Marktbericht 20:15

Rekordstände in Sicht Dax kommt immer besser in Fahrt

Stand: 14.02.2014, 20:15 Uhr

Von Krise oder Korrektur keine Spur mehr. Der deutsche Aktienmarkt ist wieder in die Spur gekommen und beschließt eine erfolgreiche Woche. Auch die alten Rekordstände sind wieder in unmittelbarer Reichweite.

Der Dax verzeichnete den vierten Gewinntag in Folge und beendete den Handel mit einem Tagesgewinn von 0,68 Prozent bei 9.662 Punkten. Damit hat das führende deutsche Börsenbarometer in der abgelaufenen Woche immerhin 3,9 Prozent zugelegt. Nachbörslich gab es nicht viel Neues, der L/E-Dax schloss bei 9.654 Zählern.

Auch die bisherigen Rekordstände sind wieder in unmittelbare Reichweite gerückt. Im Tageshoch stand der Index bei 9.677 Zähler und damit nur rund 120 Zähler unter dem bisherigen Rekordstand bei 9.794 Punkten. Es darf also wieder gehofft werden, dass der Dax die magische Marke von 10.000 Punkten bald knacken wird, auch wenn Analysten auf die mittlerweile zunehmend anspruchsvollere fundamentale Bewertung verweisen. Aber wegen der extrem niedrigen Zinsen bleiben Aktien "praktisch alternativlos", erklärte Marktbeobachter Daniel Saurenz von Feingold Research.

Klarheit schafft Sicherheit

Dividendenpapiere sind also wieder gefragt, vor allem nachdem die neue Fed-Chefin Janet Yellen zuletzt den zukünftigen Kurs der Notenbank zuletzt wie erwartet abgesteckt hatte. Das schafft Sicherheit und Klarheit und ist genau das, was die Börse braucht. "Nun sind alle Investoren erleichtert, dass Yellen den Kurs von Vorgänger Bernanke nahtlos fortsetzt", erklärte Saurenz weiter.

Hinzu kamen heute noch deutliche Zeichen einer wirtschaftlichen Erholung in der Eurozone, die zur positiven Tagestendenz maßgeblich beitrugen. So ist Italiens Wirtschaft ist im vierten Quartal 2013 erstmals seit Mitte 2011 wieder gewachsen, das deutsche Bruttoinlandsprodukt stieg im vierten Quartal stärker als erwartet und auch die französische Wirtschaft zeigt sich robuster als gedacht.

Wall Street baut Gewinne aus

In New York stehen heute Konjunkturdaten im Blick. Vor allem das etwas besser als erwartet ausgefallene Verbrauchervertrauen der Uni Michigan für den Februar wurde positiv aufgenommen. "Die Verbraucherstimmung liegt unverändert auf einem erhöhten Niveau, so dass das Wachstumsszenario in den USA auch weiterhin intakt bleibt", kommentierte Analyst Johannes Jander von der Landesbank Hessen-Thüringen die Zahlen.

Zuvor hatten schwächere Daten zur Industrieproduktion und zur Kapazitätsauslastung den Markt gedrückt. Allerdings erklärten Experten den Rückgang der Produktion im Januar um 0,3 Prozent primär mit dem extremen Winterwetter. Die Einfuhrpreise für den Januar lagen leicht über den Erwartungen, was auf anziehende Importe und somit eine dynamischere Wirtschaftsentwicklung hindeutet.

Der Dow-Jones-Index, der zunächst knapp unter die Marke von 16.000 Punkte fiel, hat sich im Handelsverlauf stetig verbessert und legt vor dem langen Wochenende aktuell 0,7 Prozent zu. Die Anleger haben die schwächeren Konjunkturdaten schnell weggewischt und greifen zumindest bei den Standardwerten zu. Lediglich an Technologiebörse Nasdaq geht es etwas schleppender voran, der Composite-Index steigt nur 0,1 Prozent. Die US-Börsen sind am Montag wegen eines Feiertages geschlossen.

Gold und Euro im Aufwärtstrend

Für Aufsehen sorgte in den vergangenen Tagen der Goldpreis. Der Preis für eine Feinunze des Edelmetalls übersprang erstmals seit November wieder die Marke von 1.300 Dollar, aktuell steht der Preis bei 1.316 Dollar. Möglicherweise spekulieren Investoren darauf, dass eine langsamere Erholung der US-Wirtschaft dafür sorgt, dass die Fed das Tapering bremst.

