Marktbericht 20:04 Uhr

Erstmals wieder seit August Dax knackt die 11.000 Punkte

Stand: 19.11.2015, 20:04 Uhr

Lange hatten sich die Anleger mit der Marke von 11.000 Dax-Punkten schwer getan, aber am Donnerstag ist sie dann doch gefallen. Aktien bleiben also gefragt, auch wenn sich die Bären am Ende noch gegen ihre Niederlage stemmten.

Am Ende stand nämlich nur ein knapper Etappensieg für die Bullen. Mit einem Schlussstand von 11.085 Punkten ging der Dax zwar leicht oberhalb der bei 11.069 Punkten verlaufenden wichtigen charttechnischen Marke der 200-Tage-Linie aus dem Handel - diese war zwischenzeitlich aber immer wieder unterschritten worden, ehe im späten Geschäft doch noch die Wende kam.

Dax

Dax: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Der prozentuale Tagesgewinn lag im Dax damit bei 1,14 Prozent, das Tageshoch bei 11.150 Zählern. Das war in der Spitze ein Zuwachs von 1,7 Prozent. Dieses Niveau konnte der Dax aber nicht halten. Im Tagestief hatte der Index bei 11.045 Zählern gestanden.

Hörfunk-Moderatorin Ulla Herrmann
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Börse 19.00 Uhr

Damit bleibt die von vielen erhoffte Jahresendrally weiter auf der Agenda. Allerdings fehle dem Dax noch die Dynamik, wie der Kampf um die 200-Tage-Linie gezeigt habe, erklärte Marktexperte Andreas Paciorek von CMC Markets. Auch die Vorfreude auf weitere Maßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Stimulierung der Wirtschaft "ist noch nicht mit Tatsachen unterlegt", warnte der Experte.

Blick auf die Notenbanken

Der Handel stand insgesamt im Zeichen der jüngst veröffentlichten Sitzungsprotokolle von Fed und EZB. In den USA riecht es zwar wie erwartet im Dezember nach der ersten Zinserhöhung, die weiteren Schritte dürften aber moderat ausfallen. In Europa hingegen bleibt die Notenbankpolitik weiter expansiv - auch das war erwartet worden. Terrorängste rückten heute in den Hintergrund.

US-Börsen schnaufen durch

Dow Jones: Kursverlauf am Börsenplatz Dow Jones Indizes für den Zeitraum Intraday
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Nach den kräftigen Kursgewinnen am Vortag atmen die Anleger an der Wall Street durch. Die großen US-Indizes stehen aktuell um ihre Schlusskurse vom Vortag. Der Leitindex Dow Jones, der schon des Öfteren das Vorzeichen gewechselt hat, legt 0,1 Prozent zu. An der Technologiebörse Nasdaq steht ein kleiner Zuwachs von 0,16 Prozent auf der Anzeigetafel. Im bisherigen Wochenverlauf steht damit beim Dow ein Plus von mehr als zweieinhalb Prozent zu Buche.

Die wöchentlichen Daten vom Arbeitsmarkt fielen mit 271.000 Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe wie erwartet aus. Deutlich besser als prognostiziert tendierte der Konjunkturindex der Philly-Fed im November mit plus 1,9 Punkten. Experten hatten einen Rückgang um ein Prozent erwartet. Auch die Frühindikatoren für den Oktober lagen über den Erwartungen. Die Konjunkturdaten haben aber keine große Auswirkung auf den Handel.

Euro erholt sich

Die Gemeinschaftswährung steht aktuell ebenfalls ganz im Zeichen der gegenläufigen Geldpolitik der Notenbanken. nach wechselvollem Handelsverlauf legte der zuletzt arg gebeutelte Euro dann den Vorwärstgang ein und erholte sich bis auf aktuell 1,0746 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,0687 (Mittwoch: 1,0666) US-Dollar fest. Der Euro profitierte von der Aussicht auf nur moderate Zinserhöhungen in den USA.

Tendenziell stärkt die Aussicht auf steigende Zinsen in den USA aber den Dollar, während die zu erwartenden neuen Lockerungsschritte der EZB umgekehrt den Euro unter Druck setzen. Noch im Oktober kostete der Euro über 1,14 Dollar, heute müssen gut sieben bis acht US-Cent weniger bezahlt werden. Experten erklärten aber, derzeit seien die Effekte dieser Geldpolitik in den Kursen weitgehend schon berücksichtigt.

