Dax knackt die 6.200

Stand: 16.06.2010, 20:05 Uhr

Bis auf 6.207 Punkte ist der Dax heute geklettert. Enttäuschende Konjunkturdaten aus den USA und schwache Kurse an der Wall Street sorgen dann für Gewinneinbußen. Doch am Ende bleibt ein hauchdünnes Plus.

Der Dax beendet den Abendhandel bei 6.200 Zählern, 13,77 höher als gestern. Sorgen über die Schuldenprobleme Spaniens gerieten trotz anhaltender Spekulationen über einen drohenden Hilferuf des Landes in den Hintergrund.

Gestützt wurde der Markt von der Stabilisierung des Euro. Die Gemeinschaftswährung schwankt um die Marke von 1,23 Dollar, nachdem sie am frühen Nachmittag deutlich darunter gefallen war. "Am Devisenmarkt sind zurzeit alle wesentlichen Themen nahezu abgearbeitet", kommentiert Experte Lutz Karpowitz von der Commerzbank die Kursentwicklung. Im Unterschied zu den Vorwochen reichten Gerüchte zur europäischen Schuldenkrise mittlerweile nicht mehr aus, um den Euro nachhaltig unter Druck zu setzen, sagte er.

Bereits im Xetra-Handel hatte sich der Euro als entscheidende Stütze erwiesen. Trotz anhaltender Verluste an der Wall Street schaffte der Dax ein Plus von 16 Zählern auf 6.190 Punkte, knapp 16 Zähler mehr als gestern.

"Wir sehen ein wenig Beruhigung. Der Markt schaut wieder nach Unternehmensbewertungen, die sehr gut aussehen", sagte ein Händler. Seit Wochenbeginn ist der Dax um rund 3,9 Prozent gestiegen. Allerdings gab es nach der gestrigen Kursrally auch Gewinnmitnahmen.

US-Hausmarkt fällt wieder zurück
Ganz anders an der Wall Street. Dort gab der Dow-Jones-Index der Standardwerte zeitweise bis zu 60 Punkte auf 10.346 nach. Erst im späteren Verlauf kann der Leitindex seine Verluste wettmachen und dreht bei Börsenschluss in Deutschland sogar leicht ins Plus bei 10.421. Ein überraschend guter Verkaufsstart bei Apples neuer iPhone-Generation hat dazu beigetragen, die Stimmung zu verbessern.

Grund für die gedämpfte Stimmung sind enttäuschende Konjunkturmeldungen. So ist im Mai die Zahl der Wohnbaubeginne in den USA auf das Jahr hochgerechnet um zehn Prozent auf 593.000 eingebrochen. Das ist der stärkste Rückgang seit März 2009. Volkswirte hatten lediglich mit einem leichten Rückgang auf 650.000 gerechnet.

Nokia stürzt ab
Der weltgrößte Handyhersteller Nokia erwartet im zweiten Quartal einen geringeren Umsatz als bislang vorhergesagt. In der Sparte Devices und Services werde der Netto-Umsatz am unteren Rand oder sogar unter den bisherigen Erwartungen von 6,7 bis 7,2 Milliarden Euro liegen, teilten die Finnen am Nachmittag mit. Zudem werde der Anteil am Markt für mobile Anwendungen dieses Jahr etwas abnehmen. Nokia begründete die abgeschwächten Erwartungen unter anderem mit dem Euro-Verfall und dem Konkurrenzdruck. Die Warnung versetzt der zuvor schon am Boden liegenden Nokia-Aktie einen weiteren Schlag.

Deutsche Post: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
31,60
Differenz relativ
-0,44%

FedEx enttäuscht mit Ausblick
Ein enttäuschender Ausblick des US-Konkurrenten FedEx hat zeitweise auch die Aktien der Deutschen Post auf Talfahrt geschickt. Die Papiere drehten bis zu 1,6 Prozent ins Minus, können sich bis zum Börsenschluss aber wieder berappeln. FedEx erwartet nach eigenen Angaben im Gesamtjahr einen Gewinn pro Aktie von 4,40 bis 5,00 Dollar und bleibt damit hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Die FedEx-Titel verlieren vorbörslich in New York über drei Prozent. Dabei hat der Paketdienst im letzten Quartal die Erwartungen leicht übertroffen und einen Gewinn je Aktie von 1,33 Dollar erzielt.

Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
154,38
Differenz relativ
+1,23%
Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
57,61
Differenz relativ
+0,70%
BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
85,77
Differenz relativ
+0,53%

Volkswagen traut sich mehr zu
Nach überraschend starken Geschäften in den ersten fünf Monaten hebt Volkswagen die Gewinnprognose für das Gesamtjahr an. Die Lage am Automarkt bleibe in den nächsten Monaten zwar schwierig, dennoch wird erwartet, dass die Werte des Vorjahres für Absatz und operatives Ergebnis deutlich übertroffen werden, teilte der Konzern mit. Bisher hatte sich Volkswagen lediglich zum Ziel gesetzt, die Vorjahreswerte zu knacken. Die Anleger kann der Konzern damit kaum beeindrucken. "Bei VW verunsichert aber nach wie vor, wie der Zusammenschluss mit Porsche bewältigt werden wird", sagte ein Händler.

