Marktbericht 20:02 Uhr

Achterbahnfahrt an den Märkten Dax kommt zurück - vorerst

Stand: 05.11.2014, 20:02 Uhr

Was aussieht wie ein Kursfeuerwerk ist gar keins. Der deutsche Leitindex kann am Mittwoch lediglich seine Verluste vom Vortag wettmachen. Dabei hoffen die Anleger auf erneute Geldspritzen von den Notenbanken, allen voran der EZB, deren Rat morgen über die Geldpolitik entscheidet.

Der Dax legt 1,63 Prozent oder 149 Zähler zu und geht bei 9.315 Punkten aus dem Handel. Damit notiert er in etwa auf dem Niveau von Dienstagvormittag. Allerdings waren die Umsätze vergleichsweise gering. "Die Kurse legen zwar zu, aber es fehlt die Überzeugung einer nachhaltigen Trendwende", erklärte ein Händler.

Viele Anleger hoffen darauf, dass die Europäische Notenbank (EZB) auf ihrer Sitzung am morgigen Donnerstag weitere Signale für eine Lockerung der Geldpolitik aussenden wird. Sollte sie das nicht tun, könnte es rasch wieder in die andere Richtung gehen. "Daher ist das, was wir aktuell zu sehen bekommen nichts weiter als eine Spekulation, dass die EZB liefern wird", meint Marktexperte Jens Klatt - und warnt ebenfalls vor dem Risiko einer Abwärtsbewegung, sollte die Notenbank nicht liefern.

Leichte Kursgewinne auch an der Wall Street

Händler erklärten die Trendwende an den Börsen auch mit dem Wahlsieg der Republikaner in den USA. "Die Investoren feiern, dass die wirtschaftsfreundlichere Partei jetzt die Kontrolle über beide Seiten im Kongress hat", sagte Marktanalyst Craig Erlam von Alpari UK. An der Wall Street kommt es deshalb ebenfalls zu steigenden Kursen. Der Dow Jones-Index kletterte kurz nach Handelsstart auf ein neues Allzeithoch von 17.481 Punkten. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Dow 0,33 Prozent höher bei 17.441 Zählern.

Gute Nachrichten kamen auch vom US-Arbeitsmarkt. Laut den jüngsten Zahlen des Arbeitsvermittlers ADP sind im Oktober in der US-Privatwirtschaft 230.000 neue Stellen geschaffen worden, 10.000 mehr als gedacht. Experten wie Ralf Umlauf von der Helaba sehen darin einen Beweis für die anhaltend robuste Konjunktur in den USA.

Euro und Öl sinken weiter

Derweil geht der Preisverfall am Ölmarkt weiter. Am Mittwoch sanken die Preise für wichtige Ölsorten auf neue mehrjährige Tiefstände. Danach kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Dezember 82,17 Dollar. Das waren 65 Cent weniger als am Dienstag. Grund für den Preisverfall ist das starke Wachstum der Schieferölproduktion in den USA.

Unter Druck geraten ist auch der Kurs des Euro. Offenbar setzen Investoren nach dem Sieg der Republikaner bei den amerikanischen Parlamentswahlen auf eine stärkere Angebotspolitik. Bei Börsenschluss in Frankfurt notierte die Gemeinschaftswährung bei 1,2477 Dollar und damit einen halben Cent weniger als am Vorabend.

Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
66,88
Differenz relativ
+0,11%

Nur Thyssen unter Druck

Im Leitindex gibt es am Mittwoch fast nur Gewinner, angeführt von RWE und Lufthansa. Die Billigung der umstrittenen Luftverkehrssteuer durch das Bundesverfassungsgericht sorgte nur kurz für etwas Irritation. Ein Experte hätte ihre Abschaffung zwar als "Bonus" gesehen, riet aber insgesamt dazu, ihren Einfluss nicht überzubewerten. ThyssenKrupp liegen als einziger Wert knapp im Minus.

Springer gefällt

Von den zahlreichen Firmen aus der zweiten Reihe kommen heute vor allem die Zahlen des Verlagshauses Springer gut an. Das Unternehmen profitiert zunehmend von der Digitalisierung und kompensiert damit den Auflagenschwund der Printmedien. Bei den Anlegern kommt die Nachricht gut an, obwohl das Ebitda im dritten Quartal um rund ein Drittel auf 97,8 Millionen Euro gesunken. Das Papier legt zeitweise um mehr als fünf Prozent zu.

Hannover Rück wird profitabler

Erfreuliche Zahlen hat der ebenfalls im MDax notierte Rückversicherer Hannover Rück vorgelegt. Das Ergebnis ist in den ersten neun Monaten um 10,3 Prozent gestiegen auf 695,4 Millionen Euro. Die Bruttoprämien stiegen um 2,9 Prozent und das Ergebnis der Kapitalanlagen sogar um 6,4 Prozent. Operativ bleibt der zum Talanx-Konzern gehörende Rückversicherer mit einer Schaden-Kosten-Quote von 95,3 Prozent in der Sachversicherung profitabel.

Brenntag steigert sein Ergebnis

Gute Nachrichten gab's auch vom Indexkollegen Brenntag: Im abgelaufenen Quartal stieg das das operative Ergebnis (Ebitda) des Chemikalienhändlers um 3,2 Prozent auf 189,1 Millionen Euro. Erwartet worden waren 185 Millionen Euro. "Die Wachstumsinitiativen, die wir in Europa und Nordamerika konsequent umgesetzt haben, zeigen ihre Wirkung", erklärte Konzernchef Steven Holland. An der Jahresprognose hielt der Brenntag-Chef fest. Er erwartet 2014 ein Wachstum aller wichtigen Ergebniskennzahlen.

Kuka steigen trotz Kapitalerhöhung

Noch kräftiger aufwärts geht es mit dem ebenfalls im MDax notierten Roboterhersteller. Kuka. Das Unternehmen hat im dritten Quartal Umsatz und Ergebnis gesteigert und hält an seiner Prognose für das laufende Jahr fest. D Im Ausblick will Kuka im laufenden Jahr weiter rund zwei Milliarden Euro umsetzen bei einer Ebit-Marge von rund 6,5 Prozent.

Kion gefragt

Auch die Aktie des Gabelstaplerproduzenten legt überdurchschnittlich zu. Wie die Zahlen zum dritten Quartal zeigen, profitiert das Unternehmen weiter von guter Nachfrage aus Europa und China. Das Ebit stieg um 11,3 Prozent auf 111.8 Millionen Euro, der Umsatz kletterte um 5,2 Prozent auf 1,14 Milliarden Euro. Konzernchef Riske bekräftigte die Jahresziele: Auftragseingang und Umsatz sollen 2014 leicht zulegen. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) des MDax-Unternehmens soll "spürbar" steigen.

ElringKlinger besser

Die Aktie des Autozulieferers kann nach den Quartalszahlen ebenfalls punkten. Der Konzernumsatz stieg um 13,9 Prozent, das operative Ergebnis (Ebit) verbesserte sich um 7,6 Prozent.

Norma spürt die Flaute

Weniger rosig ist die Lage bei Norma. Der Industrie- und Autozulieferer spürt die abflauende Konjunktur in Europa. Im dritten Quartal seien die Umsätze mit Nutzfahrzeugkunden in der Region rückläufig gewesen, teilte der auf High-Tech-Leitungen und Befestigungsschellen für Rohre und Schläuche spezialisierte MDax-Konzern mit. Den Gegenwind in Europa könne Norma aber mit anziehenden Geschäften in den USA ausgleichen, sagte Vorstandschef Werner Deggim. Für 2014 erwartet Norma weiter ein Umsatzwachstum von vier bis sieben Prozent. Die bereinigte operative Umsatzrendite solle mehr als 17 Prozent betragen.

Bilfinger schockt schon wieder

Dagegen sorgt Bilfinger für einen erneuten Schocker. Der Mannheimer Bau- und Dienstleistungskonzern muss bereits zum vierten Mal innerhalb weniger Monate seine Jahresziele zurücknehmen. Als Grund nannte der Vorstand die "erheblich" verschlechterte Nachfrage im Geschäft mit der Energiewirtschaft vor allem in Deutschland und anderen europäischen Ländern. Zudem mussten Abschreibungen auf Firmenwerte im Umfang von 148 Millionen Euro vorgenommen werden.
Die kompletten Zahlen kommen am 12. November. Bilfiinger-Aktien verlieren zweistellig und sind der schwächste Wert im MDax.

