Marktbericht 20:02 Uhr

China-Ängste und enttäuschende Quartalszahlen Dax lässt Dampf ab

Stand: 24.07.2015, 20:02 Uhr

Nachdem der Dax in den vergangenen Wochen gut 1.000 Punkte gut machen konnte, haben enttäuschende Quartalszahlen und die Furcht vor einer weiteren Abkühlung der chinesischen Wirtschaft die Kurse wieder unter Druck gebracht.

Der Dax verabschiedet sich am Freitag mit einem Minus von 1,43 Prozent bei 11.347,45 Punkten in den Feierabend. Damit hat der Leitindex im Vergleich zur Vorwoche 2,8 Prozent eingebüßt und schließt auf dem tiefsten Stand seit zwei Wochen.

Am Freitag sind es vor allem schwache Konjunkturdaten aus China, die den Anlegern die Stimmung verderben. Im Reich der Mitte schrumpfte der Einkaufsmanagerindex der Industrie so stark wie seit 15 Monaten nicht mehr. Vorläufigen Daten zufolge fiel das Barometer im Reich der Mitte auf 48,2 Punkte. Es liegt damit bereits fünf Monate in Folge unter der Wachstumsschwelle von 50 Zählern. Für die im Dax domininerenden Autowerte ist das natürlich eine schlechte Nachricht, ist China doch der größte Automarkt der Welt.

Hausverkäufe in den USA brechen ein

Belastet wird der deutsche Leitindex auch von den mit Enttäuschung aufgenommenen Quartalszahlen des weltgrößten Chemiekonzerns BASF. Zwar kann sich der Dax bis zum Nachmittag von den Tiefschlägen etwas erholen, doch die Konsolidierung ist nur von kurzer Dauer.

Aus den USA erreicht die Märkte am Nachmittag die nächste Hiobsbotschaft. Dort sind im Juni die Verkäufe neuer Häuser entgegen den Erwartungen um 6,8 Prozent eingebrochen. Volkswirte hatten dagegen mit einem moderaten Zuwachs von 0,3 Prozent gerechnet.

Der Dax weitet daraufhin seine Verluste aus und fällt unter die Schwelle von 11.400 Punkten, fürchten doch die Anleger eine Abschwächung der US-Konjunktur mehr als die drohende Zinswende. Als dann auch noch die Wall Street unter Druck gerät, weitet der deutsche Leitindex seine Verluste bis zum Ende des elektronischen Handels immer weiter aus und fällt in der Spitze bis auf 11.334 Zähler zurück.

Wall Street gibt nach

An der New Yorker Wall Street können selbst die deutlich besser als erwartet ausgefallenen Quartalszahlen des Online-Händlers Amazon und des Kreditkartenunternehmens Visa nicht verhindern, dass sich die Stimmung der Anleger eintrübt und sich die Verluste ausweiten. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend notiert der Dow 0,75 Prozent tiefer bei 17.597. Die größten Verlierer sind der Ölkonzern Chevron und der Chemiekonzern Du Pont.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.430,88
Differenz relativ
+0,85%

Neue Impulse könnte die kommende Woche bringen, wenn die Offenmarktausschuss-Sitzung der US-Notenbank ansteht, Zahlen zum US-BIP im zweiten Quartal und die US-Konsumausgaben veröffentlicht werden.

Gold billiger, Euro wieder in Richtung 1,10 Dollar

Am Golde hängt und zum Golde drängt auch heute niemand. Im Gegenteil. Der Goldpreis ist auf den tiefsten Stand seit fünfeinhalb Jahren gefallen. Zeitweise kostete eine Feinunze des Edelmetalls nur noch 1.077 US-Dollar. Die Stimmung am Goldmarkt ist pessimistisch, Marktteilnehmer rechnen mit weiteren Kursverlusten. Tatsächlich sind die Goldbestände der chinesischen Zentralbank mit gut 53 Millionen Feinunzen nur halb so hoch wie erwartet. Zum anderen hat der jüngste Crash chinesischer Aktien dafür gesorgt, dass die Zahl potenzieller Goldkäufer zuletzt in drastischem Maße abgenommen hat. Der Euro hat bis zum Handelsschluss seine Tagesverluste wieder aufgeholt und notiert zuletzt bei 1,0984 Dollar.

