Dax knickt im späten Handel ein

Stand: 29.03.2007, 20:00 Uhr

Ganz so blendend wie der Xetra-Schluss verlief der späte Parketthandel in Deutschland nicht. In den USA verließ die Anleger der Mut, ein Teil der Kursgewinne im Dax ging verloren.

An Wall Street zauderten die Börsianer am Abend deutscher Zeit. Nachdem sowohl Standard- als auch Technologiewerte deutlich im Plus gestartet waren, gab es anschließend eine kleine Rutschpartie. Der Dow Jones-Index kämpfte mit dem Vortagesstand, der Index der Computerbörse Nasdaq rutschte bis 20 Uhr sogar deutlich in die Minuszone. Der Late-Dax verlor fast ein halbes Prozent gegenüber dem Xetra-Schluss.

US-Daten ohne Langzeitwirkung

Dabei hatten erfreuliche US-Konjunkturdaten am Nachmittag den Börsen diesseits wie jenseits des Atlantik einen kleinen Schub verpasst. Das US-Bruttosozialprodukt stieg nach neuesten Angaben im 4. Quartal 2006 auf das Jahr hochgerechnet um 2,5 Prozent. Zuvor war man von einem Anstieg um 2,2 Prozent ausgegangen. Die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe fiel erfreulich um 10.000 auf 308.000 und lag damit unter den Erwartungen von 321.000.

Heuschrecken-Alarm bei der Post
Zu Gerüchten, ein Finanzinvestor wolle bei der Deutschen Post einsteigen, gab das Unternehmen am Abend "keinen Kommentar" ab. Die "Aktie Gelb" hatte am späten Nachmittag mit fast vier Prozent Plus die Spitze des Dax erklommen, und auch im Parketthandel bröckelten die Kurse nicht wieder ab. Händler hatten zuvor auf Spekulationen verwiesen, wonach Finanzinvestoren möglicherweise einen Einstieg bei dem Unternehmen planten.

Die Post hatte wenige Stunden zuvor Details zu einer Produktoffensive mitgeteilt. Danach sollen in gut einem Jahr in allen größeren deutschen Städten rund um die Uhr frankierte Päckchen und Pakete aufgegeben werden können. Rund 1.000 "Paketboxen" soll die Post-Tochter DHL dazu installieren.

Eon, Endesa und kein Ende
Der Energieversorger will mit einer Klage gegen den Übernahmeversuch von Endesa durch die Konkurrenten Enel und Acciona vorgehen. Die Klage richtet sich gegen die Erlaubnis der spanischen Börsenaufsicht, wonach die beiden Mitbewerber um Endesa sechs Monate nach Ablauf des Eon-Angebots eine eigene Offerte einreichen dürfen. Die beiden Kontrahenten haben am Abend prompt gekontert: Details zu den eigenen Übernahmeplänen sollen bald veröffentlicht werden. Die sechsmonatige Angebotssperre der Börsenaufsicht wollen sie aufheben lassen.

Porsche macht Mega-Kredit flott
Im Dax taten sich die Schwergewichte VW, ThyssenKrupp und die Münchener Rück als stärkste Kursgewinner hervor. VW-Großaktionär Porsche will nach Angaben eines Bankenkonsortiums einen Kredit über 35 Milliarden Euro aufnehmen, um das Übernahmeangebot an ausstehende Aktionäre von VW finanzieren zu können. Nach dem Überschreiten der Schwelle von 30 Prozent muss der Sportwagen-Hersteller ein solches Angebot unterbreiten.

MüRü will wieder an die Spitze
Bei der Münchener Rück reagierten Anleger mit Käufen auf die Ankündigung des Unternehmens, wieder die Nummer eins der Rückversicherungs-Branche zu werden. Den Konkurrenten Swiss Re will man mithilfe eines Effizienz-Steigerungs-Programms wieder überholen. Im Rückversicherungs-Markt will man um zehn Prozent im laufenden Jahr wachsen.

SAP-Aktionäre trauern um Technik-Vorstand
Mit SAP rangierte zum Handelsschluss nur eine Dax-Aktie in der Minuszone. Das Papier des Softwarekonzerns SAP litt unter dem Rücktritt von Technologievorstand Shai Agassi zum 1. April. Agassi verlasse das Unternehmen im gegenseitigen Einvernehmen, teilte SAP. Agassi galt als Kronprinz von Vorstandschef Henning Kagermann.

