Marktbericht 20 Uhr

Vergeht den Amis die Lust am Einkaufen? Dax legt rasanten U-Turn hin

Stand: 13.05.2015, 20:00 Uhr

Herrscht da etwa Ebbe im Geldbeutel der Amerikaner? Sie sind derzeit nicht ganz so ausgabefreudig wie sonst, wie die neueste Statistik der US-Einzelhändler zeigt. Das hat den Dax ins Minus gedrückt. Aber vielleicht sind es ja gar nicht die Amis, die da knausern?

Komisch: Die meisten Statistiken deuten daraufhin, dass die US-Wirtschaft sich verbessert. Und doch scheinen die Menschen in Amerika momentan nur vorsichtig das Portemonnaie zu zücken. Die Einzelhändler klagen über stagnierende Umsätze im April. Das hat die entsprechenden Reaktionen am Finanzmarkt provoziert. Schlechte Konjunktursignale dämpfen Spekulationen der Börse auf eine baldige Zinserhöhung der US-Notenbank Fed. Entsprechend hat die neue Statisik der US-Einzelhändler den Euro zum Dollar steigen lassen, um mehr als anderthalb US-Cent auf 1,1373 Dollar. Der Dollar fiel umgekehrt auf den tiefsten Stand seit mehr als drei Monaten.

Das wiederum hat den Dax seine anfangs recht ordentlichen Gewinne gekostet. Der Deutsche Aktienindex ging am Schluss mit einem Tagesminus von einem Prozent bei 11.351 Punkten aus dem Handel, der L-Dax eroberte nur einen Punkt zurück. In den USA ist die Börsenstimmung ebenfalls gedrückt, der Leitindex Dow Jones hat sich zur Stunde kaum vom Fleckt bewegt.

Die Frage ist aber, ob die sinkenden US-Einzelhandelsumsätze tatsächlich als Schwächesignal der US-Wirtschaft zu interpretieren sind. Die Kaufhauskette Macy's jedenfalls, die heute mit einem 13-prozentigen Gewinnrückgang schockte, macht dafür die wenig konsumfreudigen ausländischen Touristen verantwortlich. Die können sich wegen des starken Dollars nämlich nicht mehr ganz so viel leisten wie früher.

Rauf und runter am Anleihemarkt

ARD-Börsenstudio Hörfunk: Alexander Schmitt
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Börse 15.00 Uhr

Am Anleihemarkt gab es heut wieder mal eine Berg- und Talfahrt. Nach dem raketenartigen Anstieg der Renditen an den Vortagen, die die Börse sehr verunsichert haben, gab es zunächst eine Entspannung. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel erst zurück auf 0,5 Prozent. Doch eine Neuemssion von Bundesanleihen brachte den Rendite wieder auf 0,7 Prozent.

Frankreich sticht Deutschland aus

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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Italien läßt Rezession hinter sich

Am Vormittag hatte Europa noch einige Konjunkturdaten zu bieten. Dabei kam die deutsche Wirtschaft zur Abwechslung mal nicht gut weg. Der Außenhandel verliert an Kraft. Das Bruttoinlandsprodukt stieg daher im ersten Quartal nur noch um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Positiv überraschten dagegen Frankreich, Italien und Spanien, deren Wirtschaft um 0,4 Prozent wuchs. Griechenland aber rutschte erneut in die Rezession, im ersten Quartal ging die Wirtschaftsleistung um 0,2 Prozent zurück.

Warnzeichen aus China

Die neuesten Daten aus China geben Anlass zu weiterer Sorge für den Außenhandel: Die Investitionen legten von Januar bis April mit zwölf Prozent so wenig zu wie seit fast 15 Jahren nicht mehr, wie das Statistikamt in Peking am Mittwoch mitteilte. Auch die Industrieproduktion enttäuschte.

