Marktbericht 11:40 Uhr

Marktbericht positiv

Kursgewinne bröckeln Dax: Lasst wieder Zahlen sprechen!

von Angela Göpfert

Stand: 12.10.2018, 11:40 Uhr

Heute Nachmittag startet die Berichtssaison in den USA. Das gibt Anlegern vielleicht die Chance, sich in Ruhe neu zu orientieren.

Den Auftakt macht die US-Großbank JPMorgan um 12:45 Uhr. Mit Wells Fargo und Citigroup folgen um 14 Uhr zwei weitere Schwergewichte aus dem Bankensektor.

Die beginnende Berichtssaison in den USA lenkt den Blick wieder stärker auf Unternehmensdaten – und weg von Spekulationen über den Handelskrieg zwischen den USA und China oder die künftige Zinspolitik der Fed. Das bietet den Märkten die Chance durchzuatmen.

Es kommt, wie es kommen musste

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
11.589,21
Differenz relativ
-1,07%

Der Dax zieht zum Wochenschluss in der Spitze um 1,3 Prozent an auf 11.694 Punkte. Doch diese frühen Kursgewinne seien mit äußerste Vorsicht zu genießen, der Erholung sei nicht zu trauen, schrieben wir heute früh an dieser Stelle.


Tatsächlich ist die Herrlichkeit im Dax nicht von Dauer, die Kursgewinne bröckeln rasch, zur Mittagszeit steht nur noch ein Plus von rund 0,5 Prozent zu Buche. Mit Blick auf die desaströse Charttechnik im Dax ist das wenig verwunderlich.

Schließlich hatte der deutsche Leitindex tags zuvor bei 11.519 Punkten ein neues Jahrestief markiert und zugleich eine Schulter-Kopf-Schulter-Formation aktiviert.

Kursziel 10.000 Punkte!?

Dabei handelt es sich um eine technische Umkehrformation und einen validen Vorboten weiterer Kursverluste. Jörg Scherer, Leiter Technische Analyse bei HSBC Trinkaus & Burkhardt beziffert das rechnerische Abschlagspotenzial auf rund 1.800 Punkte.

Mit anderen Worten: Bis auf 10.000 Punkte könnte es noch runtergehen, bevor der Dax die Chance auf eine nachhaltige Bodenbildung hat.

Vor Panik-Verkäufen sei gewarnt

Ob es wirklich so dramatisch kommt, bleibt abzuwarten. Immerhin ist ab Ende Oktober verstärkt mit saisonalem Rückenwind durch die Wahlrally im Vorfeld der Midterm Elections in den USA und den Halloween-Effekt zu rechnen.

Ohnehin sind Ruhe und Gelassenheit in der aktuellen Situation die Zauberworte. Panik-Verkäufe in fallende Märkte hinein haben einem Depot noch nie gut getan.

Euro rutscht ins Minus

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1457
Differenz relativ
+0,01%

Am Devisen-Markt rutscht der Euro nach einem anfänglichen Ausflug über die Marke von 1,16 Dollar ins Minus. Aktuell notiert die europäische Gemeinschaftswährung bei 1,1580 Dollar. Im Lauf der Woche mehrten sich am Markt Spekulationen, wonach die Fed ihre Dezember-Zinserhöhung verschieben könnte.

Von der Konjunkturfront kommen zum Wochenschluss unterschiedliche Signale.

Überraschung: Euro-Industrie steigert Produktion

Die Industrie in der Euro-Zone hat nach zwei schwächeren Monaten ihre Produktion im August überraschend kräftig hochgefahren. Die Unternehmen stellten 1,0 Prozent mehr her als im Juli, wie das Statistikamt Eurostat am Freitag mitteilte. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Minus von 0,2 Prozent gerechnet

In den einzelnen Ländern entwickelte sich die Produktion sehr unterschiedlich. In Deutschland etwa stagnierte sie, da die Autoindustrie Probleme mit der Umstellung auf das neue Abgasprüfverfahren WLTP kämpft und zeitweise die Produktion drosseln oder sogar einstellen musste.

Teures Benzin und Heizöl treiben Inflation nahe 7-Jahres-Hoch

Die Verbraucherpreise lagen im September um 2,3 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats, wie das Statistische Bundesamt errechnet hat. Eine höhere Inflation gab es nach Angaben der Statistiker zuletzt im November 2011 mit 2,4 Prozent. Von August auf September 2018 erhöhten sich die Verbraucherpreise um 0,4 Prozent.

Die Wiesbadener Behörde bestätigte am Freitag ihre vor zwei Wochen veröffentlichten vorläufigen Zahlen. Im laufenden Jahr war der September der fünfte Monat in Folge mit einer Zwei vor dem Komma bei der Teuerungsrate. Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht Werte von knapp unter zwei Prozent als ideal für die Konjunktur an.

Risikolust zieht an – auch am Ölmark

Am Ölmarkt geht es zum Wochenschluss sachte aufwärts. Am Donnerstag waren die Ölpreise im Zuge der steigenden Risikoaversion noch deutlich gefallen, schließlich zählt auch Rohöl zu den vergleichsweise riskanten Anlagen.