Auch der Euro kratzt nach den guten Konjunkturdaten wieder an der Marke von 1,37 Dollar und zeigt damit eine hohe relative Stärke. Die EZB legte den Referenzkurs bei 1,3707 Dollar fest nach 1,3675 Dollar am Vortag. "Auch wenn die BIP-Zahlen für das vierte Quartal ein Blick in den Rückspiegel sind - sie können den Euro-Bullen noch einmal die Bestätigung vor dem Wochenende geben", kommentierte Commerzbank-Expertin Antje Praefcke den Handel.

Tagessieger ThyssenKrupp

Mit einem kräftigen Plus von 3,8 Prozent war die ThyssenKrupp-Aktie bester Dax-Wert. Das Unternehmen, das heute Quartalszahlen präsentierte, hat im vergangenen Quartal die Verluste bei den Stahlwerken in Übersee deutlich verringert. Der Konzern hat auch deswegen sein operatives Ergebnis auf 247 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt. Unter dem Strich fuhr ThyssenKrupp allerdings einen Verlust von 69 Millionen Euro ein.

Infineon mit Dividendenabschlag

Infineon-Aktien, die ex Dividende gehandelt wurden, legten ein Prozent zu. Der Chiphersteller schüttete 0,12 Euro je Anteil an seine Aktionäre aus. Laut Händlern wird auch ein Bericht der "Börsen-Zeitung" diskutiert, demzufolge Aktionäre angesichts eines Barmittelbestands von mehr als zwei Milliarden Euro Sonderdividenden forderten, der Vorstand aber auf einen Sicherheitspuffer poche.

Telekom stockt Slowakei-Anteil nicht auf

Die Telekom hat eine Vereinbarung unterzeichnet, der zufolge die slowakische Regierung ihren verbleibenden Anteil von 49 Prozent an Slovak Telekom verkaufen dürfe, sagte der slowakische Wirtschaftsminister Tomas Malatinsky am Freitag. Die Bonner halten 51 Prozent an dem Unternehmen und hat ein Vorkaufsrecht für den Restanteil. Deshalb schient das letzte Wort für eine Komplettübernahme noch nicht gesprochen. Zuletzt hatte die Telekom ihre Beteiligungen in Osteuropa deutlich ausgebaut.

Die T-Aktie setzte derweil ihren Erholungskurs fort und behauptete sich über der Marke von 12,00 Euro. Im Jahreshoch hatte die Aktie bei 12,93 Euro notiert.

Merck verlängert Übernahmeangebot

Merck KGaA: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
87,30
Differenz relativ
-0,16%

Das Darmstädter Dax-Unternehmen hat sein Übernahmeangebot für die britische Spezialchemiefirma AZ Electronic Materials bis zum 28. Februar zum dritten Mal verlängert. Bisher sind Merck 53,37 Prozent des Aktienkapitals zu 403,5 Pence angdient worden. Insgesamt ist das Angebot rund zwei Milliarden Euro schwer, Merck strebt eine Annahmequote von 95 Prozent an.

AZ ist eine ehemalige Hoechst-Tochter, die unter anderem Teile für den iPod von Apple liefert. Merck erhofft sich von der Übernahme mehr Geschäft mit anderen Branchenriesen wie Samsung oder Sony.

Airbus kauft sich eine Bank

Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern Airbus Group will sich eine eigene Bank zulegen. Mit der Übernahme der "Salzburg München Bank" vom Raiffeisenverband Salzburg wolle sich das Unternehmen zusätzliche Finanzierungsoptionen erschließen, teilte Airbus mit. Nach der Übernahme soll das Institut in Airbus Group Bank umbenannt werden und Finanzierungen für die Geschäfte des Airbus-Konzerns anbieten. Das Ganze kommt an der Börse gut an, die Airbus-Aktie stieg 1,7 Prozent.

Analyse treibt Fraport

Die Deutsche Bank hat Fraport von "Hold" auf "Buy" hochgestuft und das Kursziel von 58 auf 62 Euro angehoben. Das Wachstum der Passagierzahlen des Flughafenbetreibers dürfte sich nach zwei eher tristen Jahren wieder beschleunigen, schrieb Analyst Michael Kuhn. Die Aktie legte um 1,7 Prozent zu.

Millionenklage gegen Stada

Die im MDax notierte Aktie des Generikaherstellers ist im Handelsverlauf wegen einer ins Haustehenden Millionenklage ins Minus gedreht und verlor 0,9 Prozent. In der Spitze hatte die Aktie schon 3,6 Prozent eingebüßt, erholte sich aber wieder.

