Dax legt den Rückwärtsgang ein

Stand: 23.06.2011, 19:59 Uhr

Ausnahmsweise war es am Donnerstag nicht die Griechenlandkrise, die den Dax belastete. Vielmehr sorgten sich die Anleger um die Entwicklung der US-Konjunktur. Die amerikanische Notenbank hatte gewarnt, die Investoren nahmen die Warnung ernst, der Dax verlor 1,8 Prozent.

Die Kursverluste im Dax und auch die an der Wall Street, wo der Dow Jones beim Ende des Parketthandels in Frankfurt ein Prozent niedriger notierte, resultierten eindeutig aus der skeptischen Wirtschaftsprognose der amerikanischen Notenbank.

Diese hatte gesagt, man habe die Dynamik der amerikanischen Wirtschaftsentwicklung überschätzt. Die Fed berichtigte daher ihre Erwartung für das Jahreswachstum, zum zweiten Mal seit April, auf nun 2,7 Prozent.

Unerwartet schwache Arbeitsmarktdaten übten zusätzlichen Druck auf die Indizes aus. Die Anzahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stieg in der vergangenen Woche auf 429.000; erwartet wurden 415.000. Freundliche Nachrichten gab es vom Immobilienmarkt: Der Eigenheimabsatz fiel zwar etwas besser aus als erwartet, dies wurde an den Kapitalmärkten aber kaum beachtet.

Dax im Feiertagsmodus
Bei deutlich unterdurchschnittlichen Umsätzen blieb in Frankfurt an der Börse letztlich ein Dax-Minus von 1,8 Prozent übrig. Der Xetra-Dax schloss bei 7.149 Punkten, im späten Handel - und bei noch weniger Umsätzen - erholte sich der LDax noch um knapp 15 Zähler.

Die Griechenlandkrise beschäftigte den Aktienmarkt am Donnerstag kaum, den Devisenmarkt dafür umso mehr. Der Euro sackte von über 1,43 Dollar auf deutlich unter 1,42 Dollar ab, der Schweizer Franken erreichte gegenüber dem Euro ein neues Rekordhoch.

IAEA gibt Reserve-Öl frei
Auf dem Ölmarkt brachte am Nachmittag der Entschluss der Internationalen Energieagentur, 60 Millionen Barrel Rohöl aus den Strategischen Reserven der Länder freizugeben, den Ölpreis ins Rutschen. Was beabsichtigt war: Die IAEA reagierte mit ihrem Schritt auf die Lieferausfälle aus Libyen und anderen Ländern. Allein die USA planen, 30 Millionen Barrel freizugeben, Deutschland beteiligt sich mit 4,2 Millionen Barrel. Der Preis für ein Barrell WTI-Leichtöl sackte am Nachmittag kurz unter 90 Euro und damit auf den tiefsten Stand seit Februar.

Die schmale Dax-Gewinnerliste
Ziemlich übersichtlich fiel am Donnerstag die Liste der Dax-Gewinneraktien aus. Mit Merck und Fresenius liegen zwei Aktien an der Spitze, die in Zeiten hoher konjunktureller Sorgen gerne gekauft werden. Das Gesundheitsgeschäft gilt als defensiv und sicher. Auch der Aktie der Lufthansa gelang es, in den positiven Bereich vorzudringen. Hier reagierten Anleger wohl auf den deutlichen Fall der Ölpreise. Bei Fresenius Medical Care stützte zudem ein positiver Analystenkommentar von PiperJaffray.

Bayer bekommt womöglich harte Konkurrenten
Die Aktien des Pharmakonzerns Bayer schlossen 6,3 Prozent schwächer. Die beiden amerikanischen Konkurrenten Bristol-Myers Squibb und Pfizer veröffentlichten einen wichtigen Forschungserfolg im lukrativen Markt für Schlaganfall-Medikamente. Der Bayer-Blockbuster Xarelto ist damit womöglich künftig starker Konkurrenz ausgeliefert.

Celesio bekommt Beiersdorf-Chef
Der Pharmahändler Celesio hat seine Vorstands-Nachfolge geklärt. Dem Ende des Monats ausscheidenden Geschäftsführer Fritz Oesterle rückt Markus Pinger nach. Pinger ist noch Vorstandsmitglied beim Konsumgüterhersteller Beiersdorf. Er wird am 15. August neuer Vorstandschef bei Celesio. Bis dahin übernimmt Wolfang Mähr aus dem Celesio-Vorstand vorübergehend diese Aufgabe.

Auftragsboom hilft EADS
Einen Auftrag nach dem anderen holt der europäische Flugzeughersteller Airbus, Tochter des EADS-Konzerns, in Le Bourget herein. Berichten zufolge will AirAsia 200 Maschinen des Typs A320neo bestellen und sich die Option für 100 weitere Exemplare sichern. Dies seien natürlich gute Nachrichten, die auch auf EADS abfärbten, sagte ein Händler. Die Aktie schloss als einzige im MDax mit leichten Gewinnen.

Q-Cells macht wenig Hoffnung
Das Solarunternehmen Q-Cells rechnet auch 2011 weiterhin mit einem schwierigen Marktumfeld. Immerhin sei aber der Beschluss der Bundesregierung, auf eine Kürzung der Solarförderung zu verzichten, ein "schwacher Hoffnungsschimmer" für das zweite Halbjahr, sagte Vorstandschef Nedim Cen auf der Hauptversammlung in Leipzig. Die Anleger glauben nicht recht daran, die Aktie verlor fünf Prozent.

Aktien ex-Dividende
Einige Aktien wurden mit Dividendenabschlag gehandelt. Bei Brenntag wurden vom Mittwochsschlusskurs bei 79,03 Euro 1,40 Euro abgezogen, Sixt verlor ebenfalls 1,40 Euro, von 39,06 Euro. Und die im TecDax notierte Wirecard schüttete zehn Cent an ihre Aktionäre aus.

Prada-IPO eher holprig
Das italienische Modehaus Prada hat den Ausgabepreis für seine in Hongkong auszugebenden Aktien bekannt gegeben. Mit 39,50 Hongkong Dollar (3,53 Euro) lag der Ausgabepreis am unteren Ende der erwarteten Preisspanne. Prada will über 423,3 Millionen Anteilsscheine absetzen und damit umgerechnet rund 1,5 Milliarden Euro einnehmen.

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"