BASF hart abgestraft

Bei den Einzelwerten wird heute BASF abgestraft. Der weltgrößte Chemiekonzern konnte im zweiten Quartal sein bereinigtes Betriebsergebnis zwar steigern, litt aber unter dem gefallenen Ölpreis. Vorstandschef Kurt Bock bekräftigte zwar die Prognosen für das Gesamtjahr, dämpfte aber die Erwartungen. Angesichts des schwächeren Wachstums in der Chemiebranche seien diese Ziele insgesamt anspruchsvoller geworden, "so dass wir uns sicherlich noch mehr anstrengen müssen, ein Ergebnis auf Vorjahr hinzubekommen". Die Reaktion der Anleger erscheint allerdings übertrieben, verliert doch die Aktie 4,55 Prozent.

China-Angst drückt Autoaktien

Die Furcht vor einer Abschwächung der Konjunktur in China hat die Autoaktien auf Talfahrt geschickt. Angeführt von Volkswagen verlieren auch Daimler und BMW überdurchschnittlich. Tatsächlich würde ein rückläufiger Absatz auf dem weltgrößten Automarkt die BIlanzen der deutschen Autobauer unmittelbar belasten. Allein für VW könnte eine schwächere Nachfrage in China den Gewinn um eine Milliarde Euro absinken lassen, berichtet das "Manager-Magazin". Dagegen hält die Berenberg Bank die Abkehr von der VW-Aktie für übertrieben.

Deutsche Börse vor Übernahme?

Besser als der gesamtmarkt notiert dagegen die Aktie der Deutschen Börse. Sie ist angeblich an einer Übernahme der Devisenhandelsplattform 360T interessiert, berichtet Reuters unter Berufung auf Insider. Die Devisenhandelsfirma und ihre Eigentümer würden vermutlich in Kürze bekannt geben, mit welchem der Börsenbetreiber sie exklusive Verhandlungen aufnehmen wollten. Der Preis für die Übernahme von 360T könne sich auf 650 bis 750 Millionen Euro belaufen.

Puma macht wieder Mut

Im SDax kommen die verbesserten Aussichten des Sportausrüsters Puma gut an. Der Verlust im zweiten Quartal macht den Anlegern keine Angst mehr. Die Puma-Aktien legen um über vier Prozent zu auf 160 Euro zu und sind damit Spitzenreiter im SDax. Die Anleger konzentrierten sich offenbar lieber auf das Umsatzwachstum, das Hoffnung mache, sagte ein Händler.

Danone verdient weniger

Der Nahrungsmittelkonzern Danone hat im zweiten Vierteljahr des laufenden Jahres seinen Umsatz um knapp fünf Prozent auf 11,4 Milliarden Euro verbessert. Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis legte um neun Prozent auf 1,38 Milliarden zu. Der Gewinn sank allerdings um ein Drittel auf 416 Millionen Euro. Der Konzern aus dem EuroStoxx 50 verkauft das Geschäft mit Baby-Nahrung in China und schreibt deshalb 398 Millionen Euro ab.

Amazon begeistert

Für eine geradezu euphorische Begeisterung sorgten die Zahlen des Online-Händlers Amazon. Die Aktie klettert an der Nasdaq um gut 15 Prozent in die Höhe, weil der Online-Spezialist nicht wie zuletzt oft rote Zahlen schrieb und sich positiv zu den Geschäftsaussichten im Sommer äußerte.

Visa glänzt

Der Kreditkartenanbieter Visa hat von April bis Juni seinen Gewinn von 1,4 auf 1,7 Milliarden Dollar verbessern können. Der Umsatz kletterte um zwölf Prozent auf 3,5 Milliarden Dollar. Insgesamt entwickelte sich der Konzern deutlich besser als erwartet. Die Visa-Aktie, die sich seit 2010 bereits verdreifacht hat, steigt um rund fünf Prozent.

Starbucks mundet Anlegern gut

Auch Starbucks macht den Anlegern Freude. Die weltgrößte Kaffeehaus-Kette hat im vergangenen Quartal ihren Umsatz um 18 Prozent auf 4,88 Milliarden Dollar verbessert. Der Nettogewinn legte um 22 Prozent auf 627 Millionen Dollar zu. Dem Konzern half die gute Geschäftsentwicklung in den USA.

Anglo American baut ab

Der britisch-südafrikanische Bergbaukonzern Anglo American forciert angesichts des Verfalls der Rohstoffpreise und Milliarden-Verlusten radikalen Einschnitte. Vorstandschef Mark Cutifani kündigte am Freitag den Abbau von weiteren 37.500 Stellen an. Langfristig will Anglo nur noch mit mit 98.000 Beschäftigten arbeiten. Anfang 2013 zählte der Konzern noch 162.000 Mitarbeiter.

lg

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