Deutsche Telekom blickt gern nach Amerika

Geradezu überhäuft wurden Anleger obendrein mit Unternehmensbilanzen. Die Deutsche Telekom präsentierte sich dabei recht stark dank der brummenden Geschäfte in Nordamerika. Die amerikanische Tochter T-Mobile US, einst Sorgenkind, ist nun der Wachstumsmotor des Konzerns. Deren Kundenzuwachs ist enorm. Die T-Aktie drehte dennoch ins Minus, sie fielen mit minus vier Prozent ans Dax-Ende. Laut Händlern nutzen Investoren die guten Zahlen, um Kasse zu machen. Die Aktie war bisher recht stark in diesem Jahr.

RWE leidet unter Preisverfall

Schlecht fiel die Bilanz von RWE aus, dem Energiekonzern setzt der andauernde Verfall der Strom-Großhandelspreise zu. Die Kraftwerkssparte verdient immer weniger. Insgesamt konnte der Dax-Konzern seinen Gewinn allerdings verdoppeln - dank des Verkaufs der Öl- und Gasfördertochter Dea.

Einer der größten Dax-Verlierer waren die Titel der Deutschen Post mit einem Minus von rund drei Prozent. Bereits am Vortag hatten die Papiere mehr als vier Prozent verloren, nachdem die Post im ersten Quartal mit einem geschrumpften Gewinn enttäuscht hatte. Oben auf waren hingegen Commerzbank-Titel. Ebenso Lufthansa-Aktien: Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit hat den Vorschlag der Airline für eine Gesamtschlichtung angenommen.

Evonik wird geadelt

Der Spezialchemiekonzern Evonik gewinnt international an Bekanntheit. Das MDax-Mitglied wird im Juni in den wichtigen MSCI-World-Index aufgenommen. Es ist einer der wichtigsten Indizes überhaupt und er wird von vielen Fondsmanagern und Indexfonds nachgebildet. Gut möglich, dass nun die Nachfrage nach Evonik-Aktien steigt - und damit der Kurs.

Salzgitter schreibt schwarz

MDax-Kollege Salzgitter wartete mit Geschäftszahlen auf. Die zeigen: Der Stahlhersteller gesundet, er arbeitete sich zurück in die Gewinnzone. Der Gewinn im ersten Quartal lag bei fast 33 Millionen Euro nach einem Verlust von 13 Millionen vor einem Jahr. Laut Salzgitter ist das eine dauerhafte Trendwende zum Guten.

SMA Solar bleibt vorsichtig

Im TecDax gibt es einen viel dichteren Zahlenregen, geradezu euphorisch gefeiert werden die von SMA Solar. Der angeschlagene Solartechnikhersteller profitiert von der weltweit wieder anziehenden Nachfrage nach großen Solaranlagen. Daher halbierte sich der Verlust von Januar bis März, ging von 17 auf 8 Millionen Euro zurück. Der Umsatz stieg kräftig um 28 Prozent auf 226 Millionen Euro, womit laut SMA schon 60 Prozent des Gesamtjahresziels erreicht sind.

LPKF weiterhin unter Druck

Beim Elektronikausrüster LPKF laufen die Geschäfte erneut schlecht. Im ersten Quartal brach der Auftragseingang um 48 Prozent auf 19,2 Millionen Euro ein. Das Ebit erreichte nur noch 200.000 Euro. Der Umsatz sank leicht. Die Ziele für 2015 seien inzwischen "sehr ambitioniert", hieß es. Die LPKF-Aktie bricht ein.

Springer greift nach "Huffington Post"

Der Medienkonzern Axel Springer ist laut einem Reuters-Bericht an einem Kauf der Website "Huffington Post" vom Online-Dienst AOL interessiert. Neben Springer hätten aber auch einige Beteiligungsgesellschaften Interesse angemeldet. Die Webseite werde mit einer Milliarde Dollar bewertet. Erst gestern war bekannt geworden, dass der US-Mobilfunkriese Verizon den Online-Dienst AOL für 4,4 Milliarden Dollar kaufen wird.

bs

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