Marktbericht 20:10 Uhr

Süßes Ende eines starken Börsenmonats Dax kriecht auf neues Rekordhoch

Stand: 31.10.2013, 20:10 Uhr

Süßes oder saures? Nach langem Zögern entschieden sich die Börsianer an Halloween für Süßes. Der Dax rettete sich knapp ins Plus und schloss so hoch wie nie. Damit endet ein fantastischer Börsenmonat.

Für deutsche Anleger war es ein wahrlich "goldener Oktober". Der Dax kletterte um satte fünf Prozent nach oben und eilte von Rekord zu Rekord. Erstmals wurde die Barriere von 9.000 Punkten geknackt. Diese Marke wurde auch am letzten Tag des Montags verteidigt. Der Dax beendete den Tag 0,3 Prozent höher bei rund 9.034 Punkten im Xetra-Handel. Der L-Dax schloss ein Pünktchen höher. Der MDax näherte sich derweil der Schallmauer von 16.000 Punkten und legte ebenfalls leicht zu auf knapp 15.990 Zähler.

Unklarheit über Fed-Strategie

Die Börsianer verdauten offenbar die unklaren Aussagen der US-Notenbank. Die Fed hatte am Mittwochabend offen gelassen, wann sie die Geldpolitik straffen und die Anleihenkäufe reduzieren werde ("Tapering") . Die Währungshüter wollen mehr Belege für eine Erholung der Wirtschaft abwarten, bevor sie ihren geldpolitischen Kurs ändern. Fed-Präsident Ben Bernanke erklärte nach der Zinssitzung, die Arbeitslosenquote sei immer noch zu hoch und die Erholung am Häusermarkt habe an Schwung verloren.

Geldschleusen bleiben geöffnet

Während einige Händler vom unerwartet pessimistischen Konjunkturausblick aufgeschreckt wurden, verwiesen andere auf das positive Signal der anhaltenden Geldschwemme aus den USA. "Solange die Fed absehbar die Geldschleusen nicht schließt, wird es weiter nach oben gehen", prophezeite Marktexperte Stefan de Schutter von Alpha Wertpapierhandel.

Die gegenläufigen Signale für die Geldpolitik bremsten den Höhenflug an der Wall Street. Der Dow notierte eine Stunde vor Handelsschluss nahezu unverändert.

Kommt das Tapering doch noch dieses Jahr?

An den Devisenmärkten dagegen ging es turbulent zu. Der US-Dollar machte einen kräftigen Satz nach vorn. Einige Devisenhändler interpretierten offenbar das Statement der Fed so, als dass sie schon im Dezember mit dem "Tapering" beginnen könnte. Bislang hatte die Mehrheit der Investoren darauf gesetzt, dass die Fed bis zum Frühjahr an ihren monatlichen Anleihekäufen in Höhe von über 85 Milliarden Dollar festhalten werde.

In Chicago hellt sich die Stimmung auf

Zudem beflügelten starke Konjunkturdaten aus Amerika den Dollar. Der Chicagoer Einkaufsmanagerindex sprang im Oktober überraschend deutlich auf 65,9 Punkten. Die Prognosen lagen bei nur 55,0 Zählern. Im Zuge des starken Dollars gab der Goldpreis nach. Die Feinunze des gelben Edelmetalls verbilligte sich um 1,5 Prozent auf 1.322 Dollar.

Euro auf Zwei-Wochen-Tief

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1412
Differenz relativ
-0,05%

Der Euro geriet dagegen stark unter Druck. Spekulationen um eine weitere Lockerung der Geldpolitik durch die Europäische Zentralbank (EZB) drückten die Gemeinschaftswährung auf unter 1,36 Dollar, den tiefsten Stand seit etwa zwei Wochen. Als Auslöser für die Gerüchte verwiesen Börsianer auf die rückläufige Inflation der Euro-Zone. Sie lag mit 0,7 Prozent auf dem niedrigsten Stand seit vier Jahren.

Autoaktien gewinnen an Fahrt

Als größter Dax-Antreiber erwiesen sich am Donnerstag die Auto-Aktien. Mit einem Plus von rund zwei Prozent führte VW die Liste der Gewinner an, dicht gefolgt von Daimler. Die Aktien von BMW legten ein Prozent zu. "Die deutschen Autobauer haben es im Moment einfach drauf, der Export brummt", meinte ein Börsianer. Analysten der Citigroup und der Deutschen Bank haben nach den gestrigen Zahlen die VW-Aktie zum Kauf empfohlen.

Bayer wird vorsichtiger

Nicht gut an kam dagegen der Ausblick von Bayer. Der Pharma- und Chemiekonzern hielt zwar nach einem robusten Quartal an seinem Jahresziel fest, sprach aber von einer "zunehmend ambitionierten Prognose". Bayer rechnet auch für das vierte Quartal mit hohen Belastungen durch den starken Euro. Bayer musste im dritten Quartal negative Währungseffekte von 130 Millionen Euro verkraften. Dennoch: die Bayer-Pipeline ist gut gefüllt, die Gewinne sprudeln, und bis Jahresende dürfte erstmals die Umsatzmarke von 40 Milliarden Euro geknackt werden.

Lufthansa im Sinkflug

Schlusslicht im Dax war die Lufthansa. Ein verlustreiches Frachtgeschäft hat die Airline auf ihrem Sanierungskurs im Sommer gebremst. Der Gewinn des Konzerns brach im abgelaufenen Quartal um 30 Prozent auf 451 Millionen Euro ein. Dagegen hat der Lufthansa-Rivale Air France-KLM im dritten Quartal deutlich mehr verdient.

Deutsche Börse bekommt Prügel

Deutsche Börse: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
114,50
Differenz relativ
+4,19%

Erneut deutlich im Minus schloss die Deutsche Börse. Einige Analystenkommentare belasteten den Kurs. Der teure Rechtsstreit über Geschäfte mit dem Iran dürfte das operative Ergebnis des Börsenbetreibers in diesem Jahr unter die Schwelle von 800 Millionen Euro drücken. Auch die in den Koalitionsverhandlungen zwischen CDU/CSU und SPD befürwortete Finanztransaktionssteuer könnte für die Deutsche Börse negative Konsequenzen haben, warnten Analysten.

Siemens-Chef will Infrastruktur-Sparte nicht zerschlagen

Eine Woche vor der Präsentation der Quartalszahlen bekannte sich Siemens-Chef Joe Kaeser zur Infrastruktur-Sparte. In der "Sienmens Welkt" wies er Spekulationen über eine Zerschlagung der Sparte zurück. "Wir müssen vielmehr an der Verbesserzung der Ertragskraft und stragegischen Ausrichtung des Sektors arbeiten", sagte er. Auch der Verkauf unrentabler Unternehmensteile hat für Kaeser keine Priorität. "Wir wollen und werden Geschäfte nicht einfach so abgeben, nur weil sie nicht gut laufen."

Gea trotzt dem starken Euro

Im MDax zählten die Papiere des Maschinenbauers Gea zu den größten Gewinnern. Mit über 33 Euro erreichten sie ein neues Rekordhoch. Der Umsatz und das operative Ergebnis legten im dritten Quartal weiter zu - gestützt auf ein dickes Auftragsbuch. Allerdings macht der starke Euro Gea zu schaffen. Beim bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) werde für 2013 zwar weiter ein Anstieg von rund 600 Millionen auf rund 700 Millionen Euro erwartet. Dies gelte aber nur noch unter der Annahme stabiler Wechselkurse.

Solide Zahlen von Evonik

Gegen den Trend um 2,5 Prozent zulegen konnte auch die ebenfalls im MDax notierte Aktie von Evonik. Grund: Der Spezialchemiekonzern hat trotz gesunkener Quartalsbilanz seine Jahresprognose bestätigt. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) schrumpfte im dritten Quartal um 26 Prozent auf 518 Millionen Euro. Der Umsatz ging um vier Prozent auf 3,2 Milliarden Euro zurück.

Boss setzt auf das Weihnachtsgeschäft

Der Bekleidungshersteller erwartet trotz eines flauen Wachstums im Sommer weiterhin eine deutliche Umsatz- und Gewinnsteigerung im Gesamtjahr. Die Hoffnung richtet sich nun ganz auf das Weihnachsquartal. Im dritten Quartal lief das Geschäft eher mau: der Umsatz wuchs nur um zwei Prozent auf 658 Millionen Euro zu - weniger als erwartet. Das um Sondereffekte bereinigte Ebitda stieg um fünf Prozent auf 173 Millionen Euro. Die Boss-Aktie gewann fast zwei Prozent.

Gewinneinbruch bei Wacker Chemie

Zeitwise stark unter Druck stand die Aktie von Wacker Chemie im MDax, konnte aber bis zum Xetra-Ende die Verluste eindämmen. Dem Spezialchemiekonzern und Halbleiter-Zulieferer haben im dritten Quartal niedrige Preise und der starke Euro zu schaffen gemacht. Der Gewinn sackte von Juli bis September im Jahresvergleich um mehr als 80 Prozent auf 5,4 Millionen Euro ab. Dank einer höheren Absatzmenge war der Umsatzrückgang mit knapp drei Prozent auf 1,17 Milliarden Euro weniger stark ausgeprägt.

Aktionäre segnen Immobilien-Fusion ab

Der Weg für einen neuen deutschen Immobilien-Riesen ist frei. Mehr als 75 Prozent der Aktionäre von GSW Immobilien stimmten am Donnerstag für die Fusion mit der Deutsche Wohnen AG. Damit ist die letzte Hürde für den Deal genommen. Auch die Deutsche-Wohnen-Aktionäre hatten bereits grünes Licht gegeben.

Drägerwerk leidet

Im TecDax sorgte der Medizin- und Sicherheitstechnik-Hersteller Drägerwerk für Enttäuschung. Das Unternehmen hat im dritten Quartal wegen dem starken Euro deutlich weniger verdient als ein Jahr zuvor. Das Ebit schrumpfte auf 32 Millionen Euro - nach 43,6 Millionen Euro im Vorjahresquartal. Im Gesamtjahr erwarten die Lübecker nun eine Ebit-Marge im unteren Bereich der prognostizierten Spanne von acht bis zehn Prozent. Die Drägerwerk-Aktie büßte über zwei Prozent ein.

Nemetschek bekräftigt Prognose

Aufwärts ging es hingegen mit der Aktie von Nemetschek. Sie stieg um über ein Prozent. Die Software-Firma hält nach einem Gewinn- und Umsatzanstieg im dritten Quartal an ihren Jahreszielen fest. Danach dürfte der Umsatz um etwa sechs Prozent steigen und eine Ebitda-Marge zwischen 22 und 24 Prozent erreicht werden.

Bechtle-Aufsichtsratschef hört auf

Eine überraschende Personalie gab es von Bechtle am Donnerstagnachmittag. Nach nur gut einem Jahr legte Aufsichtsratschef Klaus Winkler sein Amt nieder – aus persönlichen familiären Gründen. Übergangsweise soll nun der 73-jährige Bechtle-Gründer Gerhard Schick das Kontrollgremium leiten. Die Bechtle-Aktie gab leicht nach.

Schweizer bieten für Analytik Jena

Die Schweizer Endress + Hausser Gruppe hat den Aktionären von Analytik Jena ein Übernahmeasngebot gemacht. Pro Aktie werden 13,75 Euro geboten. Es gilkt bis 28. November. Aktuell notiert der Kurs des Messtechnik-Herstellers gut ein Euro höher. Endress-Hauser hält bereits 47,7 Prozent an Analytik Jena.

Shell, Total und Exxon verdienen weniger

Aus dem Ausland meldeten zahlreiche Konzerne ihre Quartalsbilanzen, darunter alleine drei Öl-Riesen. Shell, Total und ExxonMobil verdienten deutlich weniger. Shell hat im dritten Quartal vor allem die schwachen Margen im Raffinerie-Geschäft zu spüren bekommen. Der bereinigte Gewinn auf vergleichbarer Kostenbasis (CCS) sank um rund ein Drittel auf 4,5 Milliarden Dollar. Analysten hatten mit deutlich mehr Gewinn gerechnet. Auch Europas drittgrößter Ölkonzern, Total, kämpft mit dem starken Euro und einem schwachen Geschäft in der Weiterverarbeitung. Der um Bewertungseffekte bereinigte Gewinn fiel um 19 Prozent auf 2,72 Milliarden Euro. Und auch der weltgrößte Ölmulti ExxonMobil verdiente im dritten Quartal 18 Prozent weniger, nämlich nur noch 7,87 Milliarden US-Dollar. Analysten hatten freilich mit einem noch stärkeren Rückgang gerechnet. Die Exxon-Aktie stieg, während die Titel von Shell und Total nachgaben.

