Marktbericht 20:02 Uhr

Viele Negativfaktoren Dax legt Rückwärtsgang ein

Stand: 02.08.2016, 20:02 Uhr

Schwache Finanzwerte, ein starker Euro und dann auch noch Verluste an der Wall Street haben den Dax am Dienstag heftig unter Druck gesetzt. Doch die 200-Tage-Linie hält - noch.

Der Dax schließt bei 10.144 Punkten, 1,8 Prozent oder 186 Punkte weniger als am Vortag. Zeitweise rutscht der Leitindex sogar bis auf 10.129 Punkte ab - und kommt damit der bei etwa 10.100 Punkten liegenden 200-Tage-Linie gefährlich nahe. Diese Marke sollte verteidigt werden, um die Erholung aus den vergangenen Wochen nicht wieder zunichte zu machen.

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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Börse 20.15 Uhr

Marktanalysten erklären die Eintrübung mit der Rückkehr der Öl-Angst sowie dem erneuten Schwächeanfall der Bankwerte. Auch der starke Euro, der bis zum Börsenschluss am Abend auf 1,1229 Dollar klettert, macht dem Deutschen Aktienindex und seinen exportlastigen Unternehmen zu schaffen.

Gemischte Quartalszahlen

Als Belastung für die Kurse gelten auch die gemischt ausgefallenen Quartalsbilanzen vieler hiesiger Börsenschwergewichte. So ist das operative Ergebnis (Ebit) der 17 Dax-Konzerne, die bisher Zahlen für ihre Geschäfte von April bis Juni vorlegten, um neun Prozent auf insgesamt 17,7 Milliarden Euro gesunken. Das geht aus einer Zwischenbilanz des Beratungsunternehmens EY hervor. Der gesamte Umsatz (ohne Banken) fiel um 0,6 Prozent auf 182,5 Milliarden Euro.

US-Dollar in Yen: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Minus auch an der Wall Street

Auch an den US-Börsen gibt es Verluste. "Ich glaube, die Wall Street folgt einfach der Richtung, in die gerade alle anderen Märkte zeigen, wie Japan und Europa", sagte der Chefökonom Peter Cardillo vom Anlageberater First Standard Financial. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte eröffnete mit einem Minus von 0,2 Prozent auf 18.370 Punkte. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend notiert der Dow 0,8 Prozent schwächer bei 18.261 Zählern.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Anleger ließen sich auch von den guten US-Konjunkturdaten und einem höheren Ölpreis kaum aufheitern. Im Juni stiegen die Konsumausgaben überraschend stark um 0,4 Prozent. "Die Entwicklung von Einkommen und Ausgaben ist insgesamt stabil, was auf die robuste Lage am Arbeitsmarkt zurückzuführen ist", erklärte Helaba-Ökonom Ulrich Wortberg. Der private Konsum in den USA steht für gut zwei Drittel der Wirtschaftskraft.

Ölpreise leicht erholt

Nach dem gestrigen Einbruch unter die Marke von 40 Dollar je Fass kann die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) bis zum Nachmittag wieder etwas Boden gutmachen und steigt über die Marke von 40 Dollar je Fass. Auch die Nordseesorte Brent kann sich leicht erholen. Das nimmt kurzfristig den ärgsten Druck von den Aktienmärkten.

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Gemischte Zahlen aus den USA

Pfizer hat an der New Yorker Börse für Enttäuschung gesorgt. Zwar profitiert der Viagra-Hersteller von neuen Medikamenten, so dass der Umsatz im zweiten Quartal um elf Prozent auf 13,15 Milliarden Dollar gestiegen ist. Der Überschuss fiel jedoch um 23 Prozent auf 2,02 Milliarden Dollar. Dagegen ist der Umsatz des Konsumgüterkonzerns Procter & Gamble (P&G) um drei Prozent auf 16,1 Milliarden Dollar gesunken. Wegen Sondereffekten kletterte der Gewinn je Aktie im vierten Geschäftsquartal bis Ende Juni um fast das Vierfache auf 0,69 Dollar.

FMC peilt milliardenschwere Zukäufe an

Gegen den schwachen Markttrend kann sich die FMC-Aktie behaupten. Bei 83,79 Euro markiert sie im Tagesverlauf sogar ein frisches Allzeithoch. Die Dialyse-Tochter des Fresenius-Konzerns hat am Morgen mit ihren Quartalszahlen den Marktkonsens übertroffen. Der neue Vorstandschef Stephan Sturm peilt starkes Wachstum an und nimmt dabei auch milliardenschwere Übernahmen ins Visier.

Banken fallen auf Rekordtief

Dagegen fällt die Commerzbank-Aktie ans Dax-Ende, nachdem das Institut seine Gewinnprognose für 2016 kassiert hat. Bei 5,22 Euro markiert das Papier am Nachmittag ein neues Rekordtief. Historische Unterstützungen, die dem Kurssturz Einhalt gebieten könnten, sind nun nicht mehr auszumachen. Auch die Deutsche Bank-Aktien fallen am Nachmittag auf ein Rekordtief von 11,20 Euro. Hintergrund sind auch hier die schwachen Quartalszahlen. Zudem muss das größte deutsche Geldhaus seinen Platz im Auswahlindex Stoxx Europe 50 zum 8. August 2016 räumen.

