Dax klettert auf neues Jahreshoch

Stand: 04.11.2010, 20:02 Uhr

Die Fed flutet den Markt mit frischen Milliarden- und die Börsen danken es ihr mit kräftigen Zuwächsen. Der Dax klettert auf den höchsten Stand seit Juni 2008 und weckt Hoffnung auf eine Jahresendrally. Auch an der Wall Street geht es kräftig aufwärts.

Der Dow Jones-Index notiert bei Börsenschluss in Deutschland 186 Punkte (1,66 Prozent) höher als gestern bei 11.402."Die Fed hat das Richtige zur richtigen Zeit getan", sagte ein Analyst. "Der Markt hat ziemlich an Schwung gewonnen, so dass die Rally bis zum Jahresende anhalten könnte." Weiteren Schwung verlieh dem Markt auch die Nachricht, dass die Produktivität der US-Wirtschaft im dritten Quartal 2010 unerwartet stark gestiegen ist. Ein unerwartet starker Anstieg der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in den USA konnte die positive Stimmung dagegen nicht trüben.

Auch im Abendhandel an der Frankfurter Börse herrscht Feierlaune. Der Dax legt rund 100 Punkte zu (1,5 Prozent) auf 6.729 und folgt damit dem Kursplus im elektronischen Handel. Im Tagesverlauf war der Leitindex zeitweise bis auf 6.757 Zähler gesprungen, so hoch wie seit Juni 2008 nicht mehr. Befeuert wurden die Märkte auch von den weiterhin guten Quartalszahlen der Unternehmen.

Mit der Telekom, Adidas, HeidelbergCement und Beiersdorf legten heute gleich vier Unternehmen aus dem Dax ihre Bilanzen vor. Dabei ragten die Papiere von HeidelCement mit einem Plus von 8,9 Prozent auf 40,94 Euro heraus. Der Baustoffkonzern erzielte dank florierender Geschäfte in Asien und Afrika einen Sprung beim Nettogewinn und ist der größte Gewinner im Dax.

Die Aktien von Adidas, Beiersdorf und der Telekom versammelten sich dagegen mit schwachen Kursen am Dax-Ende und leiden unter Gewinnmitnahmen, obwohl die Unternehmen ebenfalls starke Quartalszahlen vorgelegt haben. Sie entsprachen allerdings weitgehend den Erwartungen der Analysten.

Beiersdorf: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
98,60
Differenz relativ
+1,34%
Deutsche Telekom: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
13,90
Differenz relativ
+0,43%

Leitzinsen bleiben unverändert
Dass die EZB sowie die Bank of England ihren Leitzins wie erwartet unverändert gelassen haben, spielt an den Börsen keine Rolle. Beherrschendes Thema ist weiter die expansive Geldpolitik der USA. Die Fed will die Konjunktur mit dem Kauf von weiteren Staatsanleihen im Wert von 600 Milliarden Dollar stützen.

Der Euro hat am Abend wieder leicht nachgegeben auf 1,4206 Dollar, nach fast 1,43 Dollar am Nachmittag.

FMC

FMC: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
86,92
Differenz relativ
-1,20%

Cheuvreux belastet FMC
Die Vorzugsaktien des Gesundheitskonzerns Fresenius Medical Care verbuchen 2,5 Prozent Kursverluste. Cheuvreux hatte die Papiere zuvor von "Outperform" auf "Underperform" heruntergestuft und das Kursziel von 49,00 auf 46,00 Euro gesenkt. Damit trügen sie den zuletzt belastenden Währungseinflüssen Rechnung, schrieben die Experten in der Studie.

EADS leidet unter Notlandung
EADS-Aktien geraten nach einer Notlandung des Prestigefliegers Airbus A380 unter Druck und sind die größten Verlierer im MDax. Ein Flugzeug der australischen Fluglinie Qantas musste nach einer Explosion am Triebwerk notlanden, worauf die Australier zunächst alle weiteren Flüge mit dem Großraumflugzeug absagten. Es handelt sich Triebwerke des Herstellers Rolls-Royce, weshalb auch dessen Aktien verloren.

Fraport: Kursverlauf am Börsenplatz Xetra für den Zeitraum Intraday
Kurs
75,88
Differenz relativ
+1,04%

Vier MDax-Konzerne stocken auf
Im MDax gibt es ebenfalls reichlich Zahlenmaterial, das die Kurse bewegt. So können Wacker Chemie, SGL Group, Fraport und Deutsche Euroshop mit ihren starken Quartalsbilanzen überzeugen. Alle vier Konzerne heben noch dazu ihre Jahresziele an.

Rhön-Klinikum bleibt zu vorsichtig
Dagegen wird Rhön-Klinikum abgestraft. Der Krankenhaus-Betreiber kann trotz Gewinnsprung im dritten Quartal nicht recht überzeugen. Auch die Prognose für das kommende Geschäftsjahr überzeugt Analysten nicht, sie ist ihnen zu vorsichtig. Rhön will 2011 seinen Umsatz trotz der herausfordernden Rahmenbedingungen auf 2,65 Milliarden Euro steigern, der Konzerngewinn soll auf 160 Millionen Euro zulegen, plus/minus fünf Prozent.

