Marktbericht 20:06 Uhr

Nach US-Arbeitsmarktdaten Dax kriegt doch noch die Kurve

Stand: 06.05.2016, 20:06 Uhr

Oftmals hilft ein zweiter Blick, um klarer zu sehen. Diese Binsenweisheit galt heute für den Dax. Nach wichtigen US-Daten sackte der Index erst ab, um sich danach kräftig zu erholen. Der Handelstag war jedenfalls nichts für schwache Nerven.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Am Ende kreiste der Berg und gebar eine Maus. Der deutsche Leitindex Dax beendete einen zumindest am Nachmittag sehr schwankungsintensiven Handelstag letztlich mit einem leichten Plus von 0,18 Prozent bei 9.869 Punkten. Bullen und Bären lieferten sich einen zähen Kampf mit einem Tagestief bei 9.737 und einem Hoch bei 9.917 Punkten. Insgesamt hat der Dax in der abgelaufenen Woche damit 1,7 Prozent eingebüßt, der Auswahlindex EuroStoxx 50 verlor drei Prozent.

Grund für die heftigen Schwankungen waren die April-Daten vom amerikanischen Arbeitsmarkt, die "Mutter aller Konjunkturzahlen". Diese waren nicht einfach zu interpretieren. Schon gar nicht auf den ersten Blick, wie die teilweise wüsten Kursschwankungen an der Börse zeigten.

Unter Erwartungen, oder doch nicht?

Auf den ersten Blick sah es nämlich so aus, als ob der US-Arbeitsmarkt und damit auch der ohnehin viel diskutierte Zinserhöhungsfahrplan der Notenbank ins Stottern kommen würde.

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
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Börse 19.00 Uhr

Denn im April wurden mit 160.000 neuen Stellen weniger geschaffen als erwartet. Prognostiziert war ein Zuwachs von gut 200.000 neuen Jobs. Der Anstieg der Stundenlöhne, der am Markt positiv aufgenommen wurde, lag wie erwartet bei 0,3 Prozent und signalisierte damit keine Inflationsanzeichen. Die Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 5,0 Prozent.

Zu wenig, dachten sich im ersten Moment wohl viele, und schickten die Märkte auf Talfahrt. Aber der zweite Blick zeigt, dass die Lage am Arbeitsmarkt trotz der Abschwächung insgesamt durchaus robust bleibt und der Notenbank weiter alle Möglichkeiten offen lässt. Die Spekulationen über die nächsten Zinsschritte der Fed dürften also weiter gehen.

"Konjunktursorgen sollte es auf Grundlage dieser Zahlen nicht geben, mit forcierten Zinsspekulationen ist aber ebenso wenig zu rechnen", kommentiert Ulrich Wortberg von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) die Zahlen und fasst damit das Dilemma der Märkte gut zusammen.

Euro bleibt über 1,14 Dollar

Aber nicht nur der Aktien-, auch der Devisenmarkt hat die Zahlen mit Spannung erwartet. Der Euro sprang zunächst auf ein Tageshoch bei 1,1476 Dollar, ehe er sich danach schnell wieder beruhigte und aktuell bei 1,1412 Dollar steht. Trotzdem, der robuste Euro spielt den Bären natürlich in die Hände.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Denn die Gemeinschaftswährung behauptet sich hartnäckig auf hohem Niveau und hat damit weiter ihr Jahreshoch vom August 2015 im Visier, als es bis auf gut 1,15 Dollar bergauf gegangen war. Eine solche Entwicklung schmeckt bekanntlich den exportlastigen deutschen Unternehmen und dem Aktienmarkt überhaupt nicht. Auch hier gilt wohl: Entscheidung erst einmal vertagt.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
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Entwarnung für die Märkte kommt vom Ölmarkt, wo der Preis für das 'schwarze Gold' am Nachmittag nach zuvor lustlosem Handelsverlauf ins Plus drehte. Ein Fass der Nordseesorte Brent kostet jetzt über 45 Dollar und damit über ein Prozent mehr.

US-Märkte drehen ins Plus

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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An der Wall Street geht es derweil weit weniger volatil zu. Viele Marktteilnehmer hatten sich aber wohl mehr erwartet vom Datenkranz. "Das ist eine enttäuschende Zahl", sagte Ökonom Russell Price von Ameriprise Financial Services. Der Dow Jones zeigt sich aber unbeeindruckt und pendelt um seinen Schlusskurs vom Donnerstag. Dabei ist er zuletzt sogar leicht ins Plus gedreht. Von Ausverkauf kann also keine Rede sein.

Tagessieger Volkswagen

VW-Vorzüge legten im späten Geschäft noch einen veritablen Schlussspurt aufs Parkett und rückten als Tagessieger 2,78 Prozent auf 121,80 Euro vor. Kurz vor Handelsschluss wurde dann aber noch bekannt, dass der US-Hedge-Fonds TCI aktivistisch gegen VW vorgehen will. Der Fonds hält ein Aktienpaket im Wert von 1,2 Milliarden Euro und fordert vor allem eine Reform der Managementvergütung. Tagesverlierer waren Deutsche Börse nach den jüngsten Avancen im Kampf um eine Fusion mit der Londoner LSE.

Im Dax war auch die SAP-Aktie ein Thema. Denn der Walldorfer Softwarekonzern will zukünftig mit Apple bei der Entwicklung von Apps zusammenarbeiten. Darüber sollen die weit verbreiteten SAP-Programme für Unternehmen auch auf Smartphones und Tablet-Computern genutzt werden können. Die Aktie bewegte sich aber letztlich wenig.

Daimler mit deutlichem Absatzplus

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Daimler hat im April den Pkw-Absatz erneut gesteigert und einen weiteren Rekordmonat eingefahren. Von der Oberklasse-Marke Mercedes-Benz wurden weltweit 164.063 Fahrzeuge verkauft, das sind 10,8 Prozent mehr als vor einem Jahr. In China stiegen die Verkaufszahlen besonders kräftig (plus 31,6 Prozent). Der Aktie schwankte mit dem Gesamtmarkt und schloss gut ein halbes Prozent im Plus.

Deutsche Bank: Immer wieder neuer Ärger

Dem Aufsichtsrat der Deutschen Bank und dem scheidenden Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen droht auf der Hauptversammlung am 19. Mai erneut Gegenwind. Der einflussreiche Aktionärsberater Glass Lewis empfiehlt, nur die erst im vergangenen Jahr in den Vorstand gekommenen Manager zu entlasten.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Zudem wurde bekannt, dass in Italien weitere Vorwürfe gegen die Top-Managmentebene um den ehemaligen Bankchef Josef Ackermann erhoben werden. Die Staatsanwaltschaft im süditalienischen Trani geht dem Verdacht nach, dass die Bank im Jahre 2011 Kunden und Öffentlichkeit über die Werthaltigkeit italienischer Staatsanleihen falsch informiert haben soll.

Evonik: Milliardenübernahme in USA

Im MDax war die Evonik-Aktie der Star des Tages. Das Papier gewann nach ebenfalls volatilem Handel 4,47 Prozent und war Tagessieger im MDax. Dies, nachdem der bereits im Vorfeld vermutete Milliarden-Deal in den USA in einer Adhoc-Meldung bestätigt wurde. Evonik übernimmt Geschäftsteile des US-Konzerns Air Products & Chemicals und zahlt dafür 3,8 Milliarden Dollar.

Gewinnexplosion bei Rhön-Klinikum

Der Krankenhausbetreiber Rhön-Klinikum hat wegen der Auflösung von Rückstellungen seinen Gewinn im vergangenen Quartal um gut 55 Prozent auf knapp 50 Millionen Euro gesteigert. Ein Händler bezeichnete die Resultate des Krankenhausbetreibers als "recht ordentlich".

ArcelorMittal hofft auf zweite Jahreshälfte

Der weltgrößte Stahlhersteller ArcelorMittal ist angesichts des hohen Preisdrucks im ersten Quartal wie erwartet weiter abgerutscht. Der Umsatz ging um gut 20 Prozent auf 13,4 Milliarden US-Dollar zurück. Inzwischen sieht der Konzern aber angesichts leicht steigender Stahlpreise wieder etwas mehr Licht am Ende des Tunnels.

Intesa Sanpaolo verdient deutlich weniger

Die italienische Großbank, die Nummer zwei in Italien, hat wegen der Marktturbulenzen zu Jahresbeginn im ersten Quartal rund ein Viertel weniger verdient als vor Jahresfrist. Der Überschuss sank auf 806 Millionen Euro. Die Zahl war in etwa erwartet worden, so dass das Papier an der Mailänder Heimatbörse soagr noch ins Plus drehte. Von der Zwischenerholung im März und April ist aber trotzdem nicht mehr viel übrig, die Aktie notiert bei 2,24 Euro nur leicht über dem Jahrestief bei 2,14 Euro.

Murdochs News Corp schreibt Verluste

Das Verlagsgeschäft von Medienmogul Rupert Murdoch hat im dritten Quartal wie von Experten erwartet weniger abgeworfen als im Vorjahr. Die Erlöse sanken um sieben Prozent auf 1,89 Milliarden Dollar. Unter dem Strich verlor News Corp 149 Millionen Dollar, vor einem Jahr hatte es noch ein Plus von 23 Millionen Dollar gegeben.

GoPro: Drohne hat Verspätung

Der Actionkamera-Spezialist GoPro hat weiterhin mit Geschäftsrückgängen zu kämpfen. Im vergangenen Quartal schrieb GoPro einen Verlust von 107,5 Millionen Dollar nach einem Gewinn von 16,7 Millionen Dollar ein Jahr zuvor. Zudem kündigte GoPro an, dass die erste Drohne der Firma bis zum Winter verschoben wird.

rm

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