Dax knickt vor der Wall Street ein

Stand: 16.06.2008, 20:05 Uhr

Der Montag begann hoffnungsfroh mit Kursgewinnen. Nachdem aber schwache Konjunkturzahlen und ein neuer Rekordölpreis die Wall Street schwach öffnen ließen, ging der Dax in die Knie und schloss mit Verlusten.

Der deutsche Leitindex reagierte am Nachmittag auf einen Rekordölpreis von fast 140 US-Dollar je Barrell und den enttäuschenden New Yorker Konjunkturindex und gab im Tagesverlauf 0,5 Prozent ab. Der Dax schloss bei 6.730 Punkten.

Nach einem schwachen Start drehten die US-Börsen nach Xetra-Schluss wieder ins Plus. Unterstützung kam vom bröckelnden Ölpreis, der sein Tageshoch hinter sich ließ und wieder auf unter 133 Dollar fiel.

Außerdem gab es Kursgewinne bei den Finanzwerten, die nach der Vorlage der Zahlen der US-Investmentbank Lehman Brothers kräftig zulegten. Die kleinste der großen Wall Street Investmentbanken gab wie erwartet einen Milliardenverlust bekannt. Anleger kauften trotzdem, weil sie offenbar erwarten, dass es bei Lehman jetzt keine Abschreibungen mehr geben wird.

Der L-Dax legte dank der sich spät erholenden Wall Street ebenfalls zu und schloss um 13 Punkte höher als der Xetra-Dax.

Ölpreis und die Lufthansa
Der hohe Ölpreis hinterließ abermals leichte Spuren bei der Lufthansa-Aktie. Sie fiel um ein Prozent. Die Aktie wurde auch von einer negativen Analysteneinschätzung belastet. Goldman Sachs senkte das Kurziel für Aktien der Fluggesellschaft wegen des hohen Ölpreises von 16 auf 14,50 Euro.

Finanzwerte im Dax
Medienberichte zu der offenbar bevorstehenden Konsolidierungswelle in der deutschen Banklandschaft beflügelten zu Handelsbeginn am Montag die Aktien von Commerzbank und Allianz. Demnach lässt die Allianz-Tochter Dresdner Bank neben der Commerzbank nun auch die Postbank in ihre Bücher schauen. Eine Dreierfusion zwischen Commerzbank, Dresdner Bank und Postbank werde dadurch wahrscheinlicher, urteilen Marktbeobachter. Commerzbank-Aktien stiegen um 0,1 Prozent, Allianz-Papiere fielen um 0,7 Prozent.

Offenbar ist nun auch die britische Bank Lloyds TSB an der Postbank interessiert. Das berichtet zumindest eine englische Zeitung. Die Vorbereitungen für ein mögliches Angebot seien aber noch in einem sehr frühen Stadium.

Fünf Prozent plus für die Börse
5,1 Prozent gewann die Aktie der Deutschen Börse. Ohne Nachrichten zwar, aber das Papier hatte in den vergangenen Wochen kräftig Federn gelassen. Händler sahen daher erhebliches Erholungspotenzial. Außerdem steht Großaktionär Atticus nach Medienberichten zu seiner Beteiligung.

Dass die Börse angeblich einen wichtigen Kunden verliert, hatte keinen Einfluss auf den Kurs. Das Handelsblatt berichtete, dass die Deutsche Bank ihre kompletten Wertpapiergeschäfte künftig über die außerbörsliche Handelsplattform Chi-X abwickeln wolle. Bisher wickelt die Deutsche Börse den Handel der Deutschen Bank ab.

Thyssen Krupp bleibt optimistisch
Auch die Aktien des Stahlkonzerns ThyssenKrupp waren mit einem Plus von zwei Prozent unter den Dax-Gewinnern. Konzernchef Ekkehard Schulz sagt dem Monatsmagazin "Euro", dass die Nachfrage nach hochwertigen Stählen jährlich um vier bis sechs Prozent wachse. "Unsere Auftragsbücher zeigen keine Bremssignale", betonte er. Steigenden Energie- und Rohstoffpreise wolle ThyssenKrupp auch künftig an die Kunden weitergeben.

Adidas bejubelt Fußball-EM
Die Fußball-EM zahlt sich für Adidas aus. Im Vergleich zum EM-Jahr 2004 sei der Umsatz bisher um mehr als 50 Prozent gestiegen, teilte der Sportausrüster mit. "Damit sind wir, sportlich ausgedrückt, nicht nur eine Runde weiter, sondern bereits jetzt Gewinner der EM", freute sich Vorstandschef Herbert Hainer. Ursprünglich wollte Adidas dieses Jahr mit Fußballprodukten mindestens 1,2 Milliarden Euro einnehmen: Das Ziel, in diesem Jahr 1,2 Milliarden Euro mit Fußballprodukten einzunehmen, werde deutlich übertroffen, sagte Hainer. Die Dax-Aktie stieg um 0,5 Prozent.

EADS erwartet gute Nachfrage
Der Flugzeugbauer Airbus erwartet in den nächsten 20 Jahren ein erhebliches Nachfragewachstum in Deutschland. Etwa 900 neue Flugzeuge würden die deutschen Fluggesellschaften in diesem Zeitraum benötigen, teilte die Airbus-Mutter EADS mit. Airbus will mindestens die Hälfte dieser erwarteten Bestellungen erhalten. Die Firma bezifferte den Gesamtwert der zusätzlichen Maschinen mit 109 Milliarden Dollar.