Lufthansa geht auf Kontrahenten zu

Von den Dax-Werten notierten bis auf FMC alle im Plus. Zu den großne Grewnnern gehörten Lufthansa. Die Aussicht auf ein Ende der Sprachlosigkeit zwischen dem Vorstand und seinen Mitarbeitern beflügelte das Papier und bescherte ihm einen Tagesgewinn von 3,75 Prozent. Das streikgeplagte Unternehmen will die Gewerkschaften Verdi, Ufo und Vereinigung Cockpit am 2. Dezember an einen runden Tisch bitten, um gemeinsam über die künftigen Betriebsrenten zu sprechen. Dies gab Lufthansa heute bekannt.

ThyssenKrupp erholt

Auch die ThyssenKrupp waren gefragt. Der Industriekonzern hat im Geschäftsjahr 2014/15 deutlich besser als im Vorjahr abgeschnitten. Dabei profitierte das Unternehmen von hohen Einsparungen und dem schwachen Euro. Unter dem Strich blieb ein Überschuss von 309 Millionen Euro übrig - das ist fast die Hälfte mehr als ein Jahr zuvor.

Adidas-Chef gibt sich selbstbewusst

Firmenchef Herbert Hainer äußert sich in einem Pressegespräch zuversichtlich zur Lage des Unternehmens. "Unser Geschäft läuft wirklich gut", erklärte er. Zwar bleibe der Konkurrenzkampf mit Nike in dessen Heimatmarkt USA schwierig, ansonsten sieht Hainer sich aber auf Augenhöhe mit den Amerikanern.

Im laufenden und im kommenden Jahr soll der Umsatz währungsbereinigt um einen hohen einstelligen Prozentsatz wachsen. Das Betriebsergebnis soll 2015 um zehn und danach um meinen hohen einstelligen Prozentsatz zulegen, erklärte Hainer. Vom Fußballweltverband FIFA, bei dem Adidas Hauptsponsor ist, verlangte er grundlegende Änderungen. Nur einige Funktionäre auszutauschen genüge nicht. Adidas-Aktien standen zum Jahresanfang noch bei gut 55 Euro, seitdem hat sich das Papier unter Schwankungen stürmisch entwickelt bis auf aktuell knapp 88 Euro. Das Rekordhoch war 2014 bei gut 92 Euro erreicht worden.

VW muss liefern

Für Skandal-Konzern Volkswagen wird die Zeit knapp. Denn am morgigen Freitag läuft die erste Frist der kalifornischen Umweltbehörde CARB ab, innerhalb der der Autobauer Vorschläge für einen Rückruf von knapp 500.000 manipulierten Diesel-Fahrzeugen unterbreiten muss. Mittlerweile verdichten sich die Hinweise, dass VW-Manager bereits früher als bisher bekannt von Manipulationen wussten. Ein VW-Sprecher sagte, es sei bekannt gewesen, dass es in den USA Probleme mit den Abgaswerten gebe, nicht aber, dass manipuliert worden sei.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Die Anleger scheinen derzeit wieder optimistischer nach vorne zu blicken. Wohl auch, weil der Rückruf von rund 2,4 Millionen Diesel-Fahrzeugen für VW billiger werden könnte als gedacht. Bei Autos mit 1,6 Liter Hubraum reiche neben dem Software-Update lediglich ein Filter für zehn Euro, schreibt die "Wirtschaftswoche". "Das wäre eine riesige Entlastung für den Konzern", erklärte Autoanalyst Arndt Ellinghorst von Evercore ISI. VW-Vorzüge legten 4,39 Prozent zu und waren damit Tagessieger im Dax.

Daimler-Finanzsparte erwartet Gewinnsprung

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
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Daimler Financial Services, die Finanzierungs- und Leasingtochter des Autobauers, steht vor einem weiteren Rekordjahr. Wie Spartenchef Klaus Entenmann erklärte, sei das Neugeschäft bis Oktober um 24 Prozent auf 47 Milliarden Euro gewachsen. Operativ werde das Ergebnis deutlich über dem Vorjahreswert von 1,4 Milliarden Euro liegen. Bis September seien schon 1,2 Milliarden Euro verdient worden. Dynamisch wachse das Geschäft vor allem in China, bisher eher als Barzahler-Markt bekannt. Jetzt liege die Durchdringung schon bei 30 Prozent, immer mehr chinesische Kunden finanzieren oder leasen ihre Fahrzeuge, erklärte Entenmann.

