Dax macht Pause

Stand: 28.07.2010, 20:02 Uhr

Nach fünf Tagen mit Kurszuwächsen geht dem Dax heute die Puste aus. Es kommt zu Gewinnmitnahmen. Sorgen bereitet den Anlegern auch die wirtschaftliche Entwicklung in den USA.

Dort sind die Auftragseingänge für langlebige Güter im Juni um 1,0 Prozent gefallen, Ökonomen hatten dagegen mit einem Plus von 1,0 Prozent gerechnet. "Das verheißt nichts Gutes für die wirtschaftliche Entwicklung", sagte Alan Lancz von Alan B. Lancz & Associates. Tatsächlich erhielten die Firmen im Juni bereits den zweiten Monat in Folge weniger Aufträge für langlebige Güter wie Maschinen oder Flugzeuge.

Mit Spannung warten die Anleger deshalb auf die Veröffentlichung am Abend des neuesten Konjunkturberichts der amerikanischen Notenbank. Der Fed zufolge ist die Wirtschaftsaktivität in den meisten US-bezirken gestiegen, die Industrieproduktion habe sich in einigen Regionen aber verlangsamt.

Immerhin kann der Dow-Jones-Index bis zum Börsenschluss in Deutschland seine Verluste auf 14 Punkte begrenzen. Er schließt bei 10.523.

In Frankfurt verharrt der Dax am Abend im Minus und schließt gut 25 Punkte tiefer bei 6.184. "Nach fünf Gewinntagen in Folge kommt es zu Gewinnmitnahmen, diese Entwicklung ist aber nicht überraschend", sagte Chefhändler Fidel Helmer von Hauck & Aufhäuser.

Ungebremster Optimismus
Trotzdem ist der Optimismus der Anleger am deutschen Aktienmarkt noch etwas gewachsen. Bei der wöchentlichen Erhebung von Cognitrend und Deutsche Börse unter institutionellen Investoren stieg der Anteil der Anleger, die mit steigenden Dax-Kursen rechnen, um drei Prozentpunkte auf 46 Prozent. Das Lager der Anleger, die sinkende Kursen erwarten, vergrößerte sich um zwei Prozentpunkte auf 30 Prozent.

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
18,94
Differenz relativ
+4,53%

Deutsche Börse und Infineon an Dax-Spitze
Die Deutsche Börse hat mit ihrer überraschend starken Quartalsbilanz überzeugt und ist der stärkste Wert im Dax. Der Börsenbetreiber profitierte von der Volatilität der Märkte und steigerte Umsatz und operatives Ergebnis. Auch strebt das Unternehmen unverändert eine Dividenden-Ausschüttungsquote zwischen 40 und 60 Prozent des Jahresüberschusses an.

Auch die Infineon-Aktie zeigt sich von ihrer besten Seite. Das Unternehmen hat nämlich seine Quartalsbilanz zum Anlass genommen, um seine Jahresprognose zu erhöhen. Der Halbleiterkonzern hält nunmehr ein Wachstum von bis zu 50 Prozent auf knapp 4,5 Milliarden Euro Umsatz für möglich. Bislang hatte der Konzern mit dem Ziel von knapp 40 Prozent Plus geplant. Die operative Marge soll 2010 im "niedrigen 10-Prozent-Bereich" liegen.

K+S und Metro auf der Verliererseite
Nach dem zunächst die Autowerte zu den größten Verlierern im Dax gehörten, sind es bei Börsenschluss die Aktien von K+S und Metro. Während der Einzelhandelskonzern noch immer unter einem negativen Analystenkommentar von gestern leidet, kommt es bei K+S zu Gewinnmitnahmen.

Lufthansa verbreitet Zuversicht
Das Unternehmen gehe für 2010 nunmehr von einem operativen Ergebnis "im Rahmen der aktuellen Markterwartungen" aus, teilte Lufthansa am Mittwochabend mit. 20 von Reuters befragte Analysten erwarten ein operatives Ergebnis von durchschnittlich 399 Millionen Euro. Zuletzt hatte Lufthansa ein operatives Ergebnis über dem Vorjahresniveau von 130 Millionen Euro prognostiziert. Im ersten Halbjahr hatten die Luftraumsperrung durch die Aschewolke, die Pilotenstreiks und der harte Winter das Ergebnis getrübt. Unter dem Strich stand ein Verlust von 104 Millionen Euro.

Boeing drückt EADS
Nicht profitieren von den Zahlen der Konkurrenz kann dagegen die Aktie des Flugzeugbauers EADS. Sie rutscht vom Spitzenplatz im MDax nach unten und dreht schließlich ins Minus. Tatsächlich ist der Umsatz von Boeing zwischen April und Juni um neun Prozent auf 15,6 Milliarden Dollar gesunken. Der Gewinn sank im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 21 Prozent auf unterm Strich 787 Millionen Dollar. Die Aktie verliert im vorbörslichen New Yorker Handel.

ArcelorMittal sorgt für Skepsis
Der weltgrößte Stahlkonzern rechnet mit einer Abkühlung des Geschäfts im dritten Quartal. Dafür machte Vorstandschef Lakshmi Mittal die gestiegenen Rohstoffpreise, saisonale Effekte sowie einen Rückgang der Nachfrage in China verantwortlich. Den Titeln bringt das ein Minus von fast zwei Prozent ein. Auch die deutschen Stahltitel ThyssenKrupp und Salzgitter gehören heute zu den Verlierern.

Vossloh im Plus
Im MDax gehört die Aktie des Bahntechnikkonzerns Vossloh zu den wenigen Gewinnern. Das Unternehmen traut sich nach einem starken Quartal mehr zu als bisher. Der Umsatz soll 2010 auf 1,35 Milliarden Euro steigen, das operative Ergebnis (Ebit) auf 150 Millionen Euro.

Krones traut sich mehr zu
Auch bei Krones steigt die Zuversicht. Der weltgrößte Hersteller von Abfüll- und Verpackungsanlagen peilt für die zweite Jahreshälfte ein Umsatzwachstum in Höhe von 10 bis 15 Prozent an, bislang hatte das Unternehmen mindestens 5 und maximal 15 Prozent Wachstum prognostiziert. Ihre anfänglichen Gewinne büßt die Aktie allerdings weitgehend ein.

Morphosys von starken Zahlen getrieben
Nach einer deutlichen Gewinnsteigerung haben Anleger die Aktie von Morphosys nach oben getrieben. Seinen Spitzenplatz im TecDax büßt der Titel aber ein. Die Zahlen für das zweite Quartal seien überzeugend gewesen, schrieben die Analysten der Commerzbank in einem Kurzkommentar.

Wirecard kann nicht überzeugen
Die Titel von Wirecard legen nur leicht zu, obwohl der Zahlungsabwickler im ersten Halbjahr bei Umsatz und operativem Ergebnis zweistellig zugelegt und seine Jahresprognose für das operative Ergebnis vor Abschreibungen (Ebitda) bestätigt hatte.

Kuka macht Freude
Kräftig zulegen können dagegen die Aktien des im SDax notierten Roboterherstellers Kuka. Sie liegen zeitweise sogar an der Indexspitze. Laut Händlern bringt der neue Ausblick für Umsatz und Ergebnis etwas Vertrauen in die zuletzt gebeutelte Aktie. Die Kuka-Titel könnten so ihre verglichen mit dem Autosektor schwache Kursentwicklung wieder aufholen. Ein anderer Börsianer verwies zudem auf ein positives charttechnisches Bild mit einem technischen und psychologischen Widerstand bei 12,00 Euro.

Stratec lässt Anleger kalt
Eigentlich können die Anleger zufrieden mit der Halbjahresbilanz von Stratec Biomedical sein. Das Medizintechnik-Unternehmen steigerte den Umsatz um 18 Prozent auf 43 Millionen Euro und den Gewinn um 24 Prozent auf über sechs Millionen. Die Aktie profitiert davon aber nicht, weil die Firma ihre Jahresprognose nicht angehoben hat.

LG Electronics tiefrot
Rote Zahlen im Handygeschäft haben dem südkoreanischen Konzern LG Electronics im abgelaufenen Quartal einen drastischen Gewinneinbruch beschert. Das Betriebsergebnis ging um 90 Prozent zurück. Die Mobiltelefon-Sparte fuhr im zweiten Quartal einen Verlust von 120 Milliarden Won (rund 77 Millionen Euro) nach einem Gewinn von 620 Milliarden Won vor Jahresfrist ein.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 17. Oktober

Unternehmen:
ASML: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Roche: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Zooplus: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Danone: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Abbott: Q3-Zahlen, 13:45 Uhr
US Bancorp: Q3-Zahlen, 14:00 Uhr
Carrefour: Q3-Umsätze, 17:45 Uhr
Alcoa: Q3-Zahlen, 22:10 Uhr

Konjunktur:
Acea-Kfz-Neuzulassungen 09/18, 08:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 09/18, 11:00 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen, 09/18, 14:30 Uhr
USA: Ölbericht (Woche), 16:30 Uhr
USA: FOMC-Sitzungsprotopoll 26.9., 20:00 Uhr