Marktbericht 20:02 Uhr

In Richtung 11.000 Punkte Dax klettert munter weiter

Stand: 03.02.2015, 20:02 Uhr

Die leichte Entspannung in der Debatte um die Schuldenproblematik Griechenlands sowie eine freundliche Wall Street haben dem Dax auch am Dienstag weiter Auftrieb gegeben.

Gleich zu Handelsbeginn machte der Dax einen gewaltigen Sprung um fast 160 Punkte und erklomm bei 10.984 Zählern einen neuen Rekord. Den Sprung über die Schwelle von 11.000 Punkte will ihm dann aber doch nicht gelingen.

Ausgelöst hatte die Dynamik am Vormittag der griechische Finanzminister Gianis Varoufakis. Der Financial Times sagte er, Griechenland wolle keinen Schuldenschnitt mehr fordern. Stattdessen denke die Regierung an eine Liste von Umschuldungsmaßnahmen. Die Aussage sorgte weltweit für Erleichterung. Auch in Deutschland will Varoufakis um Verständnis werben: Am Donnerstag trifft er Finanzminister Wolfgang Schäuble. An der Athener Börse stiegen die Kurse um bis zu elf Prozent.

An der Börse in Frankfurt bröckeln die Kurse nach dem Hoch am Vormittag etwas ab, die positive Gesamtstimmung bleibt aber erhalten. Am Ende geht der Dax mit einem Gewinn von 0,58 Prozent aus dem Handel, bei 10.890 Punkten.

Dow Jones legt zu

Neben der Hoffnung auf einen Kompromiss mit Griechenland ist es natürlich vor allem die Aussicht auf die im März startenden Geldspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB) in Höhe von 60 Milliarden Euro pro Monat, die an den Aktienmärkten weiter für auftrieb sorgen .

Die Hoffnung auf eine Lösung im Streit über Griechenlands Schuldenprobleme hat auch an der Wall Street für Erleichterung gesorgt. Wichtigster Treiber der Kurse in New York ist allerdings der erneute anstieg der Ölpreise. Der Dow Jones-Index kletterte im Tagesverlauf bis auf 17.566 Punkte, ein Plus von 1,2 Prozent. Bei Börsenschluss in Frankfurt am Abend notiert der Dow bei 17.632 Punkten, 269 Zähler oder 1,55 Prozent mehr als gestern.

Derweil setzt sich die Serie durchwachsener US-Konjunkturdaten fort. So hat die amerikanische Industrie im Dezember deutlich weniger Aufträge erhalten als im Vormonat. Wie das Handelsministerium am Dienstag mitteilte, fielen die Bestellungen 3,4 Prozent geringer aus. Zudem wurde der Rückgang im November von 0,7 auf 1,7 Prozent korrigiert. Bankvolkswirte hatten für Dezember mit einem Minus von 2,4 Prozent gerechnet.

Euro und Öl ziehen an

Die Gemeinschaftswährung hat am Dienstag weiter aufgeholt und ist über die Marke von 1,14 Dollar geklettert. Bei Börsenschluss in Frankfurt notiert der Euro bei 1,1482 Dollar gestiegen und damit fast einen Cent mehr als am Morgen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,1376 Dollar festgesetzt. Neben der Hoffnung auf einen Kompromiss für Griechenland sind es auch Spekulationen auf eine möglicherweise erst später kommende Leitzinserhöhung in den USA, die den Dollar belasten und den Euro beflügeln.

Gestützt wurden die Kurse im Dax auch von der fortgesetzten Erholung der Ölpreise. So kostete am Dienstag ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im März 56,50 Dollar und damit 1,75 Dollar mehr als am Montag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) stieg um 1,42 Dollar auf 50,99 Dollar. Der drastische Rückgang der Preise hatte zuletzt immer mehr Konjunktursorgen geschürt.

Euro in US-Dollar: Kursverlauf am Börsenplatz Forex vwd für den Zeitraum Intraday
Kurs
1,1788
Differenz relativ
+0,33%
Öl (Brent): Kursverlauf am Börsenplatz Deutsche Bank für den Zeitraum Intraday
Kurs
82,18
Differenz relativ
+2,20%

Banken vorne

Die Hoffnung auf eine Lösung der Griechenland-Krise hat am Nachmittag vor allem die Banken beflügelt. Commerzbank und Deutsche Bank überholen die Autowerte und setzen sich an die Dax-Spitze.

