Marktbericht 20:15 Uhr

Erholungsrally setzt sich fort Dax macht Appetit auf mehr

Stand: 11.07.2016, 20:32 Uhr

Mit guten Vorgaben aus Übersee im Rücken hat der Dax seinen jüngsten Aufwärtstrend zum Wochenstart fortgesetzt. Immerhin gut 200 Punkte legte der Leitindex zu. Da auch die Marke von 9.800 erfolgreich angegriffen wurde, haben die Bullen erst einmal Oberwasser

Am Ende hat der deutsche Leitindex bei 9.833 Zählern die charttechnisch wichtige Widerstandsmarke, an der er zuvor schon zweimal gescheitert war, knapp übersprungen. Das weckt Begehrlichkeiten auf mehr.

Trotzdem bleibt Vorsicht angesagt. Denn ob das schon ein markantes charttechnisches Aufbruchssignal war, wird sich noch zeigen müssen, zumal die Umsätze heute gering waren. Die letzten beiden Hochs lagen bei 9.806 beziehungsweise 9.809 Punkten ebenfalls in der Nähe und an beiden Punkten ist der Index dann gescheitert. Im Späthandel ging es für den L/E-Dax leicht abwärts bis auf 9.819 Punkte.

Aber trotz aller Skepsis - die Chancen auf wieder bessere Zeiten nach dem Brexit-Schock sind jedenfalls mit dem heutigen Tagesgewinn von 203,75 Punkten gestiegen. Rund die Hälfte der Brexit-Verluste von rund zehn Prozent sind wieder aufgeholt.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10.845,54
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-0,19%

"Das sind zum Teil noch die unerwartet guten US-Arbeitsmarktdaten vom Freitag", sagte ein Händler. "Zum Teil ist es aber auch die Erleichterung über ein baldiges Endes des Führungsvakuums in Großbritannien." Der scheidende Premierminister David Cameron kündigte an, dass die bisherige Innenministerin Theresa May bis Mittwochabend seine Nachfolge antreten werde. Italiens Ministerpräsindent Renzi erklärte der weil nach Börsenschluss, eine Einigung zur Rettung italienischer Banken sei in Sicht. Details nannte er aber nicht.

S&P-500 mit einem Rekordhoch

S&P 500 (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
Kurs
2.600,15
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+0,01%

Kräftig gestützt wurde die Börse am Nachmittag auch von der Wall Street, wo es derzeit deutlich bergauf geht. Der Leitindex Dow Jones steht bei 18.267 Punkten und damit weniger als 100 Punkte unter seinem Rekordhoch aus dem Mai 2015 bei 18.351 Zählern. Der S&P-500-Index hat derweil mit 2.143,16 Punkten schon eine neue Bestmarke aufgestellt.

Dow Jones (Indikation): Kursverlauf am Börsenplatz Citigroup für den Zeitraum Intraday
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24.086,32
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-0,05%

Der amerikanische Markt nimmt damit den Schwung vom Freitag in die neue Woche mit. Nach dem jüngsten amerikanischen Arbeitsmarktbericht sollten die Sorgen über die weltgrößte Volkswirtschaft und deren Arbeitsmarkt weiter abgenommen haben, begründete ein Vermögensverwalter die gute Kursentwicklung in einem weltweit freundlichen Marktumfeld. Mit dem Aluminiumhersteller Alcoa wird heute in Amerika nach Börsenschluss dann ab 22:00 MEZ die Berichtssaison für das zweite Quartal eröffnet.

Hält die Fed still?

Neue Konjunkturdaten gibt es heute keine. Dafür meldete sich Esther George, im FOMC-Ausschuss der Fed voll stimmberechtigtes Mitglied und Fed-Chefin der Region Kansas City, am Nachmittag zu Wort. Sie erklärte, die Zinsen seien zu niedrig angesichts der Fortschritte der Wirtschaftsentwicklung. Die Brexit-Frage werde geldpolitische Entscheidungen allerdings länger beeinflussen. Die Fed könnte nach diesen Worten also noch abwarten mit einem Zinsschritt, was auch überwiegend Konsens im Markt ist. Diskutiert wird, ob es nach dem Brexit-Votum in diesem Jahr überhaupt noch einen solchen Schritt geben wird.

Nikkei 225 Ind.: Kursverlauf am Börsenplatz Tokio SE für den Zeitraum Intraday
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21.506,88
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+0,62%

Auch die japanischen Vorgaben waren nach dem Wahlsieg des Ministerpräsidenten Abe schon extrem gut, der Nikkei legte um vier Prozent zu. Anleger rechnen nun mit einer Fortführung der auf den Namen "Abenomics" getauften Mixtur aus extrem gelockerter Geldpolitik, Konjunkturprogrammen und Reformen.

