Senats in Washington.

Der Euro konnte zunächst von den US-Daten profitieren und stieg kurzzeitig wieder über die Marke von 1,30 Dollar. Die Freude währte aber nur kurz. Nach einer Achterbahnfahrt notiert die Gemeinschaftswährung bei Börsenschluss wieder bei 1,294 Dollar.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
152,68
Differenz relativ
-1,10%

Volkswagen mit Absatzrekord
Angeführt wird der Dax von Volkswagen. Der Konzern hat im vergangenen Jahr mehr Autos verkauft als je zuvor. Erstmals wurde für die Marke Volkswagen Pkw die Rekordzahl von weltweit 4,5 Millionen Auslieferungen in einem Jahr erreicht - rund 14 Prozent mehr als 2009. Im Boommarkt China verkaufte der Autobauer mit 1,51 Millionen Einheiten und einem Zuwachs von 35,5 Prozent fast ebensoviele Autos wie in allen europäischen Ländern zusammen. Einen kräftigen Rückgang musste die Marke allerdings in Deutschland hinnehmen.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
84,77
Differenz relativ
-1,17%

Analysten reden Lufthansa klein
Lufthansa-Anteile verlieren rund 0,8 Prozent. Grund sind negative Aussagen von Analysten. So nahmen die Experten der Bank of America/Merrill Lynch die Kaufempfehlung zurück. Sie begründeten ihre Entscheidung mit den hohen Kursgewinnen des vergangenen Jahres. Das knapp 40prozentige Kursplus reflektiere schon einen starken Gewinnanstieg. Auch die SocGen streicht Lufthansa von ihrer "Premium Liste".

Auch BMW hat in den Augen der Analysten ein wenig von seiner Attraktivität eingebüßt. Die Experten der Credit Suisse strichen die Aktie von ihrer "Focus List", behielten die Einstufung "Outperform" aber bei. Nach der guten Kursentwicklung 2010 sehe er in Werten wie Daimler oder Porsche ein größeres Potenzial für eine überdurchschnittliche Kursentwicklung, begründete Analyst Arndt Ellinghorst die Entscheidung.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,47
Differenz relativ
-0,63%

Metro gibt ab
Einer der schwächsten Werte im Dax ist die Aktie von Metro. Grund sind schwache Einzelhandelsdaten vom November sowie eine negative Studie von Goldman Sachs. Deren Analyst Frank Walding hat den Wert der Aktie von 66,00 auf 65,00 Euro gesenkt, die Einstufung aber auf "Buy" belassen. Das Wachstumsmoment des Handelskonzerns dürfte sich im Schlussquartal 2010 vor allem wegen der schlechten Witterungsbedingungen vor Weihnachten abgeschwächt haben, schrieb er. Seine Gewinnprognosen für 2012 habe er minimal reduziert.

Schwächster Wert im Dax ist allerdings die Aktie der Deutschen Bank. Eine Begründung für den Rückgang um 1,6 Prozent gibt es zunächst nicht.

Jenoptik besser als erwartet
Der Technologiekonzern Jenoptik hat vom Aufschwung in der Halbleiter- und Autoindustrie profitiert und seine Jahresziele übertroffen. "Wir werden definitiv die angepeilte Umsatzmarke von 500 Millionen Euro überschreiten", sagte Jenoptik-Chef Michael Mertin der Nachrichtenagentur Reuters. Dies werde sich auch im Gewinn widerspiegeln. Die Aktie verliert trotzdem.

Easyjet legt kräftig zu

Freuen können sich die Anleger von Easyjet. Die Aktie des britischen Billigfliegers legt nach guten Zahlen kräftig zu. Easyjet hat zum Jahresschluss und 2010 im Passagiergeschäft deutlich zugelegt. Die Zahl der Fluggäste wuchs im Dezember um 7,6 Prozent auf knapp 3,7 Millionen, wie das Unternehmen heute berichtet. 2010 kam Easyjet insgesamt auf 49,7 Millionen Passagiere, ein Plus von 7,9 Prozent. Der Zuwachs wäre ohne die Flugausfälle im April und Mai wohl noch höher ausgefallen.

Die Aktie des deutschen Billigfliegers Air Berlin kann von der Nachricht allerdings nicht profitieren.

Aixtron: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,83
Differenz relativ
+0,82%

Aixtron weckt Kauffantasie
Die Titel des Spezialmaschinenbauers klettern im TecDax auf ein 9-1/2-Jahres-Hoch. "Angeblich will US-Konkurrent Cree Aixtron übernehmen", sagten mehrere Börsianer übereinstimmend. Einer von ihnen nannte einen Preis von 38 Euro je Aktie. Aixtron und Cree äußerten sich nicht. Cree war schon im vergangenen November Interesse am deutschen Spezialisten für Maschinen zur Herstellung von LED-Leuchten nachgesagt worden.

DZ-Bank verschmäht Koenig & Bauer
Die DZ Bank rät den Anlegern, sich von Koenig & Bauer zu trennen und löst damit einen Kursrutsch der im SDax notierten Papiere des Druckmaschinenherstellers aus. Analyst Jasko Terzic begründet sein Votum unter anderem mit den seiner Ansicht nach enttäuschenden Aussagen von Manroland zum Markt. Der Konkurrent von Koenig & Bauer rechnet erst im kommenden Jahr mit einer Erholung der gebeutelten Branche.

Primacom-Blase geplatzt

Nachdem die Aktien des insolventen Kabelnetzbetreibers Primacom gestern um bis zu 1.100 Prozent auf mehr als 2,70 Euro in die Höhe geschossen waren, ist die Blase inzwischen geplatzt. Das Papier fällt unter einen Euro zurück. Der Grund: die börsennotierte AG ist praktische eine leere und damit fast wertlose Hülle. Ein Experte erklärte gegenüber boerse.ARD.de, dass die AG entgegen anders lautender Meldungen gar nicht verkauft werde.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen