Marktbericht 20:07 Uhr

Neue Zinsfantasie Dax legt 1,5 Prozent zu

Stand: 15.10.2015, 20:07 Uhr

Ein Tag, der eigentlich alles hatte, was an der Börse wichtig ist, ging mit einem soliden Tagesgewinn im Dax zu Ende. Die Aussicht auf frisches Geld der Notenbank trieb den Leitindex über die Marke von 10.000 Punkte.

Der Leitindex hat am Donnerstag den Handel mit einem Tagesgewinn von 1,5 Prozent bei 10.064 Punkten beendet. Damit setzte sich heute der Kampf um die Marke von 10.000 Punkten fort, nachdem der Index nach zuletzt zwei schwächeren Handelstagen abgerutscht war. Im Tagestief stand der deutsche Leitindex bei 9.957 im Hoch bei 10.086 Punkten.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Eine klare Tendenz, wie es an der Börse weitergehen wird, zeichnet sich aber weiterhin nicht ab. Dazu müsste der Index sich deutlicher über die Marke von 10.000 Punkten absetzen und zumindest die Zwischenhochs aus dem September bei 10.300 Punkten nachhaltig überwinden. Derzeit sieht es aber eher weiter nach einem Trading-Markt aus.

Hoffnung auf die EZB

ARD-Börsenstudio: Jan Plate
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Börse 19.00 Uhr

Die Bullen hatten heute also das bessere Ende für sich. Sie erhielten Rückenwind von ihrem engsten Verbündeten, der EZB. Denn die ist weiter meilenweit von ihrem Inflationsziel von 2,0 Prozent entfernt, so dass die Ausweitung des bestehenden QE-Programms immer wahrscheinlicher wird. Das bedeutet weiter eine üppige Versorgung der Märkte mit Liquidität und hilft natürlich den Aktien. Volkswirt erwarten nach einer Umfrage der Nachrichtenagentur "Reuters" mittlerweile mehrheitlich, dass die EZB ihr Anleihen-Kaufprogramm verlängern und ausweiten wird.

Verluste nur bei den bekannten Sorgenkindern

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die meisten Standardwerte im Dax legten quer durch alle Branchen zu. Spitzenreiter war heute der Chiphersteller Infineon, der nach Agenturberichten einer von mehreren Interessenten für die Übernahme des US-Halbleiterexperten Fairchild ist. Dieser habe Goldman Sachs angeheuert, um einen Käufer zu finden.

Nennenswerte Verluste verbuchten nur die üblichen Verdächtigen RWE und Eon sowie Volkswagen Vorzüge. Juristisch kämpft der Wolfsburger Konzern an immer mehr Fronten. Nach dem US-Justizministerium und der Umweltschutzbehörde EPA ermittelt nun auch die Wettbewerbsbehörde Federal Trade Commission (FTC) gegen den Autobauer wegen des Abgasskandals. Außerdem hat das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) den Rückruf von 2,4 Millionen Fahrzeugen in Deutschland angeordnet, die die betrügerische Abgas-Software enthalten. Insgesamt werden in Europa 8,5 Millionen Autos zurückgerufen.

Euro kämpft mit der Marke von 1,14 Dollar

Der Euro hat heute nach Äußerungen von Ewald Nowotny, Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), deutlich an Wert verloren. Am Mittag setzte sich der Preisverfall dann nach den neuesten Konjunkturzahlen in den USA weiter fort. Die Gemeinschaftswährung fiel kurzzeitig sogar unter die Marke von 1,14 Dollar, hat sich mittlerweile vom Tief aber wieder leicht erholt.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1439 (Mittwoch: 1,1410) Dollar fest. Ein starker Euro war für die Dax in der Vergangenheit häufig negativ. Denn dann droht die Gewinnentwicklung der exportorientierten Dax-Konzerne Schaden zu nehmen.

Uneinheitliche US-Konjunkturzahlen

Gleich mehrere US-Daten standen am Nachmittag auf der Agenda. Der Arbeitsmarkt bleibt robust, die Kerninflation (ohne Nahrung und Energie) zieht aber an. Der Konjunkturindex der Region New York, der an der Börse vielbeachtete Empire State Index, legte zwar gegenüber dem Vormonat zu, lag aber mit Minus 11,36 Punkten unter den Erwartungen. Gleiches galt für den Philly-Fed-Index der Region Philadelphia.

Bei der Interpretation der Zahlen ist somit für jeden etwas dabei. Die Erwartung einer Zinswende der Fed würde durch die hohe Kerninflation wiederbelebt, schrieb Ralf Umlauf von der Landesbank Hessen-Thüringen. Konjunkturelle Sorgenfalten blieben nach dem Empire-State-Index bestehen. " Die robuste Arbeitsmarktlage, wie sie durch die nochmals geringere Zahl von Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe angezeigt wird, steht dem entgegen", fuhr der Experte fort.