Im MDax gab es noch abseits vom Zahlenreigen Kursbewegendes. Bei ProSiebenSat.1 setzten sogar mehrere Analysehäuser ihre Kursziele herauf. Nomura, JPMorgan, Goldman Sachs und Barclays adelten damit die am Vortag überraschend veröffentlichten Quartalszahlen.

Balda rudert erneut zurück
Der Handyausrüster Balda hat nur drei Wochen nach seiner letzten Prognosekorrektur erneut sein Umsatzziel für 2010 eingedampft. Als Grund nannte die Firma das anhaltend schwache Geschäft mit Mobilfunkkunden und den Preisdruck. Daher werde der Umsatz nicht das zuletzt ausgegebene Plus von zehn Prozent erreichen, sondern möglicherweise lediglich auf dem Vorjahresniveau von 139 Millionen Euro stagnieren. Die Aktie büßt mehr als sechs Prozent ein.

Pfeiffer weiter auf Höhenflug
Im TecDax gehört erneut Pfeiffer Vacuum zu den größten Gewinnern. Die Aktien des Vakuumpumpen-Herstellers legen um 4,5 Prozent zu, nachdem sie am Vortag bis zu 17 Prozent zugelegt hatten. "Das Potenzial der positiven Geschäftsentwicklung und der Übernahme von Adixen erscheint noch nicht eingepreist", schrieb Equinet-Analyst Adrian Pehl in einem Kommentar. Das von Pfeiffer offenbar angepeilte Ziel einer 20-prozentigen operativen Gewinnmarge erscheine ehrgeizig, aber nicht unerreichbar.

Drägerwerk am MDax-Ende
Dagegen erleiden die Vorzugsaktien von Drägerwerk nach den Quartalszahlen drastische Kursverluste von mehr als sieben Prozent. Grund ist offenbar der schlechter als erwartet ausgefallene Überschuss des Herstellers von Medizin- und Sicherheitstechnik. Börsianer machen auch Gewinnmitnahmen für den Rücksetzer verantwortlich, nachdem die Aktie von Ende Oktober bis zum Vortag um über 14 Prozent geklettert war.

Außerhalb der Indizes legt Höft & Wessel seine Quartalsbilanz vor. Die Umsätze schwinden, das Ergebnis ist negativ. Trotzdem greifen Anleger zu. Die Aktien von Süss Microtec verbuchen sogar größere Kursgewinne in Reaktion auf die Unternehmenszahlen. Das Unternehmen hat ein Umsatzplus im dritten Quartal von 57 Prozent verbucht. Die Ergebnisprognose für das Gesamtjahr wurde angehoben.

Bijou Brigitte will wachsen
Wegen schwacher Geschäfte in den wichtigen Märkten Spanien und Portugal ging der Umsatz des Modeschmuckhändlers in den ersten neun Monaten 2010 um 2,3 Prozent auf 274 Millionen Euro zurück. Der Gewinn nach Steuern brach um fast 20 Prozent auf 43,8 Millionen Euro ein. Dennoch plant Bijou Brigitte in diesem Jahr 70 neue Filialöffnungen.

BNP Paribas strahlt
Auch im Ausland haben die Unternehmen in den Sommermonaten glänzend verdient. Die französische Großbank BNP Paribas erzielte einen Gewinnsprung um 46 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro. Die Aktie legt überdurchschnittlich zu, wohl auch weil die Franzosen ankündigten, keine Kapitalerhöhung zu benötigen, um die strengeren Basel III Anforderungen zu erfüllen.

Die Unilever-Aktie ist ebenfalls gefragt. Das Papier war eines der stärksten im EuroStoxx 50 waren. Getragen vom Wachstum in den Schwellenländern hatte der britisch-niederländische Konsumgüterkonzern einen deutlichen Umsatz- und Ergebnisanstieg verzeichnet.

Auch die Aktien von Swiss Re schießen in die Höhe. Der weltweit zweitgrößte Rückversicherer hat im dritten Quartal einen überraschend starken Gewinnsprung erzielt. Zugleich kündigten die Schweizer an, eine milliardenschwere Wandelanleihe vorzeitig an den Krisenhelfer Warren Buffett zurückzuzahlen.

Dax-Chart realtime

Tagestermine am Montag, 24. September

Unternehmen:
Lonza Group: Kapitalmarkttag
Deutsche Börse: Regeländerungen für die Indizes MDax, TecDax und SDax sowie die Indexänderungen werden wirksam

Konjunktur:
Deutschland: Ifo-Geschäftsklimindex 9/18, 10:00 Uhr
USA: CFNA-Index 8/18, 14:30 Uhr

Sonstiges:
Japan/Korea: Feiertag, Börsen geschlossen