Dax macht schlapp

Lothar Gries

Stand: 09.01.2008, 20:00 Uhr

Warnungen vor einer Rezession in den USA haben am Mittwoch bei den Anlegern in Deutschland für eine Bärenstimmung gesorgt. Gegen den Trend stemmten sich nur Pharmawerte und Versorgeraktien.

Im Abendhandel weitete der Dax seine Verluste weiter aus und verlor am Schluss 109 Punkte oder 1,39 Prozent auf 7748 Zähler. Damit wurde die charttechnische wichtige Marke von 7800 Punkten deutlich unterschritten, was neue verkäufe auslösen könnte. Für Unsicherheit sorgte erneut die Angst vor einem Konjunktureinbruch in den USA, der weltgrößten Volkswirtschaft. Die Experten von Goldman Sachs prognostizieren für dieses Jahr gar eine Rezession in Amerika. Um dies zu verhindern erwägt die US-Regierung einem Zeitungsbericht zufolge Steuererleichterungen. Außerdem wird mit einer deutlichen Senkung der Leitzinsen gerechnet.

Gedrückt wurde der deutsche Leitindex auch durch Spekulationen über eine bevorstehende Gewinnwarnung bei Siemens. Zulegen konnten dagegen erneut die defensiven Werte aus dem Pharmabereich sowie die Titel der Versorger. Richtig düster sah es dagegen in der zweiten Reihe aus. Vor allem die im TecDax notierten Technologiewerte, allen voran der Windradhersteller Nordex, mussten kräftige Einbußen hinnehmen. Kaum besser sah es bei den Nebenwerten im MDax und und im SDax aus, von denen die allermeisten mit einem dicken Minus aus dem Handel gingen.

Alcoa schlechter erwartet

Der Alumiumhersteller läutet am Abend nach US-Börsenschluss traditionell die Bilanzsaison ein. Nach Ansicht von Analysten hat das Unternehmen sowohl im vierten Quartal als auch im Gesamtjahr deutlich schlechter abgeschnitten als ein Jahr zuvor. Gründe seien der Preisrückgang für Aluminium sowie der schwache Dollar.

Gewinnwarnung bei Siemens ?
Der Konzern konnte im Lauf des Nachmittags die rote Laterne im Dax zwar an Tui weiterreichen, musste aber dennoch Kursabschläge von zeitweise fast sechs Prozent verzeichnen. Händler machten für den Kurseinbruch Spekulationen über eine Gewinnwarnung verantwortlich. "Es kursiert das Gerücht, dass Siemens seine Prognosen senken muss", sagte ein Händler. Ein Konzernsprecher wies die Spekulationen zurück. Es gebe keine Gewinnwarnung aus dem Hause Siemens, sagte er. Trotzdem blieb die Aktie auf der Verkaufsliste.

Anleger strafen Tui ab
Die Tui trennt sich über eine Umtauschanleihe von einem Teil ihrer Beteiligung an der Touristik-Tochter Tui Travel und gibt damit die Mehrheit auf. Über die Anleihe besorgt sich der Konzern bis zu eine halbe Milliarde Euro. Obwohl die Experten versicherten, es handele sich nur um eine Umfinanzierung setzte sich die Aktie bis zum Handelsschluss an die Spitze der Verlierer im Dax.

Weihnachtsgeschäft belastet Metro und Arcandor
Metro machen ebenfalls schlapp. "Einzelhändler werden ganz klar gemieden und seit Tagen steht die gesamte Branche an der Börse schwer unter Druck", sagte ein Händler. Dazu kommt heute eine Hiobsbotschaft von Marks & Spencer. Der britische Einzelhändler sprach von einem schlechter als erwarteten Weihnachtsgeschäft und rechnet für 2008 mit weiter schwierigen Handelsbedingungen. Die Zwischenbilanz der Briten erhöht auch die Unsicherheit vor dem am morgigen Donnerstag erwarteten Bericht von Metro. So ist es kein Wunder, dass die Metro-Aktie um mehr als sechs Prozent einbricht. Der Konkurrent Arcandor musste wegen des schleppenden Wiehnachtsgeschäfts gar mehr als neun Prozent abgeben.

Schlechte Zeiten für Airline-Aktien
Fremdgesteuert sind die Titel der Lufthansa, die kräftig verlieren. Schuld sind besonders negative US-Vorgaben für die Branche. Der Sektorindex der USA Amex Airline Index ist um 8 Prozent eingebrochen - "das sieht auch aus technischer Sicht sehr schlecht aus und der Weg zum Tief von 2003 scheint frei", erklärte Thomas Nagel von Equinet. Auch die Papiere von Air Berlin, die gute Verkehrszahlen für Dezember präsentierten, mussten fünf Prozent abgeben.

