Dax legt Verschnaufpause ein

Stand: 26.10.2010, 20:09 Uhr

Die Berichtssaison ist in vollem Gange, auf den Schreibtischen der Analysten stapeln sich die Quartalsbilanzen. Viele davon sind gar nicht so schlecht, aber der Ausblick macht einigen Anlegern doch Sorgen. Besonders gespannt blickt die Börse auf Zahlen der Deutschen Bank, die am Dienstagabend schon schlechte Nachrichten durchsickern ließ.

Rote Zahlen präsentiert der Branchenprimus Deutsche Bank um 7 Uhr in seiner Bilanz für das dritte Quartal. Das bestätigte ein Sprecher am späten Dienstagabend gegenüber boerse.ARD.de. Grund dafür ist eine 2,3 Milliarden Euro schwere Abschreibung auf die Anteile an der Postbank, sagte der Sprecher aus der Konzernzentrale.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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7,54
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Aktien der Deutschen Bank werden also zum Handelsstart unter ganz genauer Beobachtung stehen. Schon am Dienstag ging es für die Papiere bergab. Grund waren Zahle der UBS. Die Schweizer Großbank muss im dritten Quartal einen heftigen Gewinneinbruch hinnehmen. Noch schlechter sind die Zahlen aus dem Investmentbanking, das sogar Verluste melden muss. Alles in allem also eine ähnliche Gemengelage wie bei der Deutschen Bank.

Dax dümpelte vor sich hin
Der Dax konnte sich den ganzen Tag über nicht aus seinem Morgen-Tief erholen und schloss bei 6613.80 Punkten mit einem Minus von 0,38 Prozent. Ein Grund dafür waren auch die Gewinnmitnahmen, denn der Dax hat seit Beginn des Monats schließlich schon sieben Prozent zugelegt, meinen einige Analysten.

Merck KGaA: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Merck profitiert nicht
Der Pharma- und Spezialchemiekonzern Merck präsentierte als einziger Dax-Konzern am Dienstag seine Zahlen. Die waren sehr gut im dritten Quartal, das operative Ergebnis übertraf die Prognose erheblich, der Umsatz legte um ein Viertel zu. Einziger Wermutstropfen: Die Manager rechnen mit einer Nachfrageschwäche, was weniger Geld in die Kasse bringt und Investoren beunruhigt. Anleger verkaufen die Merck-Aktie, die leicht im Minus notierte.

Thyssenkrupp: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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16,09
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Rohstoff-Konzerne unter Druck
Unter den Dax-Verlieren war ThyssenKrupp ganz oben. Der deutsche Stahlkocher leidet unter schlechten Neuigkeiten von ArcelorMittal. Der Stahl-Gigant erwartet höhere Kosten für Rohstoffe. Aber gleichzeitig rechnet er auch mit sinkenden Stahl-Preisen. Das drückt auf die Gewinn-Aussichten für das vierte Quartal.

Da hilft auch nicht, dass die Geschäfte von ArcelorMittal im Moment sogar noch besser als erwartet laufen. Mit ThyssenKrupp verloren auch Salzgitter und Klöckner & Co aus dem MDax.

US-Zahlen sorgen nicht für Entspannung
Aus den USA kommt für die Stahl-Fabrikanten keine Schützenhilfe: US Steel melden dicke Verluste, die Aussichten seien alles andere als rosig, heißt es. Die Aktie verliert in New York.

Ford meldet einen Milliardengewinn, einen soliden Ausblick und erstaunt damit selbst die Börsianer. Aber Europa bleibt das Ford-Sorgenkind. Die Papiere drehen im späteren Handel an der Wall Street leicht ins Plus.

Auch DuPont meldet sich mit Zahlen aus dem dritten Quartal. Der Umsatz des BASF-Konkurrenten klettert um satte 17 Prozent, das Gewinnziel für das Gesamtjahr korrigieren die Amerikaner nach oben. Nur der Gewinn ist leicht gesunken. Die Aktien der BASF zeigten sich davon ziemlich unbeeindruckt und verlieren nur leicht. DuPont-Papiere geraten in den USA unter Druck.

Lexmark stürzt an der New Yorker Börse in der Spitze um 20 Prozent ab. Hewlett-Packard macht dem Konkurrenten offenbar das Leben schwer, Lexmark enttäuscht beim Umsatz. Außerdem geht der Konzernchef Paul Curlander im nächsten Frühjahr.

Biogen verdient weniger, Bristol-Myers Squibb mehr
Das US-Biotech-Unternehmen Biogen steigert den Umsatz im dritten Quartal, meldet aber einen Gewinnrückgang. Der Pharmakonzern Bristol-Myers Squibb enttäuscht beim Umsatz mit einem mickrigen Plus, hat dafür aber steigende Gewinne.

Einige Gewinner
An dem eingetrübten Börsen-Dienstag gab es auch einige wenige Gewinner. K+S sprintete an die Dax-Spitze und legte deutlich zu. Das Unternehmen profitiert von einer Preiserhöhung beim Erzkonkurrenten Potash, heißt es. Außerdem standen die Getreidepreise so hoch wie seit zwei Jahren nicht mehr.