Kontron bestätigt die Prognose

Im TecDax hat der Hersteller von Minicomputern Kontron etwas besser abgeschnitten als erwartet. Vor Restrukturierungskosten entstand ein Vorsteuerverlust von 1,8 Millionen Euro, Analysten hatten mit 1,9 Millionen Euro gerechnet. Der Umsatz fiel mit 108,6 Millionen Euro etwas schwächer aus. Kontron bestätigte die Jahresprognose und berichtet zudem von einem sehr hohen Auftragsbestand von 134,9 Millionen Euro.

Catoil: Wer ist Joma?

Der im SDax notierte österreichische Ölbohrer will Klarheit über das vermeintliche Übernahmeangebot der auf den britischen Jungferninseln ansässigen Joma Industrial Source. Die unbekannte Firma hatte in der vergangenen Woche erklärt, die Mehrheit am Catoil-Großaktionär CAT Holding übernommen zu haben und nunmehr 47,7 Prozent der Catoil-Aktien zu besitzen. Man werde den übrigen Aktionären ein Übernahmeangebot machen, hieß es darüber hinaus.

Time Warner schraubt Ziele hoch

Beim US-Medienriesen Time Warner spült das Geschäft mit Filmen und Serien etwas weniger Geld in die Kassen. Dennoch hat der Konzern seine Ziele am Mittwoch hochgeschraubt. Vor allem der Bezahlsender HBO boomt weiter kräftig mit Serienhits wie "Game of Thrones" oder "True Detective". Im dritten Quartal fiel der Nettogewinn auf 967 Millionen Dollar von 1,2 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stieg allerdings um drei Prozent auf 6,2 Milliarden Dollar.

Andere Bilanzen aus dem Ausland

Der japanische Autobauer Toyota steigerte den Nettogewinn im ersten Geschäftshalbjahr um 12,6 Prozent und steuert auf einen Rekordgewinn von rund zwei Billionen Yen zu (knapp 14 Milliarden Euro). Vor allem der schwache Yen hat den Japanern kräftig geholfen. Die niederländische Großbank ING aus dem EuroStoxx-50-Index hat im dritten Quartal ebenfalls glänzend verdient und beendet zudem das Kapitel der Staatshilfen mit der letzten Tranche von einer Milliarde Euro endgültig. Der französische Bau- und Zementkonzern Lafarge hat nach den Zahlen zum dritten Quartal die Prognose eines Marktwachstums von zwei bis fünf Prozent bestätigt. Man sei zudem zuversichtlich, dass die Fusion mit der Schweizer Holcim im ersten Quartal 2015 abgeschlossen werden könne. Der Umsatz lag im Quartal bei 3,63 Milliarden, das Ebitda bei 887 Millionen Euro.

Alstom auf dem Erfolgspfad

Bemerkenswert sind auch die guten Zahlen eines anderen französischen Unternehmens: Der Industriekonzern Alstom legte operativ gut ein Fünftel zu und weist hohe Auftragseingänge aus. Wegen Einmalbelastungen im Zuge des Konzernumbaus sank das berichtete Nettoergebnis jedoch um 72 Prozent auf 29 Millionen Euro.

Vor allem in der Zugsparte laufen die Geschäfte derzeit bestens. Per Ende September legte der Bestelleingang um 134 Prozent auf 6,41 Milliarden Euro zu. Der Umsatz stieg um 13 Prozent auf 3,06 Milliarden Euro. An Teilen von Alstom war in einem langen Übernahmekampf auch Siemens interessiert, den Zuschlag hat dann aber der US-Erzrivale General Electric erhalten. Alstom baut den Schnellzug TGV.

Gute Nachrichten auch von Voestalpine

Der österreichische Stahlkonzern hat im ersten Geschäftshalbjahr trotz leicht gesunkener Umsätze operativ 11,2 Prozent mehr verdient. Das Ebitda klettterte auf 756,9 Millionen Euro. Netto blieben sogar 35,9 Prozent mehr mit 324 Millionen Euro. Trotz Konjunkturabschwächung bleibt das Unternehmen aus Linz bei seinen Jahreszielen. Bis zum Geschäftsjahresende Ende März 2015 werde weiter ein leicht über dem Vorjahreswert von 792 Millionen Euro liegendes Ebit erwartet.

lg

Tagestermine am Montag, 19. November

Unternehmen:
Grand City Properties: Q3-Zahlen
VW: Conference Call für Analysten, 14 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Auftragsbestand des verarbeitenden Gewerbes 10/18, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Eurozone 09/18, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Frankfurt a.M.: Finanzminister Scholz spricht auf der Tagung "European Banking Regulation"