Marktbericht 20:05

Mario Draghi machts möglich Dax kriegt doch noch die Kurve

Stand: 17.11.2014, 20:05 Uhr

Eigentlich sah alles danach aus, als würde die Skepsis der Anleger auch in der neuen Woche nicht weichen. Aber die Aussicht auf weitere geldpolitische Lockerungen der EZB hat dem Dax dann doch noch Beine gemacht.

Denn getragen von der Aussicht auf weitere gelpolitische Stimulanzen durch die EZB erwachte der Dax am Nachmittag urplötzlich doch noch aus seiner Agonie und zog bis zum Handelsschluss auf 9.306 Punkte an, ein Tagesgewinn von 0,58 Prozent.

Damit beendete der Index einen schwankungsintensiven Handelstag. Zwischen dem Tagestief bei 9.161 und dem Hoch bei 9.331 Zählern lagen immerhin gut 170 Punkte. Im Späthandel ging es weiter bergauf bis auf 9.325 Punkte. So schnell kann es gehen.

Zunächst Japan-Sorgen....

Dabei hatte es lange nicht danach ausgesehen, im Gegenteil. Der Dax war zunächst unter dem Eindruck überraschend schwacher Konjunkturdaten aus Japan am Morgen bis auf sein Tagestief gefallen, ehe immerhin eine moderate Gegenbewegung einsetzte. "Es ist ein kleiner Schock, da die Leute geglaubt hatten, dass die Bank of Japan alles unter Kontrolle hat", sagte Analyst Nicolas Cheron vom Brokerhaus FXCM. Zudem gab es Ernüchterung über den enttäuschenden Verlauf der G20-Konferenz in Australien, wo es keine Annäherung zwischen Russland und dem Westen im Ukraine-Streit gegeben hat.

...dann kam Mario Draghi

Mario Draghi

Mario Draghi. | Bildquelle: picture alliance / dpa

"Falls sich die bereits beschlossenen Maßnahmen als nicht ausreichend erweisen, wird der geldpolitische Rat einstimmig hinter weiteren Maßnahmen stehen", erklärte Draghi in einer Anhörung vor Abgeordneten des europäischen Parlaments. Mit solchen Äußerungen heizte der EZB-Chef natürlich die Fantasie am Markt kräftig an. Experten erwarten nun breit angelegte Käufe von Staatsanleihen, sollte sich die anhaltende Wachstumsschwäche in Euroland forsetzen. Draghi warnte erneut vor Abwärtsrisiken für den Inflationsausblick.

Gleichzeitig mahnte er bei der Politik weitere Anstrengungen an, dringend notwendige Strukturreformen in den Ländern Europas endlich stärker als bisher auf den Weg zu bringen. "Ungenügende Fortschritte bei den Strukturreformen sind eines der Hauptrisiken für die weitere konjunkturelle Entwicklung", erklärte der Notenbank-Chef. Ein Dilemma, in dem Draghi und die EZB schon länger stecken, denn die ultraexpansive Geldpolitik wird nicht wie gewünscht von energischen Strukturmaßnahmen der betroffenen Länder begleitet.

Euro knickt ein

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Die Aussicht auf weitere Lockerungsschritte der EZB haben die Zwischenerholung des Euro erst einmal beendet. Die Gemeinschaftswährung, die lange mit der Marke von 1,25 Dollar kämpfte, rutschte weiter ab. Sie steht aktuell bei 1,2457 Dollar und damit über einen Cent weniger als am Morgen. Am Mittag hatte die EZB den Referenzkurs des Euro noch bei 1,2496 Dollar festgesetzt.

Wall Street kaum beeindruckt

Anders als bei uns tut sich an der New Yorker Börse wenig. Die schlechten Japan-Daten belasten die Stimmung, größere Abgabeneigung gibt es aber auch nicht. Dow-Jones und S&P-500-Index haben dabei bereits des Öfteren das Vorzeichen gewechselt und finden keine klare Richtung. Stärker bergab geht es an der Nasdaq, die 0,3 Prozent verliert.

Im Blick stehen am Markt zudem zwei milliardenschwere Fusionen aus dem Energie- und Gesundheitssektor. Der Öldienstleister Halliburton kauft für 35 Milliarden Dollar den kleineren Konkurrenten Baker Hughes und der Pharmakonzern Actavis legt insgesamt 66 Milliarden Dollar für den kalifornischen Botox-Hersteller Halliburton auf den Tisch. Einer der Top-Ten Pharmakonzerne der Welt ist damit geboren.

Der Konjunkturindikator der New Yorker Fed für das Verarbeitende Gewerbe, der Empire-State-Index für den November sorgt nicht für Bewegung. Mit 10,16 Punkten lag der Indikator leicht unter den Erwartungen von elf Punkten. Zahlen zur Industrieproduktion und Kapazitätsauslastung im Oktober fielen wie erwartet aus.

Merck: Kooperation mit Pfizer, Rekordhoch

Unter den Einzelwerten behaupteten Merck-Aktien im Dax ihren Platz an der Sonne. Der Darmstädter Pharmakonzern hat eine großangelegte Allianz mit dem US-Wettbewerber Pfizer zur Behandlung von Krebs geschlossen. Merck winken durch eine Zusammenarbeit in der Krebsforschung Zahlungen von bis zu 2,3 Milliarden Euro. Die Aktie markierte bei 77,99 Euro ein neues Rekordhoch.

Gesucht waren auch Commerzbank, die als Finanzwert von den Draghi-Äußerungen profitierte. Continental-Aktien waren mit minus 0,74 Prozent Tagesverlierer nach einem negativen Kommentar der Analysten der Großbank HSBC. Die Experten haben ihr Kursziel von 195 auf 180 und die Empfehlung von "Kaufen" auf "Neutral" gesenkt. Derzeit fehle es an positiven Katalysatoren für einen weiteren Kursanstieg.

Vortzeitige Vertragsverlängerung für den Infineon-Chef

Infineon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Wie das Dax-Unternehmen am Montag mitteilte, ist der Vertrag von Firmenchef Reinhard Ploss vorzeitig um fünf Jahre bis zum Jahr 2020 verlängert worde. Der aktuell Vertrag wäre im Herbst 2015 ausgelaufen. Aufsichtsratschef Wolfgang Mayrhuber lobte die Arbeit des 58-Jährigen, der seit 2012 an der Spitze der früheren Siemens -Tochter steht. Er übernahm das Amt von Peter Bauer, der aus gesundheitlichen Gründen seinen Posten geräumt hatte.

Analysten nehmen Airbus in die Mangel

Auch für die im MDax notierte Airbus-Aktie sind die Analysten nicht mehr so zuversichtlich. Das Papier litt unter gleich vier Kurszielsenkungen, hat sich aber vom Tagestief mittlerweile etwas gelöst. Die DZ Bank, Deutsche Bank, die französische Investmentbank Exane BNP Paribas und JPMorgan haben ihre Ziele gesenkt, blieben aber bei ihren positiven fundamentalen Einstufungen.

Etwas abgemildert wurden die Verluste durch die Nachricht, dass das Unternehmen einen Großauftrag der europäischen Raumfahrtagentur ESA erhalten hat. Die Raumfahrtsparte des Konzerns soll ein europäisches Servicemodul für die amerikanische Raumkapsel Orion liefern. Der Auftrag für den Flug über den Mond hinaus, der 2017 oder 2018 starten soll, ist demnach 390 Millionen Euro schwer.

Rhön-Klinikum nicht am Ziel?

Auch die Rhön-Klinikum-Aktie verzeichnete Kursverluste. Anleger rätseln, ob der Klinikbetreiber sein Ziel beim Aktienrückkauf erreicht hat. Wenige Stunden vor Auslaufen der Frist am 14. November um Mitternacht wurden Rhön nur 55,73 Millionen Aktien angedient. Der Konzern will aber knapp 65,8 Millionen Aktien zurückkaufen. Das endgültige Ergebnis wird voraussichtlich am Dienstagabend mitgeteilt.

Was hat Singer nur mit BB Biotech vor?

Im TecDax hielt sich die BB-Biotech-Aktie klar besser als der Markt. Die Schweizer Beteiligungsgesellschaft, die vor allem in Biotech-Werte investiert, hat einen ziemlich unbequemen neuen Großaktionär. Der US-Hedgefonds Elliott ist über die Tochter Cornwall mit 3,1 Prozent bei BB Biotech eingestiegen. Die Gesellschaft des US-Investors Paul Singer ist nun der zweitgrößte Aktionär nach Biotech Target NV.

Kapitalerhöhung bei Zooplus

Zooplus: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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nach handeslschluss gab der Online-Tierfutterhändler bekannt, dass er sein Kapital erhöhen wird. Gleichzeitig wurden die erst für morgen geplanten Quartalszahlen vorgezogen. Im Späthandel gab die Aktie weiter nach, die allerdings zuvor sehr gut gelaufen war.

RIB kauft zu

Das Softwareunternehmen aus dem TecDax kauft 75 Prozent der Anteile eines Start-Up-Unternehmens, das eine unter dem Namen Iceprice firmierende internationale Plattform für e-Commerce im Bauwesen betreibt. Der Kaufpreis liegt bei einer halben Millionen Euro. Die RIB-Aktie legte 0,66 Prozent zu, konnte ihr Tageshoch aber nicht behaupten.

Jenoptik ebenfalls auf Einkaufstour

Indexkollege Jenoptik erwirbt für seine Verkehrssicherheitssparte derweil für einen nicht genannten Betrag 92 Prozent am britischen Unternehmen Vysionics. Die Briten fertigen Spezialtechnik für Geschwindigkeitskontrollen und die Erfassung von Autokennzeichen, haben 55 Beschäftigte und wollen in diesem Jahr 20 Millionen Euro umsetzen. Die Aktie legte mit dem Markt zu.

