Marktbericht 20:00 Uhr

Dax fällt um 232 Punkte Dax-Korrektur nimmt Tempo auf

Stand: 16.04.2015, 20:00 Uhr

Der deutsche Leitindex fällt am Donnerstag unter die Marke von 12.000 Punkten. Vor allem die unklare Lage in Griechenland machte den Optimisten einen Strich durch die Rechnung. Also waren erst mal "sichere Häfen" gefragt.

Der Dax sackte um 1,9 Prozent auf 11.998,86 Punkte ab. Vergangenen Freitag hatte er bei 12.390 Punkten ein Allzeithoch markiert. "Die 12 000 Punkte sind eine ganz wichtige Marke", sagte ein Händler. Sollte diese nachhaltig gerissen werden, dürfte es rasch weiter runtergehen auf 11 800 Punkte. "Platzt auch diese Unterstützung, brennt der Baum."

Jens Klatt von DailyFX weist auf die bisherigen Jahresgewinne von rund 20 Prozent hin und bleibt etwas entspannter: "Was wir aktuell zu sehen bekommen ist ein gesundes Luftholen." Der Dow Jones lag am Abend rund 0,3 Prozent im Plus, nachdem er zuvor nachgegeben hatte. Der Late Dax knickte um 1,9 Prozent auf 11.990,79 Punkte ein.

ARD-Börsenstudio Hörfunk: Alexander Schmitt
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Börse 20.15 Uhr

Aber vor außergewöhnlichen Ereignissen sind die Märkte natürlich nicht gefeit. Treten sie ein, erübrigen sich auch Fragen nach sogenannten Atempausen. Heute befassten sich die Anleger mit dem Thema "Grexit": Die Hängepartie im griechischen Schuldenstreit setzte sich fort. "An den Börsen geht die Angst um, dass die Situation eskaliert. Das wirkt sich auch auf den Anleihemarkt aus", sagte Gerhard Schwarz von der Baader Bank.

Ausverkauf bei griechischen Staatsanleihen

Die Rendite griechischer Papiere stieg kräftig an, da sich Investoren massiv von Staatsanleihen trennten. Für zehnjährige Papiere erreichte sie in der Spitze 12,75 Prozent. Die Anleger suchen nach "sicheren Häfen", die sie insbesondere in Bundesanleihen verorten. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen fiel erstmals unter die Marke von 0,1 Prozent. Ein wichtiger Grund sind natürlich auch die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank (EZB).

Kathleen Brooks, Analystin bei Forex.com, ist übrigens der Ansicht, dass eine Zahlungsunfähigkeit Griechenlands deutsche Aktien trotz der jüngst erreichten Höchststände noch attraktiver machen würde. Der Grund ist das Niedrigzinsumfeld, also der Anlagenotstand. Wer überhaupt noch Rendite erwirtschaften will, komme um Aktien nicht herum, so ihre Erwägung.

US-Konjunktur durchwachsen

Mann lehnt an einer Wand mit US-Flagge

USA: Ein solider Aufschwung sieht anders aus. | Montage: boerse.ARD.de, colourbox

Konjunkturdaten aus den USA brachten insgesamt keine neuen Erkenntnisse und halfen den Märkten deshalb nicht weiter. Sowohl die Daten zu den Baugenehmigungen und Baubeginnen fielen schwächer als erwartet aus. Auch die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fielen überraschend hoch aus. Aber eindeutig negativ waren die Konjunktursignale nicht. Denn der Philly-Fed-Index stieg stärker als prognostiziert.

"Die Erholung stimmt nach dem überraschend deutlichen Rückgang des vergleichbaren Empire-State-Indexes optimistisch. Befürchtungen, wonach es sich bei der jüngsten Konjunkturabkühlung in den USA um eine längere Schwächephase handelt, sollten etwas gedämpft werden", meint Helaba-Experte Ulrich Wortberg.

Anleger meiden Banken

Europaweit werden Banktitel verkauft, im Dax lagen Commerzbank und Deutsche Bank trotz starker Zahlen von Goldman und Citigroup weit hinten. Möglicherweise machen die Sorgen um Griechenland den Finanztiteln etwas zu schaffen.

Henkel kauft zu

Der Konsumgüterkonzern Henkel verstärkt sein Klebstoff-Geschäft weiter. Am Mittag gab das Unternehmen bekannt, die Novamelt GmbH mit Sitz in Baden-Württemberg zu übernehmen. Die Firma hat 2014 einen Umsatz von 100 Millionen Euro erreicht. Nach Medienberichten will Henkel aber auch die Haarpflege-Sparte Wella von Procter & Gamble (P&G) kaufen. Laut früheren Aussagen von Finanzchef Carsten Knobel könnte das Gebot bei bis zu 4,5 Milliarden Dollar liegen.

