Dax kriecht ins Wochenende

Stand: 20.01.2012, 19:48 Uhr

Zum Schluss entschieden sich die Investoren für ein taktisches Verhalten, aber insgesamt verlief die Woche recht zufriedenstellend. Nur die Hängepartie um die Zukunft des griechischen Schuldenschnitts verhinderte größere Gewinne.

Am Freitag schloss der Dax zwar mit einem Abschlag von 0,2 Prozent bei 6.404,39 Punkten. Seit dem vergangenen Freitag hat der Dax jedoch rund vier Prozent zugelegt. Seinen Höchststand hatte der deutsche Leitindex heute bei 6.431,26 Zählern markiert - der höchste Stand des Jahres. Der Late Dax trat etwa auf der Stelle.

Thema am Markt waren die Verhandlungen über einen Schuldenschnitt Griechenlands: Aus der Entscheidung in der momentan wichtigsten Frage um das wirtschaftliche Europa, gepaart mit der charttechnisch brisanten Situation, könnte sich eine nachhaltige Bewegung für die nächsten Wochen ergeben, meint Sven Tokarski von IG Markets. Der Fachmann sieht um die Marke von 6.400 Punkten herum einen wichtigen Widerstand.

"Gewinnmitnahmen mehr als normal"
"Angesichts der ordentlichen Kursgewinne der letzten Tage, insbesondere bei den Finanzwerten, ist es mehr als normal, dass der Dax auch mal eine Verschnaufpause einlegt", kommentierte Helaba-Analyst Christian Schmidt.

Auf kurze Sicht gehen die Fachleute der DZ Bank davon aus, dass die insgesamt freundliche Stimmung der Woche anhalten könnte: "Weil sich die Nachrichtenlage rund um die europäischen Schuldenkrise zuletzt entspannt hat, scheint es durchaus möglich, dass sich der Kursaufschwung zunächst fortsetzen wird."

Der EuroStoxx 50 sank um 0,3 Prozent und fuhr auf Wochensicht ein Plus von 3,8 Prozent ein. Seit Anfang des Jahres steht gar ein Gewinn von 4,8 Prozent unter dem Strich. Der Pariser Cac 40 verlor 0,2 Prozent. Der FTSE 100 gab in London um 0,2 Prozent etwas nach. Am Abend notierte der Dow Jones rund ein halbes Prozent im Plus.

Euro mit starker Wochenbilanz
Der Euro hat die laufende Woche mit deutlichen Gewinnen abgeschlossen. Die etwas günstigere Lage in der europäischen Schuldenkrise hat die Gemeinschaftswährung zuletzt beflügelt. Am Freitagnachmittag notierte der Euro deutlich über 1,29 US-Dollar. Damit kostete er zwar knapp einen halben Cent weniger als am Morgen, aber drei Cent mehr als zu Wochenbeginn.

"Positive Meldungen wie die Aufstockung der IWF-Mittel und gute Anleiheauktionen der europäischen Peripherieländer tragen momentan weit, während der Markt auf dem Auge der negativen Nachrichten blind ist", schreibt Commerzbank-Expertin Carolin Hecht. Wie weggewischt erscheine das S&P-Downgrade mehrerer Euroländer von letzter Woche und auch die Herabstufung des EFSF sei eine Randnotiz gewesen.

Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Coba auf vielen Einkaufslisten
Die Papiere der Commerzbank gingen mit einem Aufschlag von mehr als fünf Prozent an der Dax-Spitze aus dem Handel. Gleich mehrere Analysten haben ihre Einschätzungen nach oben korrigiert, nachdem die Bank angekündigt hatte, ihre Kapitalbasis aus eigener Kraft um rund sechs Milliarden Euro stärken zu können. Die Experten von Nomura etwa haben ihr Kursziel von 1,30 auf 2,00 Euro erhöht. Auch Aktien der Deutschen Bank gehören zu den Gewinnern.

Auf europäischem Parkett notierte die Société Générale mit Aufschlägen um mehr als fünf Prozent an der Spitze. Der Bankensektor des Stoxx 600 legte um 8,1 Prozent zu und entwickelte sich damit deutlich besser als der Gesamtmarkt.

ThyssenKrupp schließen im Plus
Thyssen-Chef Heinrich Hiesinger zufolge ist der Umbau des Industrie-und Stahlkonzerns zwar auf gutem Weg und auch die bis zum Jahresende geplante Trennung von der Edelstahlsparte Innoxum verlaufe nach Plan. Für das laufende Geschäftsjahr 2011/2012 verzichtete der Konzernchef aber weiter auf eine Prognose. Ein Marktteilnehmer sagte in einer ersten Reaktion: "Der Markt hatte auf eine konkretere Prognose gehofft."

K+S

K+S: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Analyse belastet K+S
Mit einem Abschlag von knapp zwei Prozent fiel der Düngemittelhersteller weit zurück. Die Experten von ING haben das Kursziel gesenkt. Auch Metro- und Bayer-Aktien gehören zu den größten Verlierern. Nomura-Analysten hatten bei Bayer das Verkaufspotenzial des Blockbusters Xarelto niedriger eingestuft. Metro-Papiere wurden von der DZ Bank von "kaufen" auf "Halten" zurückgestuft. Schlusslicht im Dax waren die Aktien von RWE.

Solaraktien bleiben Sorgenkinder
Äußerungen von Umweltminister Norbert Röttgen, der die Solarförderung offenbar weiter kürzen will, setzten den Öko-Sektor unter Druck. Aktien von Solarworld, Centrotherm und SMA büßten zwischen fünf und acht Prozent ein. Röttgen hatte vorgeschlagen, die Förderung künftig im Monatstakt herunterfahren zu wollen. Die Nachricht belastet auch Wacker-Chemie-Papiere im MDax, die ebenfalls rund fünf Prozent verloren. Das Unternehmen ist ebenfalls im Solarmarkt aktiv.

Rheinmetall verbündet sich mit EADS
Rheinmetall lagert sein Geschäft mit unbemannten Flugsystemen - sogenannten Drohnen - in ein Gemeinschaftsunternehmen mit der EADS-Rüstungssparte Cassidian aus. An dem Joint-Venture werde Cassidian 51 Prozent halten, Rheinmetall will als Eigner der Minderheitsbeteiligung langfristig engagiert bleiben, teilten beide Unternehmen am Freitag mit. Während die EADS-Aktien zulegten, fielen Rheinmetall zurück.

General Electric verfehlt die Prognose
General Electric hat mit einem Umsatz von 38 Milliarden Dollar für das vierte Quartal die Analystenerwartungen um zwei Milliarden verfehlt. Die Aktien von General Electric verloren knapp zwei Prozent. "Wir sind etwas besorgt wegen der verfehlten Umsatzerwartungen, denn genau darauf liegt in dieser Bilanzsaison der Fokus des Marktes", sagte Analyst Oliver Pursche von Gary Goldberg Financial Services.

Google-Aktie knickt ein
Google enttäuschte sowohl mit Umsatz als auch mit dem Gewinn im Schlussquartal 2011. Investoren hatten gehofft, der rekordhohe Online-Handel in den USA lasse die Werbeeinnahmen leicht steigen. Stattdessen sanken die Einnahmen pro Seitenaufruf (Klick) um acht Prozent - der erste Rückgang im Vorjahresvergleich seit mehr als zwei Jahren. Google-Aktien verloren rund acht Prozent.

Tagestermine am Dienstag, 20. November

Unternehmen:
Dermapharm: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Westwing: Q3-Zahlen, 7.30 Uhr
Easyjet: Jahreszahlen, 8 Uhr
Porsche Automobil Holding: Q3-Zahlen
The Gap: Q3-Zahlen
BASF: Pressekonferenz zu aktuellen Entwicklungen

Konjunktur:
Deutschland: Erzeugerpreise gewerbliche Produkte, 8 Uhr
Deutschland: Baugenehmigungen, 8 Uhr
USA: Baubeginne, -genehmigungen, 14.30 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"