Infineon: Ausblick enttäuscht

Auch Infineon steht auf der Verliererliste weit oben. Zeitweise rutschen die Papiere des Halbeiterherstellers um mehr als vier Prozent ab. Marktbeobachter sprechen von Gewinnmitnahmen. Zudem lässt das Wachstumstempo des Chipherstellers allmählich nach. Im dritten Quartal legten Umsatz und Gewinn zwar zu, die Prognose für das laufende vierte Quartal 2015/16 fiel aber zurückhaltend aus.

Fresenius hebt die Prognose an

Dagegen macht Fresenius mit einer Prognoseanhebung auf sich aufmerksam. Laut dem Medizinkonzern soll der um Sondereinflüsse bereinigte Überschuss im laufenden Jahr währungsbereinigt um 11 bis 14 Prozent zulegen. Bisher hatte sich Fresenius ein Plus von 8 bis 12 Prozent vorgenommen. Wachstumstreiber ist vor allem die Flüssigmedizinsparte Kabi.

Vonovia traut sich noch mehr zu

Kursverluste muss auch Vonovia hinnehmen. Dabei hat Deutschlands größter Immobilienkonzern nach einem Gewinnsprung im ersten Halbjahr erneut seine Ziele für 2016 angehoben. Für 2016 rechnet der Dax-Konzern nun für das in der Branche viel beachtete operative Ergebnis aus dem laufenden Geschäft (FFO) mit 740 bis 760 Millionen Euro. Zuletzt hatten die Bochumer mit 720 bis 740 Millionen Euro weniger im Visier gehabt.

BMW wird immer profitabler

BMW hat bei Verkauf, Umsatz und Gewinn die Nase vor den Konkurrenten Mercedes und Audi. Mit einem Gewinnsprung um über elf Prozent auf fast zwei Milliarden Euro übertraf der Münchner Autokonzern im zweiten Quartal die Erwartungen. Die höhere Nachfrage in Europa und auf dem besonders profitablen chinesischen Markt, die gute Absicherung von Währungs- und Rohstoffrisiken sowie geringere Investitionen trugen dazu bei. Die Aktie gibt heute dennoch nach.

Lufthansa macht erneut Sorgen

Die leidgeplagten Anleger der Lufthansa müssen heute einen weiteren Rückschlag einstecken. Weil die Fluglinie immer noch vor konkreten Aussagen zur Gewinnentwicklung zurückschreckt, herrschte an der Börse einmal mehr Ernüchterung: Die Aktien büßen unter den Schlusslichtern im schwachen Dax fast drei Prozent ein. Dazu trug auch die Sorge um die Dividende bei. Auf Jahressicht steht bei der Lufthansa ein Minus von mehr als 28 Prozent zu Buche - eine schlechtere Bilanz haben im Dax nur die Banken.

Bayern verklagt VW, Niedersachsen wartet ab

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Es gehe dabei um die Aktienkurs-Verluste, die dem bayerischen Pensionsfonds entstanden seien, sagte der bayerische Finanzminister Markus Söder (CSU) am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Nürnberg. Bayern ist das erste Bundesland, das im Zuge des Abgas-Affäre eine Klage ankündigt. Der Pensionsfonds will noch im September beim Landgericht Braunschweig Klage auf Schadenersatz einreichen. VW-Großaktionär Niedersachsen sieht dagegen keine Notwendigkeit für eine Klage.

Metro leidet unter schwachem Rubel

Im MDax ist die Metro-Aktie der mit Abstand schwächste Wert. Das Handelsunternehmen leidet unter dem schwachen Russland-Geschäft. Unter dem Strich und nach Minderheiten blieb ein Verlust von 24 Millionen Euro nach einem Gewinn von 115 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Negative Wechselkurseffekte schlugen dabei mit rund 25 Millionen Euro zu Buche.

Pfeiffer bestätigt Prognose

Der Vakuumpumpenspezialist Pfeiffer Vacuum einen Rückgang von 11,5 Prozent auf 26,9 Millionen Euro beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) verzeichnet, auch der Auftragseingang ging zurück. Unternehmenschef Manfred Bender ist jedoch weiter optimistisch, dass die Nachfrage in der zweiten Jahreshälfte anzieht, und bestätigt daher die Prognose für das laufende Jahr.

DSM auf Rekordhoch

Der niederländische Vitamin-Herstellers DSM hat nach einem Gewinnsprung im zweiten Quartal seine Prognose angehoben und die Aktien auf ein Rekordhoch geschickt. DSM-Papiere stiegen an der Börse in Amsterdam um bis zu 4,5 Prozent auf 60,33 Euro. Dank niedrigerer Rohstoffkosten kletterte das Ebitda um 18 Prozent auf 328 Millionen Euro. Das Ebitda soll im Gesamtjahr nun deutlich stärker zulegen als bisher geplant.

Starker Yen bremst auch Honda

Der starke Yen bremst Japans Autobauer. Die Nummer 3 Honda verbuchte trotz gestiegener Absatzzahlen in den USA im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres einen Gewinnrückgang um 6,1 Prozent zum Vorjahresquartal auf netto 174,7 Milliarden Yen (1,5 Milliarden Euro). Am Donnerstag legt Branchenprimus Toyota Zahlen vor.

lg

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"