BMW und Daimler am Dax-Ende
Noch tiefer im Minus, am Dax-Ende, notieren die Titel von BMW und Daimler. Grund sind offenbar noch die schwachen Mai-Zulassungsdaten vom Vortag.

RWE ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
21,34
Differenz relativ
-0,56%

RWE-Aktionären droht Kürzung
Auch RWE-Titel notieren im Minus, wenn auch weniger als die Autotitel. Im Gespräch mit der WAZ-Gruppe hat Finanzvorstands Rolf Pohlig eine Kürzung der Dividende nicht ausgeschlossen, falls die Bundesregierung die Einführung einer Brennelementesteuer beschließen sollte.

Celesio profitiert von Kooperation
Im MDax haussieren Celesio-Aktien mit einem Aufschlag von mehr als vier Prozent an der Indexspitze. Der Pharmahändler will sein Apothekengeschäft in den Niederlanden mit dem des Konkurrenten Phoenix zusammenzulegen. Das Joint Venture werde die Nummer Zwei im niederländischen Apothekenmarkt sein und komme auf einen Jahresumsatz von 1,1 Milliarden Euro, kündigte Celesio an.

Konjunktur beflügelt Hafen-Aktie
Auch HHLA-Papiere sind schwer gefragt. Unternehmenschef Klaus-Dieter Peters bestätigte hat auf der Hauptversammlung in Hamburg den Ausblick bekräftigt. Danach sollen im laufenden Jahr ein Umsatz von etwa einer Milliarde Euro sowie eine Ebit-Marge von rund 15 Prozent erreicht werden.

Neben dem Aktionärstreffen von HHLA standen heute noch zahlreiche weitere Hauptversammlungen auf der Agenda. Unter anderen laden Alstria Office, Bechtle, Phoenix Solar, Krones und Solon zum jährlichen Aktionärstreffen.

Sky heute mit der Rolle rückwärts
Nach dem rasanten Kursplus gestern fällt die Sky-Aktie heute an das MDax-Ende. Bis zum Nachmittag betragen die Kursverluste mehr als sieben Prozent. Marktbeobachter sprechen von einer technischen Gegenbewegung auf die hohen Vortagesgewinne, als Übernahmefantasien den Titel beflügelt hatten.

Auch ProSiebenSat1 unter Druck
Abwärts geht es auch mit der Aktie der TV-Gruppe ProSiebenSat1. Der Grund: Durch das heute bekannt gewordene Ausscheiden von N24 aus dem Konzernverbund entstehen für die ProSiebenSat.1 Group zunächst Kosten in Höhe von bis zu 41 Millionen Euro. Daneben fallen Abschreibungen auf Anlagegüter in Höhe von voraussichtlich bis zu 12 Millionen Euro an. Sie sollen als Einmalaufwendungen in der Gewinn- und Verlustrechnung für das zweite Quartal erfasst. werden.

Solar-Titel im Obama-Rausch
Im TecDax grassiert das Solarobama-Fieber, Solar-Titel wie Q-Cells, Phoenix Solar, Solarworld und Manz Automation verbuchen kräftige Kursgewinne. Barack Obama hatte in seiner Rede zur Lage der Nation die Energiewende ausgerufen. An der Wall Street waren gestern Titel von Solartechnik-Firmen deutlich angesprungen.

Drägerwerk rote Laterne
Die Drägerwerk-Aktie übernimmt hingegen nach Ankündigung einer Kapitalerhöhung die rote Laterne im TecDax. "Das ist keine Überraschung", sagte Analyst Martin Possienke von Equinet. Das Volumen sei lediglich ein bisschen größer als vermutet. Händler sprechen auch von einer Gegenreaktion auf die kräftigen Gewinne der Vortage.

Achtung, Dividendenabschlag!
Im SDax zählen Jungheinrich-Aktien zu den Verlierern. Das Minus ist dabei teilweise optischer Natur, schließlich wurden Titel des Intralogistikanbieters heute ex Dividende gehandelt. Der Dividendenabschlag beträgt zwölf Cent.

Nintendo reitet die 3D-Welle
Unter den ausländischen Titeln machen Nintendo-Aktien mit einem Kurssprung auf sich aufmerksam. Die Firma hatte am Dienstag ihre neue 3DS-Spielekonsole vorgestellt. Die Technik ist einzigartig: Für den 3D-Effekt bedarf es keiner Brille. Ein spezieller Monitor sorgt für die räumliche Darstellung.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen