Dax lässt nicht locker

Detlev Landmesser

Stand: 03.07.2007, 20:16 Uhr

Noch ein solcher Tag, und der alte Dax-Rekord von 8.136 Punkten wäre endgültig Geschichte. In einer nur von SAP getrübten Sitzung legte der deutsche Leitindex um 92 Punkte zu.

Der L-Dax beendete den Parketthandel bei 8.051,86 Punkten. Erneut hatte die Wall Street die Kurse angeschoben. Allerdings wird der große Bruder aus New York morgen wegen des "Independence Day" als Stütze fehlen. Schon am Dienstag schlossen die US-Börsen bereits um 19:00 Uhr unserer Zeit ihre Pforten.

Trotz durchwachsener Konjunkturdaten legten die US-Indizes leicht zu. Einerseits sanken die US-Industrieaufträge im Mai nicht so stark wie erwartet. Doch die Verkäufe bestehender Häuser fielen im Wonnemonat überraschend auf den niedrigsten Stand seit über fünfeinhalb Jahren, womit die Krise im amerikanischen Immobiliensektor eindrucksvoll unterstrichen wurde.

US-Zuwächse für deutsche Autobauer

Am späten Nachmittag trudelten die ersten US-Autoabsatzzahlen für den Juni ein: Während DaimlerChrysler im Jahresvergleich ein Absatzminus von zwei Prozent hinnehmen musste, verbuchte Volkswagen ein Plus von 15 Prozent. Porsche verkaufte 13 Prozent mehr Autos, BMW verbuchte einen Zuwachs von sechs Prozent. Einen schweren Einbruch von 24 Prozent musste dagegen US-Platzhirsch General Motors verkraften.

Hat SAP doch geklaut?
Die SAP-Aktie reagierte deutlich auf ein überraschendes Schuldeingeständnis des deutschen Softwareprimus. Die Aktie verlor über zwei Prozent, nachdem SAP im Rechtsstreit mit dem Branchenkonkurrenten Oracle tatsächlich ein "Fehlverhalten" eingeräumt hatte. Demnach hat die SAP-Tochter TomorrowNow unrechtmäßig Daten von Oracle bezogen. SAP-Chef Henning Kagermann kündigte an, mit dem US-Justizministerium zusammenarbeiten zu wollen.

Goldman mag MAN
Ganz vorn im Dax stand einmal mehr der Maschinen- und Lkw-Konzern MAN. Goldman Sachs hat das Papier auf seine Auswahlliste gesetzt.

Bald Millionen Telekom-Kunden weg?
Der Deutschen Telekom droht offenbar der Verlust von Millionen DSL-Kunden. Grund dafür sei der Start eines DSL-Komplettangebotes vom größten Vermarkter von Internetanschlüssen, United Internet, schrieb die "Berliner Zeitung" unter Berufung auf einen Manager aus dem "Umfeld" der Telekom. Das so genannte Resale-Geschäft des Konzerns macht 30 Prozent aus und dürfte durch das Komplettangebot von United Internet, das ohne die DSL-Infrastruktur der Telekom auskommt, empfindlich beschnitten werden. Die T-Aktie tendierte zunächst deutlich schwächer als der Markt. United Internet verteuerte sich dagegen um 3,5 Prozent.

iPhone-Fantasie für T-Mobile...
Im späten Geschäft zog die T-Aktie aber deutlich an. Der Ex-Monopolist hat offenbar den Bieterkampf mit Vodafone um die Exklusivrechte für den Vertrieb des Apple-Handys iPhone gewonnen. Wie die "Rheinische Post" vorab aus ihrer Mittwochausgabe berichtete, hat T-Mobile den Zuschlag für den exklusiven deutschlandweiten Verkauf des ersten Mobiltelefons des US-Computerkonzerns erhalten. Über den Kaufpreis wurde nichts bekannt, wie die Zeitung weiter schreibt. Das Gerät soll ab dem 1. November für rund 450 Euro und ausschließlich in Verbindung mit einem T-Mobile-Vertrag in den Geschäften angeboten werden.

... und für Balda
Auch für den Handyzulieferer Balda schlug sich die iPhone-Fantasie positiv nieder; der SDax-Titel kletterte um 6,3 Prozent nach oben. Balda liefert die Bildschirme für das neue Designhandy. An der Wall Street profitierte die Apple-Aktie unterdessen von einer Studie, die Apple für sein teuerstes iPhone-Modell eine Umsatzrendite von mehr als 55 Prozent in Aussicht stellt.

Deutsche Börse verbucht Handelsplus
Über einen kräftigen Handel kann sich die Deutsche Börse freuen. Der Gesamtumsatz des Frankfurter Börsenbetreibers stieg im Juni um 58 Prozent auf 273,7 Milliarden Euro, wobei der Löwenanteil auf Aktien, Derivate und Fonds entfiel. Die umsatzstärkste Aktie war nach der Statistik das Allianz-Papier.

Neuer Gesellschafter bei Heideldruck
Im MDax haussierte die Aktie von Heidelberger Druck mit einem Plus von 6,5 Prozent. Grund ist der Einstieg des Hedgefonds Centaurus, der sich mit 5,13 Prozent an dem Druckmaschinenhersteller beteiligt hat. Dazu kam ein positiver Kommentar von M.M. Warburg. Heideldruck sei ein attraktiver Übernahmekandidat, schrieben die Analysten und erhöhten die Titel von "Hold" auf "Buy" bei einem Kursziel von 40 Euro.

Affi-Aktionär A-Tec erhöht Cumerio-Anteil
Das dürfte das Management der Norddeutschen Affinerie (NA) noch mehr ärgern: Der eigene Großaktionär A-Tec meldete am Abend, seinen Anteil an dem belgischen Kupferproduzenten Cumerio von zuletzt 17,5 Prozent auf 20,9 Prozent aufgestockt zu haben. Die Österreicher halten auch 15 Prozent an der NA. In der Ad-hoc-Mitteilung sprach A-Tec von dem Plan, ein "europäisches Kupfer-Konglomerat" zu bilden. Eigentlich wollte die Affinerie den Konsolidierungsprozess in der Branche in eigener Regie vorantreiben und Cumerio vollständig übernehmen.

Patrizia kräftig erholt
Ohne eigene Nachrichten legten im MDax die Papiere von Patrizia um bis zu neun Prozent zu. Händler begründen dies mit "Sektorfantasie" und einer technischen Erholung des Kurses.

Die "Sektorfantasie" kam der Aktie der Deutsche Wohnen allerdings nicht zu Gute. Am Morgen hatte die SDax-Immobilienfirma bekannt gegeben, dass sie die Berliner Wohnungsbaugesellschaft Gehag kaufen werde. Der Deal kam nicht gut an: Der Immobilientitel verlor über fünf Prozent.

Freenet bietet sich selbst an
Das jüngst mit Mobilcom fusionierte Telekomunternehmen Freenet steht einer Übernahme durch einen Wettbewerber offen gegenüber. Man schließe einen Verkauf des eigenen Unternehmens nicht aus, sagte Freenet-Chef Eckhard Spoerr der Nachrichtenagentur Reuters. Gespräche fänden noch nicht statt, allerdings gebe es bereits einige Interessenten. Einer Zerschlagung des Unternehmens, wie von den Großaktionären Drillisch, dem britischen Fonds Hermes sowie dem Investor Florian Homm gefordert, erteilte Spoerr eine Absage. Die HypoVereinsbank bezeichnete Freenet nach den Äußerungen Spoerrs als "eindeutigen Übernahmekandidaten" und änderte ihre Anlageempfehlung von "Halten" auf "Kaufen".

Singulus unter zehn Euro
Im TecDax geriet die Aktie von Singulus unter Druck. Die Citigroup stufte den Titel des CD- und DVD-Maschinenherstellers mit "Sell " ein.

Deutlicher Zuwachs für GrenkeLeasing
4,5 Prozent gewann die Aktie von GrenkeLeasing. Der Hard- und Softwarevermieter hat sein Neugeschäft im ersten Halbjahr um fast zehn Prozent auf 251 Millionen Euro gesteigert. Wachstumstreiber war nach Angaben des SDax-Unternehmens aus Baden-Baden vor allem das Auslandsgeschäft.

DIC verdient mehr
Der Immobilienkonzern DIC Asset hat seine Gewinnprognose leicht angehoben. Statt 32 bis 35 Millionen Euro Gewinn nach Abschreibungen und Steuern erwartet der im SDax notierte Konzern jetzt 36 bis 38 Millionen Euro. Die Aktie legte um 3,6 Prozent zu.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 26. September

Unternehmen:
Deutsche Bank: Rede von Bank-Chef Sewing bei der Schmalenbach-Gesellschaft
Nestlé: Rede von Vorstandschef Schneider zum Thema "Nestle - current growth strategies in the food and beverage industry", 18:00 Uhr

Konjunktur:
USA: Zinsentscheid der Fed, 20 Uhr, Pk ab 20:30 Uhr
Deutschland: DIW-Konjunkturbarometer
USA Eigenheimabsatz, August, 16 Uhr

Sonstiges:
Hannover: Fortsetzung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September)