Dax kriecht auf das Jahresende zu

Stand: 28.12.2010, 20:03 Uhr

Wilde Kursausschläge bei dünnen Umsätzen, beherztes Wahrnehmen von einmaligen Chancen, Window-Dressing, Jahresendrally: Alle Hoffnungen auf turbulente und lukrative Tage zwischen den Jahren scheinen sich in Luft aufzulösen. Selbst schwache US-Konjunkturdaten sorgen nur für Achselzucken.

Noch zwei Chancen haben die Investoren, um den Dax wieder über die Marke von 7000 Punkten zu schieben. Am Mittwoch ist der letzte vollständige Handelstag des Jahres, am Donnerstag wird lediglich bis 14 Uhr gehandelt.

Vor genau einem Jahr hatte der Dax bei 6002 Punkten geschlossen, heute ging der Leitindex ging bei 6972 Punkten aus dem Handel - ein mühsam erarbeitetes Plus von 0,02 Prozent im Vergleich zum Vortag. Bei den Nebenwerten glänzte der TecDax mit einer signifikanten Veränderung: Er legte um mehr als ein halbes Prozent zu.

"Wer noch da ist, will so kurz vor dem Jahresabschluss nichts riskieren und nimmt höchstens noch einige kleinere Glattstellungen vor", beschrieb ein Händler die Situation am Aktienmarkt. "Die Bücher für das Jahr sind geschlossen." Alle Kursausschläge müssten deshalb vor dem Hintergrund der anhaltend dünnen Umsätze gesehen werden, ergänzte ein Kollege. Die Suche nach Kursausschlägen blieb allerdings überwiegend erfolglos. "Hier hat praktisch niemand mehr etwas gemacht", meinte ein Marktteilnehmer.

Und angesichts aktueller US-Konjunkturdaten war es vielleicht gar nicht so schlecht, dass die meisten Investoren sich ihren Urlaubsfreuden widmen. Denn wer vor dem Bildschirm ausharrte, dem dürfte nicht gefallen haben, was er sah: Der Preisverfall bei Wohnimmobilien in den großen Ballungsgebieten der USA setzt sich ungebremst fort. Einfamilienhäuser verbilligten sich im Oktober um unerwartet starke 1,0 Prozent.

Auch das US-Verbrauchervertrauen fiel deutlich schlechter aus als erwartet: Der Index sank auf 52,5 von revidiert 54,3 Punkten im November. Analysten hatten im Schnitt mit einem Anstieg auf 56,0 Punkte gerechnet. Die Stimmung der Verbraucher gilt als zentraler Indikator für die Konsumausgaben, die etwa zwei Drittel der US-Wirtschaftsleistung ausmachen.

Autobauer sorgen für Unterhaltung

BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
76,03
Differenz relativ
+2,88%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
150,92
Differenz relativ
+2,00%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
53,25
Differenz relativ
+2,62%

Nach starkem Start fielen die Autokonzerne tief in die Verlustzone um im Handelsverlauf wieder aufzuholen. Die Titel von Daimler, Volkswagen und BMW schlossen mit Abschlägen zwischen 0,1 und 1,6 Prozent. Allmählich würden die Investoren skeptischer, was die Absatzchancen auf dem chinesischen Markt betreffe, sagte ein Börsianer. Dort wollen die Behörden Neuzulassungen begrenzen. "Mit dem, was Peking plant, wird der von allen bislang rosarot gesehene Wachstumsmarkt China eingeschränkt", sagte ein Händler. Ein anderer Marktteilnehmer begründete die Abschläge spröde mit Gewinnmitnahmen.

Autozulieferer koppeln sich ab

Continental: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
142,35
Differenz relativ
+3,19%

Die Titel des im MDax gelisteten Autozulieferers Continental gingen um mehr als ein Prozent fester aus dem Handel. ElringKlinger schlossen nach einem zunächst ebenfalls starken Auftritt etwa auf Vortagesniveau. Stützend dürften Aussagen von Matthias Wissmann in der "Börsen-Zeitung" gewirkt haben. Der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) hatte dort unter anderem gesagt, dass die deutschen Pkw-Hersteller derzeit an der Kapazitätsgrenze produzierten.

