Marktbericht 20:00 Uhr

Investoren füllen Depots mit Aktien Dax kratzt an 11.500 Punkten

Stand: 13.07.2015, 20:00 Uhr

An Europas Börsen entspannen sich die Anleger mehr und mehr. Grund ist die mögliche Lösung im Schuldenstreit mit der griechischen Regierung. Allerdings sollten die Investoren nicht vergessen, dass im Grunde noch nichts erreicht ist, mahnen Fachleute.

Der Dax ging mit einem Aufschlag von 1,5 Prozent auf 11.484,38 Punkten aus dem Handel. Den höchsten Stand des Tages hatte der deutsche Leitindex bei 11.506 Zählern erreicht. Der L-Dax stieg um 1,3 Prozent auf 11.469,98 Punkte. Die aktuelle Situation im Schuldenstreit mit Griechenland sorgte für freundliche Stimmung. Die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone hatten sich darauf geeinigt, dass ein neues Hilfsprogramms aufgesetzt werden könnte.

Entspannung überall

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der EuroStoxx 50 startete mit einem Plus von 1,8 Prozent auf 3.590,43 Punkte in die neue Woche. In Paris stieg der französische Leitindex CAC 40 um 1,9 Prozent auf 4.998,10 Punkte. Die Börse in Athen blieb weiter geschlossen. Außerhalb der Eurozone legte der Londoner FTSE 100-Index um ein Prozent auf 6.737,95 Punkte zu. Auch in den USA wird der aktuelle Stand der Dinge freundlich aufgenommen. Der Dow Jones lag am Abend rund ein Prozent im Plus. "Angesichts der sich anbahnenden Lösung zu Griechenland folgen die US-Märkte den Weltmärkten", sagte der Chef-Ökonom von Rockwell Global Capital in New York, Peter Cardillo.

"Für eine Fortsetzung der Rally von bislang schon mehr als 800 Punkten innerhalb von nur vier Handelstagen muss nun aber erst einmal abgewartet werden, ob der griechische Tspiras es schafft, das Abkommen durch sein Parlament zu bekommen und im Eilverfahren einige Reformen bereits am Mittwoch auf den Weg bringen kann," kommentiert Andreas Paciorek von CMC Markets.

"Es bleibt ein latentes Risiko"

Marco Bargel, Chefvolkswirt der Postbank, bleibt vorsichtig: "Die akute Gefahr eines 'Grexit' ist erst einmal vom Tisch, aber es bleibt ein latentes Risiko. Die Situation wird weiter angespannt sein in den nächsten Tagen und Wochen. Die große Frage ist, ob die Reformen verabschiedet und umgesetzt werden von Griechenland."

Ein Mann schaut von oben auf eine griechische Flagge

"Akute Grexit-Gefahr vom Tisch". | Bildquelle: colourbox.de

Auch Jürgen Michels, Chefvolkswirt der BayernLB sieht noch einen schwierigen Weg voraus: "Dieser Gipfel hat den 'Grexit' jetzt verhindert. Aber es wird unglaublich schwer sein, die genannten Sofortmaßnahmen als auch die folgenden Reformen in Griechenland durchzusetzen. Die Folgerung daraus lautet: 'Grexit' nicht heute, aber später."

Rückenwind auch aus China

Stimmungsaufhellend wirkten Nachrichten aus China. Die chinesischen Exporte sind im Juni nach dem Rückgang im Mai wieder gestiegen und nahmen um 2,8 Prozent zu, nachdem sie den Monat davor um 2,5 Prozent zurückgegangen waren. Außerdem erholte sich der Aktienmarkt nach staatlichen Interventionen weiter.

Aber unproblematisch ist das nicht, darauf wiesen die Experten der Privatbank Metzler hin: Damit habe die chinesische Regierung einen gefährlichen Präzedenzfall geschaffen, da die Anleger auch bei der nächsten Kurskorrektur eine solche Intervention des Staates erwarten und dementsprechend wiederum viel zu hohe Risiken eingehen könnten, meinen die Fachleute.

US-Geldpolitik im Fokus

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
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Aber es gibt auch Verlierer, zu denen der Euro zählt. Die Gemeinschaftswährung pendelt entlang der Marke von 1,10 Dollar. Nach der Einigung im griechischen Schuldenstreit steigt Experten zufolge die Aussicht auf eine Zinswende in den USA. Der Griechenland-Deal räume ein potenzielles Hemmnis für die geplante Fed-Zinserhöhung aus dem Weg, erklärte ein Analyst. Am Mittwoch wird Notenbankchefin Janet Yellen zu ihrer halbjährlichen Anhörung vor den US-Kongress treten. Börsianer erhoffen sich von ihren Aussagen Hinweise auf den Zeitpunkt der anstehenden US-Zinserhöhung.

Nintendo-Chef gestorben

Der Chef des Videospiel-Konzerns Nintendo ist verstorben. Satoru Iwata erlag mit 55 Jahren einem Krebsleiden. Ein Nachfolger steht noch nicht fest. Iwata war seit 2002 Präsident von Nintendo. Während dieser Zeit brachte das Unternehmen Nintendo DS und die Wii-Konsolen heraus.