Gute Stimmung an der Wall Street

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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Am New Yorker Aktienmarkt wurden die Zahlen überwiegend positiv aufgenommen, der Leitindex Dow Jones legt aktuell 0,85 Prozent zu und bewegt sich damit in der Nähe seines Tageshochs bei 17.073 Punkten. Vor allem Banken treiben die Börse an, nach überraschend guten Zahlen der Citigroup. An der Wall Street wird nach den zuletzt überwiegend enttäuschenden Konjunkturdaten zudem eher auf eine Verschiebung einer ersten Zinserhöhung durch die Notenbank Fed gesetzt.

Diese hält den Markt schon seit Monaten mit ihrer zögerlichen Politik in Atem, ohne dass sich eine Entscheidung wirklich abzeichnen würde. Zuletzt war diese mit Verweis auf die schwierige Lage in China und den Schwellenländern verworfen worden. Vor allem die Lage in China bleibt ein konstanter Unsicherheitsfaktor - und der wohl größte Verbündete der Bären an den Börsen weltweit.

Neues aus Amerika

Der im Dow-Jones-Index enthaltene Gesundheitskonzern UnitedHealth hat im dritten Quartal mit 1,6 Milliarden Dollar genau so viel verdient wie im Vorjahr. Vor allem das Dienstleistungsgeschäft der Konzerntochter Optum trieb das Wachstum an. Die Anleger nehmen derzeit Gewinne mit. Amerikas Edel-Investmentbank Goldman Sachs hat hingegen im dritten Quartal enttäuscht. Vor allem wegen eines schwächelnden Anleihegeschäftes fiel der Überschuss um ein Drittel auf 1,33 Milliarden Dollar. Besser gemacht hat es die Citigroup, die mit 1,53 Dollar je Aktie deutlich mehr verdiente als erwartet. Citi-Aktien bauen ihre Gewinne derzeit aus und steigen 4,3 Prozent.

Philip Morris besser als erwartet

Der US-Tabakkonzern Philip Morris (mit der weltführenden Zigarettenmarke "Marlboro" im Portfolio) hat im dritten Quartal ebenfalls deutlich mehr verdient. Je Aktie waren es 1,25 Dollar, Experten hatten nur 1,11 Dollar erwartet. Der Umsatz lag mit 6,93 Milliarden Dollar ebenfalls über den Erwartungen. Die PM-Aktie war zuletzt besser gelaufen, hat aber in diesem Jahr keinen klaren Trend ausgebildet.

Nike will Adidas abhängen

Hochtrabende Pläne hat der US-Sportartikelhersteller Nike. So soll der Umsatz bis zum Jahr 2020 um fast zwei Drittel auf 50 Milliarden Dollar klettern. Das ist mehr, als Experten bisher erwartet hatten. Vor allem bei Produkten für Frauen und beim Online-Verkauf sieht Nike großes Wachstumspotenzial.

In den vergangenen fünf Jahren hat Nike die Erlöse um rund 50 Prozent gesteigert. Analysten halten bei Adidas in den kommenden fünf Jahren bestenfalls ein Umsatzplus von 33 Prozent für realistisch. Die Herzogenauracher hadern aktuell mit der Golf-Sparte und dem Geschäft in Russland.

Deutsche Bank will in USA Geschäftteile verkaufen

Das im Umbau befindliche Geldinstitut steht nach Informationen der Nachrichtenagentur "Bloomberg" in Amerika in Gesprächen über den Verkauf des Brokergeschäftes mit Privatkunden. Zudem wird der Verkauf einer Lebensversicherungssparte und eines CDS-Portfolios im Volumen von 250 Milliarden Dollar erwogen. Die Aktie, die im Xetra-Handel mit dem Markt bei 25,52 Euro um 1,15 Prozent höher geschlossen hatte, legt im Späthandel leicht zu.

Gewinnwarnung von Hugo Boss

Paukenschlag nach Börsenschluss. Der Modekonzern Hugo Boss aus dem MDax kassiert seine Prognose für das laufende Jahr ein. Die Aktie, die im Xetra-Handel bei 102,20 Euro schon schwächer geschlossen hatte, fiel im Späthandel weiter und deutlich unter die Marke von 100 Euro auf 94.99 Euro.

Zalando am MDax-Ende

Der Online-Modehändler Zalando hat seine Umsatzprognose angehoben und gleichzeitig seine Ergebnisprognose gesenkt. Als einen Grund nannten die Berliner höhere Marketingkosten. An der Börse kam das sehr schlecht an. Die Zalando-Aktie fiel am Ende 5,07 Prozent ein und war damit mit Abstand schwächster MDax-Wert. Allerdings konnte das Papier im Handelsverlauf seine Verluste eingrenzen.

ProSiebenSat.1 schaut in die Zukunft

Der Medienkonzern ProSiebenSat.1 hat seine Ziele für 2018 angehoben. Das Unternehmen rechnet nun mit einem Umsatz von 4,2 Milliarden Euro und einem um Sondereffekte bereinigten Ergebnis von rund 1,1 Milliarden Euro. "ProSiebenSat.1 wächst in allen Segmenten schneller als geplant", sagte Konzernchef Thomas Ebeling. Auch weitere Zukäufe stehen auf der Agenda. "Wir sind jetzt offen für größere Ergänzungszukäufe", erklärte Ebeling am Donnerstag auf einer Investorenveranstaltung. Die Veranstaltung kam an der Börse gut an, die ProSieben-Aktie war bester MDax-Wert und rückte 3,33 Prozent vor.