Commerzbank prüft "alle Optionen"
Nach der Fondstochter Jupiter könnte das Bankhaus möglicherweise auch die französische Vermögensverwaltungs-Tochter CCR zum Verkauf stellen. Laut Finanzvorstand Achim Kassow werden "alle strategischen Optionen" geprüft. Die Commerzbank-Aktie schloss schwächer als der Gesamtmarkt.

Übernahmegerüchte treiben Premiere-Aktie
Die Papiere des Bezahlsenders legten am Nachmittag ruckartig um fast vier Prozent zu. Händler begründeten die Kursbewegung mit Gerüchten, der französische Medienkonzern Vivendi sei an Premiere interessiert.

KarstadtQuelle mit Gewinn und neuem Namen
Der Handels- und Touristikkonzern KarstadtQuelle hat 2006 nach zwei verlustreichen Jahren wieder Gewinne geschrieben. Das Unternehmen verbuchte einen Konzerngewinn von 345,6 Millionen Euro nach einem Verlust von 316,5 Millionen Euro im Jahr davor. Außerdem will der Konzern sich in Arcandor AG umbenennen.

Klöckner & Co liefert stahlharte Zahlen
Der Stahlhändler Klöckner & Co (KlöCo) hat im vergangenen Jahr sein Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 135 auf 337 Millionen Euro verbessert. Seinen Aktionären will das Unternehmen nun eine Dividende von 0,80 Euro pro Aktie zahlen. Außerdem bekräftigte das im MDax gelistete Unternehmen, im laufenden Jahr zehn bis zwölf Unternehmen übernehmen zu wollen. Dabei wolle man größere Unternehmen als bislang ins Visier nehmen.

Stada auf Übernahmepirsch
Der Generikahersteller Stada hofft auch in Zukunft "nachhaltig" wachsen zu können. Dabei will das MDax-Mitglied auch seine operative Gewinnmarge verbessern. Um das Wachstum noch zu beschleunigten, strebt Stada unverändert weitere Zukäufe an.

Gewinnmitnahmen bei Drägerwerk
Der Medizintechnik-Konzern im TecDax fällt am Donnerstag ans Ende der Index-Skala und verliert knapp zwei Prozent. Im Jahr 2006 erhöhte das Lübecker Unternehmen seinen Umsatz um 10,5 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro. Der Gewinn legte um 24 Prozent auf knapp 74 Millionen Euro zu. Auch für das laufende Jahr stellte Dräger-Chef Stefan Dräger ein weiteres Wachstum von Erlösen und Erträgen in Aussicht.

IWKA hat schwarze Zahlen im Visier
Optimistisch ins Jahr 2007 blickt auch der Maschinenbauer aus dem MDax. Das Unternehmen will nach deutlichen Verlusten 2006 wieder die Gewinnzone erreichen. Ein "signifikant positives Ergebnis" kündigte Vorstandschef Gerhard Wiedemann am Donnerstag für 2007 an. Die Aktie dreht am Nachmittag ins Plus.

Wyser-Pratte stockt bei CeWe auf
Der Großinvestor aus den USA hält nun 5,01 Prozent an dem Fotoentwicklungs-Spezialisten aus dem SDax. Guy Wyser-Pratte war bereits im März bei Cewe Color eingestiegen und fordert einen Strategiewechsel sowie den Rücktritt von Vorstandschef Rolf Hollander. Die CeWe-Aktie liegt am Donnerstag rund ein Prozent im Plus.

WireCard will kräftig wachsen
Der Internet-Zahlungsanbieter WireCard hat seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr konkretisiert. Das TecDax-Mitglied rechnet nun mit einem Plus beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von über 50 Prozent. Die Wirecard-Aktie schloss als TecDax-Spitzenreiter mit fünf Prozent im Plus.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Freitag, 20. Juli

Unternehmen:
Faurecia: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Hermès: Q2 Umsatz, 07:00 Uhr
Rémy Cointreau: Q4-Zahlen
Thales: Q1 Umsatz, 07:30 Uhr
Stanley Black & Decker: Q2-Zahlen, 12:00 Uhr
General Electric: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Schlumberger: Q2-Zahlen, 13:00 Uhr
Honeywell: Q2-Zahlen, 14:30 Uhr

Konjunktur:
Japan: Verbraucherpreise für Juni, 01:30 Uhr
Deutschland: Juli-Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums, 08:00 Uhr
Deutschland: Erzeugerpreise im Juni, 08:00 Uhr
EU: Leistungsbilanz Euro-Zone im Mai, 10:00 Uhr

Sonstiges:
Farnborough: Fortsetzung der Internationalen Messe für die Luft- und Raumfahrt (bis 22. Juli)