Commerzbank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
9,57
Differenz relativ
+1,00%
Deutsche Bank: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
10,45
Differenz relativ
+0,02%

Autos gefragt

Überdurchschnittlich zulegen können auch die drei Autowerte, Daimler, Volkswagen und BMW. Sie profitieren vom Anstieg der Absatzzahlen in Deutschland zu Jahresbeginn. Laut Automobilverband sind im Januar 211.000 Fahrzeuge neu registriert worden, 2,6 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Zudem profitieren die Autowerte von positiven Analystenkommentaren und der Erwartung rekordverdächtiger Gewinne im vergangenen Jahr.

Daimler: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
54,44
Differenz relativ
-3,01%
Volkswagen VZ: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
150,44
Differenz relativ
-1,63%
BMW ST: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
79,25
Differenz relativ
-5,09%

Versorger am Dax-Ende

Dagegen sind die beiden Versorger RWE und Eon die größten Verlierer im Dax. Grund ist ein negatives Urteil des EuGH zur Klage gegen die deutsche Brennelementesteuer. Der Generalanwalt des obersten europäischen Gerichtes hatte die Steuer als konform mit dem EU-Recht eingestuft.

Goldman befeuert Südzucker

Sind die bitteren Zeiten bei Südzucker allmählich vorbei? Das meint zumindest Goldman Sachs und erklärt, von 2017 an, wenn die EU-Zuckermarktordnung ausläuft, sollte sich das Unternehmen wieder über wachsende Gewinne freuen dürfen. Die Anleger scheinen auf einen solchen Befreiungsschlag gewartet zu haben und greifen beherzt zu. Mit einem Kursaufschlag von mehr als 16 Prozent ist die Südzucker-Aktie der mit Abstand größte Gewinner im MDax.

Tom Tailor begeistert die Anleger

Zweistellige Kursgewinne verzeichnet auch die Aktie des Modekonzerns Tom Tailor aus dem SDax. Der Modekonzern aus dem SDax hat vorläufige Zahlen für das Geschäftsjahr 2014 präsentiert. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um drei Prozent auf 932 Millionen Euro. Das operative Ergebnis (Ebitda) legte um zehn Prozent zu, die Marge lag im Zielkorridor zwischen 9,2 bis 9,7 Prozent. Erstmals seit der Übernahme der Modekette Bonita im Jahr 2012 erzielt der Konzern wieder einen Gewinn.

BP lässt Dividende unverändert

Wegen Sonderbelastungen aufgrund der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko weist BP im vierten Quartal einen Verlust von 969 Millionen Dollar aus. Für das Gesamtjahr belaufen sich die Belastungen auf 819 Millionen Dollar. Insgesamt will BP wegen des gesunkenen Ölpreises im jahr 2015 stärker an der Kostenschraube drehen. Denn an der Gewinnausschüttung an die Aktionäre will keiner der Ölkonzerne rütteln.

Santander Bank mit Gewinnsprung

Während die Deutsche Bank im vergangenen Jahr gerade einmal 1,7 Milliarden Euro Gewinn gemacht hat, zeigt die spanische Santander-Bank, dass man auch und vor allem im Retailbanking Geld verdienen kann. Im vergangenen Jahr steigerte das nach Marktwert größte Kreditinstitut der Eurozone seinen Überschuss um 39 Prozent auf 5,8 Milliarden Euro.

Dabei profitierte die Bank vor allem vom wirtschaftlichen Aufschwung in Spanien. Die für die Beurteilung der Bilanzqualität wichtige Kernkapitalquote lag bei komfortablen 9,7 Prozent, bis 2017 soll sie auf zehn bis elf Prozent steigen. Der Kurs der Aktie war nach der jüngsten Kapitalerhöhung im Januar unter Druck geraten, legt nun aber wieder zu.