Später Frühling für Versorger

Eon

Eon: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,05
Differenz relativ
+4,32%
RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
19,08
Differenz relativ
+2,47%

Während die Autoaktien als Top-Titel der nun fast vergangenen Saison ins Trudeln geraten, sind die Flops des Jahres nun doch noch gefragt. RWE und Eon gehörten im Handelsverlauf zu den stärksten Titeln, RWE schloss 0,8 Prozent fester an drittbester Position, Eon gelang es noch, sich in der Gewinnzone festzusetzen. Fundamentale Erwägungen für die Käufe gebe es nicht, sagten Händler.

HeidelCement mauert sich oben fest

Auch auf Jahressicht eher schwach gelaufenen Aktien von HeidelbergCement setzten ihre zuletzt beeindruckende Gewinnserie fort und führten den Dax am Dienstagmit einem Plus von fast einem Prozent an. Übernahmeaktivitäten im Sektor gaben Rückenwind, denn der Schweizer Konkurrent Holcim wird Anfang 2011 mehrere Zuschlagstoffbetriebe sowie Transportbetonzentralen vom französischen Mitbewerber Lafarge erwerben.

Anleger lassen Roth & Rau fallen

Mit Abschlägen von mehr als elf Prozent stürzte das Papier des Solarunternehmens ans Ende des TecDax. Das Unternehmen hatte mitgeteilt, wegen eines außerplanmäßigen Abwertungsbedarfs von 12,5 Millionen Euro seine Jahresziele nicht zu erreichen. Schon im dritten Quartal hatte das Unternehmen unerwartet rote Zahlen geschrieben.

General Motors erobert Herzen der Anleger

Während die deutschen Autobauer unter dem Dämpfer aus China leiden, streckt sich der beinahe schon abgeschriebene US-Konkurrent General Motors gen Himmel: Mehrere Analystenhäuser hatten ihre Bewertung der Titel des erst kürzlich aus der Insolvenz gekommenen Autobauers aufgenommen und sich teilweise sehr positiv geäußert. So hatten sowohl JPMorgan als auch Barclays Capital den Kauf von GM-Papieren empfohlen. Die Anleger folgten, das Papier notierte in einem schwachen Gesamtmarkt in New York mehr als zwei Prozent fester.

Tagestermine am Mittwoch, 14. November

Unternehmen:
Merck KGaA: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
RWE: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Eon: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Wirecard: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Linde: Q3-Zahlen, 19:00 Uhr
BMW: Absatzzahlen für Oktober, 09:00 Uhr
Salzgitter: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Zooplus: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Bechtle: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Ado Properties: Q3-Zahlen
Patrizia Immobilien: Q3-Zahlen
Deutsche Wohnen: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Adler Real Estate: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Deutsche Euroshop: Q3-Zahlen, 16:00 Uhr
ProSiebenSat.1: Kapitalmarkttag
Leoni: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr Uhr
Sixt Leasing: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
MLP: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Biotest: Q3-Zahlen
Shop Apotheke: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Indus: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Tele Columbus: Q3-Zahlen
Leifheit: Q3-Zahlen
Maersk: Q3-Zahlen, 08:00 Uhr
Raiffeisen Bank Internationa: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
Alstom: Q2-Zahlen, 07:30 Uhr
Pirelli: Q3-Zahlen
Philip Morris: Pk zu Zahlen und Daten von Iqos, 10:00 Uhr
Cisco Systems: Q1-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Japan: BIP Q3, 00:50 Uhr
China: Einzelhandelsumsatz und Industrieproduktion im Oktober, 03:00 Uhr
Deutschland: BIP Q3, 08:00 Uhr
Großbritannien: Verbraucherpreise im Oktober, 10:30 Uhr
Deutschland: Finanzstabilitätsbericht der Bundesbank, 11:00 Uhr
EU: BIP Euro-Zone Q3, 11:00 Uhr
EU: Industrieproduktion Euro-Zone im September, 11:00 Uhr
USA: Realeinkommen und Verbraucherpreise im Oktober, 14:30 Uhr
USA: Rede des stellvertretenden Fed-Vorsitzenden Quarles vor dem House Financial Services Committee, 16:00 Uhr

Sonstiges:
IEA: World Energy Outlook, PK mit IEA-Chef Birol, 09:00 Uhr
Euro Finance Week: (bis 16. November): mit Rede von Bundesbank-Vorstand Balz