Südzucker am MDax-Ende

Südzucker-Papiere reagierten zunächst mit Kursgewinnen auf die Erhöhung der Prognose für das laufende Geschäftsjahr 2015/16, wurden im Handelsverlauf aber immer weiter durchgereicht bis ans MDax-Ende. Die Aktie verlor 4,81 Prozent, die der Tochter Cropenergies 2,76 Prozent. Südzucker sieht das Geschäftsjahr 2016/17 angesichts fallender Terminpreise für Bioethanol als eine erhebliche Herausforderung für CropEnergies. Hinzu kämen operative Anlaufverluste bei einer neuen Weizenstärkefabrik.

CTS vor großem Kauf?

Der Online-Ticketanbieter CTS Eventim verhandelt laut einem "Handelsblatt"-Bericht über eine Übernahme des Online-Reiseanbieter Unister, bekannt durch Marken wie fluege.de und ab-in-den-urlaub.de. Gespräche zwischen Managern beider Unternehmen liefen angeblich seit Wochen. Unklar sei aber, ob Unister-Gründer Thomas Wagner bereit sei, eine Mehrheit an seinem Konzern abzugeben.

VTG mit Umsatz- und Gewinnsprung

Der Waggonvermieter VTG hat in den ersten drei Quartalen 2015 von der Übernahme des Schweizer Konkurrenten AAE profitiert. Der Umsatz stieg um ein Viertel auf 764 Millionen Euro, das Ebitda sogar um rund 83 Prozent auf 255,5 Millionen Euro.

Capital Stage hebt die Prognose an

Der Windparkbetreiber aus dem SDax hat nach Börsenschluss Zahlen für die ersten neun Monate des laufenden Geschäftsjahres sowie eine Prognose-Erhöhung präsentiert. Der Umsatz legte danach um über 50 Prozent auf 94,4 Millionen Euro zu. Das operative Ergebnis (Ebitda) legte sogar um 58 Prozent auf 76,3 Millionen Euro zu. Für 2015 erwartet das Unternehmen nun mehr als 110 Millionen Euro Umsatz (nach bisher 107,5) und ein Ebitda von über 86 nach bisher erwartet 80 Millionen Euro. Die Aktie, die während des Xetra-Handels schwächster SDax war, legte im Späthandel kräftig zu.

Dialog-Aktionäre winken Atmel-Deal durch

Von der a.o. Hauptversammlung von TecDax-Mitglied Dialog Semiconductor kommt die Nachricht, dass die Aktionäre mit einer Mehrheit von 62 Prozent die Übernahme des US-Rivalen Atmel genehmigt hätten. Der Kauf war wegen der hohen Kosten von rund vier Milliarden Euro kritisiert worden. Dialog-Aktien gaben leicht nach.

Square-IPO unter keinem guten Stern

Der Mobil-Bezahldienst Square wird bei seinem Börsengang erheblich weniger Geld einnehmen als erhofft. Der Ausgabepreise beträgt nur neun Dollar und liegt unter der Preisspanne, die 11 bis 13 Dollar reichte. Twitter-Chef Jack Dorsey ist der größte Aktionär mit einem Anteil von 24,4 Prozent.

Pfizer vor Mega-Kauf?

Der amerikanische Pharmakonzern Pfizer, bekannt durch Produkte wie Viagra, steht offenbar kurz vor dem Durchbruch bei den Übernahmegesprächen mit dem Botox-Produzenten Allergan. Pfizer sei bereit, zwischen 370 und 380 Dollar je Allergan-Anteil auf den Tisch zu legen, berichtet Bloomberg. Die Nachrichtenagentur beruft sich dabei Insider-Informationen.

rm

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 23. Juli

Unternehmen:
Daimler: Weltpremiere des ersten Elektroautos der neuen Marke EQ in Stockholm
Ryanair: Q1-Zahlen, 07:00 Uhr
Philips: Q2-Zahlen, 07:00 Uhr
Julius Bär: Halbjahreszahlen, 07:00 Uhr
Hasbro: Q2-Zahlen, 12:30 Uhr
Halliburton: Q2-Zahlen, 12:45 Uhr
Kering: Q2-Zahlen, 16:00 Uhr
Michelin: Q2-Zahlen, 17:45 Uhr
Luxxotica: Halbjahreszahlen, 17:45 Uhr
Alphabet (Google): Q2-Zahlen, nach US-Börsenschluss
Amgen: Q2-Zahlen
AMD: Q2-Zahlen

Konjunktur:
Deutschland: Bundesbank-Monatsbericht Juli, 12:00 Uhr
USA: CFNA-Index für Juni, 14:30 Uhr
USA: Wiederverkäufe Häuser im Juni, 16:00 Uhr
EU: Verbrauchervertrauen in der Euro-Zone im Juli, 16:00 Uhr