Überraschungscoup von BNP Paribas

Die französische Großbank BNP Paribas konnte im dritten Quartal ihren Gewinn überraschend steigern. Anders als die meisten internationalen Konkurrenten erhöhten die Franzosen den Gewinn um über zwei Prozent auf 1,36 Milliarden Euro. Analysten hatten mit einem Rückgang gerechnet. Die Bank profitierte von der wieder anziehenden Konjunktur, sie musste deshalb weniger für faule Kredite zur Seite legen.

Hoffnungszeichen von Alcatel-Lucent

Ebenfalls starke Zahlen lieferte Alcatel-Lucent. Der französische Telekom-Ausrüster verzeichnete zwar mit einem Minus von 200 Millionen Euro den sechsten Quartalsverlust in Folge, konnte aber den Umsatzschwnd stoppen. Die Erlöse legten im dritten Quartal um zwei Prozent auf 3,7 Milliarden zu. Besonders in den USA brummte das Geschäft. Die Aktie sauste um 20 Prozent nach oben.

L'Oreal glänzt weniger

L'Oreal sorgte indes für Enttäuschung. Die Pariser steigerten zwar den Umsatz auf vergleichbarer Basis um über vier Prozent, Analysten hatten aber mit etwas mehr gerechnet. Die Jahresprognose wurde bestätigt. Nach den "schwachen Zahlen" nahm Jefferies die Einstufung von "Buy" auf "Hold" zurück, Kepler Cheuvreux senkte das Ziel.

Facebook sorgt sich um Nachwuchs

Das weltgrößte soziale Online-Netzwerk Facebook hat im dritten Quartal seinen Umsatz um 60 Prozent auf 2,016 Milliarden Dollar gesteigert und damit die Erwartungen noch übertroffen. Fast die Hälfte seiner Werbeeinnahmen kamen von Tablets und Smartphones - drei Monate zuvor waren es nur 41 Prozent. Unter dem Strich stand ein Gewinn von 425 Millionen Dollar nach einem Verlust von 59 Millionen Dollar im Vorjahr. Für Ernüchterung sorgte die Telefonkonferenz von Facebook. Finanzchef David Ebersman räumte dort einen Rückgang der täglich aktiven Nutzer besonders unter den jüngeren Jugendlichen ein. Vielen Jugendlichen sei das Online-Netzwerk inzwischen einfach zu "elternverseucht". Die Aktie verlor an der Nasdaq über drei Prozent.

Visa mit Sonderbelastungen

Bergab ging es mit der Aktie des Kreditkartenanbieters Visa. Das Unternehmen hat im vierten Quartal wegen höherer Steuerrückstellungen einen Gewinneinbruch von 28 Prozent verbucht, auf 1,19 Milliarden Dollar. Im Vorjahr hatte das Unternehmen noch von positiven Steuereffekten profitiert. Die Betriebseinnahmen erhöhten sich um neun Prozent auf 2,97 Milliarden Dollar. Analysten hatten im Schnitt mit Einnahmen von 3,02 Milliarden Dollar gerechnet.

Sony senkt Prognose, Panasonic hebt an

Der japanische Elektronikriese Sony hat seine Jahresprognose angesichts geringerer Absatzerwartungen bei Digitalkameras und Flachbildfernsehern nach unten korrigiert. Zum Bilanzstichtag 31. März 2014 werde ein Gewinn von noch 30 Milliarden Yen anfallen. Dagegen ist der japanische Elektronikkonzern Panasonic im zweiten Geschäftsquartal dank Restrukturierungen und der Schwäche des Yen in die Gewinnzone zurückgekehrt und hat seine Prognose für das Gesamtjahr auf 100 Milliarden Yen Nettogewinn glatt verdoppelt.

Fukushima-Betreiber spart sich in die schwarzen Zahlen

Erstmals seit der Fukushima-Katastrophe hat der schwer in die Kritik geratene Atomkraftwerk-Betreiber Tepco wieder schwarze Zahlen geschrieben. Die Japaner schafften im ersten Halbjahr des Geschäftsjahrs 2013/14 einen Gewinn von umgerechnet 4,6 Milliarden Euro – nach einem Verlust von 2,2 Milliarden Euro vor einem Jahr. Als Grund nannte Tepco drastische Kostensenkungen und die Aufschiebung von Wartungsarbeiten. Im Sommer 2012 war Tepco verstaatlicht worden.

nb

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"