ProSieben verkauft Pay-TV
Die Senderkette ProSiebenSat.1 verkauft sein Pay-TV-Geschäft in Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden. Für umgerechnet 320 Millionen Euro geht die erst kürzlich erworbene Bezahlfernseh-Gruppe C More an den größten schwedischen Privatsender TV4. Analysten bezeichneten den Kaufpreis als "ziemlich gut". Die ProSieben-Aktie legte 3,9 Prozent zu.

Kuka sehr zuversichtlich
Der Roboter- und Anlagenbauer Kuka hat seine Anleger beruhigt. Die Geschäftsziele seien trotz Konjunkturabkühlung nicht in Gefahr. "Bei Konjunkturschwächen steigt der Rationalisierungsdruck. Das kann unser Geschäft durchaus beleben", sagte Kuka-Chef Gerhard Wiedemann dem Wirtschaftsmagazin "Euro". Er bekräftigte das Umsatzwachstumsziel von sieben Prozent in diesem Jahr. Auch die für 2008 geplante Gewinnspanne von 5,5 Prozent werde erreicht. Die MDax-Aktie verlor trotz der guten Nachricht 0,9 Prozent.

Wirecard hochgestuft, Aixtron losgelöst
Die Berenberg Bank hat die Empfehlung für Aktien des im Tec Dax notierten Zahlungsabwicklers von "Neutral" auf "Buy" angehoben. Die Analysten verwiesen auf die neue Abrechnungslösung "PayShield", mit der Wirecard in Zukunft eine Zahlungsgarantie für den Online-Handel anbietet. Die Aktie gewann 2,6 Prozent.

Papiere des Spezialmaschinenbauers Aixtron, ebenfalls im TecDax notiert, stiegen um 6,3 Prozent. Nach den deutlichen Verlusten in der Vorwoche sei die Erholung überfällig, analysierten die Händler.

Solon steigt in US-Geschäft ein
Der Solarmodulhersteller Solon steigt bei dem US-Unternehmen SpectraWatt ein und baut damit seine Lieferantenbasis aus. Das Berliner Solarunternehmen übernimmt nach eigenen Angaben 16 Prozent des US-Konzerns. Spectrawatt soll ab Mitte 2009 hocheffiziente Solarzellen liefern. Solon bezeichnet die Zusammenarbeit als "Grundlage für den zukünftigen Ausbau des US-Geschäfts". Die Solon-Aktie, im TecDax notiert, stieg kräftig um 4,5 Prozent.

DBAG-Anleger erleichtert
Die Deutsche Beteiligungs AG verbuchte im zweiten Quartal des laufenden Geschäftsjahres zwar einen deutlichen Gewinnrückgang, Mit einem Überschuss von 24,5 Millionen Euro glich die Firma die Verluste aus dem Vorquartal (minus 21,7 Millionen Euro) allerdings mehr als aus. In Zukunft will die DBAG vermehrt in die Solar- und Windenergiebranche investieren. Hier erwartet die Firma einen Boom. Die Aktie stieg um vier Prozent.

Gewinnwarnung von Sino
Der so genannte High End Broker Sino hat seine Ergebnisprognose kassiert. Wegen der weiterhin sehr niedrigen Börsenumsätze sei es unwahrscheinlich, dass man das Ergebnisziel von 4,5 Millionen Euro in diesem Jahr erreichen werde, teilte Sino mit. Gegenüber Januar hätten sich die Börsenumsätze fast halbiert, begründete das Unterenehmen seine Gewinnwarnung. Die Aktie verlor kräftige 8,8 Prozent.

AIG tauscht den Chef aus
Der weltgrößte Versicherer AIG hat einen neuen Chef. Wegen der Milliardenverluste durch die Finanzkrise macht Martin Sullivan, der AIG drei Jahre lang geleitet hat, mit sofortiger Wirkung Platz für Robert Willumstad. Sullivan war nicht zuletzt bei einflussreichen Großaktionären unter Druck geraten, nachdem der Versicherer wegen der Hypothekenkrise mehr als 20 Milliarden Dollar abschreiben und herbe Verluste einstecken musste. Nach den ersten drei Monaten dieses Jahres stand ein Minus von knapp acht Milliarden Dollar in den Büchern - es war der höchste Quartalsverlust in der Geschichte des Konzerns.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Mittwoch, 17. Oktober

Unternehmen:
ASML: Q3-Zahlen, 7:00 Uhr
Roche: Q3-Zahlen, 07:00 Uhr
Zooplus: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Danone: Q3-Umsatz, 07:30 Uhr
Abbott: Q3-Zahlen, 13:45 Uhr
US Bancorp: Q3-Zahlen, 14:00 Uhr
Carrefour: Q3-Umsätze, 17:45 Uhr
Alcoa: Q3-Zahlen, 22:10 Uhr

Konjunktur:
Acea-Kfz-Neuzulassungen 09/18, 08:00 Uhr
EU: Verbraucherpreise 09/18, 11:00 Uhr
USA: Baubeginne- und genehmigungen, 09/18, 14:30 Uhr
USA: Ölbericht (Woche), 16:30 Uhr
USA: FOMC-Sitzungsprotopoll 26.9., 20:00 Uhr