Bilfinger steht zu seiner Prognose

Nach einer kaum noch zu überblickenden Zahl von Gewinnwarnungen hat der Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger seine Prognose für 2015 bestätigt. Außerdem will sich der Konzern nur noch auf die beiden Geschäftsfelder "Industrial" und "Building and Facility" konzentrieren. Gleichzeitig stehen Geschäftsbereiche mit einem Leistungsvolumen von etwa einer Milliarde Euro auf dem Prüfstand.

Pfeiffer Vacuum auf neuem Rekordhoch

Die Aktie des Herstellers von Vakuumpumpen hat heute bei 110,50 Euro ein neues Rekordhoch markiert. Das Papier profitiert derzeit davon, dass der familiengeführte und nicht-börsennnotierte Konkurrent Busch-Holding seinen Anteil aufstockt. Busch habe angezeigt, seit dem 12. Oktober rund 27 Prozent der Stimmrechte zu halten, teilte Pfeiffer am Donnerstag mit.

Im September war Busch mit 15 Prozent bei Pfeiffer eingestiegen und hatte sein Engagement als Finanzanlage bezeichnet. Über die Ambitionen der Busch-Holding habe er keine Kenntnis, hatte Pfeiffer-Chef Manfred Bender zuletzt betont. "Ich hatte am Tag der Veröffentlichung mit dem neuen Großaktionär nur ein kurzes Telefongespräch."

Schwarzer Tag für Wacker Neuson

Ganz anders das Wacker-Neuson-Papier aus dem SDax. Die Aktie kam mit einem Minus von 15 Prozent kräftig unter die Räder. Der Baumaschinenhersteller hat seine Prognose gesenkt. Grund sei eine schwache Geschäftsentwicklung in Schwellenländern.

KWS traut sich was zu

Der Saatguthersteller KWS Saat will im laufenden Jahr eine Ebit-Marge von mindestens 10,5 Prozent erreichen. Damit läge die Kennziffer über dem langfristigen Ziel von 10,0 Prozent. Der Umsatz soll um fünf bis zehn Prozent zulegen. Für das vergangene Geschäftsjahr sollen die Aktionäre eine unveränderte Dividende von 3,00 Euro je Aktie erhalten.

Hapag-Lloyd schrumpft IPO

Die Hamburger Containerreederei Hapag-Lloyd strebt bei ihrem Börsengang nur noch einen Bruttoerlös von 300 Millionen Dollar an, nach bisher einer halben Milliarde Dollar. Die Preisspanne reicht von 23 bis 29 Euro je Aktie. Die Zeichnungsfrist läuft vom 15. bis 27. Oktober. Erst Handelstag soll der 30. Oktober sein.

Syngenta senkt Prognose

Vor allem ein schwaches Brasiliengeschäft macht dem Schweizer Argrochemiekonzern in diesem Jahr einen Strich durch die Rechnung. Firmenchef Mike Mack rechnet nun mit einem Gewinnrückgang im mittleren einstelligen Prozentbereich. Bisher war er von einem Ergebnis auf Vorjahreshöhe ausgegangen, als Syngenta ein Ebitda von 2,9 Milliarden Dollar erreicht hatte.

Im dritten Quartal sank der Umsatz um zwölf Prozent auf 2,6 Milliarden Dollar. Experten hatten nur mit einem Rückgang von fünf Prozent gerechnet. Die Ebitda-Marge soll allerdings bei 19 Prozent bleiben. Syngenta hatte zuletzt zum Ärger vieler Aktionäre eine 47-Milliarden-Dollar-Offerte des Konkurrenten Monsanto abgewehrt, der im August noch 470 Franken je Aktie zahlen wollte. Am Donnerstag notierte das Papier bei 303,20 Franken und legte nach anfänglichen Verlusten an der Züricher Börse noch 1,7 Prozent zu.

rm

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 16. Oktober

Unternehmen:
Merck: Kapitalmarkttag, 8.30 Uhr
Johnson & Johnson: Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Morgan Stanley: Quartalszahlen Q3, 13 Uhr
Goldman Sachs: Quartalszahlen Q3, 13.30 Uhr
Telekom Austria: Quartalszahlen Q3, 19 Uhr
IBM: Quartalszahlen Q3, 22 Uhr
Netflix: Quartalszahlen Q3, 19 Uhr
TomTom: Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
China: Erzeugerpreise / Verbraucherpreise, 3.30 Uhr
EU: Handelsbilanz, 11 Uhr
Deutschland: ZEW Konjunkturerwartungen, 11 Uhr
USA: Industrieproduktion / Kapazitätsauslastung, 15.15 Uhr
USA: NAHB-Index, 16 Uhr