Dax kriegt die Kurve

Stand: 06.09.2007, 19:52 Uhr

Zwischenzeitlich deutlich im Minus, doch am Ende einer Börsen-Achterbahnfahrt noch im Plus: Der Dax behauptete sich am Tag der EZB-Zinsentscheidung achtbar. Gute US-Konjunkturdaten und starke Technologieaktien halfen dabei.

Auch im späten Parketthandel rutschte der Dax nicht mehr unter die Marke von 7.600 Punkten. An Wall Street hielten sich die Indizes ebenso knapp über Vortagesschluss, vor allem die Standardwerte konnten sich gut behaupten, konsumnahe Titel wie Wal Mart und Coca-Cola waren besonders gefragt.

Zinsentscheid als Non-Event

Der EZB-Zinsentscheid entpuppte sich aus Sicht von Börsianern fast als "Non-Event". Nachdem die Notenbank den Leitzins erwartungsgemäß bei 4,0 Prozent belassen hatte, kam kaum Bewegung in die Kurse. Die jüngsten Turbulenzen und Unsicherheiten an den Finanzmärkten seien für die Entscheidung gegen eine Zinsanhebung verantwortlich, so EZB-Chef Jean-Claude Trichet. Weitere Zinserhöhungen in den kommenden Monaten schloss er aber nicht aus.

US-Konjunktur besser als ihr Ruf
Der Dax wurde am Nachmittag von überwiegend guten US-Konjunkturdaten noch einmal merklich in die Pluszone gehievt. Die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung fiel mit einem Rückgang um 19.000 auf 318.000 besser als erwartet aus. Die US-Produktivität stieg im zweiten Quartal mit 2,6 Prozent auf das Jahr gerechnet stärker als geschätzt.

Ölpreis hebt weiter ab
Am späteren Nachmittag folgte noch der ISM-Dienstleistungsindex für den August, der von 54,0 auf 55,8 Punkte kletterte, auch dies war mehr als Volkswirte vorher gesagt hatten. Der wöchentliche Energiebericht des US-Energieministeriums wies allerdings einen deutlichen Rückgang der Öl-Lagerbestände in den USA aus. In der Folge kletterten die Preise für US-Öl noch einmal deutlich an. Zeitweise lagen die Notierungen bei mehr als 77 Dollar je Barrel.

Infineon-Aktie findet Freunde
Klarer Spitzenreiter im Dax blieb am Donnerstag mit einem Plus von knapp fünf Prozent die Infineon-Aktie. Das Papier reagierte damit auf eine positive Studie von Dresdner Kleinwort. Darin hoben die Experten ihre Einstufung für den Halbleiterhersteller von "Reduce" auf "Buy". Infineon sei auf dem Weg, sich neben Texas Instruments und Qualcomm als Marktführer im Bereich drahtloser Kommunikation zu etablieren, schrieben die Experten.

SAP an magischer Marke
Neben Infineon halten sich nur SAP und Merck spürbar im Plus. Die Aktien des Software-Konzerns legen rund zwei Prozent zu. Händler verweisen auf die charttechnisch wichtige Marke von 40 Euro. Sollte diese übersprungen werden lägen die nächsten Ziele bei 42,30 und 43 Euro, so Marktteilnehmer

Merck: "Übergewichten"
Auch bei der Darmstädter Merck wirkt eine Analystenstudie kursbelebend. Die US-Investmentbank Morgan Stanley hat den Pharmakonzern mit "Overweight" und einem Ziel von 112 Euro eingestuft. Die Bewertung sei attraktiv, auch im Vergleich zum Sektor, hieß es von den Experten.

Post liefert an Wal Mart
Von einer Kooperation mit dem US-Einzelhandelsriesen profitierte die Aktie "Gelb" am Nachmittag. Deren Tochter DHL beliefert die 4.000 US-Filialen von Wal Mart nämlich für mindestens drei Jahre lang. Die Post-Aktie baute die Tagesverluste vollständig ab und schloss leicht im Plus. Am anderen Ende der Dax-Skala rangierten Titel wie Continental, Adidas oder Bayer, deren Verluste sich allerdings mit knapp einem Prozent auch in Grenzen hielten.

Leoni spitze im MDax
Auch zwei Tage nach der Nachricht, man wolle den Konkurrenten Valeo übernehmen, erfreut sich die Aktie des Autozulieferers großer Beliebtheit. Die Titel notierten mit 42,30 Euro nahe ihrem Allzeithoch.

KWS Saat fährt Ernte ein
Der Saatguthersteller hat seine eigenen Erwartungen im abgelaufenen Geschäftsjahr 2006/2007 (bis Juni) übertroffen und erfreut seine Anleger. Die Aktie stieg am Nachmittag schnell um mehr als fünf Prozent. Der Umsatz im Berichtszeitraum kletterte von 505 auf 540 Millionen Euro. Unter dem Strich verdiente das Unternehmen 35 Prozent mehr als im Vorjahr.

Licht und Schatten bei Index-Aufsteigern
Aktien von Tognum legten am Donnerstag zunächst zu, drehten dann aber ins Minus. Der erst seit Anfang Juli an der Börse gelistete Dieselmotorenhersteller wird zum 24. September in den MDax aufgenommen, wie die Deutsche Börse am Montagabend verkündete. Für Tognum muss Patrizia Immobilien weichen, die in den SDax abrutschen und dort die DAB Bank verdrängen. Wacker Construction rücken in den SDax und lösen den TV-Hersteller Loewe ab. Die Wacker-Aktie konnte davon heute nicht profitieren und verlor rund drei Prozent.

Versatel schwungvoll, Gerresheimer müde
In den TecDax schaffte es der seit April an der Börse notierte Telekomanbieter Versatel, der dort den Platz von Jenoptik einnimmt. Versatel waren sehr gefragt und legten um rund vier Prozent zu. Aktien von Gerresheimerhatten bereits heute ihr Debüt im SDax gefeiert - das Unternehmen wurde außerplanmäßig für Schwarz Pharma aufgenommen. Doch die Mitgliedschaft im SDax führte am Donnerstag zu einem kleinen Kursminus.

GPC außer Rand und Band
Im TecDax hat die Biotech-Aktie ihre jüngste Kursrally beeindruckend fortgesetzt und sich um weitere 18 Prozent verteuert. Ein Börsianer verwies neben der verbesserten Branchenstimmung insbesondere auf das positive Chartbild.

Freenet vertreibt mit Electronic Partner
Das TecDax-Unternehmen hat eine Vertriebskooperation mit der Elektronik-Kette geschlossen. Ab dem kommenden Jahr werden die Produkte von Freenet über die 3.000 Filialen von Electronic Partner (EP) vermarktet. Zuvor hatte EP mit dem Freenet-Konnkurrenten Debitel zusammen gearbeitet. Die Freenet-Aktie gewinnt knapp 1,5 Prozent.

Maxdata jetzt auch für Privatkunden
Der PC-Hersteller will ab November seine Computer verstärkt auch an Privatkunden verkaufen. Mit diesem neuen Standbein sollen mittelfristig 20 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet werden, so das Unternehmen. Nach fünf verlustreichen Jahren erwartet Maxdata für 2008 wieder eine "schwarze Null". Die Aktie schloss leicht im Minus.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 16. Oktober

Unternehmen:
Merck: Kapitalmarkttag, 8.30 Uhr
Johnson & Johnson: Quartalszahlen Q3, 12.45 Uhr
Morgan Stanley: Quartalszahlen Q3, 13 Uhr
Goldman Sachs: Quartalszahlen Q3, 13.30 Uhr
Telekom Austria: Quartalszahlen Q3, 19 Uhr
IBM: Quartalszahlen Q3, 22 Uhr
Netflix: Quartalszahlen Q3, 19 Uhr
TomTom: Quartalszahlen Q3

Konjunktur:
China: Erzeugerpreise / Verbraucherpreise, 3.30 Uhr
EU: Handelsbilanz, 11 Uhr
Deutschland: ZEW Konjunkturerwartungen, 11 Uhr
USA: Industrieproduktion / Kapazitätsauslastung, 15.15 Uhr
USA: NAHB-Index, 16 Uhr