Rocket Internet gibt sich ehrgeizig

Jenseits der großen Indizes rief Rocket Internet nach der fulminanten Rally vergangene Woche mit Zahlen für ein Dutzend größerer Startups unter ihren Beteiligungen keine übermäßige Euphorie an der Börse hervor. Rocket-Internet-Gründer und Konzernchef Oliver Samwer kündigte an, man wolle "auch 2015 wieder mindestens zehn neue Startups auf den Weg bringen". Die Aktie gab trotzdem nach.

Kein neues Angebot für Hawesko

Derweil sorgt Hawesko-Großaktionär Detlev Meyer für Ernüchterung: Er werde auf keinen Fall mehr Geld bieten als bisher, der Preis sei "fair". Meyer will Vorstandschef Alexander Margaritoff als größten Anteilseigner verdrängen und den Kurs des Unternehmens selbst bestimmen. Er bietet dafür 40 Euro je Aktie für die Muttergesellschaft der Handelskette Jacques' Wein-Depot. Unter Meyer müssten sich die Aktionäre auf eine Halbierung der Dividende einstellen.

Adler Real Estate auf Erfolgskurs

Das Immobilienunternehmen aus dem Prime Standard hat für die ersten neun Monaten eine Verdoppelung seines Ergebnisses auf 101,1 Millionen Euro ausgewiesen. Auch der Umsatz und die Bilanzsumme legten kräftig zu. Die Zahlen resultieren aus dem Wohnimmobilienbestand, der im dritten Quartal von 7.800 auf gut 21.000 Wohneinheiten gewachsen ist. Auch im Oktober hat Adler bereits weitere Wohneinheiten zugekauft.

"Der neue ADLER-Konzern wächst so stark und so schnell, dass direkte Vergleiche mit den Vorperioden kaum möglich sind und auch der jetzt vorliegende Zwischenbericht nur einen kurzen Momentausschnitt aus dem Aufstieg zu einem noch größeren Unternehmen in der Wohnungsbewirtschaftung zeigt", erklärte Firmenchef Axel Harloff. Die Adler-Aktie hat sich in diesem Jahr in der Spitze mehr als verdoppelt, war heute aber nicht gefragt.

Geldsegen für Sonova-Aktionäre

Die Aktionäre des Schweizer Hörgeräteherstellers Sonova können sich über einen Geldsegen freuen. Der Weltmarktführer will die Dividendenzahlung schrittweise erhöhen und strebt für die kommenden Jahre eine Ausschüttungsquote in der Größenordnung von 40 Prozent an. Im vergangenen Geschäftsjahr belief sich die Ausschüttungsquote auf 37 Prozent. Zudem sollen in den kommenden maximal drei Jahren Aktien im Umfang von 500 Millionen Franken zurückgekauft werden.

Dreamworks kommt unter die Räder

Die Spekulationen um eine Übernahme des Spezialisten für Animationsfilm (u.a. "Shrek") durch den US-Spielwarenhersteller Hasbro lassen nach und schon kommt die Aktie kräftig unter Druck. Aktuell verliert das Papier an der Nasdaq über 14 Prozent. Insidern zufolge gibt es garvierende Meinungsverschiedenheiten zwischen beiden Parteien über den Preis. Schon Ende September waren Übernahmegespräche mit dem japanischen Konzern Softbank ebenfalls an der Preisfrage gescheitert.

Facebook arbeitet an Karriere-Plattform

Das soziale Online-Netzwerk Facebook will laut "Financial Times" auch in der Arbeitswelt mitmischen. Das Unternehmen arbeite "im Geheimen" an einer neuen Internetseite mit dem Namen "Facebook at Work", das Karriere-Netzwerken wie LinkedIn Konkurrenz machen solle. Über die Seite sollen Nutzer berufliche Kontakte pflegen, mit Kollegen diskutieren und gemeinsam an Dokumenten arbeiten können.

Toyota stellt neues Brennstoffzellenauto vor

20 Jahre Entwicklungsarbeit nähern sich am Dienstag ihrem Ende. Dann stellt der japanische Autobauer sein neues Brennstoffzellenauto "Mira" (japanisch für "Zukunft") vor. Es soll in Japan sieben Millionen Yen kosten, etwa 48.000 Euro. In Europa wird er aber mit rund 79.000 Euro deutlich teurer. Die Reichweite soll bei 480 Kilometern liegen, die Auftankdauer bei nur fünf Minuten.

rm

Tagestermine am Mittwoch, 17. Oktober

Unternehmen:
ASML: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Roche: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Zooplus: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Danone: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Abbott: Q3-Zahlen, 13:45 Uhr
US Bancorp: Q3-Zahlen, 14:00 Uhr
Carrefour: Q3-Umsätze, 17:45 Uhr
Alcoa: Q3-Zahlen, 22:10 Uhr

Konjunktur:
Acea-Kfz-Neuzulassungen 09/18, 08:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 09/18, 11:00 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen, 09/18, 14:30 Uhr
USA: Ölbericht (Woche), 16:30 Uhr
USA: FOMC-Sitzungsprotopoll 26.9., 20:00 Uhr