Euro fällt leicht, auch der Yen gibt nach

Die Gemeinschaftswährung notiert derzeit bei 1,1054 Dollar etwas leichter in der Nähe des Vortagesniveaus. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1049 (Freitag: 1,1070) Dollar fest. Marktbewegende Konjunkturdaten standen zunächst nicht auf dem Kalender. Dafür fällt nach der Wahl der japanische Yen, der allerdings zuvor sehr gut gelaufen war. Dies sogar gegen den als sicheren Hafen fungierenden Dollar. Aktuell müssen wieder gut 102 Yen für den Greenback bezahlt werden, zuletzt war sogar die 100-Yen-Marke erreicht worden.

ARD-Börsenstudio: Konrad Busen
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Börse 20.15 Uhr

Das britische Pfund machte auf niedrigem Niveau ebenfalls etwas Boden gut. Gegen den Dollar wird derzeit die Marke von 1,30 Dollar ins Visier genommen. Das Tagestief lag zuvor bei 1,2855 Dollar. Auch am Devisenmarkt überwog die Erleichterung über die schnelle Nachfolgeregelung in Downing Street No. 10. Am Nachmittag hatte Brexit-Befürworterin Andrea Leadsom überraschend ihre Kandidatur für den Vorsitz der konservativen Partei und damit den Posten des Regierungschefs zurückgezogen und damit den Weg für eine schnelle Einigung frei gemacht.

Stahlwerte: Das Fusionsfieber grassiert

Mit Abstand größter Dax-Gewinner war die ThyssenKrupp-Aktie, die 6,44 Prozent zulegte. Auch Aktien von Salzgitter, ArcelorMittal und Outokumpu waren gefragt. Auslöser der Rally war eine Mitteilung der indischen Tata Steel über Gespräche mit ThyssenKrupp zu einem möglichen Zusammenschluss des europäischen Stahlgeschäfts.

Daimler im zweiten Quartal besser unterwegs

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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47,56
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+0,40%

Nach Ende des Späthandels erklärte der Daimler-Konzern in einer Mitteilung, dass das Ebit des zweiten Quartals bereinigt um Sonderfaktoren mit 3,97 Milliarden Euro deutlich über den Markterwartungen liege. Im Vorjahr lag das Ergebnis bei 3,76 Milliarden Euro. Das Ebit für Mercedes-Benz lag im Quartal mit 2,20 nach 2,22 Milliarden Euro unter Vorjahr. Die Prognose für das Gesamtjahr 2016 wurden bestätigt.

Deutsche Börse: Völlig schmerzfrei

Auch die Deutsche Börse macht von sich reden. Der Börsenbetreiber will beim geplanten Zusammenschluss mit der London Stock Exchange (LSE) auf Nummer sicher gehen. Am frühen Nachmittag wurde bekannt, dass die Mindestannahmeschwelle von 75 auf 60 Prozent gesenkt und die Annahmefrist um zwei Wochen verlängert wird. Aktionäre der Deutschen Börse können das Tauschangebot noch bis zum 26. Juli annehmen, hieß es in einer Meldung. Deutsche-Börse-Aktien stiegen mit dem Markt.

Lufthansa nur dank Töchtern mit Passagierzuwachs

Lufthansa: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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19,44
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Im Juni hat die Kranichairline 5,8 Millionen Passagiere befördert, das war ein Rückgang im Jahresvergleich von 2,2 Prozent. Da aber bei den Tochtergesellschaften Eurowings, Swiss und Austrian die Passagierzahlen stiegen, gab es auf Konzernebene ein Plus von 0,2 Prozent auf 10,2 Millionen. Wegen eines gesteigerten Angebotes an Plätzen sank die Auslastung aber trotzdem auf 80 Prozent um rund 2,5 Prozentpunkte. Das Frachtaufkommen sank um 2,2 Prozentpunkte auf 63,8 Prozent. LH-Chef Carsten Spohr sprach davon, dass die jüngsten Anschläge auf Flugreisende die Kunden verunsichert hätten. Noch unklar ist nach Spohrs Worten, ob aufgeschobene Reisen noch nachgeholt würden.

Eon und RWE: Ganz relaxt

Die deutschen Stromriesen Eon und RWE erwarten im Fall eines EU-Austritts von Großbritannien keine gravierenden Folgen, obwohl beide Konzerne mit jeweils rund 10.000 Beschäftigten stark auf der Insel engagiert sind. Eon etwa sieht die Belastung bei einem Brexit allenfalls im kleinen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich.

Rational: Kein Problem!?

Auch der Großküchenausrüster Rational bleibt nach dem Brexit-Votum der Briten vorerst gelassen. Zwar erwirtschafte das Unternehmen immerhin elf Prozent des Geschäfts in England, sagte Finanzvorstand Axel Kaufmann der "Börsen-Zeitung" (Samstag): "Aber die Auswirkungen sind managebar."

Jungheinrich: Jahresziele nicht in Gefahr

Der Stapler- und Logistikkonzern Jungheinrich hält trotz Brexit an seinen Jahreszielen Man habe zwar im vergangenen Jahr in Großbritannien 240 Millionen Euro umgesetzt, so Jungheinrich-Chef Hans-Georg Frey. "Das währungsrelevante Exposure liegt aber nur bei der Hälfte des Umsatzes."

Stada setzt sich neue Ziele

Ein Sparprogramm soll dem Arzneimittelhersteller aus dem MDax dabei helfen, Gewinn und Umsatz in den kommenden Jahren zu steigern. Geplant ist, dass die Erlöse bis 2019 auf 2,6 Milliarden Euro wachsen nach 2,11 Milliarden im Jahr 2015. Netto sollen 250 statt 165,8 Millionen Euro in den Büchern stehen. Viele Bereiche sollen effizienter werden. Stada steht unter Beschuss aktivistischer Aktionäre, die dem Management Versäumnisse vorwerfen und einen neuen Kurs verlangen.

Klöckner & Co. überrascht positiv

Das Papier des Stahlhändlers gewannen fast zehn Prozent hinzu und führten damit mit großem Abstand die Gewinnerliste im SDax an. Die Anleger griffen kräftig zu, nachdem das Unternehmen seine vorläufige Gewinnprognose für das Quartal erhöhte. Dank gestiegener Preise in den Märkten Europa und USA wird nunmehr ein Ebitda von rund 70 Millionen Euro erwartet, nach bisher avisierten 50 bis 60 Millionen Euro. Auch für das dritte Quartal wird im Jahresvergleich ein besseres Ergebnis prognostiziert. Die vollständigen Zahlen für das zweite Quartal folgen wie geplant am 4. August.

Airbus und Boeing mit Großaufträgen

Auf der Luftfahrtmesse im britischen Farnborough haben beide Platzhirsche neue Großaufträge eingefahren. Airbus punktete bei der britischen Virgin Atlantic, die den Europäern für 4,4 Milliarden Dollar zwölf A350 abkaufen will. Der US-Konzern war vor allem in China erfolgreich, wo die Gesellschaften Donghai und Xiamen Maschinen für insgesamt mehr als 7,4 Milliarden Dollar nach Listenpreisen orderten. Airbus-Aktien legten im MDax gut 2,5 Prozent zu, Boeing-Papiere waren schon am Freitag an der NYSE deutlich gestiegen und tendieren aktuell nochmals 1,5 Prozent besser.

Airbus: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
88,45
Differenz relativ
-0,28%
Boeing: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
Kurs
280,95
Differenz relativ
-1,70%

Monte dei Paschi: Hoffnung auf Rettung

Spekulationen auf staatliche Hilfen beflügelten das Papier der taumelnden Banca Monte dei Paschi di Siena. Die Aktie zog mächtig an. Anleger rechnen fest damit, dass die kriselnde BMPS bald einen Großteil ihrer faulen Kredite beim italienischen Rettungsfonds Atlante abladen könnte, hieß es.

Burberry bekommt eine neuen Chef

Mit viel Vorschusslorbeeren hat die Londoner Börse den angekündigten Chefwechsel beim Modehersteller Burberry aufgenommen. Die im Leitindex FTSE-100 enthaltene Aktie legte kräftig zu. 2017 wird Mario Gobbetti, bisher Chef der zum LVMH-Konzern gehörenden Modemarke "Celine" das Ruder bei den Briten übernehmen. Er löst Christopher Bailey ab, der sich stärker auf das Amt des Kreativ-Direktors konzentrieren will. Seit Mai 2014 war Bailey sowohl Kreativdirektor als auch Firmenchef in Personalunion. Burberry, bekannt vor allem durch seine Trenchcoats, macht derzeit vor allem die Kaufzurückhaltung in China zu schaffen.

Tesla: "Autopilot"-Software schon fertig

Tesla-Chef Elon Musk hat das Fahrassistenz-System "Autopilot" seiner Elektroautos nach dem ersten tödlichen Unfall verteidigt. Es sei keine unfertige Technik, obwohl sie mit der Bezeichnung "Beta" eingeführt worden sei, erklärte er auf Twitter Er reagierte damit auf die Zweifel des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) an der Technologie unter Hinweis auf die "Beta"-Kennzeichnung.

Nintendo: Aktie im Pokémon-Fieber

Die Nintendo-Aktie ist in Japan um mehr als 20 Prozent in die Höhe geschnellt. Das neue Smartphone-Spiel Pokémon Go ist in den ersten Ländern gestartet. In den USA erreichte die App in weniger als fünf Stunden die Spitze der Download-Charts und generiert inzwischen mehr Umsatz als jede andere Anwendung im App Store.

rm

Tagestermine am Montag, 17. Dezember

Unternehmen:
Hennes & Mauritz: Q4-Umsatz, 08:00 Uhr

Konjunktur:
EU: Handelsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 11/18 (vorl.), 11:00 Uhr
USA: Empire-State-Index 12/18, 14:30 Uhr
USA: NAHB-Index 12/18, 16:00 Uhr