Dax kommt auf keinen grünen Zweig

Detlev Landmesser

Stand: 16.11.2007, 20:27 Uhr

Wer will in diesen Zeiten schon unsichere Positionen mit ins Wochenende nehmen? Auch am Freitag überwog die Verkaufsneigung an der Börse. Der Dax startete zwar mehrere Erholungsversuche, aber ein Plus war nicht drin.

Zeitweise verlor der deutsche Leitindex 1,34 Prozent auf 7.564 Punkte. Im späten Parketthandel erholten sich die Kurse weiter, doch dem L-Dax wollte die Rückkehr ins Plus nicht ganz gelingen. Der Index ging bei 7.630,00 Punkten ins Wochenende.

Aus charttechnischer Sicht ist durchaus bedenklich, dass der Dax mittlerweile unter Aufwärtstrend seit März 2003 notiert. Das zieht in aller Regel weitere Verkäufe nach sich. Zumal der marktbreite S&P-500-Index in den USA mit dem Unterschreiten der 1.460er-Marke in einer ganz ähnlich prekären Lage steckt. Zur Stunde notieren die großen US-Indizes kaum verändert, nachdem sie sich lange im Plus gehalten hatten.

US-Produktion gebremst

Jetzt haben es die Finanzmärkte sozusagen schwarz auf weiß: Die US-Konjunktur ist schwach in das vierte Quartal gestartet. Im Oktober sank die Industrieproduktion im Vergleich zum September um 0,5 Prozent. Volkswirte hatten dagegen im Schnitt mit plus 0,1 Prozent gerechnet. Die Kapazitätsauslastung lag bei 81,7 Prozent. Volkswirte hatten hier mit 82,0 Prozent gerechnet. Im September mussten die USA zudem erneut einen Kapitalabfluss hinnehmen. Der Nettokapitalstrom habe im September minus 14,7 Milliarden Dollar betragen, teilte das Finanzministerium mit. Damit verringerte sich allerdings die Flucht aus US-Anlagen. Im August hatten die USA noch einen Abfluss von revidiert 150,7 Milliarden Dollar verbucht.

Zwei Billionen Dollar weniger Kredite?
Da passte eine neue Studie von Goldman Sachs gerade ins Bild: Nach Ansicht der Investmentbank könnte die Hypothekenkrise weitaus gravierendere Folgen für die US-Wirtschaft haben als zunächst angenommen. So könnten Banken und Hedge-Fonds, die sich größtenteils über Fremdkapital refinanzierten, wegen der Krise ihre eigene Kreditvergabe um bis zu zwei Billionen, also zweitausend Milliarden Dollar, zurückfahren, erklärte der US-Chefvolkswirt von Goldman, Jan Hatzius.

Schon wieder: Postbank an Dax-Spitze
Erneut stemmte sich die Postbank-Aktie mit auffallenden Gewinnen gegen den Trend. Bear Stearns stufte das Papier mit "Outperform" ein und hat ein Kursziel von 63,50 Euro ausgegeben. Nach der im Vergleich zur Branche deutlich schwächeren Kursentwicklung der vergangenen Monate ergebe sich eine überzeugende Einstiegsgelegenheit, hieß es vom zuständigen Analysten.

Die Metro-Aktie profitierte von der Übernahme des Discounters Plus durch den größten deutschen Lebensmittelhändler Edeka. Das habe die Spekulationen auf eine Konsolidierung der Einzelhandelsbranche weiter angeheizt, meinten Händler.

Infineon verliert über zehn Prozent
Mit Abstand größter Verlierer im Dax war erneut die Infineon-Aktie, nachdem mehrere Banken ihre Kursziele nach unten geschraubt hatten. Goldman Sachs sieht die Aktie in den kommenden zwölf Monaten nur noch bei 12,00 Euro nach bisher 13,50 Euro. Die UBS hat ihr Kursziel von 13,50 auf 10,50 Euro gesenkt. Das niedrigste Kursziel setzte aber BNP Paribas mit 7,70 Euro.

Volkswagen investiert massiv
Die VW-Aktie ließ sich auch von den neuen Investitionsplänen der Wolfsburger nicht ins Plus locken. - Europas größter Autobauer will massiv Geld in die Entwicklung neuer Modelle stecken. Von 2008 bis 2010 will der Konzern 29 Milliarden Euro investieren, beschloss der Aufsichtsrat am Freitag. Knapp die Hälfte, 13,8 Milliarden, sind für neue Modelle vorgesehen. Die Investitionsquote soll im Schnitt sechs Prozent betragen. Im Zuge des Sparkurses unter dem ehemaligen VW-Chef Bernd Pischetsrieder war sie unter sechs Prozent gefallen, nachdem sie jahrelang darüber gelegen hatte.

IKB-Krise noch nicht ausgestanden
Über fünf Prozent verlor die IKB-Aktie im MDax. Der angeschlagenen Mittelstandsbank IKB drohen weitere, bislang unbekannte Verluste, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Die Banken, die im Sommer an der Rettung der IKB beteiligt waren, seien darauf vorbereitet worden, dass womöglich ein neues Rettungspaket geschnürt werden müsse. Insider sprächen von einem Betrag von 300 Millionen Euro. Um die finanzielle Lage zu entspannen, will die IKB nach Medienberichten Kredite im Volumen von bis zu einer Milliarde Euro samt Kunden an die Postbank weiterreichen.

Fantasie entweicht aus Tele Atlas
Die Aktie von Tele Atlas rutschte ans TecDax-Ende. Im Bieterstreit um den Kartenanbieter hat der US-Interessent Garmin seine Kaufofferte zurückgezogen. Schon gestern hatte der TecDax-Titel unter entsprechenden Gerüchten gelitten. Das Papier sank sogar unter das noch gültige Angebot von TomTom von 30 Euro je Aktie. TomTom hingegen sprangen nach der Meldung in Amsterdam um mehr als sieben Prozent hoch, für Garmin ging es im US-Handel sogar zweistellig nach oben. Ursprünglich hatte TomTom 21,25 Euro je Aktie zahlen wollen, war aber bald mit der Gegenofferte von Garmin von 24,50 Euro konfrontiert.

Solon will sich Geld besorgen
Die Solon-Aktie stand ebenfalls stark unter Druck. Der Solar-Konzern will eine Wandelanleihe mit einem Volumen von bis zu 200 Millionen Euro herausgeben. Das Wertpapier soll ausschließlich den Aktionären des Unternehmens angeboten werden. Das Bezugsverhältnis beträgt 61:1.

Borussia spielt in Rot
Der im unteren Drittel der Bundesliga-Tabelle vor sich hin dümpelnde Fußballclub Borussia Dortmund ist mit roten Zahlen in sein Geschäftsjahr 2007/08 gestartet. Der BVB habe im ersten Quartal einen Verlust von 3,6 Millionen Euro geschrieben, teilte Deutschlands einziger börsennotierter Club mit. Die Geschäftsführung geht aber weiter von einem positiven Ergebnis für das Gesamtjahr aus. Hoffnung machen dem Club steigende Sponsoringeinnahmen und erwartete Einnahmen aus dem Verkauf von Spielern. Das Erreichen des Gewinnziels sei von der Entwicklung der Mannschaft in der Liga und im DFB-Pokal abhängig, hieß es weiter.

Übernahmeangebot für VEM
Der Finanzdienstleister Computershare will die Münchner VEM Aktienbank übernehmen. Dazu seien bereits rund 30 Prozent der Anteile von den VEW-Vorständen zu 6,25 Euro pro Aktie gekauft worden, teilte Computershare mit. Den restlichen Aktionären würden ebenfalls 6,25 Euro pro Papier geboten. Bei 9,68 Millionen Aktien müsste Computershare für die 1997 gegründete Bank insgesamt rund 60 Millionen Euro bezahlen. Computershare bietet Aktiengesellschaften Dienstleistungen rund um Aktienregisterführung, Hauptversammlungen und Mitarbeiterbeteiligungsprogramme an.

November haussiert im November
Um satte 30 Prozent ging es mit der Aktie der November AG nach oben. Die Gesellschaft teilte mit, dass die BaFin die Aktionäre Biomed und Claus Müller von der Abgabe eines Pflichtangebots für den Fall der Kontrollerlangung befreit hat. Ein solches Pflichtangebot ist in der Regel ab einem Anteil von 30 Prozent der Stimmrechte zu unterbreiten. Die Entscheidung ermögliche die weitere Umsetzung der auf der Hauptversammlung im Mai gefassten Beschlüsse.

Estavis so lala
Die Aktie von Estavis setzte ihren Abwärtstrend fort. Das Immobilienunternehmen konnte zwar seinen Umsatz im abgelaufenen Quartal mehr als verdreifachen. Das Ergebnis kam aber nicht annähernd hinterher, denn Sondereffekte belasteten. Dennoch bestätigte Estatvis seine Umsatz- und Ergebnisprognose.

Drei Börsengänge - drei Flops
Am Freitag gingen gleich drei Unternehmen in den stark regulierten Prime Standard. Alle drei Aktien mussten dem schwachen Umfeld Tribut zollen und rutschten unter ihren Ausgabepreis. Die Papiere der Medizinsoftware-Firma Mevis Medical Solutions lagen zeitweise neun Prozent unter ihrem Ausgabepreis von 55 Euro. "Eine Neuemission müsste eine Marktschwäche wie die heutige überstehen, wenn der Ausgabepreis gerechtfertigt ist", sagte ein Händler. "Vor allem bei einer so starken Überzeichnung", fügte er mit Blick auf Asian Bamboo hinzu. Deren Emission war nach Angaben des Unternehmens 15-fach überzeichnet. Dennoch rutschten die Titel des chinesischen Bambusplantagen-Betreibers zeitweise um mehr als zehn Prozent unter den Zuteilungspreis von 17 Euro. Die Titel des dritten Neuzugangs, der Immobilienfirma Fair Value, rutschten auf bis zu 9,84 Euro ab. In diesem Fall hatte es kein öffentliches Angebot, sondern eine Privatplatzierung vor dem Börsengang zu je 10,50 Euro gegeben.

Dax-Chart realtime

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