Konkret sieht sich die serbische Stada-Tochter Hemopharm einer Klage in Höhe von 54,2 Millionen Euro gegenüber. Hemopharm und Stada halten die Klage für unbegründet und kündigten Widerstand durch alle Instanzen an. Hintergrund der Klage sind Schwierigkeiten mit insolventen serbischen Großhändlern. Serbien ist ein wichtiger Auslandsmarkt für das hessische Unternehmen.

Kion dreht ins Plus

Der starke Euro und die schwache Nachfrage in Europa haben den im SDax gelisteten Gabelstabler-Hersteller Kion im vergangenen Jahr ausgebremst. Die Aktie, die zunächst bis ans Ende des Kleinwerteindex rutschte, erholte sich aber im Handelsverlauf und drehte ins Plus. Am Ende stand ein Tagesgewinn von 0,54 Prozent.

SMA Solar auf neuen Höhen

Die SMA-Aktie war bester TecDax-Wert mit einem Aufschlag von 5,4 Prozent. In der Spitze war der einzige verbliebene Solarwert im Technologieindex schon bis auf 37 Euro gestiegen. So hoch stand das Papier zuletzt im März 2012. Das Wochenplus summiert sich damit auf satte 20 Prozent.

Ein Börsianer verwies auf eine Mitteilung des auf die Solarindustrie spezialisierten Maschinenbauers Centrotherm vom Dienstag. Dieser hatte für Dezember einen Auftragseingang von rund 30 Millionen Euro bekanntgegeben. Besonders hoch sei die Nachfrage von Solarfirmen aus Japan und den USA.

Cor & FJA mit neuen Planzahlen

Das Softwareunternehmen rechnet für das laufende Geschäftsjahr 2014 mit einem Gesamtumsatz von 100 und einem Ergebnis (Ebitda) von elf Millionen Euro. In der AG nicht mehr enthalten ist dabei das Segment Banking sowie der Umsatz- und Ergebnisbeitrag der Beteiligung an der Plenum AG, die nicht mehr voll konsoldiert wird. Die im Prime Standard der Frankfurter Börse notierte Aktie legte deutlich zu.

Milliardengewinne für AIG

Der US-Versicherungskonzern American International Group (AIG) ist im vierten Quartal in die Gewinnzone zurückgekehrt. Das Unternehmen erwirtschaftete einen Überschuss von 1,98 Milliarden Dollar nach einem dicken Minus von 3,96 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Damals hatten den einst weltgrößten Versicherer unter anderem milliardenschwere Verluste im Zusammenhang mit dem Supersturm "Sandy" belastet. AIG musste während der Finanzkrise 2008 von der US-Regierung mit 182 Milliarden Dollar vor dem Zusammenbruch gerettet werden. Die Anleger zieren sich jedoch ungnädig, die Aktie verliert in New York aktuell 1,5 Prozent.

Amerikaner essen mehr Suppe

Suppen und Snacks des amerikanischen Herstellers Campbell waren wegen des kalten Winterwetters besonders gefragt. Der Gewinn kletterte im zweiten Geschäftsquartal zwischen Oktober und Dezember um zwei Drittel auf 325 Millionen Dollar, der Umsatz stieg um knapp sechs Prozent auf 2,28 Milliarden Dollar.

Neben den bekannten Suppen waren auch Cracker, Kekse und Babynahrung gefragt. In Deutschland ist Campbell mit Marken wie "Erasco" und "heiße Tasse" bekannt. Die Börsianer honorieren die Entwicklung, die im S&P-500-Index enthaltene Campbell-Aktie legt zur Stunde 4,2 Prozent zu.

rm

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Donnerstag, 20. September

Unternehmen:
Rocket Internet: Q2-Zahlen, 08:00 Uhr
Schaeffler: Kapitalmarkttag
Nfon: Q2-Zahlen
Ryanair: HV in Dublin
GlaxoSmithKline: HV
Micron Technology: Q4-Zahlen, nach US-Börsenschluss

Konjunktur:
Deutschland: Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Schweiz: Zinsentscheid und geldpolitische Lagebeurteilung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), 09:30 Uhr
USA: Wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, 14:30 Uhr
USA: Industrie-Index Philly Fed für September, 14:30 Uhr
USA: Frühindikatoren für August, 16:00 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser für August, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen Euro-Zone, September, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Salzburg: Informeller EU-Gipfel
Hannover: Eröffnung der IAA Nutzfahrzeuge 2018 (bis 27. September), mit Bundesverkehrsminister Scheuer
Frankfurt: 4. Konferenz für Finanztechnologie "Fintech-Revolution"