Gildemeister rutscht ab
Die stark abgebremste Nachfrage im Maschinenbau, besonders in Deutschland, hat die Aktien von Gildemeister tief ins Minus gedrückt. Dahinter steckt auch die Furcht vor einer Rezession in den USA und einer insgesamt schwächeren Konjunktur. Händler sprachen auch von Stopp-Loss-Verkäufen, die unter der Marke von 15,00 Euro ausgelöst worden seien und das Papier bis auf ein Tief bei 14,66 Euro gedrückt hätten. Auffällig sei, dass die Gegenreaktion nach dem Ausverkauf begrenzt sei, was aus Sicht eines Händlers zur Vorsicht mahne.

Atticus hält Deutscher Börse die Stange
Auch die Aktien der Deutschen Börse geben nach, nachdem sie gestern mehr als sieben Prozent zugelegt hatten. Großaktionär Atticus Capital verbreitete jedenfalls gute Stimmung. Man halte weiter mehr als elf Prozent an dem Börsenbetreiber und werde auch langfristig engagiert bleiben. Das nimmt Gerüchten über einen angeblichen Ausstieg des Investors die Kraft. Recht ungewöhnlich: Es gab Lob von dem ansonsten so kritischen Großaktionär: "Wir sind weiterhin langfristig von der Deutschen Börse überzeugt und mit der Entwicklung des Unternehmens sowie den anhaltenden Kostensenkungen und Aktienrückkäufen zufrieden."

T-Aktie erholt sich
Die T-Aktie kann sich von ihren Vormittagsverlusten erholen. Zuvor hatte AT&T-Chef Randall Stephenson für schlechte Stimmung gesorgt: Der Oberste der größten US-Telefongesellschaft beklagte sich über Schwächen im Privatkundengeschäft und verwies auf die sich abkühlende US-Konjunktur. Das lässt auch auf schlechtere Geschäfte bei T-Mobile USA schließen, dem Hoffnungsträger der Deutschen Telekom. Die T-Aktie kann das Minus bis zum Mittag allerdings reduzieren.

BMW: 18 Prozent Absatzplus
BMW-Aktien mussten bis zum Handelsschluss ihre Tagesgewinne wieder abgeben und drehten ins Minus. BMW konnte seinen weltweiten Absatz letztes Jahr um gut 18 Prozent steigern. Im gesamten Jahr 2007 wurden 1,5 Millionen Fahrzeuge an Kunden ausgeliefert und damit gut neun Prozent mehr als 2006.

Nordex im Abwärtssog
Ganz schlecht steht heute der TecDax-Kollege Nordex da. Lehman Brothers hat die Aktien von "Overweight" auf "Underweight" abgestuft und das Kursziel von 40 auf 25 Euro reduziert. Das knappe Angebot an Getrieben könnte zu Lieferschwierigkeiten bei Nordex führen, schrieb Analyst Rupesh Madlani in einer Studie vom Mittwoch. Gemeinsam mit den nach den Zahlen des dritten Quartals aufkommenden Fragen um die Erreichung der Gesamtjahresziele dürfte dies auf kurze Sicht ein Abwärtsrisiko für die Titel bedeuten.

Lob für Puma
Unter den Nebenwerten liegen Puma-Aktien ganz vorn. Händler verwiesen auf eine Hochstufung durch UBS von "Neutral" auf "Buy". Starkes Wachstum in Europa und Fantasie aus dem Engagement von PPR Pinault-Printemps-Redoute sprächen für die Aktien, betonten die Analysten. Das Kursziel wurde unterdessen von 335 auf 300 Euro gesenkt.

Q-Cells bestätigt Ausblick
Herbe Kursverluste muss Q-Cells einstecken. Hartnäckig halten sich die Gerüchte, dass das Solarunternehmen eine Gewinnwarnung veröffentlichen wird. Das weist Q-Cells jedoch entschieden zurück: Derartige Gerüchte entbehrten jeder Grundlage, erklärte das Unternehmen auf Nachfrage gegenüber boerse.ARD.de.

IKB verschiebt Zwischenbilanz
Die Mittelstandsbank IKB hat die Veröffentlichung ihrer Geschäftszahlen für das dritte Quartal verschoben. Vorgenommen hat sie sich nun Ende März, ein genauer Termin stehe noch nicht fest, sagte ein IKB-Sprecher am Mittwoch. Ursprünglich war die Vorlage des Berichts für den 14. Februar vorgesehen. Grund für die Verschiebung seien die noch ausstehenden Zahlen für das Ende September beendete erste Geschäftshalbjahr- die sollten ursprünglich Mitte November vorgelegt werden.

Tagestermine am Dienstag, 20. November

Unternehmen:
Dermapharm: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Westwing: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Easyjet: Jahreszahlen, 8 Uhr
Porsche Automobil Holding: Q3-Zahlen
The Gap: Q3-Zahlen
BASF: Pressekonferenz zu aktuellen Entwicklungen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise gewerbliche Produkte, 8 Uhr
Deutschland: Baugenehmigungen, 8 Uhr
USA: Baubeginne, -genehmigungen, 14.30 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"