UPS erleidet Schlappe zu Weihnachten

Der DHL-Rivale UPS will nach einer Schlappe im wichtigen Weihnachtsgeschäft im laufenden Jahr wieder stärker aufdrehen. Der bereinigte Gewinn je Aktie werde 2015 vermutlich um sechs bis zwölf Prozent auf 5,05 bis 5,30 Dollar steigen, teilte der US-Paketdienstleister mit. Im vergangenen Jahr hatte UPS die vergleichbare Kenngröße nur um knapp vier Prozent steigern können. Schuld hatte daran vor allem ein schwaches viertes Quartal, in dem UPS hohe Kosten für zusätzliche Auslieferungen im Weihnachtsgeschäft.

Google könnte Uber Konkurrenz machen

Google könnte dem umstrittenen Fahrdienstanbieter Uber Konkurrenz machen. Dabei ist der Internetriese einer der größten Investoren von Uber und hat mit David Drummond einen Vertreter im Aufsichtsrat des Unternehmens. Bloomberg berichtete unter Berufung auf Uber-Aufsichtsratskreise, dass Google das Kontrollgremium über seine Pläne informiert habe. Der Service könnte demnach im Zusammenhang mit dem Projekt Google Car stehen, der Entwicklung von selbst fahrenden Autos. Weder Google noch Uber reagierten bislang auf den Bericht.

Für Areva kommt es noch dicker

Der französische Atomkonzern bereitet seine Aktionäre auf schlechtere Zeiten vor. Das Unternehmen hat weitere Rückstellungen und Abschreibungen für das vergangene Jahr sowie ein schlechteres Nettoergebnis angekündigt. Genaue Ergebniszahlen wurden nicht genannt. Bis Juni hatte Areva jedoch bereits ein dickes Minus von 694 Millionen Euro erwirtschaftet. Der Umsatz fiel um acht Prozent auf 8,34 Milliarden Euro. Die Jahresbilanz soll am 4. März zusammen mit einem neuen Strategieplan veröffentlicht werden.

Apple will wieder Anleihen platzieren

Der Kultkonzern plant, wieder neue Schuldverschreibungen auszugeben und sich damit bis zu 6,5 Milliarden Dollar zu leihen. Dies geht aus Dokumenten hervor, die die Börsenaufsicht SEC veröffentlicht hat. Der Konzern hat zwar enorme Barreserven von 178 Milliarden Dollar, diese liegen aber größtenteils im Ausland. Würde das Geld in den USA genutzt, würden hohe Steuern anfallen. Gleichzeitig gab der Konzern bekannt, dass in Arizona ein großes Datenzentrum gebaut werden soll. Hierfür sollen zwei Milliarden Dollar investiert werden.

Staples und Office Depot in Fusionsverhandlungen

Die beiden US-Büroartikel-Händler wollen nach Informationen des "Wall Street Journal" fusionieren. Staples hat einen Börsenwert von 11,0 und Office Depot von 4,1 Milliarden Dollar. Beide Unternehmen sind wegen der gestiegenen Konkurrenz durch andere Händler wie Walmart oder Amazon unter Druck geraten. Staples hat bereits die Schließung von 170 Filialen bekannt gegeben.

IQ-Power-Aktie von der Notierung ausgesetzt

Wie die Frankfurter Wertpapierbörse mitteilt, ist die IQ-Power-Aktie mit sofortiger Wirkung bis auf weiteres ausgesetzt. Grund ist die 100-prozentige Übernahme des Unternehmens durch die Tochter IQ Power Licensing. IQ Power erwartet eine Notierung der Tochter ab dem 16. Februar. Die Kennung der Aktie wird rechtzeitig mitgeteilt. Aktionäre kriegen die neuen Aktien automatisch ins Depot eingebucht.

lg

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Dienstag, 24. September

Unternehmen:
Manchester United: Q4-Zahlen, 8:00 Uhr
Total: Strategie-Update, 8:00 Uhr
Roche: Business-Update, 17:00 Uhr
Nike: Q4-Zahlen, 22:15 Uhr

Konjunktur:
Deutschland: Großhandelspreise 8/18, 8:00 Uhr
USA: FHFA-Index 7/18, 15:00 Uhr
USA: Verbrauchervertrauen 09/18, 16:00 Uhr

Sonstiges:
Hong Kong/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen