Marktbericht 20:02 Uhr

Warten auf die Fed Dax kriegt die Kurve

Stand: 15.06.2016, 20:02 Uhr

Die Sorge vor dem Brexit bleibt, doch nach einer Talfahrt von 800 Punkten in fünf Tagen halten die Anleger erst einmal inne - und hoffen auf beruhigende Worte von Fed-Chefin Janet Yellen.

Von einer Trendwende will deshalb niemand sprechen. Eher handelt es sich nach ansicht von Marktexperten um eine technische Gegenreaktion, die heute am Aktienmarkt stattgefunden hat: der Dax drehte ins Plus und legte 87,5 Zähler zu auf 9.606. Zeitweise kletterte er sogar bis auf 9.665 Punkte, bevor es dann doch wieder zu Gewinnmitnahmen kam.

ARD-Börsenstudio: Dorothee Holz
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Börse 19.00 Uhr

Offenbar sind einige Anleger aber zu der Überzeugung gelangt, dass der Markt überverkauft ist und einige Titel auf dem aktuellen Niveau ein Kauf sind. Broker sagten, nach dem 800-Punkte-Rutsch der letzten Tage seien die Chancen von Stabilisierungsversuchen wieder gestiegen, zumal der Dax bei der Widerstandszone von 9.500 Punkten Halt gefunden habe. In diesem Zusammenhalt erscheine ein sorgloses Shorten (also ein Wetten auf weiter fallende Kurse) nicht mehr angebracht.

Positive Konjunkturdaten aus den USA

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
12.381,35
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+0,18%

Vor der Leitzinsentscheidung der US-Notenbank am Abend zeigt sich auch die Wall Street von ihrer freundlichen Seite. Der Dow Jones-Index eröffnete mit leichten Gewinnen, die er im weiteren Verlauf auch verteidigen kann. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow 0,3 Prozent höher bei 17.730 Zähler. In den vergangenen Wochen hätten die Anleger ihren Fokus vor allem auf den möglichen Austritt Großbritanniens aus der EU gelegt und das dürfte auch noch bis nächste Woche so bleiben, schrieb Marktanalyst Craig Erlam vom Handelshaus Oanda. Heute stehe aber die Zinsentscheidung der Fed ganz oben. Die Notenbank wird sich wohl erneut nicht an eine Leitzinserhöhung heranwagen, sind sich die allermeisten Experten einig.

Dennoch werde mit der Fed-Sitzung ein Unsicherheitsfaktor vorerst wegfallen, was die Märkte stabilisieren könnte. Auch könnte die Notenbank signalisieren, dass sie die Zinswende weiterhin marktverträglich gestalten wird. "Solche versöhnlichen Töne wären sicherlich Balsam auf die geschundenen Seelen der Anleger", meint Jochen Stanzl, Chef-Marktanalyst von CMC Markets.

Gute Nachrichten kamen am Nachmittag von der US-Konjunktur. So ist der Index der New Yorker Fed für das verarbeitende Gewerbe von minus 9,02 auf plus 6,01 Punkte gestiegen. Volkswirte hatten mit einer leichten Verbesserung auf minus 4,0 Punkte gerechnet.

Entspannungssignale vom Devisenmarkt

Auch der Euro hat sich moderat von seinen deutlichen Verlusten von gestern erholt. Bis zum Börsenschluss steigt die Gemeinschaftswährung auf 1,1248 Dollar und damit etwas mehr als im asiatischen Handel. Am Markt wurde der schwächere Dollar als Grund genannt, der wegen einer besseren Marktstimmung weniger als sicherer Hafen nachgefragt wurde.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1327
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-0,16%
US-Dollar in Yen: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
111,28
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+0,06%

Gold und Öl auf dem Rückzug

Dagegen könnten die Rohstoffmärkte den Aktienmarkt-Bullen heute noch Steine in den Weg legen. Die Preise für WTI und Brent setzen ihre jüngste Talfahrt fort und geben weiter nach. Händler sprechen bereits von der längsten Verlustphase seit vier Monaten. Der Goldpreis dreht am Abend ins Plus und legt 0,1 Prozent zu auf 1.286 Dollar je Feinunze.

Gold in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1.186,51
Differenz relativ
-0,64%
Öl (WTI): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
66,19
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Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
71,72
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-1,41%

Deutsche Bank: Kurzer Erholungsversuch

Im Dax war die Deutsche Bank bis zum Mittag neben den Versorgern Eon und RWE einer der größten Kursgewinner, muss danach aber einen Großteil ihrer Tagesgewinne wieder abgeben. Zuletzt war die Branche im Zuge des freien Falls der Anleiherenditen schwer ins Trudeln geraten. Die aktuelle Gegenbewegung ist aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Am Dienstag waren die Papiere des deutschen Branchenprimus noch knapp an ihrem Finanzkrisen-Tief von 13,03 Euro vorbei geschrammt. Seit Jahresbeginn steht immer noch ein dickes Minus von rund 40 Prozent - damit ist die Deutsche Bank der schlechteste Dax-Wert.

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
21,43
Differenz relativ
-1,02%

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,44
Differenz relativ
+0,43%
Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,98
Differenz relativ
-0,69%

VW vor der Strategie 2025

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
142,34
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-0,39%

Auch die VW-Aktie ist gefragt. Der vom Abgasskandal durchgeschüttelte Konzern will Kreisen zufolge durch die Bündelung des Komponentengeschäfts Geld sparen. Auch die Trennung von Randaktivitäten werde geprüft, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Dienstag. Am Donnerstag will VW-Chef Matthias Müller seine "Strategie 2025" präsentieren.

Daimler: Neues Werk in Russland

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
56,35
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-0,18%

Die Daimler-Tochter Mercedes erwägt den Bau einer Autofabrik in Russland. Mercedes sei im Gespräch mit den russischen Behörden, um zu prüfen, ob die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für eine lokale Pkw-Produktion gegeben seien, erklärte der Daimler-Konzern laut "Handelsblatt". Geplant ist demnach die Fertigung von Geländewagen.

Kuka: Gegenofferte aus der Schweiz?

Die Kuka-Aktie profitiert von einem Bericht des "Wall Street Journal". Darin wird spekuliert, der schweizerische Industriekonzern ABB würde ein Gegenangebot für Kuka erwägen, wenn er von den Deutschen darum gebeten würde. Damit könnte der chinesische Midea-Konzern ausgestochen werden.

Kaufempfehlung für Wacker Chemie

Stärkster Wert im MDax ist die Aktie von Wacker Chemie. Grund ist eine Kaufempfehlung von Berenberg. Das Polysilizium-Geschäft des Spezialchemiekonzerns dürfte sich nach Einschätzung der Privatbank erholen. Zudem dürfte der Konzern mehr an seine Aktionäre ausschütten als gemeinhin am Markt erwartet.

Achtung, Dividendenabschlag!

Der Chemikalienhändler Brenntag wird heute ex Dividende gehandelt. Der Dividendenabschlag beträgt 1,00 Euro. Im TecDax schüttet Cancom 0,50 Euro je Aktie aus, GFT Technologies zahlt seinen Anteilseignern 0,30 Euro je Anteilsschein.

Inditex: Wachstumsbringer Online-Geschäft

Dank der Expansion im Online-Geschäft wuchs das operative Ergebnis beim spanischen Textilkonzern Inditex in den ersten drei Monaten (bis Ende April) um 6 Prozent auf 705 Millionen Euro und damit stärker als erwartet. Der Umsatz stieg um 12 Prozent auf 4,88 Milliarden Euro.

Mitsubishi: Skandal weitet sich aus

Der Skandal um manipulierte Verbrauchstests bei Mitsubishi weitet sich Medienberichten zufolge aus. Der japanische Autobauer habe bei weiteren Modellen geschummelt, die allerdings nicht mehr verkauft würden, berichteten lokale Medien. Mitsubishi hatte im April Tricks bei Tests zum Treibstoffverbrauch eingeräumt.

Syngenta-Übernahme: Das dauert noch

Die Übernahme von Syngenta durch ChemChina könnte sich weiter verzögern. Das chinesische Unternehmen beanspruche noch mehr Zeit für eine Überprüfung der Übernahme durch die US-Behörden, schrieb die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 15. August

Unternehmen:

Zur Rose Group: Halbjahreszahlen, 7:00 Uhr
Stratec: Halbjahreszahlen, 7:00 Uhr
ADO Properties: Q2-Zahlen, 7:00 Uhr
Leoni: Q2-Zahlen, 7:00 Uhr
LPKF: Halbjahreszahlen, 8:00 Uhr
Cisco Systems: Q4-Zahlen, 22:05 Uhr
MVV Energie: Q3-Zahlen
Vestas: Q2-Zahlen

Konjunktur
Großbritannien: Verbraucherpreise 07/18, 10:30 Uhr
USA: Produktivität Q2, 14:30 Uhr
USA: Empire State Index 08/18
USA: Einzelhandelsumsatz 07/18, 14:30 Uhr
USA: Industrieproduktion 07/18, 15:15 Uhr
USA: Kapazitätsauslastung 07/18, 15:15 Uhr
USA: Lagerbestände 06/18, 16:00 Uhr
USA: NAHB-Index 08/18, 16:00 Uhr
USA: Energieministerium Ölpreise (wöchentl.), 16:30 Uhr

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