Airbus gelobt

Im MDax erfreuen sich Airbus-Aktionäre an einer Kaufempfehlung für die Aktie durch die Berenberg Bank. Die Analysten sehen die geplanten Aktienrückkäufe des Unternehmens positiv und setzen ein Kursziel von 64,30 Euro für den Titel. Die Aktie lag weit oben.

Rhön-Klinikum lockt mit Dividende

Die Aktien von Rhön-Klinikum sind nach der Veröffentlichung von Ausschüttungsplänen erstmals über die Marke von 25 Euro geklettert. Der im MDax gelistete Klinikbetreiber will die Dividende auf 0,80 (Vorjahr 0,25) Euro je Anteilsschein erhöhen. Zudem ist nach der am 10. Juni stattfindenden Hauptversammlung ein weiterer Aktienrückkauf geplant.

Abu Dhabi steigt bei Annington aus

Zwischenzeitlich deutliche Verluste musste die Aktie des Immobilienkonzerns im MDax hinnehmen. Der Staatsfonds aus Abu Dhabi hat seinen kompletten Anteil von 6,6 Prozent an dem Unternehmen verkauft. Bereits am Vorabend hatte Annington angekündigt, Papiere der übernommenen Gagfah baldmöglichst von der Börse zu nehmen. Damit will man die verbliebenen Aktionäre aus ihren Gagfah-Anteilen treiben.

Eine gescheiterte Übernahme muss dagegen Branchenkonkurent Deutsche Wohnen verdauen. Wie das Unternehmen am Abend mitteilte, hat das Kaufangebot für die österreichische Conwert nicht die selbst gesetzte Schwelle von 50 Prozent erreicht.

Zalando wirkt anziehend

Kräftig aufwärts ging es beim Online-Bekleidungshändler. Zalando hat nach eigenen Angaben die eigenen Erwartungen im ersten Quartal übertroffen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag im Quartal nach vorläufigen Zahlen bei 25 bis 39 Millionen Euro, im Vorjahreszeitraum war noch ein Minus von 23 Millionen Euro entstanden. Der Umsatz stieg laut Zalando um rund ein Viertel auf 635 bis 645 Millionen Euro.

Holcim und Lafarge bauen festes Band

Der lange Weg zum Zusammenschluss der beiden Baustoff-Konzerne scheint ein Ziel zu finden. Am Donnerstag wurde die Einladung zu einer Generalversammlung am 8. Mai veröffentlicht. Auf dieser soll der Zeitplan für die Fusion genehmigt werden. Demzufolge würden die Aktien des vereinigten Unternehmens ab August an der Schweizer Börse und an der Pariser Euronext gelistet werden.

Gea will weiter abbauen

1.450 statt bisher geplanter 1.000 Stellen will der Industriekonzern abbauen. Damit sollen laut Firmenchef Jürg Oleas jährlich 125 Millionen Euro eingespart werden. Den Autragseingang bezifferte Oleas am Donnerstag mit 1,1 Milliarden Euro, ein Plus von 8,7 Prozent.

Osram hebt Prognose für bereinigte Ebitda-Marge

Osram teilte mit, dass im zweiten Quartal 2015 eine anhaltend gute operative Ergebnisentwicklung verzeichnet worden sei: Das um Sondereffekte bereinigte Ebitda belaufe sich begünstigt durch die aktuellen Währungsrelationen auf 151 Millionen Euro. Hieraus ergebe sich eine bereinigte Ebitda-Marge von 10,8 Prozent. Auf dieser Basis erwartet der Vorstand für 2015 eine bereinigte Ebitda-Marge von über 9,0 Prozent. Bisher hatte das von Siemens abgespaltene Unternehmen 8,7 Prozent in Aussicht gestellt. Die Aktie legte nachbörslich zu.

Unilever auf Rekordhoch

Dank besserer Geschäfte unter anderem in China und gut laufender Verkäufe zu Ostern kletterte Unilevers Umsatz insgesamt im ersten Quartal um zwölf Prozent auf rund 13 Milliarden Euro, teilte der Konsumgüterhersteller mit. Ohne Währungseffekte, Zukäufe und Veräußerungen lag das Plus bei 2,8 Prozent. Damit übertraf der Nestlé-Konkurrent die Erwartungen von Analysten, die lediglich mit einem Anstieg von 2,1 Prozent gerechnet hatten. In London erreichten die Titel ein Rekordhoch.

Gewinnsprung bei Goldman Sachs

Die US-Großbank Goldman Sachs hat im ersten Quartal dank eines boomenden Handelsgeschäfts deutlich mehr verdient. Der Nettogewinn kletterte um 41 Prozent auf 2,75 Milliarden Dollar. Im wichtigen Handel mit festverzinslichen Wertpapieren, Währungen und Rohstoffen gab es ein Einnahme-Plus von zehn Prozent. Im vorbörslichen US-Handel zogen Goldman-Aktien nach Vorlage der Bilanz um knapp zwei Prozent an.

Auch die Citigroup überzeugt

Die Citigroup gab einen Gewinnsprung von 16 Prozent auf 4,82 Milliarden Dollar im abgelaufenen Quartal bekannt. Sie profitierte insbesondere davon, dass die Kosten für Rechtsstreitigkeiten und den Konzernumbau auf 403 Millionen Dollar gedrückt wurden. Vor Jahresfrist hatten sich diese Belastungen noch auf 1,16 Milliarden Dollar summiert. An der Wall Street reagierten die Anleger erfreut auf das Vierteljahresergebnis, das über den Markterwartungen lag.

Sandisk: Schwache Prognose

Der US-Datenspeicher-Hersteller Sandisk rechnet für das Gesamtjahr mit einem sinkenden Umsatz. Die Erlöse würden zwischen 5,4 und 5,7 Milliarden Dollar liegen nach rund 6,6 Milliarden Euro im Vorjahr. Dabei hakt es offenbar nicht an der Nachfrage. Aber aufgrund von Problemen in einer Chipfabrik im vergangenen Jahr, einer geringen Lagerhaltung und niedrigen Preisen läuft es nicht rund. Im ersten Quartal fiel der Umsatz um fast zwölf Prozent auf 1,33 Milliarden Dollar. Der Gewinn brach um 86 Prozent auf nur noch 39 Millionen Dollar ein.

Netflix überrascht mit Kundenansturm

Netflix: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Für Furore sorgte am Vorabend nach US-Börsenschluss der Videodienst Netflix, dessen Aktie im außerbörslichen Handel um fast 13 Prozent anzog. Netflix hat im ersten Quartal fünf Millionen neue Kunden gewonnen und seinen Umsatz um 24 Prozent auf 1,57 Milliarden Dollar gesteigert. Der Gewinn halbierte sich allerdings auf 23,7 Millionen Dollar.

Fiat Chrysler will mitmischen

Fiat Chrysler: Kursverlauf am Börsenplatz Frankfurt für den Zeitraum Intraday
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Fiat Chrysler (FCA) will eine aktive Rolle bei einer etwaigen Fusionswelle in der Autoindustrie spielen. In der Branchenkonsolidierung abseits zu stehen, sei für ihn keine Option, sagte Konzernchef Sergio Marchionne. Schließlich ließen sich nur durch Fusionen die sehr hohen Kapitalkosten bewältigen. Nicht äußern wollte er sich zu der Frage, ob es Chancen auf einen Schulterschluss von Fiat mit dem US-Branchenprimus General Motors gebe. Fiat Chrysler ist derzeit der weltweit siebtgrößte Autobauer.

Rettungsplan für Sharp?

Sharp hat sich Reuters-Informationen zufolge mit seinen Banken auf eine neuerliche Sanierung geeinigt. Eine mit dem Vorgang vertraute Person sagte, die Hauptgeldgeber - Mizuho und Bank of Tokyo-Mitsubishi UFJ - hätten dem japanischen Elektronik-Konzern zusammen 1,7 Milliarden Dollar zugesagt. Damit verbunden sei ein Rettungs- und Restrukturierungsplan. So müsse Sharp zum Beispiel 5000 Arbeitsplätze und damit zehn Prozent der gesamten Stellen streichen sowie sein TV-Geschäft zurückfahren. Zudem werde das Geschäft mit Displays für Smartphones abgetrennt.

ts

Tagestermine am Mittwoch, 21. November

Unternehmen:
ThyssenKrupp: Q4-Zahlen, 7.30 Uhr
Deutsche Bank: Platform Economy Summit, Berlin
CA Immo: Q3-Zahlen

Konjunktur:
Paris: Vorstellung des OECD-Wirtschaftsausblicks, 11 Uhr
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Woche, 14:30 Uhr
USA: Uni Michigan Verbrauchervertrauen, November endgültig, 16 Uhr
USA: Frühindikatoren, Oktober, 16 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Abschluss der Handelsblatt-Tagung zum Thema "European Banking Regulation" mit Deutsche-Bank-Compliance-Vorständin Matherat