Nebenwerte mit Kursturbulenzen
Im MDax fiel den Analysten besonders Sky Deutschland auf. Die Aktie des gebeutelten Pay-TV-Kanals stieg stark. Eine Kooperation zwischen KabelBW bringt dem Bezahl-Sender offenbar mehr Kunden. Dieser Erfolg könnte als Beispiel für eine Zusammenarbeit mit anderen Kabelnetzbetreibern sein, heißt es.

Schlechte Nachrichten gab es dagegen aus dem TecDax von Singulus. Die Manager mussten ihre Prognosen für dieses Jahr kippen. Außerdem drohen hohe Abschreibungen.

Dialog Semiconductor leidet, Software AG triumphiert
Aus dem TecDax berichtete Dialog Semiconductor über die Quartalsgeschäfte. Die Firma erzielt einen "Rekordumsatz", die Umsatzprognose für 2010 steht. Die Aktie notierte aber wegen einem schwachen Ausblick von Texas Instruments sehr stark im Minus.

Der Softwarehersteller Software AG überzeugt mit guten Zahlen im dritten Quartal und der Gewinnprognose für 2010. Die Aktie war am Ende Tec-Dax-Gewinner.

Bilanzen aus MDax und SDax
Aus dem MDax überzeugte Puma mit seiner Umsatzprognose, dem Nettogewinn und dem Umsatz im dritten Quartal. Der Triebwerksbauer MTU schaffte es ebenfalls, Gewinn und Umsatz zu steigern. Für 2011 gab die Firma eine freundliche Prognose ab. Die Aktie verlor dennoch. Die Anleger nähmen wohl Gewinne mit, sagen Händler.

Comdirect: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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9,55
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-3,63%

Die im SDax notierte Direktbank Comdirect lag mit ihrem Ergebnis über der Analystenprognose. Die Direktbank geht davon aus, dass sie ihr Ergebnisziel für 2010 erreicht.

Schaltbau unverändert positiv
Der Schaltbau-Konzern, Hersteller von Signalanlagen für die Eisenbahn, hat das dritte Quartal mit einem Umsatzzuwachs von fast einem Fünftel auf 74 Millionen Euro beendet. Die Nachfrage sei unverändert hoch, teilte die Firma mit. Auch für die zukünftige Entwicklung gab sich Schaltbau optimistisch. Der Auftragseingang im dritten Quartal stieg um rund ein Drittel auf 71,4 Millionen Euro.

Münchener Rück: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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190,35
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MüRü kauft Versicherer
Der Rückversicherer Münchener Rück hat einen amerikanischen Krankenversicherer gekauft. Für 125 Millionen Dollar übernimmt der Dax-Konzern die Windsor Health Group. Die MüRü will mit dem recht kleinen Kauf ihre Krankenversicherungssparte "Munich Health" ausbauen. Aktien der MüRü schlossen leicht im Plus.

Michelin hält Prognose
Der französische Reifenhersteller bestätigt seinen Ausblick für das laufende Jahr, steigert den Umsatz im dritten Quartal deutlich und verkauft bis September mehr Reifen als im Vorjahr.

Bilanzen von KPN und Air Liquide
Der französische Industriegasekonzern Air Liquide verbesserte seinen Umsatz im dritten Quartal und schlug damit die Prognose leicht. Und auch der niederländische Telekomkonzern KPN war im dritten Quartal besser als die Prognosen der Analysten. Der Konzern bestätigte außerdem seine Jahresprognose.

Nachrichten von der Konjunkturfront
Die Hauspreise sind im August in den 20 größten Ballungsgebieten der USA bereinigt um 0,3 Prozent zurückgegangen. Dafür stieg im Oktober das US-Verbrauchervertrauen auf 50,2 Punkte überraschend deutlich. In Deutschland sieht der Marktforscher GfK das Konsumklima für November bei 4,9 Punkten, der Wert stagniert damit. Ökonomen hatten dagegen mit einem weiteren Anstieg gerechnet.

Tagestermine am Donnerstag, 20. Dezember

Unternehmen:
Hornbach: Q3-Zahlen (endg.), 07:00 Uhr
Bank of New York Mellon: ao. HV, 12:00 Uhr
Blackberry: Q3-Zahlen, 13:00 Uhr
Nike: Q2-Zahlen, 22:15 Uhr
Konjunktur:
Japan: BoJ Zinsentscheid, 05:30 Uhr
EU: Leistungsbilanz 10/18, 10:00 Uhr
GB: Einzelhandelsumsatz, 11/18, 10:30 Uhr
GB: BoE, Zinsentscheid, 13:00 Uhr
USA: Philly Fed Index, 12/18, 14:30 Uhr
USA: Erstanträge Arbeitslosenhilfe (Wo), 14:30 Uhr
USA: Frühindikator 11/18, 16:00 Uhr