Der Goldpreis dagegen gibt einen Teil seiner jüngsten Kursgewinne preis und notiert aktuell bei 1.219 Dollar je Feinunze 0,4 Prozent tiefer.

Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
68,63
Differenz relativ
-1,80%
Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
79,29
Differenz relativ
-0,92%
Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.226,72
Differenz relativ
+0,07%

Neuer Umsatz- und Kurstreiber für Bayer

Der Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer hat eine weitere Zulassung für den Gerinnungshemmer Xarelto den USA erhalten. Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA hat Xarelto in Kombination mit niedrig dosierter Acetylsalicylsäure zur Behandlung von Patienten mit chronischer koronarer Herzerkrankung oder peripherer arterieller Verschlusserkrankung zugelassen.

Xarelto ist ein wichtiger Umsatztreiber im Pharmageschäft des Dax-Konzerns. Das Mittel wird außerhalb der USA von Bayer vermarktet, auf dem US-Markt selbst durch eine Tochter des US-Konzerns Johnson & Johnson.

VW von WLTP empfindlich getroffen

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
145,58
Differenz relativ
-1,03%

VW hat im September wegen der neuen EU-Abgasregeln einen herben Dämpfer bei den Verkäufen erlitten. Weltweit lieferte der Konzern mit seinen zwölf Fahrzeugmarken 827.700 Fahrzeuge aus und damit 18 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. In Westeuropa lag der Rückgang bei 41,5 Prozent, in Deutschland bei 45,2 Prozent.

Dennoch liege Volkswagen im bisherigen Jahresverlauf bei den Auslieferungen auf Rekordkurs, betonte Konzern-Vertriebschef Christian Dahlheim. Gleichwohl schlägt das neue Prüfverfahren bei VW am stärksten durch.

BMW hinkt Mercedes-Benz weiter hinterher

Bei BMW stagnieren die Verkäufe. Im September verkauften die Bayern kaum mehr Autos ihrer Stammmarke als vor einem Jahr. Sie wurden 200.710 BMW-Fahrzeuge los und damit 0,8 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Das Unternehmen bleibt damit hinter dem Daimler-Rivalen Mercedes-Benz bei Oberklasse-Wagen. Die Stuttgarter haben trotz eines Absatzeinbruchs noch etwas mehr verkauft. In den ersten neun Monaten setzte BMW 1,57 Millionen Autos ab, Mercedes-Benz 1,72 Millionen. Immerhin: Vor einem Jahr lag BMW zu diesem Zeitpunkt noch deutlicher hinter den Stuttgartern.

BMW drückt der Schuh aber ganz woanders: Der Handelskonflikt zwischen den USA und China wird teuer, der Konzern rechnet für 2018 mit einem Betrag von etwas unter 300 Millionen Euro, 2019 könnte es eine halbe Milliarde Euro sein.

Knorr-Bremse-IPO macht die Thieles noch reicher

Der Mut des Bremsenherstellers Knorr und der beratenden Banken, trotz heftiger Marktturbulenzen am geplanten Börsengang festzuhalten, hat sich ausgezahlt: Der erste Kurs knapp über dem Ausgabepreis von 80 Euro. Von 80,10 Euro ging es in der Spitze rauf bis auf 81,87 Euro. Der zweitgrößte Börsengang dieses Jahres in Deutschland spült Milliardär Heinz Hermann Thiele und seiner Tochter, die 30 Prozent ihrer Anteile am Münchner Bremsenkonzern verkaufen, 3,9 Milliarden Euro in die Taschen.  | mehr

Chinesen-IPO: Haier kommt nach Frankfurt

Der chinesische Hausgeräte-Hersteller Haier will bei seinem Börsengang in Frankfurt bis zu etwa 450 Millionen Euro einsammeln. Ab Montag bis zum 18. Oktober können Anleger die sogenannten D-Aktien zu einem Preis zwischen einem und 1,50 Euro zeichnen, wie Haier am Freitag mitteilte. Angeboten werden inklusive Platzierungsreserve bis zu 304,75 Millionen neue Aktien.

Haier ist das erste Unternehmen, das rund drei Jahre nach der Gründung der deutsch-chinesischen Börsenplattform Ceinex in Frankfurt ein Zweitlisting anstrebt. Bislang ist die Haier-Aktie nur in Shanghai notiert.

Tencent: Börsenpläne für Musiksparte auf Eis

Der chinesische Internetkonzern Tencent bringt seine Musiksparte vorerst nicht als eigenständige Firma an den Aktienmarkt, berichtet das "Wall Street Journal" unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Grund seien die weltweiten Kursturbulenzen. Das Musik-Streaming-Unternehmen habe in dieser Woche über die Preisspanne für die Aktien beraten wollen. Stattdessen habe es entschieden, mindestens bis November zu warten.  | mehr

Tagestermine am Freitag, 19. Oktober

Unternehmen:
Procter & Gamble: Q1-Zahlen
Villeroy&Boch: Neunmonatszahlen
Schlumberger: Q3-Zahlen
Software AG: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Remy Cointreau: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
London Stock Exchange: Trading Update, 08:00 Uhr
State Street Corp: Q3-Zahlen, 14:30 Uhr
Honeywell: Q3-Zahlen, 14:30 Uhr

Konjunktur:
China: Industrieproduktion, September, 04:00 Uhr