Dax läuft wie geschmiert

von Lothar Gries

Stand: 28.05.2008, 20:05 Uhr

Trotz stagnierender Kurse an der Wall Street ist der Dax zur Wochenmitte wieder in Schwung gekommen. Auch die Sorge über eine Inflationsrate von inzwischen drei Prozent wurde ignoriert. Nur die Deutsche Post musste kräftig Federn lassen.

Im Abendhandel vollzog der Dax die Aufwärtsbewegung der Kurse auf Xetra und notierte knapp 70 Punkte höher als gestern bei 7032 Zählern. Am Nachmittag hatte der Zuwachs zeitweise sogar 120 Punkte erreicht, nachdem bekannt wurde, dass der Auftragseingang für langlebige Güter in den USA weniger stark gesunken ist als befürchtet. Angesichts einer schwächelnden Wall Street erhielt die euphorische Stimmung jedoch einen Dämpfer. Dort sorgte ein Analystenkommentar zum weltgrößten Versicherer AIG und die Furcht vor weiteren Hiobsbotschaften aus dem Finanzsektor für leichte Kursverluste.

Als Grund für den Kursanstieg hierzulande gilt der rückläufige Ölpreis. Der fiel zu Handelsbeginn für ein Barrel (159 Liter) US-Öl auf unter 126 Dollar und kostete damit über zwei Prozent weniger als am Vortag. Im Handelsverlauf legte der Preis jedoch wieder zu und notierte am Nachmittag amerikanischer Zeit wieder über 130 Dollar.

Im Dax waren besonders die Aktien von SAP und ThyssenKrupp gefragt. Auch in der zweiten und dritten Reihe kam es zu kräftigen Kursgewinnen. Die Papiere des im SDax notierten Baumaschinenherstellers Bauer sprangen um fast sieben Prozent nach oben.

Post gibt US-Luftfracht auf
Die Deutsche Post hat heute ein milliardenschweres Sanierungspaket für ihr defizitäres US-Expressgeschäft vorgelegt. Die dabei entstehenden Kosten zwingen den Konzern, seinen Jahresausblick um 100 Millionen Euro herunterzuschrauben. Die Post erwartet nunmehr 2008 ein operatives Ergebnis von 4,1 Milliarden Euro statt 4,2 Milliarden zuvor. Die Kosten für den Restrukturierungsplan sollen bis zu zwei Milliarden US-Dollar betragen. Kernpunkte des Programms sind neben Einsparungen eine Kooperation mit dem amerikanischen Paketzusteller UPS beim Lufttransport. Die Anleger bestraften die Ankündigung mit einem Kursabschlag von mehr als fünf Prozent. Dagegen legten die Aktien vn UPS um mehr als drei Prozent zu.

SAP größter Dax-Gewinner
Die Aktien des Softwarekonzerns SAP springen um 4,8 Prozent nach oben, ohne dass von dem Unternehmen neue Nachrichten bekannt geworden sind. Vor allem technische Gründe begünstigten den Kursanstieg, kommentierten Händler: "Bei 34 Euro ist eine wichtige Marke durchbrochen worden. Jetzt ist es spannend, ob wir auch die 35 Euro schaffen". Zudem hatten die Analysten von Cheuvreux die Aktie am Morgen von "Underperform" auf die "Country Selected List" hoch gestuft.

Auch die Papiere der beiden Stahlkonzerne ThyssenKrupp und Salzgitter profitieren von einer Analysteneinschätzung. Sie steigen jeweils um 3,8 und 4,2Prozent. Die Schweizer Bank UBS hatte für beide Werte am Morgen ihre Kursziele erhöht.

KWS traut sich mehr zu
Der Saatguthersteller KWS Saat hat seine Geschäftsprognosen angehoben. Nachdem die Ergebnisse der ersten neun Monate höher als erwartet ausgefallen seien, rechnet KWS zum Ende des Geschäftsjahres 2007/08 (30. Juni) mit einem Umsatzplus auf 585 Millionen Euro nach 540 Millionen vor Jahresfrist. Bislang hatte die Saatgutfirma ein leichtes Umsatzwachstum in Aussicht gestellt.

Solarwerte geben deutlich ab
Die im TecDax notierten Solarwerte müssen deutliche Einbußen hinnehmen. Händler verwiesen auf die Pläne der CDU/CSU-Fraktion, in den nächsten zwei Jahren die Solarförderung um über 25 Prozent zu kürzen. Die Aktien von Ersol, Q-Cells und Solarworld verlieren mehr als drei Prozent, Solon, Centrotherm und Conergy notieren ebenfalls deutlich schwächer.

KfW berät morgen über IKB-Verkauf
Die Staatsbank KfW will nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur über den Verkauf der IKB-Bank mit drei Bietern verhandeln. Dabei soll es sich um die schwedische Großbank SEB und die US-Finanzinvestoren Ripplewood und Lonestar handeln. Morgen befasst sich der KfW-Verwaltungsrat mit dem Verkauf der Düsseldorfer Mittelstandsbank.

Pfeiffer Vacuum nennt Prognose
Nach einem erfolgreichen Jahresauftakt peilt der Vakuumpumpenhersteller Pfeiffer Vacuum für 2008 erstmals ein Umsatzziel von mehr als 200 Millionen Euro an. Das Unternehmen werde diese Grenze "knacken", sagte Vorstandschef Manfred Bender. "Wir erwarten einen Umsatz von 202 bis 207 Millionen Euro." Für das abgelaufene Geschäftsjahr zahlt das Unternehmen eine Dividende von 3,15 Euro je Aktie. Die im TecDax notierte Aktie legt leicht zu.

RWE und das unbeliebte American Water
Der Energieversorger RWE ist beim Börsengang der US-Tochter American Water auch beim zweiten Anlauf nicht alle Aktien los geworden. RWE verkaufte nur 5,17 Millionen von 8,7 Millionen Papieren aus der Platzierungsreserve, obwohl die Banken sie mit einem Nachlass zum ursprünglichen Platzierungspreis von 21,50 Dollar angeboten haben. Insgesamt sind nun 39,5 Prozent der Aktien des Wasserversorgers im Streubesitz. Die übrigen Papiere will RWE mindestens ein halbes Jahr halten, sich bis zum Jahresende aber ganz von American Water trennen. RWE-Aktien notieren 1,3 Prozent höher.

Airbus bleibt hoffnungsvoll
Trotz des schwierigen Dollar-Euro-Kurses und ersten Stornierungen von Bestellungen wegen der hohen Kerosinpreise blickt die EADS-Tochter optimistisch in die Zukunft. "Wir erwarten auch 2008 ein ganz starkes Jahr für Airbus und wollen in den kommenden 20 Jahren 24.000 Flugzeuge bauen", erklärte Airbus-Chef Thomas Enders. Allerdings rechnet der Flugzeughersteller mit weiteren Verschiebungen bei Bestellungen und einigen Stornierungen. Das betreffe hauptsächlich Mittelstreckenflugzeuge. Dennoch legt die Aktie des Airbus-Mutterkonzerns EADS um mehr als einen Prozent zu.

Praktiker an MDax-Spitze
Die Aktie des Heimwerkerkonzerns Praktiker steigt um über sieben Prozent. Einige Händler verwiesen auf Gerüchte, wonach die US-Heimwerkerkette Home Depot an Praktiker interessiert sei. Praktiker lehnte eine Stellungnahme ab. Dennoch hält der Markt das Gerücht für plausibel.

Hamburger Hafen rechnet mit Wachstum
Der Hamburger Hafen rechnet mit weiterhin kräftigem Wachstum. Vorstandschef Klaus-Dieter Peters sagte dem Hamburger Abendblatt, er halte Steigerungsraten von neun bis zehn Prozent beim Containerumschlag für realistisch. Allerdings rechnet er damit, dass sich der geplante Ausbau des neuen Containerterminals verzögern werde. Die Analysten von JP Morgan äußerten sich am Morgen zur HHLA-Aktie: Sie verringerten das Kursziel von 68 auf 61,40 Euro. Die Aktie legt 1,5 Prozent zu.

Schmack bricht ein
Der Biogasanlagenbauer Schmack Biogas hat das erste Quartal mit einem Millionenverlust abgeschlossen. Der operative Fehlbetrag stieg von 2,3 Millionen Euro vor einem Jahr auf nun 8,8 Millionen Euro. Der Umsatz halbierte sich auf 31 Millionen Euro. "Wie erwartet" sei das erste Quartal schwach verlaufen, teilte Schmack mit und begründete dies mit den hohen Rohstoffpreisen und der Verunsicherung bei den Kunden. Die Aktie fällt um mehr als 17 Prozent.

Gesco verbessert Bilanz
Das Unternehmen, das sich an mittelständischen Unternehmen beteiligt, hat im Geschäftsjahr 2007/2008 Umsatz und Gewinn deutlich ausgebaut. Nach vorläufigen Zahlen stieg der Umsatz um 24 Prozent auf rund 333 Millionen Euro von 268 Millionen im Jahr zuvor. Der Jahresüberschuss kletterte noch stärker, um 34 Prozent auf rund 17,9 Millionen von 13,3 Millionen. Einen Ausblick auf das angelaufene Geschäftsjahr will das Unternehmen auf der Bilanzpressekonferenz am 26. Juni vorstellen. Die Aktie steigt um mehr als zwei Prozent.

Procon steigert Umsatz und Gewinn
Der Veranstaltungsausrüster Procon Multimedia hat im ersten Quartal Umsatz und Ergebnis weiter gesteigert. Der Erlös kletterte auf 21,3 Millionen Euro, das Ergebnis betrug 3,6 Millionen Euro. Der Anbieter für die technische Ausstattung von Veranstaltungen, Film- und Fernsehproduktionen ist nach eigenen Angaben derzeit gut ausgelastet, unter anderem ist Procon für die Sportstättenbeschallung bei den olympischen Spielen in Peking verantwortlich. Die Aktie reagiert nicht.

Deutsche Forfait bestätigt Prognose
Der Außenhandelsfinanzierer Deutsche Forfait hat das erste Quartal mit einem Anstieg bei Umsatz und Ergebnis abgeschlossen. Das "Forfaitierungsvolumen" stieg um 16 Prozent auf 266,5 Millionen Euro, das operative Ergebnis legte um mehr als ein Drittel auf 3,9 Millionen Euro zu. Das Unternehmen bestätigte seine Prognose, wonach das Ergebnis in diesem Jahr auf sechs Millionen Euro steigen soll. Die Aktie notiert praktisch unverändert.

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