Deutsche Börse auf Sieben-Jahreshoch

Angesichts der Einigung in Brüssel lagen die meisten Dax-Werte im Plus. Am besten lief es für die Aktie der Deutsche Börse. Das Papier profitiert von einer Kaufempfehlung der US-Investmentbank Goldman Sachs und einem Kursziel von 101 Euro und war so teuer wie zuletzt vor rund sieben Jahren. Angesichts der zuletzt gestiegenen Handelsvolumen sei die Deutsche Börse auf einem guten Weg, ihre Ziele zu erreichen oder sogar zu übertreffen, hieß es in der Studie.

BMW unterdurchschnittlich

Europäische Autowerte haben im starken Marktumfeld nicht von der Schwäche des Euro profitiert. BMW-Aktien fielen sogar in die Verlustzone. Marktteilnehmer sahen die Branche von einer Gewinnwarnung des chinesischen BMW-Partners Brilliance belastet. Damit erhielten die Sorgen vor einer Schwäche des wichtigen Absatzmarktes China neue Nahrung, hieß es.

Bank-Aktien europaweit gefragt

Ansonsten gehörten Finanztitel aufgrund der Fortschritte im Schuldenstreit in ganz Europa zu den Tagessiegern. Commerzbank und Deutsche Bank lagen im Dax weit vorn, auch die Papiere italienischer und portugiesischer Geldinstitute wie Banca dei Monte Paschi Siena, Banco Comercial Portugues und Banco Populare waren gefragt. Sie hatten zuvor unter Sorgen einer Ausweitung des Griechenland-Dramas auf andere angeschlagene Euro-Länder gelitten.

K+S bleibt spröde und denkt an Arbeitsplätze

K+S -Chef Norbert Steiner hat die Übernahmeavancen des kanadischen Rivalen Potash erneut zurückgewiesen. "Wir müssen auch die Interessen des Unternehmens und seiner Arbeitnehmer berücksichtigen." Initiativen, die dem nicht Rechnung trügen, müsse der Vorstand ablehnen, sagte Steiner bei einem Besuch des Kaliwerks Sigmundshall zusammen mit dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil. Von diesem erhielt der Kasseler Salz- und Düngemittelhersteller Rückendeckung: "Es ist nicht im Interesse der niedersächsischen Landesregierung, dass Arbeitsplätze durch eine Übernahme gefährdet werden", sagte der Ministerpräsident.

Nordex gefragt

Aktien des Windkraftanlagenherstellers Nordex gehörten zu den stärksten Werten im TecDax. Das Unternehmen wird vier Anlagen für den französischen Windpark Ondefontaine liefern, errichten und langfristig betreuen. Die Nordex-Aktie stieg auf den höchsten Stand seit dem Jahr 2008.

Nemetschek erreichte Rekordhoch

Mit einem Plus von zeitweise mehr als neun Prozent erreichten die im TecDax gelisteten Titel von Nemetschek bei 36,43 Euro ein Allzeithoch. Erst am Freitag hatte Analyst Lars Dannenberg von der Privatbank Hauck & Aufhäuser die Papiere zum Kauf empfohlen. Er erwartet, dass das Wachstum des Unternehmens nochmals an Schwung gewinnt. Halten konnten die Titel das Niveau aber nicht.

SocGen empfiehlt Apple-Titel

Die französische Bank Societe Generale (SocGen) hat Apple vor Zahlen von "Hold" auf "Buy" hochgestuft, das Kursziel aber auf 140 (Kurs: 123) US-Dollar belassen. Der Bericht des iPhone-Herstellers für das dritte Geschäftsquartal dürfte erneut "extrem stark" ausfallen, schrieb Analyst Andy Perkins. Das wichtige China-Geschäft laufe weiter rund. Apple dürfte im dritten Geschäftsquartal 5 Millionen "iWatch" mit einem Durchschnittspreis von 500 US-Dollar abgesetzt haben. Seine "iPhone"-Schätzung stockte er auf 48 Millionen Stück auf zu im Schnitt 464 Dollar.

CVC platziert Evonik-Aktien

Evonik sackten im späten Handel an der Frankfurter Börse etwas ab. Händler verwiesen auf eine Platzierung von 12 Millionen Aktien des Großaktionärs CVC Capital Partners. Händlern zufolge werden die Anteilscheine von den US-Banken Goldman Sachs, JP Morgan und Bank of America Merrill Lynch institutionellen Anlegern für 34,60 bis 35,455 Euro angeboten. CVC zählt zu den größten Anteilseignern bei Evonik.

Lotto24 sieht weiter rot

Der Lotto-Vermittler Lotto24 hat im ersten Halbjahr seinen Umsatz um mehr als 80 Prozent auf 6,1 Millionen Euro verbessert. Allerdings ging der Verlust nur von 7,5 auf 7,0 Millionen Euro zurück.

ts

Tagestermine am Freitag, 19. Oktober

Unternehmen:
Procter & Gamble: Q1-Zahlen
Villeroy&Boch: Neunmonatszahlen
Schlumberger: Q3-Zahlen
Software AG: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Remy Cointreau: Q3-Zahlen, 07:30 Uhr
London Stock Exchange: Trading Update, 08:00 Uhr
State Street Corp: Q3-Zahlen, 14:30 Uhr
Honeywell: Q3-Zahlen, 14:30 Uhr

Konjunktur:
China: Industrieproduktion, September, 04:00 Uhr