Dax macht Pause

Stand: 11.03.2010, 20:02 Uhr

Rund 500 Punkte hat der Dax seit seinem Jahrestief Anfang Februar zugelegt. Doch die psychologisch wichtige Marke von 6.000 Punkten bleibt auch heute unerreicht. Als Bremser erweist sich dabei erneut die schleppende US-Konjunktur.

Es sind vor allem die schlechter als erwartet ausgefallene Zahlen vom US-Arbeitsmarkt, die am Nachmittag für gewinnmitnahmen sorgen. Bis auf 5.906 Zähler sackt der deutsche Leitindex daraufhin ab. Von diesem Tiefstand kann sich der Dax zwar wieder erholen. Aber auch im Abendhandel kommt das Börsenbarometer kaum voran. Immerhin schafft der Dax ein hauchdünnes Plus von drei Punkten auf 5.924 Zähler.

Für die meisten Börsianer ist es dennoch nur eine Frage der Zeit, wann der Index die Marke von 6.000 Punkten überspringt. Ein Grund seien die fehlenden Anlagealternativen. Aktien seien attraktiver bewertet als Staatsanleihen. Zudem hinterlasse die anhaltende Flut von Unternehmenszahlen trotz des weiter schwierigen Marktumfelds ein gutes und stabiles Bild, was auch für Aktien spreche.

Stillstand herrscht heute auch an den New Yorker Aktienmärkten. Dort notiert der Dow Jones bei Börsenschluss in Deutschland praktisch unverändert bei 10.566 Zählern. Einziger Ausreißer nach oben sind die Papiere der Citigroup. Deren Chef Vikram Pandit äußerte sich zuversichtlich für die Wachstumsaussichten im Kerngeschäft seiner Bank. Die Aktie legt bis zu vier Prozent zu.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
147,18
Differenz relativ
+2,15%

VW im Höhenrausch
In Frankfurt sorgte die VW-Vorzugsaktie für Aufmerksamkeit. Sie springt um knapp acht Prozent in die Höhe und ist damit der mit Abstand größte Gewinner im Dax. Analysten loben vor allem die Ankündigung des Konzerns, sich von der Hauptversammlung am 22. April die Begebung einer Wandelanleihe auf bis zu 40 Millionen Vorzugsaktien ermächtigen zu lassen. Damit sollen bis zu fünf Milliarden Euro in die Kassen gespült werden. Damit verschafft sich Volkswagen zusätzlichen Raum zur Finanzierung der geplanten Übernahmen, so die Experten. Zudem will der Konzern 2010 wieder bessere Geschäfte machen als letztes Jahr. Davon profitiert auch die Aktie von Porsche.

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
80,67
Differenz relativ
+0,82%

BMW macht Freude
Ihr am späten Vormittag erreichtes Neun-Wochen-Hoch von 33,26 Euro können die Aktien von BMW zwar nicht halten. Aber die Titel laufen besser als der Markt und gehören am Ende zu größten Gewinnern im Dax. BMW musste 2009 zwar einen Gewinnrückgang um 36 Prozent auf 210 Millionen Euro hinnehmen. Analysten hatten mit einem schlechteren Ergebnis gerechnet. Die Dividende bleibt bei 30 Cent.

Schlusslicht K+S
Die Aktien des Düngemittelkonzerns K +S stehen nach den enttäuschenden Zahlen des Geschäftsjahres 2009 ganz oben auf der Verkaufsliste. Anleger monieren vor allem die Entscheidung, die Dividende radikal von 2,40 auf 0,20 Euro zu kürzen. Dagegen empfehlen die Analysten der Berenberg Bank und von Cheuvreux dieTitel weiter zum Kauf und setzen ein Kursziel von 53 und 56 Euro. Auch viele Derivateanleger haben heute auf eine Kurserholung der K+S-Aktie gesetzt. "Das ist heute der gefragteste Einzelwert", sagte ein Händler.

Bilfinger Berger schwächeln weiter
Die Aktien von Bilfinger Berger geben nach den endgültigen Zahlen heute ein Prozent ab. Der Bau- und Dienstleistungskonzern bestätigte seine Prognosen für 2010 und will die Rentabilität mittelfristig deutlich steigern. "Die Aussagen klingen zwar positiv, aber die Probleme mit der Kölner U-Bahn belasten weiterhin den Kurs", kommentierte ein Händler. Die Aktie hat seit ihrem Jahreshoch im Januar bei 57 Euro bereits knapp 20 Prozent an Wert eingebüßt.

Q-Cells leidet unter Chefabgang
Die Aktie ist der größte Verlierer im TecDax. Erst wurde das Kursziel von Morgan Stanley von 9,40 auf 6,80 Euro gesenkt und die Einstufung auf "Underweight" belassen. Dann schockte die Solarfirma die Anleger mit der Meldung über einen Abgang ihres Vorstandschefs Anton Milner. Er ist mit sofortiger Wirkung aus dem Vorstand ausgeschieden. Finanzvorstand Nedim Cen wurde zu seinem Nachfolger ernannt.

Hannover Rück machen nur wenig her
Der weltweit viertgrößte Rückversicherer Hannover Rück hat im vergangenen Jahr den höchsten Gewinn seit seiner Gründung erzielt. Auch will das MDax-Mitglied nach dem Dividendenausfall im Vorjahr nun 2,10 Euro je Aktie ausschütten. Dennoch hält sich die Freude der Anleger in Grenzen. Die Titel legen um 0,4 Prozent zu.

Gea in Hochform
Um über sieben Prozent legt die Aktie des Maschinenbaukonzerns heute zu - und ist damit der größte Gewinner im MDax. Der Grund: das Unternehmen hat im Schlussquartal 2009 erstmals seit sieben Quartalen einen leichten Anstieg bei den Auftragseingängen verbucht. Auch erzielte Gea im Zeitraum Oktober bis Dezember einen höheres Ergebnis als erwartet.

Tognum rutschen ans MDax-Ende
Zunächst notierte die Aktie des Dieselmotorherstellers Tognum nach den ermutigenden Zahlen zum vierten Quartal kräftig im Plus. Die Analysten von Merrill Lynch haben die Einstufung für die Papiere des MDax-Unternehmens auf "Buy" und das Kursziel auf 13,00 Euro belassen. Doch am Nachmittag kommt es zu Gewinnmitnahmen und die Aktie verliert schließlich 3,3 Prozent.

Rational: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
581,50
Differenz relativ
+0,35%

Auch Rational muss büßen
Einer der größten Verlierer im MDax sind die Papiere des Großküchengeräteherstellers Rational. Zwar hatte der Großküchengeräte-Hersteller den Umsatzrückgang mit Einsparungen mehr als kompensiert und einen Rekordgewinn ausgewiesen. Händler bemängelten aber die Dividende. Trotz einer Erhöhung von einem auf 3,50 Euro sei am Markt mit einer Ausschüttung im Bereich von 4,40 bis 4,60 Euro gerechnet worden. derweil hat die Commerzbank Rational von "Add" auf "Hold" abgestuft, aber das Kursziel auf 125,00 Euro belassen.

Sixt enttäuscht mit Ausblick
Mit Verkäufen haben die Anleger auch den Ausblick von Sixt quittiert. Die im SDax gelisteten Aktien gibt mehr als vier Prozent ab. Damit holt die Aktie gewaltig auf, denn am Morgen notierte sie noch fast zehn Prozent niedriger. "Der Ausblick für 2010 ist vorsichtig", erklärte Commerzbank-Analyst Christoph Dolleschal. WestLB-Analyst Wolfgang Fickus kritisierte, dass Sixt erst 2011 wieder zu dem Ertragsniveau von vor der Krise zurückkehren will.

Telegate stürzen ab
Mit einem Einbruch von mehr als 14 Prozent reagiert der Auskunftsdienstleister Telegate auf eine Gewinnwarnung. Im laufenden erwartet die Firma einen weiteren Rückgang beim bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda). Nach 35 Millionen Euro sollen es nur noch 23 bis 27 Millionen Euro werden.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 18. Juli

Unternehmen:
NovartisVW: Q2-Zahlen, 6:45 Uhr
Cassiopea: Halbjahreszahlen, 7 Uhr
Software: Q2-Zahlen, 7 Uhr
ASML: Q2-Zahlen, 7 Uhr
Akzo Nobel: Q2-Zahlen, 7:30 Uhr
Ericsson: Q2-Zahlen, 8 Uhr
Easyjet: Q3-Zahlen, 8 Uhr
Morgan Stanley: Q2-Zahlen, 13 Uhr
Abott Laboratories: Q2-Zahlen, 13:45 Uhr
American Express: Q2-Zahlen, 22 Uhr
Alcoa: Q2-Zahlen, 22:05 Uhr
Ebay: Q2-Zahlen, 22:15 Uhr
IBM: Q2-Zahlen, 22:30 Uhr

Konjunktur:
EU: Verbraucherpreise (endgültig), 06/18, 11 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen 06/18, 14:30 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung im Juni, 15:15 Uhr
USA: NAHB-Index Juli, 16:00 Uhr
USA: Rede von Fed-Chef Powell vor dem Bankenausschuss des Senats, 16:00 Uhr